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Dienstag, 09 Juni 2015 – 18:55 Uhr

Daniel 7 unter der Lupe: Ein neuer Blick auf vier bizarre Meerestiere

Ein neuer Blick auf vier bizarre Meerestiere

Bild: Nicku - Shutterstock.com

Stolz, Intoleranz und Gewalt in meinem Alltag; Beziehungen zu anderen Visionen; die Hörner von heute und andere spannende Fragen. Von Kai Mester

Der Prophet Daniel ist bekannt für seine Visionen. Das Buch des jüdischen Premierministers am babylonischen und am persischen Hof wurde in die Bibel aufgenommen und wird über 2500 Jahren nach seiner Abfassung immer noch studiert.

In der Serie »… unter der Lupe: Ein neuer Blick …« haben wir uns schon zwei Visionen aus diesem Buch näher angesehen: Das instabil gebaute Standbild und drei mysteriöse Zeitketten. Diesmal nehmen wir wieder eine von Daniels Visionen unter die Lupe. Mit ihr ist jeder Kenner biblischer Prophetie vertraut: Daniel 7, die Vision von den vier bizarren Tieren. Werden wir neue Aspekte entdecken?

Parallelen zum Standbild

Die vier bizarren Tiere steigen in Daniels Traum völlig unerwartet aus dem Meer auf, wo man doch nur Fische, Wale und andere Meereslebewesen erwarten würde – keinesfalls aber einen geflügelten Löwen, einen Bären und einen vierflügeligen Panther. Vielleicht einen Drachen, doch keinen mit eisernen Zähnen und metallenen Klauen.

Offensichtlich sind diese Tiere Symbole für dieselben vier geschichtlichen Weltreiche, die schon im Götzenbild aus Daniels erster Vision zu finden waren: Babylon, Persien, Griechenland und das eiserne Rom. Dort wurden sie durch Gold, Silber, Bronze und Eisen dargestellt.

Das Eigenartigste in diesem Standbild, das zuerst in einem Traum von König Nebukadnezar auftauchte, war der untere Teil, der zwar aus sehr stabilem Eisen gebaut, aber gerade an den Füßen auch teilweise mit Lehm konstruiert war – eine architektonische Fehlleistung, wie sich herausstellte, als der Götze von einem Stein genau an dieser Stelle getroffen wurde.

Genau dieselbe geschichtliche Epoche wird nun in der neuen Vision in Daniel 7 von dem merkwürdigsten der vier Tiere dargestellt: einem Drachen mit eisernen Zähnen und einem sprechenden kleinen Horn auf dem Kopf. Nicht nur der Mund, sondern auch die Augen dieses Horns scheinen die Aufmerksamkeit Daniels auf sich gezogen zu haben. Seine Reden haben denselben religiösen Charakter wie der Lehm im Standbild. »Er wird Reden gegen den Höchsten führen und die Heiligen des Allerhöchsten aufreiben, und er wird danach trachten, Zeiten und Gesetz zu ändern; und sie werden in seine Gewalt gegeben.« (Daniel 7,25)

Mit dieser Weltmacht haben es alle Gotteskinder zu tun, bis der Stein das Standbild zermalmt. Oder in der Sprache der neuen Vision: Bis der »Menschensohn« »das Königreich, die Herrschaft und die Macht über die Königreiche unter dem ganzen Himmel dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten gibt; sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen!« (Daniel 7,13.27)

Soweit der Überblick!

Parallelen zur Baumvision

Neu entdeckt habe ich beim Studium dieser Vision die Parallelen zu Daniel 4, also dem oft wenig beachteten Traum König Nebukadnezars vom tierfreundlichen Obstbaumriesen, der gefällt wurde. Dieser Baum sollte ein Symbol für den König und sein Reich sein.

