• Gott erfüllt Herzenswünsche: Der Holzofen, der sich Zeit ließ

    Der Holzofen, der sich Zeit ließ

    Pixabay - adonyig

    Mit Gott durch alltägliche und nicht ganz so alltägliche Situationen gehen. Von Maria Laufersweiler

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Montag, 28 Dezember 2015 – 08:00 Uhr

Sofort mit der Sucht brechen: Vom Aussatz befreit

Vom Aussatz befreit

Bild: alexugalek - Adobe Stock

Jesus kam, um uns von Sünden zu befreien. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Die Autorin spricht offen und ausführlich von ihrem Gefühlsleben und ihren Kämpfen und dem erlebten Sieg. Von Sally Hohnberger

Wir Adventisten warten mit dem Kopf auf Jesu zweites Kommen. Doch leider sind die wenigsten von uns darauf vorbereitet. Wir wissen zwar, was die Zukunft bringt; wir wissen, es kommt schlimmer, als es die Welt je gesehen hat; wir fühlen uns wohl mit der Lehre, die wir angenommen haben, die wir vom Kopf her begreifen. Unsern Glauben können wir aus der Bibel beweisen. Wir legen sie richtig aus. Vielleicht haben wir unsere Hoffnung und Zuversicht sogar bereits durch den Glauben ersetzt, dass wir in der richtigen, allein seligmachenden Kirche sind. Ein paar von uns studieren sogar fleißig die Bibel. Doch Gott sagte mir: Das allein rettet dich nicht. Es bereitet dich nicht auf die Wiederkunft vor. Der einzige Weg auf Jesu zweites Kommen vorbereitet zu sein, führt über Jesu erstes Kommen. Ist Jesus in deinem Herzen geboren? Wandelst und redest du täglich mit ihm?

Jeder erlebt einen Konflikt nach dem andern, ob in seinem Fleisch, mit seinem Partner, mit seinen Kindern oder seinem Nächsten. Gott machte mir bewusst, dass das praktische Glaubensleben bei uns Adventisten zu kurz kommt oder in die Irre geht – auch bei mir. Wir sind eine kraftlose Generation und nicht bereit.

Unsere Herzen sehnen sich nach Befreiung vom Aussatz der Sünde. Denn sie beherrscht uns noch immer.

Wir sagen zwar, wir folgen Jesus; aber unsere Taten zeigen der Welt, dass wir noch immer dem Fleisch folgen. Das Fleisch beherrscht uns noch immer, unser Ich bekommt seinen Willen.

Warum bin ich noch nicht bereit?

»Sally, keine Frau kann zwei Herren dienen: entweder sie wird den einen hassen und den andern lieben, oder sie wird an dem einen hängen und den andern verachten. Du kannst nicht Gott dienen und deinem Ich.« (Matthäus 6,24 Paraphrase) Das geht nicht gleichzeitig. Solange ich Gott diene, bin ich frei von der Sklaverei des Ichs und der Sünde, sogar in Gedanken. Solange meine Gedanken böse sind, diene ich meinem Ich. Meine bösen Gedanken kann ich aber Gott geben. Ich darf lernen, Jesus in Gedanken zu dienen. Dann wirken die Gedanken auf die Gefühle; Gedanken und Gefühle zusammen aber bilden den Charakter. Sie helfen mir gute Gewohnheiten zu entwickeln, meine Reaktionsmuster für kommende Probleme und Krisen zu üben. Dann werde ich in solchen Situationen auch wie die Blume auf die Sonne reagieren. Bevor ich denke, rede oder handle, werde ich fragen: HERR, was möchtest du, dass ich jetzt tue? Wenn ich Gott in meine Gedanken, meinen Geist, einlasse, kann er mich vom Aussatz der Sünde heilen, von dem, was mir am meisten zu schaffen macht: vom Ich und allem, was dazugehört.

Allmählich begriff ich, warum ich kein Siegerleben führe und warum ich für Jesu Kommen nicht bereit bin: Mir fehlt die Macht, mit den bösen Gewohnheiten meines Lebens zu brechen. Doch wie bekomme ich diese Macht?

Warum fehlt mir die Kraft zum Überwinden?

»Wir hofften, wir sollten heil werden; aber siehe, es ist Schrecken da.« (Jeremia 14,19) Wir sehen keine Heilung. Hast du dich jemals unheilbar an deiner Lieblingssünde erkrankt gefühlt? Bei mir war es die Esslust. Ich sagte zu Gott: »Sollten wir nicht zuallererst die Sünde der Esslust überwinden? Ich, jedenfalls, habe sie noch nicht überwunden. Du hast mir auf allen andern Gebieten geholfen. Doch meine Esslust hab ich einfach nicht im Griff!«

»Deine Sache führt niemand; da ist keiner, der dich verbindet, es kann dich niemand heilen. Alle deine Liebhaber vergessen dich, fragen nichts nach dir. Ich habe dich geschlagen wie einen Feind mit unbarmherziger Züchtigung.« (Jeremia 30,13.14) Gott lässt Züchtigungen zu, die oft die Folge unserer falschen Entscheidungen sind, weil wir unserem Ich folgen statt Gott. Deshalb bin ich verwundet und von Gott gezüchtigt. Gottes Züchtigung ist aber immer von Liebe durchtränkt.

