• Die Bibel als Praxisbuch: Keine Angst, verloren zu gehen

    Keine Angst, verloren zu gehen

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    Der Weg ist vorbereitet: Kraft, Weisheit, Vertrauen, Geschick. Das Einzige, was von uns gebraucht wird, ist Hingabe an Gottes Willen, unsere Einwilligung. Von Ellen White

Mittwoch, 01 April 2015 – 09:49 Uhr

Das Skandalbuch, Teil 6: Der Schlussstein

Der Schlussstein

Photo: thaagoon - Shutterstock.com

Die Erbsünde, eine Entschuldigung fürs Sündigen. Die Geschichte von Questions on Doctrine geht weiter. Von Ralph Larson

In den bisherigen Folgen dieser Artikelreihe haben wir gesehen, wie die intensiven Bemühungen der Autoren des Buches Questions on Doctrine einen Berg von Falschinformationen aufgehäuft haben. Ganz oben auf diesem Berg liegt der Schlussstein: die Änderung einer weiteren Grundlehre unserer Gemeinde durch die Lehre der »Erbsünde«. Da dies die Methoden der Autoren von Questions on Doctrine so deutlich veranschaulicht, habe ich mich entschieden, diesem Thema eine eigene Folge zu widmen.

Was sagt die Lehre von der Erbsünde?

Die katholische und die protestantische Lehre von der Erbsünde sagt, dass alle Nachkommen Adams die Schuld seiner Sünde tragen. Stirbt daher ein Kind kurz nach der Geburt, verdient es den zweiten Tod, den Feuersee (Offenbarung 21,8). So schreibt Norman Gulley im Adventist Review vom 25. Januar 1990:

»Wenn ein Kind wenige Stunden oder Tage nach seiner Geburt stirbt, ist es immer noch dem zweiten Tod unterworfen – dem Todesurteil – auch wenn es nie irgendein Gebot gebrochen hat.« (»In Every Way But One: The Crucial Difference Between Us and Jesus«, 13) Denken wir daran: In den Augen der meisten, die an diese Lehre glauben, hört das Todesurteil, der Feuersee nie auf, seine Opfer zu quälen.

Die Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten hat eine so entsetzliche Lehre weder als Ganzes noch in Teilen je vertreten. Dennoch haben die Autoren von Questions on Doctrine sich fest entschlossen bemüht, sie in unsere Gemeinde einzuführen. Unglaublich!

Das Originalmanuskript zum Skandalbuch

Als sie das Manuskript fertiggestellt hatten, übergaben sie es an den Review and Herald Verlag zum Druck. Glücklicherweise erkannten die Verlagsleiter dort einige der Abweichungen von unserem Glauben und löschten sie. Aber das Originalmanuskript blieb im Archiv des Review, sodass wir heute so manches nachvollziehen dürfen. Man kann heute sogar Kopien davon in den Filialen des Ellen White Estates erhalten. Ganz oben auf dem Manuskript steht: »Vorveröffentlichtes Manuskript von Seventh-day Adventists Answer Questions on Doctrine– Replies to a Group of Inquiries Concerning S.D.A. Theology« (Antworten von Siebenten-Tags-Adventisten auf Fragen zur Lehre – Antwortschreiben auf Anfragen zur Theologie der STA).

Ich verdanke diese Einsicht Larry Kirkpatrick, Pastor der Adventgemeinde Mentone in Kalifornien, der mich auf dieses Manuskript aufmerksam gemacht hat.

Dieses Manuskript gibt großen Aufschluss bei folgenden Fragen: Was führten die Schreiber von Questions on Doctrine im Schilde? Warum wurde während der Gespräche mit den nichtadventistischen Theologen so ein geheimnisvolles Schweigen über die dort besprochenen Themen gewahrt? Warum verfuhr man so hart und streng mit unserem hochgeachteten Theologen Milian Lauritz Andreasen, als dieser Wind von den Vorgängen bekam und die Beteiligten zur Rede stellte? Er verlor seine Beglaubigung und seine Rente. Die US-Regierung nötigte jedoch die Gemeindeleitung, seine Rentengelder weiter zu zahlen und nach seinem Tod verlieh man ihm auch seine Beglaubigung wieder. Warum war der ganze Berg der Falschinformationen notwendig? Nun, hätten die Gemeindeglieder erfahren, was diese Männer trieben, hätte es eine Explosion gegeben und die ganze Intrige hätte sich in Luft aufgelöst.