In diesem Traum geht es um den Stolz, der den Städtebauer Nebukadnezar zu Fall brachte. Als er sich seiner architektonischen Glanzleistung rühmte, erfüllte sich die Prophezeiung, die der heilige Wächter mit gewaltiger Stimme im Traum über den Baumriesen verkündet hatte: »Sein menschliches Herz soll verwandelt werden, und es soll ihm ein tierisches Herz gegeben werden; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen.« (Daniel 4,16) Erst dann würde der König, der durch den Baum versinnbildlicht wurde, erkennen, »dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will!« (Vers 22). Erst dann würde ihm sein Menschenherz »wieder zuteil werden« (Vers 16) und er bekannte: »Mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da lobte ich den Höchsten und pries und verherrlichte den, der ewig lebt, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt.« (Vers 31)

Das Thema Stolz finden wir in Daniel 7 beim babylonischen Löwen wieder. Die Erfahrung des Baumriesen wird hier unter einem neuen Symbol dargestellt. Dem Löwen werden die Adlerflügel ausgerissen. Das entspricht dem Fällen des Baumes. Es ist auch eine Anspielung auf die Demütigung, die Nebukadnezar erfuhr, als er sieben Jahre lang »Gras fraß wie ein Ochse und sein Leib vom Tau des Himmels benetzt wurde, bis sein Haar [ironischerweise] so lang wurde wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen.« (Vers 30)

Doch dann wird ihm ein Menschenherz gegeben. Dieser Zeitpunkt entspricht dem Ende der sieben Zeiten, als Nebukadnezar sich bekehrt hatte und wieder zum König eingesetzt wurde.

Dem Bären, der in Daniel 7 aus dem Meer steigt, wird befohlen: »Friss viel Fleisch!« (Daniel 7,5) Daniel kannte die Aussage des Propheten Jesaja: »Alles Fleisch ist Gras … Wahrhaftig, das Volk ist Gras« (Jesaja 40,6-7). Deshalb wunderte er sich nicht, dass Nebukadnezar »Gras fraß wie ein Ochse« (Daniel 4,30). Das hatte eine tiefgreifende Bedeutung: So hatte er nämlich als König in Amt und Würden zuvor Menschenleben, ja ganze Völker gefressen. Dieser grausame Stolz ist das Merkmal aller vier großen Weltreiche in den Visionen Daniels. Das persische Reich folgte dem Beispiel Nebukadnezars, ebenso das griechische und das römische bis tief hinein in die Inquisition des Mittelalters. Sie alle regierten stolz und fraßen ganze Völker. Natürlich boten sie ihren Untertanen dann auch wie der gigantische Obstbaum reichlich Nistplatz, Nahrung und Schatten.

»Der Baum [des babylonischen Reiches] war groß und stark und sein Wipfel reichte bis an den Himmel, und er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen. Sein Laub war schön und seine Frucht reichlich, und Nahrung für alle fand sich an ihm; unter ihm suchten die Tiere des Feldes Schatten, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und von ihm nährte sich alles Fleisch.« (Daniel 4,8-9)

Auf dieselbe Weise wurde Persien, Griechenland und Rom von allen Völkern als Segen wahrgenommen. Doch das war eine Täuschung.

Schon Gideons jüngster Sohn Jotam entlarvte diese Täuschung durch ein Gleichnis, das er über die Bäume erzählte:

»Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben, und sie sprachen zum Ölbaum: Sei unser König! Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die Götter und Menschen an mir preisen, und hingehen, um die Bäume zu beschirmen? Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum: Komm du und sei König über uns! Aber der Feigenbaum sprach zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit lassen und meine gute Frucht und hingehen, um die Bäume zu beschirmen? Da sprachen die Bäume zum Weinstock: Komm du und sei unser König! Aber der Weinstock sprach zu ihnen: Soll ich meinen Most lassen, der Götter und Menschen erfreut, und hingehen, um die Bäume zu beschirmen? Da sprachen alle Bäume zum Dornbusch: Komm du und sei König über uns! Und der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Wollt ihr mich wirklich zum König über euch salben, so kommt und nehmt Zuflucht unter meinem Schatten! Wenn aber nicht, so soll Feuer ausgehen vom Dornbusch und die Zedern des Libanon verzehren!« (Richter 9,8-15)

Der vermeintliche Schatten wird zum verzehrenden Feuer, zur Fessel aus Eisen und Erz. Hochmut kommt vor dem Fall! Das Königtum, also dass ein Mensch über viele herrscht, ist eine satanische Erfindung. Eine Armee von Soldaten und ein Heer von Zwangsarbeitern und drückende Steuerlasten sind die Folge. Der Prophet Samuel warnte davor:

»Das wird das Recht des Königs sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen und sie für sich einsetzen, auf seinen Streitwagen und bei seiner Reiterei, und damit sie vor seinem Wagen herlaufen; und um sie sich als Oberste über Tausend und als Oberste über Fünfzig zu bestellen; und damit sie sein Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen und damit sie ihm seine Kriegswaffen und seine Wagengeräte anfertigen. Eure Töchter aber wird er nehmen und sie zu Salbenmischerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen machen. Auch eure besten Äcker, Weinberge und Ölbäume wird er nehmen und seinen Knechten geben; dazu wird er den Zehnten von eurer Saat und von euren Weinbergen nehmen und ihn seinen Hofbeamten und Knechten geben. Und er wird eure besten Knechte und Mägde und Burschen und eure Esel nehmen und sie für seine Geschäfte verwenden. Er wird den Zehnten eurer Schafe nehmen, und ihr müsst seine Knechte sein.Wenn ihr dann zu jener Zeit schreien werdet über euren König, den ihr euch erwählt habt, so wird euch der HERR zu jener Zeit nicht erhören!« (1. Samuel 8,11-18)

Regelmäßig ermordeten Thronfolger, selbst der friedliebende König Salomo, ihre Brüder und andere Gegner, um ihren Thron zu sichern (1. Könige 1,23-25). Doch schließlich muss ein menschliches Königreich immer erleiden, was es anderen zugefügt hat. »Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen!« (Matthäus 26,52) Genauso erging es Babylon: Im Traum sah Nebukadnezar, wie vom herrlichen Baum nur noch ein Stumpf in einer Fessel aus Eisen und Erz übrig war (Daniel 4,12).

Obwohl das Königtum eine Erfindung Satans ist, hat Gott es in seiner Barmherzigkeit verstanden, seinen Sohn als Königserbe Davids einzusetzen und die ganze königliche Terminologie zu benutzen. Doch er hat dabei das Königtum im Wesen auf den Kopf gestellt und den Messiaskönig zum größten Diener der Menschheit gemacht.

Der persische Bär hatte ganze drei Völker in seinem Maul: Babylon, Lydien und  Ägypten. Er fraß tatsächlich viel »Fleisch« (Daniel 7,5). Der griechische Panther hatte gleich doppelt so viele Flügel und viermal so viele Köpfe wie der babylonische Löwe (Daniel 7,6). Damit machte er ein viel größeres Gebiet zu seinem Imperium. Der römische Drache schließlich fraß nicht nur viel, sondern alles, was er nicht mit seinen Füßen zertrat (Daniel 7,7). Seine Herrschaft würde der Gipfel aller stolzen Weltherrschaft werden.

Nebukadnezars Traum vom Baumriesen erschreckte ihn genauso (Daniel 4,6) wie die Vision mit dem schrecklichen Drachen den Propheten (Daniel 7,19). Der Baumriese im Traum war so stark, dass sein Wipfel bis zum Himmel reichte (Daniel 4,8). Der Drache in der Vision war auch »außerordentlich stark« (Daniel 7,7). Wie Nebukadnezar kurz vor seiner Demütigung große Dinge mit seinem Mund redete (Daniel 4,27), so redete das kleine Horn des Drachen mit seinem Mund ebenfalls große Dinge, es führte hochfahrende Reden, ja Reden gegen den Höchsten (Daniel 7,8.11.20.25). Der Baumriese im Traum wurde vom himmlischen Wächter gerichtet, und man fällte ihn. Der Drache in der Vision wurde vom himmlischen Gericht verurteilt und durch Schwert und Feuer gerichtet (Vers 11). Doch zuvor wird er »Krieg führen mit den Heiligen und sie überwinden« (Vers 21) wie einst Nebukadnezar, als er Jerusalem in Schutt und Asche legte.

Als Folge seines Stolzes graste Nebukadnezar sieben Zeiten lang. Währenddessen führte Daniel die Regierungsgeschäfte weiter. Ja er führte die Regierungsgeschäfte sogar im neuen Reich weiter, nachdem der persische Messiaskönig Kyros das Reich Babylon vernichtend geschlagen hatte.