Warum lässt Gott diese Anfechtungen und Probleme zu? »Um deiner großen Schuld und um deiner vielen Sünden willen« (Vers 14); weil ich, Sally, mein Fleisch nicht überwunden habe.

Ich hatte nicht die Gemeinschaft und Einheit mit Gott gefunden, die mich mit der Kraft Gottes so verbunden hätte, dass ich in meinem Leben zum Überwinder geworden war.

»Was schreist du um Hilfe über deinen Bruch, dass dein Schmerz unheilbar ist?« (Vers 15, Elberfelder) Gibt es Bereiche in deinem Leben wie bei mir? Ich fühlte mich unheilbar krank wie der Aussätzige. Warum? »Habe ich dir doch solches getan um deiner großen Schuld und um deiner vielen Sünden willen.« (Vers 15, Luther) Gott sagt: »Sally, du korrigierst ja auch deine Kinder aus Liebe und versperrst ihnen die falschen Wege. Du möchtest nicht, dass sie Satan und dem Egoismus dienen. Ich möchte dich ganz, weil ich dich heilen möchte, wie ich den Aussätzigen geheilt habe.« Als er mir diese Gedanken eingab, fühlte ich mich wie mein Mann Jim damals auf dem 10-Meter-Sprungfelsen.

Eigentlich wollte ich, doch ich zögerte, hatte Angst vor den Kosten, Angst, er könnte noch mehr von mir wollen.

»Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tag: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? [Haben wir deinen Namen nicht gebraucht? Haben wir nicht für dich andere unterrichtet?] Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!« (Matthäus 7,21-23)

Lass dich vom Töpfer formen!

»Sally, erst wenn du alles gibst; erst wenn du verstehst, wie einfach es ist, dich mit Gottes Kraft zu verbinden; erst wenn du aufhörst zu versuchen, selbst ein Christ zu sein; erst wenn du diesen Felsen herunterspringst und mir vertraust, anstatt es auf deine Weise zu tun; erst wenn du mich führen lässt – dann wirst du mir ganz gehören; dann kann ich dir ständig Kraft geben, weil ich jeden Moment Einheit und Gemeinschaft mit dir haben kann, und zwar nicht nur dann, wenn du willst – nicht nur in den Augenblicken am Morgen, sondern den ganzen Tag lang. Vertraust du mir so sehr? Darf ich dich auf das zweite Kommen vorbereiten, indem ich zu dir das erste Mal komme? Dann wirst du mich auch erkennen, wenn ich zum zweiten Mal komme. Möchtest du täglich in meiner Schule sein? Dann werde ich dir zeigen, wie du Einheit und Gemeinschaft mit mir erleben kannst, damit ich dich auf diesen Tag vorbereiten kann.«

Wann geschieht unsere Vorbereitung? Heute ist der Tag des Heils. Heute gebe ich mich ganz Jesus und gehe den Weg, den er führt. Warum hatte ich damals keine Macht über meinen falschen Geist, meine falschen Gedanken, Worte und Taten? »Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?« (Lukas 6,46) Gott möchte, dass ich nicht nur weiß, was von mir erwartet wird, sondern dass ich es durch seine Gnade tue und ihm vertraue.

Tue ich es im Fleisch oder im Geist? »Wir wissen ja, [Sally] dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.« (Römer 6,6)

Möchten wir frei sein von Sünden? Ich will es! »So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.« (Vers 12) Lassen wir uns nicht von unseren Ängsten überwältigen! Tun wir nicht Unrecht gegen besseres Wissen. »Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin [Zunge, Hände, Augen, Gesicht] als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit.« (Vers 13)

Der Aussätzige

Gott will die Sünde nicht länger in meinem Leib herrschen lassen. – Wenn ich mein Leben betrachte und sehe, was mir Gott in seinem Wort offenbart, fühle ich mich wie der Aussätzige und sehne mich nach Heilung! Ich bin voller Aussatz. Er bedeckt meinen Körper, meine Gedanken, meine Worte und meine Taten. Egoismus ist der Charakterzug, der sie alle kennzeichnet.

Lukas 5 berichtet von der Heilung des Aussätzigen, damit wir verstehen, wie Gott uns heilen will. »Und es begab sich, als er [Jesus] in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als der Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen.« (Vers 12) Was tat der Aussätzige? Er bat Jesus um Heilung. Spürte er seine Not? Hat er versucht sich selbst zu reinigen? Bestimmt! Der Aussatz hatte sich am ganzen Körper ausgebreitet. Langsam siechte er dahin. Da suchte er den Herrn Jesus auf, kam unter den Einfluss des Heiligen Geistes und reagierte darauf. Er sagte: Du kannst mich reinigen, Herr. Er war innerlich völlig ergeben und bereit, alles zu tun, was Gott von ihm wollte. Was geschah, als er diesen Glauben an Jesus ausdrückte? »Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm.« (Vers 13)

»Als er [Jesus] aber vom Berge herabging, folgte ihm eine große Menge. Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder [er gab sich dem Meister hin, er hielt sich nicht länger an seinem Ich fest] und sprach: Herr, wenn du willst [Das ist Hingabe!], kannst du mich reinigen.« (Matthäus 8,1) Das ist ein Glaubensbekenntnis! »Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.« (Vers 2)

Sehen wir, was Gott sagen wollte? Hören wir dieselbe Botschaft? Der Aussätzige bat um Heilung und gab sein Herz dem Meister. Sein Hilferuf wurde sofort erhört, nicht nächste Woche, er musste nicht daran arbeiten, nein, sofort!! Wollen wir das auch in unserm Leben? Satan redet uns ein, dass Gott nicht so schnell antworten wird. Denn er möchte nicht, dass wir uns an Gott wenden und wirklich rein werden.

