• Eine Kritik im Geiste der Propheten: A Better Savior?

    A Better Savior?

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    Da guter Humor schlecht übersetzt werden kann, posten wir diesen Artikel ausnahmsweise in Englisch. Would Jesus have been a better Christ if only He could have lived today? Von Barnabas Hope

Montag, 05 Juni 2017 – 10:27 Uhr

Protestantismus und Katholizismus verbünden sich: Die große Täuschung

Die große Täuschung

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2017, das Jahr, in dem die Reformation ihr Ende fand? Von Ellen White

Der römische Katholizismus wird heute von Protestanten viel wohlwollender betrachtet als noch vor einigen Jahren. Zunehmend gleichgültig steht man den Lehren gegenüber, die die reformierten Kirchen von der päpstlichen Hierarchie trennten; die Meinung gewinnt an Boden, dass wir letztlich in den entscheidenen Punkten gar nicht so weit auseinander liegen, wie oft angenommen. Ein paar kleine Zugeständnisse unsererseits würden unser Verhältnis zu Rom verbessern. Einst legten Protestanten großen Wert auf die Gewissensfreiheit, die man teuer erkauft hatte. Sie lehrten ihre Kinder das Papsttum zu verabscheuen und glaubten, dass Frieden mit Rom der Untreue zu Gott gleichkomme. Heute hört man ganz andere Stimmen.

Die Befürworter des Papsttums erklären, das seien nichts als Verleumdungen; und die protestantische Welt hat diese Aussage fast völlig akzeptiert. Viele drängen darauf, es sei ungerecht, die römische Kirche von heute nach den Gräueln und Sinnwidrigkeiten zu richten, von denen ihre Herrschaft in den Jahrhunderten der Unwissenheit und Finsternis gekennzeichnet waren. Sie entschuldigen ihre schreckliche Grausamkeit mit dem Barbarentum der damaligen Zeit und behaupten, die Zivilisation habe die Kirche verändert.

Haben diese Personen den Anspruch auf Unfehlbarkeit vergessen, den diese überhebliche Macht acht Jahrhunderte lang vertreten hat? Weit davon entfernt diesen Anspruch aufzugeben, hat ihn die Kirche im 19. Jahrhundert noch deutlicher bekräftigt als je zuvor. Rom behauptet, sich nie geirrt zu haben und nie irren zu können. Wie kann sie da die Grundsätze aufgeben, die ihren Kurs in vergangenen Zeiten bestimmt haben?

Der Romanismus stimmt als System heute nicht stärker mit dem Evangelium Jesu überein als zu irgendeiner anderen Epoche seiner Geschichte. Die protestantischen Kirchen befinden sich in großer Finsternis. Sonst würden sie die Zeichen der Zeit erkennen. Die römische Kirche hat weitreichende Pläne und Arbeitsweisen. Sie setzt jedes Mittel ein, um ihren Einfluss auszuweiten und ihre Macht zu vergrößern. Denn sie bereitet sich auf einen stürmischen und entschlossenen Konflikt vor, in dem sie die Weltherrschaft wiedererlangen, die Verfolgung wieder aufnehmen und alles, was der Protestantismus erreicht hat, rückgängig machen will. Der Katholizismus gewinnt in den USA überall an Boden. Man muss nur ihre Kirchen und Kapellen zählen oder ihre Hochschulen und Theologischen Seminare, die so reichlich von Protestanten besucht werden. Dies sollte bei jedem, der die reinen Grundsätze des Evangeliums schätzt, Besorgnis auslösen.

Protestanten haben mit dem Papsttum angebändelt und es unterstützt; sie haben Kompromisse und Zugeständnisse gemacht, über die selbst Papstbefürworter ungläubig den Kopf schütteln. Man schließt einfach die Augen vor dem wahren Wesen des Romanismus und den Gefahren, die von seiner Vorherrschaft ausgehen. Dabei gilt es doch die Bevölkerung aufzurufen, dem Vordringen dieses äußert gefährlichen Feindes der Bürger- und Glaubensfreiheit zu wehren.

In den Tagen der römischen Vorherrschaft gab es Folterinstrumente, um Einheit in der Lehre zu erzwingen. Wer den Ansprüchen Roms nicht gerecht wurde, kam auf den Scheiterhaufen. Massaker wurden in einer Größenordnung verübt, die Sterbliche nie erfahren werden. Würdenträger der Kirche studierten unter ihrem Meister Satan, wie sie ihrem Opfer die größtmöglichen Qualen zufügen konnten, ohne sein Leben auszulöschen. Die Prozedur wurde wiederholt, bis der Mensch es dann doch nicht mehr ertragen konnte, die Natur den Kampf aufgab und der Leidende den Tod als süße Erlösung willkommen hieß.

