• Zum Tod von Billy Graham: Das zwiespältige Erbe

    Das zwiespältige Erbe

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    Erfolgreich, christozentrisch, ökumenisch, amerikanisch. Von Johannes Kolletzki

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Mittwoch, 08 Februar 2017 – 08:26 Uhr

Barry Black Redner beim Nationalen Gebetsfrühstück: Adventist sagt Trump die Meinung

Adventist sagt Trump die Meinung
Senate Chaplin Barry Black (Screenshot: YouTube | C-SPAN)
 
Gottes Wort als Mahnung für den Kaiser? Von Kai Mester
 

An jedem ersten Donnerstag im Februar lädt der Kongress der Vereinigten Staaten zum Nationalen Gebetsfrühstück ein. 3500 Teilnehmer wohnen ihm für gewöhnlich bei. An jenem Morgen sprechen zwei Persönlichkeiten: der US-Präsident und ein Überraschungsredner.

Im Jahr 2013 waren es Barack Obama und der Neurochirurg Ben Carson. Er war der erste Siebenten-Tags-Adventist, dem die Ehre zukam, die Rede beim Gebetsfrühstück zu halten – dem 61., seit es diese Tradition in Washington gibt. Sein Angriff auf Obama und seine Krankenversicherung Obamacare entpuppte sich im Nachhinein als politischer Startschuss für Carson.

Dieses Jahr war erneut ein Siebenten-Tags-Adventist Redner des Gebetsfrühstücks: der offizielle Hausgeistliche des amerikanischen Senats Barry Black. Seit fast 14 Jahren hält er dieses Amt inne, das ist die drittlängste Amtszeit eines Senatsgeistlichen. Auch er sagte dem US-Präsidenten die Meinung. Nur diesmal hieß der Präsident Donald Trump. Unter den vielen internationalen Gästen saßen auch ein König und eine Königin – Abdullah und Rania von Jordanien.

Blacks Rede hat nicht viele Schlagzeilen gemacht. Dennoch war sie gesalzen. Er begann, indem er alle Anwesenden als Kinder »meines Vaters« ansprach und einen Aufruf zum Gebet startete: Wir tun viel, um uns auf Erden Gehör zu verschaffen. Aber im Himmel?

Trump und Nero

Tatsächlich gebe es im Senat ein wöchentliches Gebetsfrühstück. Ein Senator habe einmal die Teilnahme empfohlen, weil das gemeinsame Gebet es erschwere, danach dem Feind aus der anderen Partei in den Rücken zu fallen. Darüber hinaus finde ein wöchentliches parteiübergreifendes Bibelstudium statt, ein wöchentlicher Bibelkreis für Stabschefs und einer für Senatsangestellte.

Ja, es gebe heute wie damals »Heilige« im »Haus des Kaisers« (Philipper 4,22). Das war der erste Bibelvers in der Rede. Nun, als Paulus den Philipperbrief schrieb, hieß der römische Kaiser Nero. Heißt er heute Donald Trump? Was haben die beiden gemeinsam? Sind die USA eine Fortsetzung des römischen Reiches?

Unglaube und Gebetslosigkeit

Denen, die an der Wirksamkeit des Gebets zweifeln, rief Barry Black das Zitat des britischen Dichters Alfred Lord Tennyson zu: »Gebete wirken mehr, als diese Welt träumt.« Es gebe Segnungen für uns, die an seidenen Bändern hängend auf uns warten. Doch es gelte, sie zu erbeten. Denn heiße es nicht: »Ihr habt es nicht, weil ihr nicht bittet« (Jakobus 4,2)?

Black erzählte die Begebenheit, als Jesus in seine Heimatstadt Nazareth kam, dort aber nur wenige Wunder tun konnte wegen ihres Unglaubens (Markus 6,5.6). Barry Black als Prophet, der in seinem Vaterland nichts gilt? Die USA als Vaterland, das nicht glaubt und nicht bittet? – Doch er ermutigte: Glaube von der Größe eines Senfkorns kann Berge versetzen!

Nun wendete sich Black direkt an den Präsidenten und liest noch einmal den Bibelvers, der bei dessen Amtseinführung verlesen wurde: »So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen.« (1. Timotheus 2,1). Er ergänzte: »für alle Menschen, welches Buch sie auch lesen: die Bagavad Gita, das Daodejing oder den heiligen Koran«. Diese Worte, knapp eine Woche nach dem von Donald Trump verhängten Einreisestopp für syrische Flüchtlinge und Bürger aus sieben muslimischen Staaten, wirken, als habe er sie bewusst gewählt.

Barry Black fuhr fort: »für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit; denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.« (1. Timotheus 2,1-4). Die Frage stand unausgesprochen im Raum, ob auch Trump und seine Regierung will, dass alle Menschen gerettet werden? Oder sollen US-Amerikaner doch den Vortritt haben? Making America first again?

Drei Punkte sollten beim Gebet beachtet werden, so Black:
Bete im Bewusstsein deiner Bedürftigkeit! (Als Beispiel führte er das Gebet des Jabez an und das Tal der Knochen in Hesekiel 37.)
Bete innig und leidenschaftlich! (Gott möchte unser Freund sein. Ihn zu erkennen, ist das ewige Leben.)
Bete für die Regierenden!

Monatelang hätten sie während des Wahlkampfs gebetet und gefastet auf dem Kapitol, dass Gottes Wille geschehen möge. Danach zitierte er: »Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken« (Jesaja 55,8-9), und fügt in seinem trockenen Humor hinzu: »Newsflash: Gott ist klüger als wir. Sicher ist das für manche von Ihnen erschreckend!«

Doch Moment mal, was hat er hier gesagt? Keiner hat mit Trumps Präsidentschaft gerechnet; ja, die Gebete im Senat mögen sogar eine ganz andere Absicht verfolgt haben.