Wurde der Aussätzige nur teilweise geheilt? Nein, ganz! Er gab sich ganz hin, sein Herz, seine Gedanken. Deshalb konnte ihn Gott auch ganz reinigen. Können wir von dem rein werden, woran wir klammern? Nein. Möchtest du von deinem Egoismus frei werden? Ich will es. Ganz, nicht zum Teil! Zwei Meistern kann man nicht dienen. Ich möchte keine halben Sachen.

Wollen wir verstehen, wie der Aussätzige rein wurde? Wollen wir Hoffnung? Der Heilige Geist kann uns Parallelen zeigen zwischen unserem Leben und dem Leben des Aussätzigen, damit wir erkennen, wie Gott uns reinigen will.

Was fühlt der Aussätzige?

Versetzen wir uns in seine Lage! Getrennt von seiner Familie, ein dahinsiechender Körper, hilflos, kein Ausweg. Die Kraft des positiven Denkens kann ihm nicht helfen. Man hat ihn ausgestoßen aus der menschlichen Gemeinschaft. Nur seine Leidensgenossen leisten ihm Gesellschaft. Die Finger fallen ihnen ab; Beine und Arme, der ganze Körper verfault, sodass einem der Geruchssinn immer wieder sagt: Es ist hoffnungslos.

Leben wir nicht ein ähnliches Leben? Wir sehen die Sünde, die uns immer wieder umstrickt. Wir sehen wie uns »Finger«, »Arme« und »Beine« abfallen. Wir beobachten unsere Partner, wie sie ringen und im christlichen Leben keine Freude und kein Glück finden oder wie sie gegen das Christentum kämpfen und Gott nicht einlassen wollen in ihr Herz. Fühlen wir uns da nicht auch hoffnungs- und hilflos? Sind wir nicht wie der Aussätzige? Sieht unser Leben nicht ziemlich katastrophal aus?

Der Aussätzige war dem Tode geweiht. Früher oder später würde es ihn ereilen. Aussatz bedeutete ein Leben voller Schmerzen. Der Aussätzige wusste, dass seine Krankheit die Folge seiner Selbstsucht war. Er glaubte, für ihn gäbe es keine Hoffnung auf Rettung mehr, kein ewiges Leben. »Herr, wenn ich nur von meiner Sünde gerettet werden könnte! Wenn ich mit der Hoffnung sterben könnte, dich in der Ewigkeit zu sehen!« Diese Sehnsucht wuchs in seinem Herzen. Das wollte er.

Was ist Aussatz? Was ist Sünde und Egoismus? Sehen wir die Parallele? Aussatz ist eine unheilbare Krankheit. Als ich mein Leben betrachtete und die Selbstsucht, die überall auftauchte, spürte ich, dass dieser Geist der Selbstsucht, der ganz von selbst ständig in mir aufkam, unheilbar bleiben würde ohne meinen Jesus, meinen Retter. Die Ansteckungsgefahr des Aussatzes war auch in meinem Leben der Selbstsucht zu finden.

Meine Jungs gingen nach draußen zum Spielen. Wir hatten Besuch, die Kinder spielten unschuldig. Da nahm einer der Jungen einen Stock, spielte damit Gewehr und schoss um sich. Der Aussatz der Sünde ist ansteckend. Die Dinge, an die meine Kinder nicht einmal denken sollten, machten sie nun nach. Der Mutter ging ein Stich durchs Herz. Wir brachten unsere Kinder wieder zu Jesus und retteten die Situation, indem wir gemeinsam überlegten, wie es zu dieser »Schießerei« kommen konnte. Ist Sünde und Selbstsucht ansteckend? Schleichen sie sich nicht ganz leicht in unser Leben ein? Ja, das tun sie.

Aussatz wurde als Gericht betrachtet, als Strafe für das eigene Sündenkonto – ein Symbol für die Sünde; Aussatz war unrein. Man war von der Gesellschaft abgeschnitten. Als ich noch in der Welt lebte – ohne mir dessen bewusst zu sein, was für eine schlimme Sünderin ich war, fühlte ich mich von der Welt akzeptierter als später. Als ich auf der Suche nach Gott war, nach Hoffnung für mein Leben, nach ein wenig Kontrolle über mein Ich und meinen Egoismus, da fühlte ich mich noch abgeschnittener.