Das war das Schicksal der Gegner Roms. Für seine Anhänger hielt Rom aber auch harte Disziplin bereit: Peitsche, Hungerfasten, körperliche Askese jeder nur denkbaren, entsetzlichen Form. Um sich die Gunst des Himmels zu sichern, brachen die Büßer die Gesetze Gottes, indem sie gegen die Gesetze der Natur verstießen. Man lehrte sie alle Bande zu kappen, die Gott zu ihrem Segen und Glück auf Erden geschaffen hat. Auf den Kirchhöfen liegen Millionen von Opfern, die ihr Leben dem vergeblichen Ziel widmeten, ihre natürlichen Zuneigungen, jeden Gedanken und jedes Gefühl der Sympathie mit ihren Mitgeschöpfen zu unterdrücken, als seien sie Gott ein Dorn im Auge.

Die Römisch-Katholische Kirche bietet der Welt heute eine schöne Fassade und kehrt die Bilanz ihrer schrecklichen Grausamkeiten mit Entschuldigungen unter den Teppich. Sie hat sich in jesusähnliche Gewänder gehüllt; aber sie hat sich nicht geändert. Jeder Grundsatz des Papismus, der in vergangenen Jahrhunderten existierte, existiert auch heute noch. An den im finsteren Mittelalter entwickelten Lehren hält man auch heute noch fest. Niemand täusche sich! Das Papsttum, das Protestanten heute so bereitwillig akzeptieren und ehren, ist dasselbe, das die Welt in den Tagen der Reformation regierte, als Gottesmänner unter Lebensgefahr aufstanden und seine Missetaten anprangerten. Es besitzt denselben Stolz und dieselbe arrogante Überheblichkeit, mit der es sich über Könige und Fürsten aufspielte und göttliche Vorrechte beanspruchte. Sein Geist ist heute nicht weniger grausam und despotisch als zu der Zeit, als es die Freiheit des Menschen zerschlug und die Heiligen des Allerhöchsten tötete.

Das Papsttum ist genau das, was die Prophezeiung über es sagt: die Abtrünnigkeit der allerletzten Zeiten. Es gehört zu seiner Politik, sich so zu geben, dass es seine Ziele am besten erreicht; doch unter der chamäleonartigen Gestalt, verbirgt sich das unveränderliche Schlangengift. »Wir sind nicht an Treue und Zusagen gegenüber Ketzern gebunden«, erklärt es. Soll diese Macht, deren Berichte über ein Jahrtausend mit dem Blut der Heiligen geschrieben wurden, jetzt als Teil der Kirche Jesu anerkannt werden?

Es wird nicht grundlos behauptet, der Katholizismus sei heute fast wie der Protestantismus. Es hat tatsächlich eine Änderung gegeben. Doch die Änderung ist bei den Protestanten erfolgt, nicht bei den Romanisten. Der Katholizismus gleicht dem Protestantismus von heute in der Tat; doch er hat sich weit vom Protestantismus der Tage Thomas Cranmers, Nicholas Ridleys, John Knox' und anderer Reformatoren entfernt.

Bei der Suche nach weltlicher Anerkennung haben die protestantischen Kirchen sich durch falsche Wohltätigkeit blenden lassen. Sie halten es wirklich für richtig, in allem Bösen das Gute zu sehen. Als unvermeidliches Ergebnis werden sie schließlich in allem Guten das Böse sehen. Statt den Glauben zu verteidigen, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist, scheinen sie sich nun bei Rom für ihre lieblose Haltung und ihren Fanatismus zu entschuldigen.

Eine große Klasse selbst derer, die dem römischen Katholizismus alles andere als wohlgesonnen sind, erkennen dennoch nicht die Gefahr, die von seiner Macht und seinem Einfluss ausgeht. Viele behaupten, die intellektuelle und moralische Finsternis des Mittelalters habe die Ausbreitung ihrer Dogmen, ihres Aberglaubens und ihrer Intoleranz gefördert. Die größere Vernunft der modernen Zeit, die allgemeine Verfügbarkeit von Wissen und die zunehmende Freiheit in Glaubensfragen verhinderten jedoch eine Auferstehung der Intoleranz und Tyrannei. Schon der Gedanke, dass so etwas in diesem aufgeklärten Zeitalter existieren könne, wird belächelt. Großes intellektuelles, moralisches und religiöses Licht scheint zwar auf die heutige Generation; aus den offenen Seiten von Gottes heiligem Wort ergießt sich himmlische Licht auf die Welt; doch wir dürfen eines nicht vergessen: Je größer das geschenkte Licht, desto größer die Finsternis bei denen, die es verdrehen oder ablehnen.

