• Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 52): Der göttliche Rettungsring

    Der göttliche Rettungsring

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    Wer im Dienst für Gott in Gefahr gerät, wird von ihm nicht im Stich gelassen. Von John Holbrook

Donnerstag, 21 August 2014 – 05:13 Uhr

Aus dem Leben eines Sanitäters: Zu spät – nur einen Augenblick

Zu spät – nur einen Augenblick

(bild: cleanfotos - shutterstock.com)

Notruf und los geht’s. Wo schwebt eine Seele in Lebensgefahr? Kann sie noch gerettet werden? »Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« Ein nachdenklicher Artikel von Joshua Nebblett

Gerade habe ich durch mein Tagebuch geblättert und stieß auf folgenden Text, den ich vor drei Jahren schrieb, kurz nachdem die Geschichte sich zugetragen hatte. Nun veröffentliche ich sie hier in der Hoffnung, dass sie jemand so trifft, wie sie mich traf. Achtung: Sie hat kein Happyend.

Notruf im Juni 2011

Das vertraute Rauschen war zu hören. So war es immer Sekundenbruchteile, bevor der Piepston des Rettungsdienstes durchs Haus tönte. Sofort sprang ich auf, schnappte meine Brieftasche und meinen Ausweis, rannte die Treppe hinunter, um das Funkgerät zu nehmen. Da brach der Ton plötzlich ab und es rauschte nur noch.

Nein!, dachte ich, die Funkgeräte funktionieren schon wieder nicht! … Na ja, nicht schlimm! Sobald wir im Krankenwagen sind, erfahren wir, was los ist.

Tatsächlich. Zehn Minuten später auf dem Weg entdeckten wir, dass wir zu einem Autounfall unterwegs waren – vier Patienten, einer aus dem Wagen geschleudert. Nur wenige Minuten später fanden wir heraus, dass wir uns nur um drei von ihnen kümmern mussten.

Am Unfallort

Nachdem wir einige Kilometer Straße hinter uns gebracht hatten, endete der Asphalt und wir folgten dem holperigen Weg noch 15 Kilometer. Als wir ankamen, war der andere Krankenwagen, den wir unterstützen sollten, schon vor Ort. Ein paar wilde Minuten verstrichen, in denen wir die Patienten verbanden, ruhig stellten und entschieden, wer von ihnen mit dem Hubschrauber abtransportiert würde.

Es stellte sich heraus, dass keiner von ihnen mit dem Hubschrauber fliegen würde, weil der Pilot aufgrund des Unwetters nicht fliegen würde, das praktisch direkt über uns war. Die Blitze schlugen immer näher ein und es fing an zu regnen. Schnell suchten alle Schutz.

Gebet im Krankenwagen

Nur anderthalb Stunden später lieferten wir unsere Patientin in der Notaufnahme ab. Inzwischen war sie trotz unserer Versuche, sie wach zu halten, in einen Zustand der Benommenheit gefallen. Was mich wirklich beeindruckt hatte, war nicht das Blut, die lauten Schmerzens- und Angstschreie, das Autowrack oder der Anblick des armen Kerls, der immer noch darin lag. Es war die Fahrt zum Krankenhaus mit einer betrunkenen Patientin, die nach ihrem Mann rief und Gott anflehte, ihren Mann wieder »okay« zu machen. Es war ziemlich klar, dass sie nicht religiös war. Alles an ihr machte das deutlich. Aber sie murmelte oder rief weiter: »Bitte Gott! O bitte …!«

Plötzlich wurde mir klar, das Gott mir etwas sagen wollte. Für diesen Mann, der noch im Auto lag und die Frau in unserem Krankenwagen war es zu spät. Zu spät für ihn, weil er nie wieder die Chance haben würde, sich zu ändern; nie wieder einen Augenblick, um sich zu fragen, wie es zwischen ihm und Gott steht.

Für sie war es auch zu spät. Doch nicht, weil sie keine Buße mehr tun könnte oder dem wahren Leben nicht vielleicht noch begegnen würde. Nein, dafür war noch Zeit.

Doch es war zu spät, weil der, für den sie betete, schon von ihr gegangen war. Er war schon über den Punkt hinweg geglitten, an dem man ihm hätte helfen können. Seine Gnadenzeit war zu Ende.

Dieser Gedanke war ernüchternd, aber noch mehr brachte es mich zum Nachdenken, dass sie im Zustand völliger Betrunkenheit, die Worte für ein Gebet gefunden hatte.

Bekehre dich vor dem Schicksalsschlag!

Schicksalsschläge scheinen auch den Hartherzigsten zu Jesu Füßen um Hilfe rufen zu lassen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Ich vermute, dass einige dort zerbrochen zu seinen Füßen verharren und sich von ihm wieder zusammensetzen lassen. Doch meistens wenden sie sich schließlich ab, verhärteter als zuvor.

Was ich daraus lernte? Die Zeit zum Beten, Gott anzuflehen und sich mit ihrem Mann ihm zu Füßen zu werfen, diese Zeit, war schon lange vorbei gewesen, lange bevor sie durch die Luft flog. Ein Tag früher hätte ihr Gebet vielleicht das ewige Schicksal ihres Mannes beeinflussen können. Vielleicht hätte es sogar zu einem anderen Ergebnis an jenem Donnerstagnachmittag geführt. Doch es kam ein Augenblick – nur einer –, ab dem es zu spät war. Eine Sekunde zu spät ist nicht anders als tausend Sekunden zu spät. Das Ergebnis ist dasselbe.

Wenn wir es einen Augenblick lang aufschieben, uns Gott ganz hinzugeben, kann es bedeuten, dass dieser eine Augenblick der entscheidende war und es ist zu spät für uns wie für dieses Paar. Was heute getan werden muss, darf, nein KANN nicht auf morgen verschoben werden!

Aus: www.thenebblettfamily.com/2014/06/too-late-just-one-instant.html


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