Sünde schneidet uns von vielem ab. Die Haut schält sich ab. Aussatz ist schmerzhaft. Man sieht ihn. Es ist real. Wird nicht auch mein Leben verdorben, zerfressen und zerstört von meinem egoistischen Verhalten daheim, meinem Verhalten gegenüber meinen Kindern, wie ich sie korrigiere, wie ich zu meinem Partner bin, wie ich über Freunde spreche, wenn sie nicht da sind, aber meine Kinder es hören. Frisst Sünde und Selbstsucht nicht die Liebe in unserem Heim auf? Ich musste eingestehen, dass dies so ist.

Der Aussatz des »Ich will« zeigt sich, wenn der Mann auf seine Frau nicht eingeht, weil er einfach nicht will – oder die Frau dem Mann nicht die Schultern massiert, weil sie gerade keine Lust hat und sich gerade ganz um sich selbst dreht. »Ich will« – der Aussatz. Wer kann uns davon befreien? – Komm! Machen wir es wie der Aussätzige!

Doch nein, wir lassen unseren Hagel erbarmungslos auf die Kinder niedergehen – auf unsere armen Kinder, die wir doch so sehr lieben, in einem Tonfall, der nie gehört werden sollte. Denn wir lassen der Selbstsucht im Herzen freie Bahn und wollen nicht, dass Jesus auf dem Thron unseres Herzens regiert. Mit kaltem Schweigen bestrafen wir uns gegenseitig und verletzen uns. Ist kaltes Schweigen nicht genauso schlimm wie böse, schroffe Worte? Gewiss! Ich wurde schon mit Schweigen bestraft. Es ist sogar noch schlimmer. Man fühlt sich hoffnungslos, unrein, verurteilt.

Fühlen wir uns wie der Aussätzige? Jesus möchte uns heilen: »Er [Jesus] wird sein Volk retten von ihren Sünden« (Matthäus 1,21), nicht in ihren Sünden. Jetzt will Jesus mich von meinen Sünden retten. Er will nicht, dass ich zwei Meistern diene. Er will mir zeigen, wie ich nur einem folgen kann. Sallys Unabhängigkeit von Jesus soll geheilt werden.

Gott möchte uns regieren, uns beibringen, wie wir seinen Willen tun können. Er will nicht, dass ich sage, was ich sagen will, tue, was ich tun will, denke, was ich denken will und esse, was ich essen will! Er möchte, dass ich alles durch ihn filtere.

Das Krebsgeschwür der Sünde beginnt in den Gedanken. Auch die Heilung beginnt in den Gedanken.

Was denkt der Aussätzige?

Da sind nicht nur seine Gefühle, seine Angst, sein Wunsch nach Veränderung, seine Sünden daheim, wie er Frau und Kinder behandelte. Was denkt er? Er schaut sich um in der Leprasiedlung. Seine Hoffnungslosigkeit bestätigt sich. Die Menschen um ihn befinden sich in unterschiedlichen Todesstadien. Sehen nicht auch wir, wie die Sünde unsere Freunde, Glaubensgeschwister und Prediger stufenweise zum Tod führt?

Der Aussätzige denkt über sein Leben nach und erinnert sich an Salomos allzu wahre Aussage: »Alles ist eitel.« (Prediger 1,2) Er sieht wie nichtig es war, seine Kinder hart zu behandeln. Am liebsten würde er es rückgängig machen, wie er mit seiner Frau umging und sie ausnutzte. Seinen Mangel an Einfühlungsvermögen und an Fürsorge für seine Frau, Kinder und Freunde – wie gerne würde er alles rückgängig machen. Der Gedanke wird immer stärker: »Wenn Gott mir doch noch eine Chance geben würde, dass ich zu einem gewissen Grad meine ganze Rücksichtslosigkeit wieder gut machen könnte. Ich möchte Jesus folgen. Ich möchte Gott folgen. Ich will verändert werden. Ich würde so gerne geheilt werden.«

Mitten in diesen hoffnungs- und hilflosen Gedanken schenkt ihm der Heilige Geist einen Gedanken, der ihn zur Reue führt. Der Heilige Geist ruft ihn. Der Aussätzige kennt die Stimme Gottes nicht, doch er spürt irgendwie etwas Besonderes dabei: »Dieser Jesus von Nazareth hat viele geheilt. Vielleicht kann er auch dich heilen?«

»Nein, nein«, sagen seine Gedanken, »ich bin zu weit gegangen. Ich habe meine Arme schon fast ganz verloren. Meine Beine sind schon ganz angegriffen, ich kann kaum mehr laufen.« Doch der Gedanke kommt wieder und will ihm Hoffnung einflößen: »Jesus. Vielleicht ist er der Messias, auf den wir gewartet haben. Man sagt, er liebt und empfängt alle.« Die Hoffnung, die Sehnsucht in seinem Herzen wird stärker.

Doch die Gedanken sagen: »Nein!! Unmöglich. Ich habe zu viel getan. Ich habe die unverzeihliche Sünde begangen.«

Immer wieder flößt der Heilige Geist ihm Hoffnung ein. Immer wieder geht er dieser Hoffnung ein Stück nach. Doch sein Verstand erklärt sie für null und nichtig. »Hat nicht der Rabbi gesagt: ›Das ist der Fluch Gottes über dein Sündenleben!‹? Ach, es stimmt. Es stimmt absolut.« Jeden Tag flüstert Gott dem armen, hilflosen Aussätzigen den Gedanken ein: »Vielleicht liebt Gott dich. Willst du ihm nicht vertrauen?« – Spricht Gott auch mit unserem Herzen so?

