• Vom umworbenen zum werbenden Gott: Gott singt ein Liebeslied

    Gott singt ein Liebeslied

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    Hast du dich auch schon mal nach einer ganz persönlichen Botschaft von Gott gesehnt? Von Kai Mester

Montag, 15 Februar 2016 – 07:59 Uhr

Meine Wehrdienstverweigerung von 1988: Gutmensch, Pazifist oder Nachfolger Jesu?

Gutmensch, Pazifist oder Nachfolger Jesu?

Bild: joreks - Adobe Stock

Ein altes Dokument aus der Schublade geholt. Biblische Argumente eines 18-Jährigen für eine unpopuläre Ansicht. Von Kai Mester

Ich bin als Kind adventistischer Eltern groß geworden. So war für meine Entscheidung, mich am 07.07.1984 taufen und in die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten aufnehmen zu lassen, meine Erziehung mit eine maßgebliche Ursache. Bibelstudium und auch persönliche Erfahrungen mit Gott überzeugten mich zu dieser Zeit von der Richtigkeit der Entscheidung.

Schon lange war für mich klar, dass ich den Wehrdienst verweigern würde. Ich hatte mich jedoch nicht ernsthaft mit der Problematik der Waffenanwendung und des Tötungsverbots sowie anderen Fragen, die mit der Kriegsdienstverweigerung zusammenhängen, beschäftigt. Während meine Gewissensentscheidungen in dieser Zeit hauptsächlich von den abstrakten Begriffen »richtig« und »falsch« geprägt waren, hat sich dies aufgrund meiner weiteren Beziehung zu Jesus geändert.

In den letzten Jahren habe ich die Bedeutung, die Jesus für mich hat, noch deutlicher begriffen. Er ist für mich nicht nur mein persönlicher Retter/Erlöser von Tod und Sünde, mein Anwalt im Gericht Gottes, sondern er ist mir zu einem echten Freund geworden, den ich als Herrn für mein Leben akzeptiere. Weil Jesus mich erlöst hat, liebe ich ihn und will nichts mehr tun, was seinem Charakter widerspricht bzw. was ihn verletzt. Auch kann ich das nicht tun, ohne dass ich mir damit seelischen Schaden zufüge. Aus dieser Haltung heraus resultiert auch meine Entscheidung, den Wehrdienst zu verweigern.

Somit verweigere ich den Kriegsdienst mit der Waffe aus folgenden Gründen:

Weil ich Christ bin und Jesus als mein Vorbild betrachte, der sich mir in seinem heiligen Wort, der Bibel, offenbart, kann ich wie er nichts tun, was Menschen körperlichen Schaden zufügt. Wie er, möchte auch ich nur helfend und heilend tätig sein und nicht verletzen oder gar töten. Jesu Charakter, der sich in der Bergpredigt (Matthäus Kapitel 5-7) zeigt, wird an folgendem Beispiel besonders gut deutlich. Bei Jesu Gefangennahme kurz vor seinem Tod geschah Folgendes:

»Einer von ihnen zog gleich das Schwert, schlug auf einen der Diener des Hohen Priesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Aber Jesus befahl: ›Hört auf damit!‹ Er berührte das Ohr des Mannes und heilte ihn.« (Lukas 22,50.51 Hoffnung für alle)

Das menschliche Leben steht nach meiner Überzeugung über allen anderen moralischen Werten. Gott schenkt alles Leben: »Du bist die Quelle – alles Leben strömt aus dir.« (Psalm 36,10 Hoffnung für alle)

Und nur Gott hat das Recht, Leben wieder zu nehmen: »Du sagst zum Menschen: ›Werde wieder Staub!‹ So bringst du ihn dorthin zurück, woher er gekommen ist.« (Psalm 90,3 Gute Nachricht 1968)

Somit ist es mir nicht erlaubt, eigenmächtig zu töten wie zum Beispiel der Kriegsfall dies verlangt. Ich bin mir bewusst, dass im Kriegsfall hohe moralische Werte – wie Gleichheit und Freiheit des Menschen – verteidigt werden sollen, ebenso mein Leben. Auch ich bin bereit, diese Werte zu verteidigen, jedoch nur so weit, dass ich nicht Leben anderer verunstalte oder gar töte. Denn das würde mich in Gewissensnot bringen, da ich den für mich höchsten ethischen Wert dann nicht geachtet hätte und Jesu Beispiel der Gewaltlosigkeit nicht gefolgt wäre.