(Einmal saß ich in einem Hörsaal der Andrews University und hörte, wie Roy Allen Anderson der Klasse erklärte, worin Andreasens Problem bestanden habe. Er sei einfach ein alter Mann gewesen, dessen Gefühle man verletzt hatte, weil er an den Gesprächen mit den nichtadventistischen Theologen nicht teilnehmen durfte. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, wäre ich möglicherweise aufgesprungen und hätte ihn aus dem Auditorium zur Rede gestellt. Aber ich wusste nichts davon. Die Täuschung hatte an mir und an den anderen ganze Arbeit geleistet.)

Ich habe das vorveröffentlichte Manuskript von Questions on Doctrine in der Filiale des White Estate in der Bücherei des Loma Linda University Medical Center analysiert und habe darin über die Lehre der Erbsünde Folgendes gefunden (Hervorhebungen von mir):

Was sagt das Manuskript über die Erbsünde?

»Adams Sünde zog das ganze Menschengeschlecht in Mitleidenschaft. ›Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod‹ (Römer 5,12 Paraphrase). Die Formulierung ›durch die Sünde der Tod‹ zeigt deutlich, dass es hier nicht um tatsächlich begangene, individuelle Sünden geht, sondern um die Erbsünde – die sündige Natur, die wir alle von Adam geerbt haben. Selbst kleine Kinder sterben, weil sie ›in Adam alle sterben‹ (1. Korinther 15,22). Durch diese Erbsünde ist ›der Tod zu allen Menschen hingelangt‹ (Römer 5,12). Luther formuliert diese Position gut, wenn er sagt: ›Die Erbsünde ergibt sich aus Adams Übertretung. Diese Sünde tragen wir als seine Kinder, und ihretwegen sind wir schuldig. Denn Adam hat mit seiner Natur auch seine Sünde allen übertragen. Da er selbst durch diese Sünde sündig und böse geworden ist, zeugt er nur Sünder und Übeltäter, das heißt solche, die allem Bösen zugeneigt sind und dem Guten widerstehen.‹ (Kommentar zu Römer 5,12)«

Jesus und die Erbsünde

Frage: Was geschah, als Jesus in Adams Familie hineingeboren wurde? War auch er schuldig an Adams Sünde wie alle anderen Nachkommen Adams? Sowohl katholische als auch protestantische Theologen mussten sich mit diesem Problem auseinandersetzen. Zwei verschiedene Lösungen bieten sie an:

Die Katholiken wollten das Problem lösen, indem sie die Lehre von der unbefleckten Empfängnis schufen. Diese darf nicht mit der Lehre von der Jungfrauengeburt verwechselt werden, wie einige Protestanten es tun. Die Lehre von der unbefleckten Empfängnis besagt vielmehr, dass Maria, Jesu Mutter, durch ein besonderes Wunder davor bewahrt blieb, die Schuld der Erbsünde von ihrer eigenen Mutter zu empfangen. Daher konnte sie auch Jesus keine Erbsünde übertragen. Wie Maria davor bewahrt geblieben sein soll, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Die Protestanten wollten sich nicht übertreffen lassen und schufen eine etwas andere Lehre von der unbefleckten Empfängnis. Nach ihrer Lehre wurde Jesus selbst irgendwie von den Erbgesetzen ausgenommen, sodass er nicht die menschliche Natur von seiner Mutter Maria erbte, sondern die menschliche Natur Adams vor dem Sündenfall.

Das Problem beider Lehren ist, dass die Schrift nichts von diesen besonderen Wundern weiß. Auch Ellen White schreibt nichts darüber.

Sünde geschickt legitimieren?

Ellen White war sich jedoch sehr wohl der Irrlehre der Erbsünde bewusst. Lesen wir ihre Worte auf der 1888-Konferenz in Minneapolis:
»Wir möchten nun zeigen, wie wir im Glaubensleben Fortschritte machen können. Man hört viele Ausreden: Ich kann diesem oder jenem nicht gerecht werden. Was ist mit diesem oder jenem gemeint? Ist damit gemeint, dass das Opfer auf Golgatha für das gefallene Geschlecht unvollkommen war? Oder dass uns zu wenig Gnade und Kraft geschenkt wird und wir uns deshalb nicht von unseren natürlichen Fehlern und Neigungen lösen können? Oder dass uns kein vollständiger Retter geschenkt wurde? Oder dass Gott einen Fehler gemacht hat?