Auch in Daniel 7 ist von mehreren Zeiten die Rede, aber es sind nur dreieinhalb Zeiten. Sie beziehen sich auf die Zeit, in der Gottes Volk vom kleinen Horn gedemütigt wird. Denn auch Gottes Volk hatte denselben Weg des Stolzes und der Gewaltherrschaft eingeschlagen, als es einen König über sich salbte, und musste seit Babylon unter den Folgen seines Stolzes leiden. Erst am Ende dieser Zeiten der Demütigung würde dem kleinen Horn »die Herrschaft weggenommen und dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten gegeben« (Vers 25-27), dem Volk, dem auch der Ministerpräsident Daniel angehört.

Der Stolz ist das Merkmal aller vier großen Weltreiche in den Visionen Daniels. Stolz führt immer zu Intoleranz und Gewalt. Sowohl die Baumvision als auch die Meertiervision warnen davor, dass sich in der letzten Phase des vierten Weltreiches der Stolz religiös als Demut verkleiden, aber dennoch zu Intoleranz und Gewalt führen wird.

Ich würde mich nicht wundern, wenn man zwischen Daniel 4 und 7 noch mehr Parallelen finden könnte zum Thema Stolz, Gewaltherrschaft und Demütigung.

Wer sind die zehn Hörner?

Die Frage, wer die zehn Hörner auf dem Haupt des Drachen sind, hat schon viele beschäftigt. Der Engel erklärt, dass die zehn Hörner aus dem vierten Reich aufstehen werden. Das kleine Horn wird erst nach ihnen aufkommen, drei von ihnen ausreißen und das Haupt des Drachen gemeinsam mit den verbleibenden sieben Hörnern zieren (Daniel 7,24). Um die zehn Hörner zu identifizieren, hilft nur ein Blick in die Geschichte. Welche Königreiche entstanden aus dem Römischen Reich, noch bevor das christliche Rom, das Papsttum, weltpolitische Macht entfaltete?

Wundern wir uns nicht über die Eigenart, dass in den Visionen Daniels von Königreichen zuweilen einfach nur als Königen gesprochen wird! Auch die vier Weltreiche werden in Daniel 7 so beschrieben: »Jene großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten, dass vier Könige sich aus der Erde erheben werden … Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich, das auf Erden sein wird; das wird sich von allen anderen Königreichen unterscheiden.« (Daniel 7,17.23) Oder zu Nebukadnezar wurde gesagt: »Du, o König, … bist das Haupt aus Gold! Nach dir aber wir ein anderes Reich aufkommen.« (Daniel 2,37-39)

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Rom in zehn Reiche zerfiel: Angelsachsen, Franken, Sueben, Westgoten, Langobarden, Burgunder, Heruler, Ostgoten, Vandalen und – hier streiten sich die Geister – Hunnen oder Alamannen. Tatsächlich haben die Historiker festgestellt, dass diese Kriegsverbände das antike Römische Reich nicht etwa eroberten, sondern zuerst als Bundesgenossen Roms dessen Außengrenzen verteidigten. Da die römische Zentralregierung aber immer schwächer wurde, nutzen die Anführer dieser Verbände, jene antiken Warlords, das Machtvakuum aus und gründeten ihre eigenen Reiche. Die zehn Hörner sind also wirklich regelrecht aus dem Römischen Kaiserreich herausgewachsen.

Sieben dieser Reiche eroberten nach und nach die christliche Welt. Nicht jedoch die Heruler, Ostgoten und Vandalen. Diese drei wurden durch die oströmischen Heere besiegt. Ostrom aber war ein Vasall des weströmischen Papstes. Wer sind nun die sieben christlichen Kolonialreiche, die sich bis heute die ganze Welt kulturell unterwarfen?