Ein Bibelstudium unter Gebet würde den Protestanten den wahren Charakter des Papsttums zeigen. Sie würden es verabscheuen und meiden; doch die Menschen halten sich in ihrem Hochmut selbst für weise. Sie meinen, bei der Wahrheitsfindung auf Gottes Rat und Weisheit verzichten zu können. Obwohl sie auf ihre Aufgeklärtheit stolz sind, sind sie weder mit den Schriften noch mit der Kraft Gottes vertraut. Sie wollen aber ihr Gewissen beruhigen und gleichzeitig mit so wenig Geistlichkeit und Demütigung wie möglich konfrontiert werden. Daher suchen sie eine Methode, bei der sie Gott vergessen können, und trotzdem als die bekannt sind, die immer an Gott denken. Das Papsttum entspricht diesen Anforderungen wunderbar. Es bedient zwei Sorten von Menschen und somit fast die ganze Welt: alle, die durch eigene Verdienste Rettung suchen, und alle, die in ihren Sünden Rettung finden wollen. Das ist das Geheimnis seiner Kraft.

Zeiten großer intellektueller Finsternis haben sich für den Erfolg des Papismus als günstig erwiesen. Es wird sich noch zeigen, dass Zeiten großen intellektuellen Lichts ebenso seinen Erfolg begünstigt. In vergangenen Jahrhunderten, als die Menschen ohne Gottes Wort waren und die Wahrheit nicht kannten, waren ihre Augen verbunden und Tausende wurden umgarnt, ohne das Netz vor ihren Füßen zu sehen. Heute in dieser Generation gibt es viele, deren Augen vom grellen Licht menschlicher Spekulationen, »der fälschlich sogenannten Wissenschaft«, so geblendet sind, dass sie das Netz nicht erkennen und genauso blind hineinlaufen. Gottes Plan war es gewesen, dass die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen als Geschenk seines Schöpfers betrachtet und für den Dienst der Wahrheit und Gerechtigkeit eingesetzt würden. Doch wenn sie vergöttert und auf Satans Schrein gelegt werden, um einer falschen Religion zu dienen, dann kann die Vernunft größeren Schaden anrichten als die Unwissenheit.

In den USA agiert bereits eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass kirchliche Einrichtungen und Bräuche staatliche Unterstützung erhalten. Damit folgen die Protestanten den Fußspuren der Papstbefürworter. Nein, sie ermöglichen damit sogar, dass die Papstbefürworter im protestantischen Amerika wieder die Vorherrschaft erlangen, die sie in der Alten Welt verloren haben. Noch bedeutsamer wird diese Bewegung dadurch, dass ihr Hauptziel die Einführung der Sonntagsheiligung ist – eines Brauches also, der mit Rom begann und von ihm als Amtsausweis angesehen wird.

Der Geist des Papsttums – der Geist der Anpassung an weltliche Bräuche, die Verehrung menschlicher Traditionen auf Kosten von Gottes Geboten – durchdringt die protestantischen Kirchen und bewegt sie zu derselben Sonntagspropaganda, die das Papsttum schon früher betrieben hat. Möchte der Leser erfahren, welche Mittel in dem bevorstehenden Kampf eingesetzt werden? Dann braucht er nur den Bericht der Mittel zu lesen, die Rom für dieselben Ziele in der Vergangenheit eingesetzt hat. Möchte er wissen, wie Papstbefürworter und Protestanten gemeinsam mit denen umgehen werden, die ihre Dogmen ablehnen? Dann schaue er sich den Geist an, mit dem Rom dem Sabbat und seinen Verfechtern begegnete.

Die Aufzeichnungen der Vergangenheit offenbaren deutlich die Feindschaft zwischen Rom und dem wahren Sabbat und die Mittel, die Rom einsetzte, um ihre selbstgeschaffene Stiftung zu ehren. Das Wort Gottes lehrt, dass sich diese Szenen wiederholen werden, wenn Katholiken und Protestanten sich gemeinsam um die Verherrlichung des Sonntags bemühen werden. Beinahe vierzig Jahre haben Sabbat-Reformatoren dieses Zeugnis der Welt gegeben. In den Ereignissen, die nun stattfinden, lässt sich ein schneller Fortschritt auf dem Weg zur Erfüllung der Vorhersage entdecken. Wieder beruft man sich auf Gottes Autorität, um die Sonntagsheiligung zu begründen. Wieder fehlen biblische Beweise. Es ist wie in den Tagen der päpstlichen Vorherrschaft. Die Behauptung, Gottes Gerichte brächen über die Menschen herein, weil sie den Sonntagssabbat entheiligten, wird wiederholt werden. Schon hört man diese Propaganda.

Es ist erstaunlich, wie gerissen und listig die römische Kirche ist. Die christliche Welt wird das wahre Wesen des Romanismus noch kennen lernen. Doch dann wird es zu spät sein, ihrer Falle zu entkommen.

Ellen White, Bible Echo, 1. Februar 1887


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