»Vielleicht kann Gott auch mich heilen«, denkt er eines Abends. »Er hat andere geheilt, vielleicht … heilt er auch mich, wenn … wenn [sein Herz zerspringt vor Sehnsucht] ich nur nah an Jesus herankommen kann! Wenn ich ihn nur sehen kann. Das würde mir schon reichen.«

Und doch muss er sich an die Gesetze für Aussätzige halten. Sie müssen ihre Kleider zerreißen und »unrein, unrein« rufen. Nichts dürfen sie anfassen, ihr Atem ist giftig, schon Berührung könnte den Aussatz übertragen.

»Vielleicht, vielleicht, wenn ich ihn nur sehen könnte. Ach, es ist hoffnungslos. Wo kann ich ihn finden? Woher soll ich wissen, wo er gerade ist?« Der Geist wirkt weiter an seinem Herzen. Schließlich sieht man ihn auf den Hügelpfaden, hoffend gegen alle Hoffnung, unterwegs, um Jesus zu sehen.

»Ich werde es versuchen«, sagt er. Er schleppt sich auf einen Hügelkamm und sieht Jesus dort unten auf einem Hügel. Sein Herz schlägt vor Freude schneller. Es pocht, er atmet kürzer. Denn der, auf den er alle Hoffnung gesetzt hat, seine einzige Hoffnung, steht vor ihm. »Vielleicht kann er mir vergeben. Vielleicht kann er mich heilen. Ich möchte geheilt werden. Ich möchte frei sein. – Er hat ja auch andere geheilt.«

Er zögert. Die Aussatzgesetze halten ihn zurück. Da steht er und starrt auf die Menge. Er sieht, wie andere geheilt werden. Blinde sehen, Gelähmte gehen, Taube hören, Kranke werden geheilt. Jede Heilung vergrößert seine Hoffnung, dass Jesus auch ihn heilen wird. Er entscheidet sich: »Egal, was passiert. Ich muss zu Jesus gehen.« – Jesus selbst, sein Retter, hat den Aussätzigen zu sich gezogen.

Jesus unterrichtet am Seeufer und die Leute umringen ihn. Von weitem schnappt der Aussätzige ein paar Worte auf von den Lippen des Retters. Immer näher wagt er sich an die Menge heran. Die Aussatzgesetze, die Sicherheit der Menge, die Furcht, mit der alle Menschen ihm begegnen, sind vergessen! Er denkt nur an die gesegnete Hoffnung der Heilung.

Er bietet einen Anblick des Schreckens. Schwer gezeichnet hat ihn die Krankheit. Sein verfallender Körper ist ein grauenhafter Anblick. Entsetzt weichen die Leute zurück. In ihrer Panik stoßen sie sich gegenseitig, um ihm aus dem Weg zu gehen. Ein paar versuchen, ihn auf seinem Weg zum Heiland aufzuhalten, doch vergeblich. Er sieht sie nicht und hört sie nicht. Die Ausrufe des Ekels verhallen unbeachtet in seinen Ohren. Er sieht nur den Sohn Gottes. Er hört nur die Stimme, die den Sterbenden Leben zuspricht. Er erkennt sie. Es ist die Stimme, die ihn gerufen hat, die ihn den ganzen Weg hierhin geführt hat.

Er drängt sich bis zu Jesus vor und wirft sich vor seine Füße mit dem Ruf: »Herr, wenn du willst, kannst du sogar mich rein machen!« Gegen alle Hoffnung hofft er. Dann sagt Jesus die bedeutenden Worte: »Ich will’s tun. Sei rein.«

Jesus legt die Hände auf ihn, hat keine Angst vor der Berührung. Und sofort geht eine Veränderung durch den Aussätzigen. Sein Fleisch wird gesund, die Nerven empfindsam, die Muskeln fest, die raue, schuppige Hautoberfläche, die typisch ist für Lepra, verschwindet und sanfte Haut kommt zum Vorschein, die wie die Haut eines gesunden Kindes glüht.

Hören wir jetzt gerade Gottes Stimme zu unserem Herzen sprechen? So kann es auch bei dir geschehen, Sally! So kann es auch bei dir geschehen, lieber Leser! Welche Wunde, welchen Schmerz, welchen Aussatz wir auch haben – eine bissige Zunge, Bitterkeit im Herzen, Unfähigkeit zu danken, unsere Kinder zu erziehen und zu Jesus zu führen, damit auch sie heil werden – Gott will uns heilen und unterrichten.