Großbritannien (Angelsachsen), Frankreich (Franken), Portugal (Sueben), Spanien (Westgoten), Italien (Langobarden), Holland (Burgunder) und Russland (Hunnen). Deutschland hat in meinen Augen als Kolonialreich einen unbedeutenderen kulturellen Einfluss auf die Welt ausgeübt als Russland. Auch die frühen Adventpioniere sahen in den Hunnen eines der zehn Hörner. Erst 1888 auf der Generalkonferenz in Minneapolis schlug Alonzo Jones stattdessen die Alamannen vor. Diese Auslegung trifft man heute am meisten an. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass Alonzo Jones beim Thema Gerechtigkeit aus Glauben so viel Licht in unsere Gemeinschaft brachte oder dass Ludwig Conradi als Deutschem diese Auslegung gefiel? Damals ahnte man jedenfalls noch nicht, welche Rolle Russland einmal in der Weltgeschichte spielen würde, weshalb sein Vorschlag einleuchtete.

Fakt ist jedenfalls, dass trotz der Unabhängigkeit fast aller Kolonien Englisch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Holländisch und Russisch als Amts- oder Verkehrssprachen fast in der ganzen Welt vorherrschen. Auch Italienisch und/oder Lateinisch sind Amts- oder Verkehrssprachen in Italien, im Vatikan, im Malteserorden, in Libyen und Somalia.

Was hat nun Holland mit den Burgundern zu tun? Die Burgunder regierten in der Westschweiz und Ostfrankreich. So ist die Bourgogne bis heute eine Region mit vier Départements in Frankreich. Doch eine Dynastie von Burgundern regierte auch in Holland. Noch heute wird Holländisch in Belgien, Surinam und Südafrika (Afrikaans) gesprochen.

Warum bekam das kleine Horn eine feste Zeit zugeteilt?

Die Antwort auf die Frage, warum in der Prophetie Daniels nur beim kleinen Horn die Regierungszeit definiert wird, findet sich in Daniel 7,25: »Und er wird freche Reden gegen den Höchsten führen und die Heiligen des Allerhöchsten aufreiben, und er wird danach trachten, Zeiten und Gesetz zu ändern; und sie werden in seine Gewalt gegeben für eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit.«

Das kleine Horn ist die einzige Weltmacht, die sich an Gottes Gesetz und an seinem Zeitrhythmus vergreift. Es ist die einzige Weltmacht, die als Vertreter Christi auftritt und sich göttliche Autorität anmaßt. Dabei sieht sie die Sonntagsheiligung als Zeichen ihrer Autorität an. Sie war angeblich von Gott autorisiert den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen, griff damit aber ins Herz des Dekalogs ein, der als einziges Dokument gilt, das Gott mit eigenem Finger geschrieben hat.

Es ist also eine Ironie, dass der Engel in derselben Vision, in der er den Anschlag des kleinen Horns auf Gottes Zeit voraussagt, auch prophezeit, wie lange es die Heiligen höchstens unterdrücken wird. Das ist die Antwort auf die Frage: Gott zeigt hiermit, wie lächerlich und vorübergehend jedes menschliche Unterfangen ist, seine Schöpfungsordnung zu manipulieren. Der Sabbat gehört zu dieser Schöpfungsordnung und steht deshalb im Herzen der Zehn Gebote.

Die dreieinhalb Zeiten sind Zeiten der geistlichen Hungersnot, Dürre, Verfolgung, Zertretung, Zerschmetterung nach dem Vorbild der dreieinhalb Jahre ohne Regen zur Zeit des Elias. Mit der geschichtlichen Einordnung der dreieinhalb Zeiten beschäftigt sich der Artikel über die Zeitketten in Daniel 12.

Der mobile Thron

Schon manchem Bibelstudenten hat es Kopfzerbrechen bereitet, wenn er versucht hat, vom Schatten des mosaischen Heiligtumsdienstes auf die Wirklichkeit des himmlischen Heiligtumsdienstes zu schließen. Besonders auf die Tatsache, dass die aaronitischen Priester 364 Tage im Jahr im Heiligen dienten und nur am Versöhnungstag das Allerheiligste betraten, wird hierbei immer wieder hingewiesen. Wann diente Jesus im himmlischen Heiligen und wann im Allerheiligsten, wenn er sich doch schon seit seiner Himmelfahrt zur Rechten von Gottes Thron befindet?