Jesus fordert uns auf, unseren Nächsten zu lieben. Jedoch nicht genug, er verlangt von uns sogar auch unsere Feinde zu lieben (Matthäus 5,44). Warum? Denn auch er liebt sie: »Christus aber starb für uns, als wir noch Gottes Feinde waren. Damit hat Gott uns bewiesen, wie sehr er uns liebt« (Römer 5,8 Gute Nachricht 1968)

Aus diesem Grund sehe ich es als eine meiner Aufgaben an, Menschen zu Christus zu führen, damit sie durch ihn gerettet werden und das ewige Leben erhalten können. Damit komme ich auch Jesu Aufforderung nach, die besagt: »Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern! Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe …« (Matthäus 28,19.20 Gute Nachricht 1968)

Will ich dieser Aufforderung Folge leisten, kann ich unter keinen Umständen Menschen im Kriegsfall umbringen (und sei es aus Notwehr), da ich ihnen dadurch zugleich die Möglichkeit nehme, Gott kennen zu lernen und für das ewige Leben gerettet zu werden.

Aufgrund der vorgenannten Ausführungen lehne ich jegliche Waffenanwendung im Krieg ab. Mein Gewissen verbietet mir, an solchen kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen.

Wäre ich gezwungen, Gottes Willen zu missachten, indem ich Menschen töte, würde das so belastend auf mich wirken, dass ich psychisch daran zugrunde gehen würde. Die seelische Gewissensbelastung würde mich ständig verfolgen und mir Sinn und Freude des Lebens völlig rauben. Wenn ich so konkret und massiv gegen mein Gewissen verstoße, das heißt, etwas tun muss, was dem Charakter Jesu, der mein Leben eigentlich ausmacht, ja sogar mein Leben ist, widerspricht, müssen sich ja psychische Schäden einstellen, was leicht abzusehen ist.

Ich bin mir durchaus im Klaren, dass es tragische Konflikte gibt, in denen auch ein Nichthandeln den Tod anderer Menschen bedeuten kann. Ich habe jedoch für mich die Entscheidung getroffen, nicht aktiv anderen schweren körperlichen Schaden zuzufügen oder sie zu töten.

Als Christ sehe ich es als meine Pflicht an, dem Staat zu gehorchen, da ich mir durchaus bewusst bin, was Jesus und die Apostel darüber sagen. So zum Beispiel Paulus: »Jeder soll sich der Ordnungsmacht des Staates fügen … Wer sich also gegen die staatliche Gewalt auflehnt, widersetzt sich der Anordnung Gottes.« (Römer 13,1.2 Gute Nachricht 1968)

Aber dort, wo Gottes Gebote und die des Staates nicht harmonieren, gilt: »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.« (Apostelgeschichte 5,29)

So nehme ich mein Grundrecht auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe in Anspruch, um sowohl Gottes Forderungen nachzukommen, als auch meine Pflicht als Staatsbürger auszuführen.

Meine Einstellung zu Gott, den Menschen und zum Leben manifestiert sich selbstverständlich auch in meinem täglichen Leben. Durch meinen Lebensstil möchte ich für Jesus Zeugnis ablegen. Deshalb ist es mein Wunsch, mich von ihm so verändern zu lassen, dass ich seinen Charakter reflektiere.

Aus diesem Grund versuche ich mich so gesund wie möglich zu ernähren, indem ich weder Alkohol trinke, rauche oder sonstige Drogen zu mir nehme. Auch ernähre ich mich vegetarisch. Ich arbeite in drei Bibelkreisen mit. Ein Offenbarung-Seminar, dass ich dieses Jahr leitete, ist diesen Monat zu Ende gegangen. Letztes Jahr habe ich an einer Missionsfreizeit teilgenommen. Darüber hinaus nehme ich natürlich regelmäßig an Sabbat-Gottesdiensten in unserer Gemeinde teil und besuche auch andere Veranstaltungen unserer Gemeinschaft, wie zum Beispiel Vorträge oder Andachten.

Eine Zivildienststelle ist mir im Bergheim Mühlenrahmede, einer Erholungs- und Bildungsstätte des Advent-Wohlfahrtswerkes, Kalkofenweg 35 in 58762 Altena zugesagt, wenn mein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung anerkannt wird.

Hiermit bitte ich um Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer.

Vielen Dank für die Bearbeitung des Antrags.

Groß-Bieberau, 19.12.1988
Kai Mester

Dem Antrag wurde am 27.01.1989 stattgegeben, der Zivildienst in der genannten Einrichtung am 01.06.1989 angetreten und am 30.09.1990 beendet. Es war eine gesegnete und sehr fruchtbare Zeit.


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