Stehen wir weit weg von Gott und denken: »Mein Aussatz ist zu hartnäckig!«? Denken wir: »Ich habe die unverzeihliche Sünde begangen!«? Denken wir: »Solch ein ekelerregender Anblick wie ich beweist, dass ich die unverzeihliche Sünde begangen habe!«

»Keine Menschenseele wird jemals von Gott ein für allemal alleingelassen, solange es noch irgendeine Hoffnung auf ihre Rettung gibt. Der Mensch wendet sich von Gott ab, nicht Gott vom Menschen.« (Thoughts from the Mount of Blessing, S. 93; vgl. Das bessere Leben, S. 78; Leben in Fülle, S. 90) Das war eine klare Botschaft an Sallys Herz. Weil ich von meinen Eltern oft mit kaltem Schweigen bestraft wurde, dachte ich, ich müsste Gott ebenfalls eine Woche Zeit geben, bis sein Zorn über meine Sünden sich etwas gelegt habe. Doch Gott zeigte mir, dass er anders ist. Er liebt mich so sehr, dass ich ohne ihn nichts tun kann. In dem Moment allerdings, wo mir meine Sünde bewusst wird, ob gerade davor, mittendrin oder lange danach, brauche ich nur zu Gott umzukehren. Dann werde ich sofort gereinigt, wie der Aussätzige. Gott sagt: »Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.« (Matthäus 11,28 Elberfelder) Er möchte uns Ruhe geben und von allen Sünden reinigen.

»Indem Jesus den Aussätzigen von seiner schrecklichen Krankheit reinigte, zeigte er, wie er das Herz von Sünde reinigen möchte. Der Mann, der zu Jesus kam, war voller Aussatz. Die tödliche Krankheit hatte sich im ganzen Körper ausgebreitet. Doch Jesu Berührung spendete ihm Lebenskraft, und der Aussatz verschwand. Dasselbe geschieht mit dem tief verwurzelten, tödlichen und menschlich gesehen unheilbaren Aussatz der Sünde. ›Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunden, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind.‹ (Jesaja 1,5.6) … Seine Gegenwart hat heilende Wirkung auf den Sünder. Jeder, der ihm zu Füßen fällt und im Glauben sagt: ›Herr, willst du, so kannst du mich reinigen?‹, wird die Antwort hören: ›Ich will’s tun. Sei rein.‹ (Matthäus 8,2.3)« (The Desire of Ages, 266; Das Leben Jesu, 252)

Das schenkt Hoffnung! Lassen wir uns ständig von seiner heilenden Hand berühren, nicht nur einmal am Morgen! Es ist nämlich nicht Gott, der sich von uns abwendet, sondern wir wenden uns von ihm ab. Wir können jedoch zu ihm umkehren, und indem wir bei ihm bleiben, können wir die Sünden überwinden. Sollten wir ihn dennoch einmal verlassen oder unvorsichtig werden, lädt er uns ein, sofort wieder zu ihm zurückzukehren.

Von welchen Krankheiten möchte Gott uns reinigen? – Auch falls wir sie ihm nur eine nach der andern anvertrauen, werden wir sie ihm schon bald alle gegeben haben. Das macht Mut! – Was kann Gott mit einem Herzen tun, dass ihm ganz gehört? Was kann er mit meinem Herzen tun, mit meinem Geist, mit meinem Gefühl der Unwürdigkeit, wenn ich mich ihm ganz gebe? Was kann er aus meiner Ehe machen, aus meinen Kindern? Können auch sie lernen, mit Gott zu wandeln? – Selbstverständlich! Doch meine Hand muss erst fest in Gottes Hand ruhen, bevor ich als sein Werkzeug in der Lage bin, meine Kinder mit dem Retter in Verbindung zu bringen.

Wie schnell heilt Gott?

Wann können wir von unserem selbstsüchtigen Leben geheilt werden? Wann wurde der Aussätzige geheilt? – Sofort. – Warum? – Als Beispiel für uns. Wir dürfen erkennen, dass Gott uns genauso schnell von Sünde und Selbstsucht reinigen will.

»Bei einigen Heilungen gewährte Jesus nicht gleich den gewünschten Segen; doch beim Aussatz wurde die Bitte im selben Moment erfüllt, in dem sie ausgesprochen wurde. Bitten wir um irdische Segnungen, verzögert sich vielleicht die Gebetserhörung, oder Gott gibt uns etwas anderes als das, worum wir gebetet haben. Nicht so, wenn wir um Befreiung von Sünde bitten. Es ist sein Wille … [Sally] von der Sünde zu befreien … [Sally] zu seinem Kind zu machen und … [Sally] zu befähigen, ein heiliges Leben zu führen. Christus hat ›sich selbst für unsre Sünden gegeben, dass er … [mich] errette.‹ (Galater 1,4) … ›Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er … [Sally] die Sünden vergibt und [sie] reinigt … von aller Ungerechtigkeit.‹ (1. Johannes 1,9)« (The Desire of Ages, 266; Das Leben Jesu, 252)

Je völliger ich mich ihm gebe, desto völliger werde ich heute von ihm gereinigt. Was immer ich ihm aus Angst heute noch vorenthalte, darf ich ihm morgen geben; denn mein Vertrauen zu ihm wird wachsen, wenn ich erlebe, was er heute für mich tut. Deshalb können wir von der Sünde und der Selbstsucht, die uns beherrscht, sofort befreit werden: hier und jetzt.

Müssen wir hilflos, hoffnungslos und verzweifelt bleiben? – Nur wenn wir Gottes Kraft vergessen. Die Kraftquelle der Gebetserhörung und der Reinigung von Sünde bleibt für uns nur so lange verschlossen, bis wir aus tiefstem Herzen die Worte sprechen: »Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen«, und bis wir loslassen. Gott kann uns nur reinigen, wenn wir loslassen.

»Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein.« (Markus 1,40-42) Glaubst du, was uns Gott gleich in drei Evangelien überliefern ließ?

Der Kampf mit den Kaubonbons

Vor 15 Jahren, als wir im US-Bundesstaat Wisconsin wohnten, kannte ich die Stimme Gottes noch nicht so wie heute. Ich litt an einer bestimmten Art von Aussatz, der Esslust, die sich bei mir leider allzu deutlich bemerkbar machte. Sie war dermaßen in mein Leben eingedrungen, dass sie außer Kontrolle war. Ich versuchte sie in den Griff zu bekommen. Manchmal gelang es mir auch, dann wieder nicht. Bald fühlte ich mich zu schwach dazu, und hin und wieder entschied ich mich sogar bewusst gegen Gottes Willen. Die Sünde der Esslust drang tiefer und tiefer in mein Herz ein, ich fühlte mich wie eine Aussätzige. Ich wandte mich an Gott, betete wie der Aussätzige und las den Vers: »Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.« (Psalm 50,15)

Das Wissen reichte jedoch nicht. Gott sagte zu mir: »Ich werde mit dir arbeiten. Ich bin bei dir. Ich bin dein Retter. Ich kann dir helfen.« Ich las diese Verheißungen; ich kannte Judas 24: »Dem aber, der euch vor dem Straucheln behüten kann und euch untadelig stellen kann vor das Angesicht seiner Herrlichkeit mit Freuden.«

Eines Tages spülte ich in der Küche Geschirr. Da kam mir der Gedanke: »Hol dir doch eins von den roten Kaubonbons aus dem Schrank da drüben!« Und schon war ich auf dem Weg dorthin, nahm mir ein paar davon und kaute sie genüsslich beim Spülen. Doch jetzt kam mir ein anderer Gedanke: »Sally, du brauchst diese Kaubonbons nicht. Sie schaden dir.« Erst kürzlich hatte ich die Gesundheitsbotschaft kennengelernt. Deshalb wusste ich mehr als vorher. Schon als Ungläubige hatte ich zwar gewusst, dass ich solche Sachen besser nicht essen sollte. Doch ich hing daran. Es war eine Gewohnheit, ja sogar eine Sucht.

Als ich das erste Bonbon aß, rang ich mit dem Herrn und sagte: »Bist du es, Herr?«

»Ja, ich bin es, Jesus, vor deiner Herzenstür. Du brauchst keine Kaubonbons mehr zu essen.« Er sagte nicht: »Du sollst nicht!« Er sagte nicht: »Du darfst nicht.« Er sagte vielmehr: »Du brauchst nicht. Die Sünde muss dich nicht beherrschen.« Ich sagte: »Ich esse sie aber so gerne; ich will sie essen; ich esse sie immer.« Der Herr sagte: »Sally, du hast doch gelesen: Rufe mich an in der Not! Hast du es schon einmal ausprobiert? Glaubst du wirklich, dass ich dein Herz ändern kann?« »Nein, Herr. Ich möchte zwar frei werden, aber ich möchte auch meine Kaubonbons.«

Ich kämpfte mit diesen Gedanken, bis ich mich entschied, es auszuprobieren – zu schmecken und zu sehen, wie freundlich der HERR ist. Ich sagte also: »In Ordnung, Herr. Hier ist mein Herz und mein Wille.« Mehr wusste ich nicht zu diesem Zeitpunkt in meinem Christenleben. »Sie gehören dir. Ich gebe dir alles.« Ich ging zurück an mein Geschirr und spülte noch eifriger. Doch der einzige Gedanke in meinem Kopf war: »Ich will ein Kaubonbon. Ich will ein Kaubonbon.« Mir lief sogar das Wasser im Mund zusammen. Es war ein anstrengender Kampf.

Nach ein paar Momenten sagte ich verzweifelt: »Ich kann das nicht aushalten. Herr, was soll ich tun?« Der Kampf war nicht weniger ernst als ein Ringkampf mit einem Riesen. Ich ging aus dem Zimmer und dachte: »Ich muss etwas tun. Ich muss einen Ersatz finden.« Ich nahm den Staubsauger und fing an, wie wild zu staubsaugen. Ich versuchte meine Energie dorthin zu kanalisieren und schrie zum Herrn um Hilfe und Befreiung. »Das ist anstrengend, Herr!« Beim Staubsaugen kam mir der Gedanke: »Willst du das Kaubonbon immer noch, Sally?« Ich forschte in meinen Gedanken, meinem Geschmack, meinen Gefühlen und versuchte die Frage zu beantworten. Die Sehnsucht war verschwunden. »Herr, was hast du getan?«

Ich ging mutig in die Küche. Wollte ich das Bonbon immer noch? »Nein, ich will es nicht mehr. Ich habe keinen Hunger darauf. Selbst wenn du es mir geben würdest, ich wollte es nicht. Mir wird sogar schlecht, wenn ich nur daran denke.« Gott hatte meinen Aussatz berührt, meine Sucht. Er hatte mich gereinigt. – Heißt es nicht »sofort«? Hat er mich sofort gereinigt? – Ja, er hat mich sofort gereinigt. Ich war frei von der Sünde, die mich so fest im Griff hatte. Doch erst als ich gehorsam ins Wohnzimmer ging und staubsaugte, übernahm der Herr die Zusatzreinigung: Er machte auch meine Gedanken und Gefühle gehorsam.

