Mittwoch, 13 September 2017 – 08:20 Uhr

Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 50): Evangelisation nach der Art Jesu

Evangelisation nach der Art Jesu

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… ist langfristiger, persönlicher, vielleicht unbequemer, aber erfolgreicher. Von John Holbrook

»Bruder John, warum hältst du nicht viele Evangelisationsreihen wie all die anderen Adventisten, die vor dir hierherkamen?«

Joe, einer meiner Gemeindeleiter, und ich waren auf der Heimfahrt. Wir hatten einen Patienten ins Krankenhaus gebracht.

»Na ja«, erwiderte ich. »Wie hat Jesus denn die christliche Bewegung ins Leben gerufen, die sich über die ganze Welt verbreitet hat?«

»Hat er nicht vor großen Menschenmengen gepredigt?«, erwiderte Joe.

»Schon«, stimmte ich zu. »Aber wenn man in der Bibel liest und mal so überschlägt, wie viel Zeit Jesus damit verbracht hat, dann war es doch nicht sehr viel. Womit hat Jesus denn die meiste Zeit verbracht?«

Joe überlegte eine Weile: »Ich glaube mit seinen zwölf Jüngern.«

»Genau. In Apostelgeschichte 1,21.22 erwähnte Petrus, dass die Jünger ihren Meister von seiner Taufe bis zum Kreuz überallhin begleiteten. Jesus hat die meiste Zeit damit verbracht, seine Jünger auszubilden.

Was nun die unerreichten Stämme auf Mindoro betrifft«, fuhr ich fort, »wie viel Jahre hat die Adventgemeinde versucht, sie zu erreichen?«

»Ich bin mir nicht sicher«, sagte Joe. »Aber es gibt Aufzeichnungen darüber, dass sie schon 30 Jahre lang versuchen, unseren Tawbuid-Stamm zu erreichen.«

»Hmm, und wie viele Gemeinden haben sie unter den Tawbuid durch ihre Evangelisationsreihen gegründet?«, fragte ich.

Joe schwieg einen Augenblick. Dann verzog sich sein Mund zu einem schiefen Grinsen. »Sie gründeten eine Gemeinde in 30 Jahren. Aber nicht durch eine Evangelisationsreihe. Eine adventistische Hausfrau hat uns jeden Sabbat zum Essen eingeladen und uns vor jedem Essen eine kleine Predigt gehalten. Das hat sie Jahr für Jahr getan, bis bei einigen von uns der Groschen gefallen ist und wir zum Glauben kamen.«

Ich sagte nichts und ließ Joe weiter nachdenken: »Die Gemeinden, die wir seit deiner Lehrtätigkeit gegründet haben, entstanden auf dieselbe Weise. Unser anfänglicher Versuch mit Evangelisationen scheiterte. Jeweils ein Missionar ist in die Dörfer gezogen, wo wir jetzt Gemeinden haben. Dort lebte er mit den Leuten und unterrichtete sie.«

»Tja, Joe«, schloss ich, »ich glaube, du hast dir deine Frage selbst beantwortet!«

Aus: Adventist Frontiers, 1. September 2017

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.

JOHN HOLBROOK wuchs im Missionsfeld auf. Er half seiner Familie eine Gemeindegründungsbewegung unter dem Alanganvolk in den Bergen der philippinischen Insel Mindoro zu initiieren. Seit 2011 setzt John seine Fähigkeiten und seine Erfahrung ein, um das Evangelium den abgeschotteten Tawbuid-Animisten zu bringen, einem Stamm, der in der Nachbarschaft der Alangan lebt.

www.afmonline.org


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