Sofort setzte Barry Black noch eins oben darauf und deutet einen Vergleich zwischen Donald Trump und Nebukadnezar an: »Und der HERR gab Jojakim, den König von Juda, in seine [Nebukadnezars] Hand.« (Daniel 1,2). Nebukadnezar habe den Feuerofen für Schadrach, Meschach und Abed-Nego siebenmal heißer schüren lassen. Black, der selbst ein Afroamerikaner ist, erwähnt die drei Freunde noch einmal: Schadrach, Meschach und – dann der bewusste Versprecher: Abed-Negro. Als die Zuhörer lachen, witzelt er: Ja, schon im Alten Testament habe es Afroamerikaner gegeben. Wollte er mit dieser Einlage vor einer möglichen Diskriminierung von Minderheiten durch Trumps Regierungsteam warnen? Donald Trump als Nebukadnezar der Neuzeit und Barry Black als Abed-Negro in Staatsdiensten?

Nebukadnezar wollte alle Gelehrten mit ihren Familien umbringen und ihre Häuser zu Misthaufen machen, weil sie ihm seinen vergessenen Traum nicht wieder in Erinnerung rufen konnten. Dennoch sagte Gott über ihn: »Nun habe ich alle diese Länder in die Hand meines Knechtes, Nebukadnezars, des Königs von Babel, gegeben« (Jeremia 27,6). Barry Black ergänzt: »Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er leitet es, wohin immer er will.« (Sprüche 21,1). Auch dem Pharao habe Gott einen Traum von fetten und mageren Kühen gegeben, um Ägypten zur Kornkammer der Welt zu machen.

Donald Trump als Knecht Gottes? Die USA als Kornkammer der Welt? Die Argumente sind interessant. Als Deutscher frage ich mich trotzdem: Welche Rede hätte Barry Black nach der Amtseinführung von Adolf Hitler gehalten?

Im letzten Teil seiner fast halbstündigen Andacht erzählt Barry Black von seiner Kindheit. Wie er Bibelverse auswendig gelernt habe. Dass er mit 16 zum ersten Mal einem Weißen die Hand gegeben habe, weil es in seiner Nachbarschaft, seiner Gemeinde und seiner Schule keinen einzigen Weißen gegeben habe.

Mit zehn Jahren habe ihn dann der folgende Vers aufgeweckt: »Denn ihr wisst ja, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut des Christus, als eines makellosen und unbefleckten Lammes.« (1. Petrus 1,18.19). Hier sei er sich zum ersten Mal seines Wertes bewusst geworden. Denn er hatte bereits begriffen, dass der Wert eines Gegenstandes sich nach dem höchsten Preis richtet, den jemand dafür zu zahlen bereit ist. Seither habe niemand mehr bei ihm Minderwertigkeitsgefühle wecken können. Ein Aufruf an alle Minderheiten, die sich Sorgen machen, sie könnten unter der Trump-Regierung den Kürzeren ziehen?

Daraufhin habe er sich auf die Suche gemacht nach diesem Mann Jesus und habe ihn in allen Büchern der Bibel gefunden. Dann zählt er viele der Namen auf, mit denen er in den verschiedenen Büchern genannt wird. Deshalb gründe seine Hoffnung weder auf den verschiedenen Regierungsgewalten: Exekutive, Legislative und Judikative, noch auf internationalen Bündnissen, sondern allein auf Jesus Christus, dem Felsen, alles andere sei auf Sand gebaut.

Botschaft: Auch die Regierung von Donald Trump und den USA insgesamt ist auf Sand gebaut, wenn Gott nicht auf ihrer Seite steht.

Als Donald Trump im Anschluss ans Pult trat, sagte er: »Vielen Dank auch an den Hausgeistlichen des Senats Barry Black für seine bewegenden Worte. Ich weiß nicht einmal, ob man zu dieser Position ernannt wird … Geschweige denn, ob Sie ein Demokrat oder Republikaner sind. Aber sei's drum: Ich ernenne Sie für ein weiteres Jahr. [Gelächter im Publikum]. Und wenn ich Sie gar nicht ernennen darf, sondern der Senat, dann werden wir mit den Leuten dort reden … Ihre Stelle ist Ihnen sehr, sehr sicher. [Gelächter]. Danke, Barry, danke für die netten Worte!«

In seiner Rede schwor Trump unter anderem, dass er das Johnson Amendment völlig beseitigen werde. Es besagt, dass gemeinnützige, steuerbefreite Organisationen sich politisch nicht engagieren dürfen. Durch die Beseitigung dieser 1954 in Kraft getretenen Gesetzesänderung würden, so sagte er, »Vertreter unserer Glaubensgemeinschaften Redefreiheit haben, ohne finanziellen Schaden fürchten zu müssen«. Viele sehen darin allerdings einen ersten Schritt zur Vereinigung von Kirche und Staat.

Ob Donald Trump und sein Team sich die Andacht zu Herzen nehmen werden? Und falls dies geschieht: In der Geschichte wurde auch im Namen der Religion schon viel Unrecht getan. Die Kernbotschaft von Barry Black kann sich aber jeder zu Herzen nehmen: Mehr glauben, beten und auf den Felsen bauen!

Eine Aufzeichnung Dr. Barry Blacks Rede (YouTube | C-SPAN): 


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