Daniel und Hesekiel helfen uns, dies zu verstehen. »Sein Thron waren Feuerflammen und dessen Räder ein brennendes Feuer. Ein Feuerstrom ergoss sich und ging von ihm aus. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm.« (Daniel 7,9-10)

Die Räder und der Feuerstrom sind ein Hinweis auf einen mobilen Thron. Wozu braucht ein Thron Räder, wenn er sich nicht fortbewegt? Ebenso ist anzunehmen, dass sich der Feuerstrom im himmlischen Heiligtum bei der Fortbewegung nach hinten ergießt, sonst hätte das Feuer ja diejenigen verzehrt, die vor ihm aufstanden, als Gottes Thron in die Gerichtssitzung hineinfuhr. Gott kam am großen Versöhnungstag zum Gericht ins Allerheiligste. Dazu verlegte er seinen Thron aus dem Heiligen des himmlischen Heiligtums. In diesem Gericht wird nicht nur die endgültige Entmachtung des kleinen Horns beschlossen, sondern auch die Übergabe der Macht an den Menschensohn und seine Nachfolger. Deshalb wird es auch als Hochzeit des Lammes bezeichnet, von der der Bräutigam aufbrechen (Lukas 12,36) und zur Erde kommen wird, um seine Nachfolger heimzuholen.

Auch Hesekiel beschreibt, wie ein hochrädriger Thronwagen sich von Ort zu Ort bewegt: »Ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und loderndes Feuer, von einem Strahlenglanz umgeben; aus seiner Mitte aber glänzte es wie Goldschimmer, mitten aus dem Feuer … Als ich nun die lebendigen Wesen betrachtete, siehe, da war je ein Rad auf der Erde neben jedem der lebendigen Wesen, bei ihren vier Gesichtern. Das Aussehen der Räder und ihre Gestaltung war wie der Schimmer eines Chrysolith, und alle vier hatten die gleiche Gestalt. Sie sahen aber so aus und waren so gemacht, als wäre ein Rad mitten in dem anderen Rad. Wenn sie gingen, so liefen sie nach ihren vier Seiten hin; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen. Und ihre Felgen waren hoch und furchtgebietend; und ihre Felgen waren voller Augen ringsum bei allen vier. Und wenn die lebendigen Wesen gingen, so liefen auch die Räder neben ihnen, und wenn sich die lebendigen Wesen von der Erde erhoben, so erhoben sich auch die Räder.« (Hesekiel 1,4.15-19)

Der Thronwagen kommt zum Tempel und zieht sich schließlich Stück für Stück wieder von Jerusalem zurück (Hesekiel 10,18; 11,22). Schon Elia wurde von einem solchen feurigen Wolkenwagen mitgenommen (2. Könige 2,11) und Elisa sah, wie unzählige solcher Wagen die Stadt Dotan beschützten.

Auch der Menschensohn kommt, allerdings nicht sitzend, sondern stehend auf einem Wolkenwagen ins Gericht. »Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen; und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht.« (Daniel 7,13) In derselben Weise wird er wieder zur Erde kommen: »Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Geschlechter der Erde an die Brust schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Windrichtungen her, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.« (Matthäus 24,30-31)

Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn die Engel ihre Sammlungsaktion vom großen Wolkenschiff aus mit vielen kleinen feurigen Wagen vornehmen würden.

Die Vision Daniel 7 hat eine geistliche Botschaft für uns: Wie sehr Stolz und Grausamkeit auch zum Himmel emporwachsen, am Ende wird die Sanftmut des Menschensohnes siegen. Der stolze Gottlose wird zunichte gemacht werden, das stolze Gottesvolkes gedemütigt. »Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.« (Matthäus 23,12)

Wo habe ich mich heute erhöht? »Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.« (Philipper 2,3-5) So sollen auch wir bereit zum Martyrium sein, sodass wir mit Paulus sagen können: »Ich sterbe täglich!« (1. Korinther 15,31) einmal in den kleinen Anfechtungen des Lebens, aber auch in den großen oder gar in der größten noch bevorstehenden. Denn wir haben »noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde« (Hebräer 12,4).

Lassen wir uns also schon in den kleinsten Dingen des Lebens von dem Geist leiten, der das Gegenteil des Geistes ist, der die vier bizarren Tiere beseelt!


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