Nun, man sagt, Adams Sünde ist daran schuld. Ich bin nicht schuld daran. Ich habe keine Verantwortung für seine Schuld und seinen Sündenfall. In mir sind alle diese natürlichen Neigungen. Niemand kann mir dafür die Schuld geben, wenn diese natürlichen Neigungen sich ausdrücken. Wer hat dann die Schuld? Gott? Warum hat Gott zugelassen, dass Satan so viel Macht über die menschliche Natur bekommt? Das sind Anklagen gegen den Gott des Himmels. Er wird jedem einst die Gelegenheit geben, diese Anklagen persönlich gegen ihn zu erheben. Dann wird er im Gericht auch seine Anklagen gegen ihn vorbringen.« (The Ellen G. White 1888 Materials, 122)

Viele Adventisten haben die Hoffnung aufgegeben, dass wir Gottes Erwartungen völlig gerecht werden können. Könnte es sein, dass die Samen des Zweifels in unseren Köpfen durch den Glauben an die Erbsünde und ihre Schwesterlehren gesät wurde?

Zweifelhafte Methoden

Die Beweise sind eindeutig. Wäre Questions on Doctrine so veröffentlicht worden, wie es verfasst wurde, hätte es zwei Hauptänderungen an der adventistischen Theologie vorgenommen, eine bei der Natur Jesu und die andere in puncto Erbsünde. Und das alles trotz der gemeinschaftlichen Richtlinie, dass solche Änderungen nur von einer Vollversammlung der Generalkonferenz vorgenommen werden können.

Solch eine Änderung konnte nur geschehen, wenn die Autoren ihre Arbeit im Stillen taten und mit Methoden, die man als skandalös bezeichnen muss.

Warum kürzlich eine Neuauflage?

Am Ende dieser Folge noch ein paar Überlegungen zum ersten Satz in der Einführung der neuaufgelegten (und kommentierten) Herausgabe von Questions on Doctrine. Sie ist äußerst ernüchternd.

»Questions on Doctrine gilt zweifellos als das polarisierendste Buch in der Adventgeschichte.« (Andrews University Press, Berrien Springs, Michigan, 2003)

Warum in aller Welt wird es dann neu aufgelegt? Kann es etwas Törichteres geben?

Hoffen seine Befürworter damit ihr Ziel, die Adventgemeinde zu zerstören, endgültig abzuschließen?

Wenn ja, habe ich ihnen etwas mitzuteilen. Sie werden es nicht schaffen. Eine höhere Macht hat folgende Worte inspiriert:

»In einem Gesicht sah ich zwei Heere in einer tödlichen Schlacht. Ein Heer wurde von Bannern angeführt, die weltliche Wappen trugen. Das andere Heer wurde vom blutbefleckten Banner des Fürsten Immanuel angeführt. Standarte nach Standarte sank in den Staub, als eine Kompanie nach der anderen aus dem Heer des HERRN zum Gegner überlief und ein Stamm nach dem anderen aus den Reihen des Feindes sich dem Volk Gottes anschloss, das die Gebote hält.« (Reflecting Christ, 226)

»Doch es gibt Menschen, die die Wahrheit annehmen. Diese werden die Plätze einnehmen, die jene verlassen werden, die sich verletzt von der Wahrheit abwenden … Der HERR wird so wirken, dass die Unzufriedenen von den Echten und Treuen getrennt werden … Die Reihen werden nicht dünner werden. standhafte und echte [Kämpfer] werden die Lücken schließen, die jene hinterlassen, die verletzt vom Glauben abfallen …« (Selected Messages 3, 422)

Lassen wir uns also nicht grauen, und entsetzen wir uns nicht über den Rauch und den Staub der Schlacht!

»Tapfer die Wahrheit und Gerechtigkeit zu verteidigen, wenn die Mehrheit uns verlässt, die Schlachten des HERRN zu schlagen, wenn es wenige Helden gibt – das wird unsere Prüfung sein. Zu dieser Zeit müssen wir Wärme aus der Kälte anderer schöpfen, Mut aus ihrer Feigheit und Treue aus ihrem Verrat.« (Testimonies 5, 136)

Das Skandalbuch, Teil 7: Die Warum-Frage lesen Sie hier.

Über folgende Links kommt man auf die vorigen Folgen:
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5

Aus: Our Firm Foundation, vol. 19 no. 11, November 2004

PDF (ab Seite 18):
http://www.andrews.edu/library/car/cardigital/Periodicals/Our_Firm_Foundation/2004/2004_11.pdf

HTML:  http://closureforjesus.com/?p=966


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