Wir sind so daran gewöhnt, uns auf Gefühle und Sichtbares zu verlassen, dass wir unsere Reinigung nicht spüren. Denn es braucht Zeit bis diese Dinge völlig verschwunden sind – die falschen Gefühle und Gedanken und die Sehnsucht des Fleisches. Ich fiel auf mein Angesicht vor Gott, gab ihm meine Gedankenwelt und sagte: »Wenn du willst, kannst du mich rein machen.« Im Gehorsam folgte ich seiner Stimme. Heilt Staubsaugen vom Bonbonessen? – Nein, sondern Einheit und Gemeinschaft mit Gott und die Flucht zum Heiland.

»Ich will’s tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm.« (Lukas 5,13)

Der Kampf mit der Esslust

Ein weiteres Beispiel aus meinem Leben soll zeigen, wie gerne Gott die versklavende Sünde augenblicklich aus unserm Leben wegnehmen möchte.

Mein Mann Jim und ich hatten ein ernstes Gespräch über meine Kämpfe mit der Esslust. Wir wohnten nun schon einige Jahre in den Bergen Montanas und Gott hatte mir immer noch nicht den erwarteten vollständigen Sieg über meine Esslust gegeben. Ja, ich hatte große Siege errungen und hatte mich sehr verändert. Doch anscheinend glaubte ich eher an Evolution statt an Schöpfung. Ich will aber einem Schöpfer dienen nicht einem Evolutionsgott. »Was stimmt hier nicht, Herr?« Ich erzählte Jim über meine Kämpfe mit der Esslust in den vergangenen elf Jahren unserer Ehe. Als ich sie formulierte, bat ich Gott: »Hilf mir, mich richtig auszudrücken.« Gott schenkte mir soviel Offenheit wie noch nie zuvor. Ich beschrieb also sehr redegewandt und treffend, was zu dieser Zeit in meinen Gedanken und Gefühlen vor sich ging.

Meine Erklärungen dauerten zwanzig Minuten. Jim war geduldig und Gott ergeben genug, dass er mir bis zum Ende zuhörte. Nun schaute er mich mit verzweifeltem Gesicht an und sagte: »Sally, ich kann mich nicht in dich hineindenken.« Er war verzweifelt über sich selbst, denn Mitgefühl liegt ihm von Natur aus nicht. »Ich kann dir nicht helfen.« Ich schaute ihn an voller Sehnsucht nach einem freundlichen, mitfühlenden Gegenüber, das mir helfen könnte. Ich wollte, dass mein Mann meine Sehnsucht stillt, ich war abhängig von ihm. Er musste die Kraftquelle sein. Doch jetzt ließ er mich einfach im Stich!

Der Boden wurde mir unter den Füßen weggezogen. Tränen traten mir in die Augen. Ich konnte nicht länger in diesem Zimmer bleiben. Schnell rannte ich die Treppe hinunter, damit er es nicht merken würde. Gerade noch hielt ich sie mit der letzten mir verbleibenden menschlichen Kraft zurück. Nichts wie raus hier! Ich lief an meinen Jungen vorbei. Sie sahen, wie mir die Tränen lautlos über die Wangen liefen und fragten sich, was geschehen war; denn es hatte sich so angehört, als ob das Gespräch oben im Schlafzimmer bis eben noch gut verlaufen war. Kaum war ich draußen, verlor ich meine Beherrschung: Die Tränen flossen, ich schluchzte. Die Gefühle überwältigten mich wie eine Flutwelle.

Ich lief über die Wiese, hier unser Haus, dort die Rocky Mountains, über mir der schöne blaue Sommerhimmel; ich mit gesenktem Kopf. Ich fühlte mich wie ein Versager vor Gott. »Da bin ich. Meine Gefühle haben mich mal wieder eingeholt. Das hätte nicht passieren dürfen. Ich bin verzweifelt, und Verzweiflung ist Sünde.« Ich fühlte mich noch verzweifelter wegen meiner Sünde der Verzweiflung. Als ich so auf das Gras starrte, schien es mir zu sagen: Kopf hoch! (Grün ist die Hoffnung.) So wie man zu seinem Kind sagt: »Schau mir in die Augen. Ich hab dich lieb.« Dasselbe machte nun mein himmlischer Vater mit mir. Er bat mich aufzuschauen und Vertrauen zu schöpfen. Ich schaute in den blauen Himmel und sah Gehorsam. (Ich benutze Blau beim Unterstreichen in der Bibel für Gehorsam.) Ich wusste, ich brauche Jesus. Ich schaute zum Himmel, und Gott redete zu mir in meinen Gedanken: »Du musst es mir nicht erklären. Ich verstehe dich.« Jetzt kamen noch mehr Tränen, andere Tränen. Was für ein Durcheinander ist doch in uns. »Das stimmt. Jetzt habe ich alles eine halbe Stunde lang erklärt. Dabei kennst du mein Herz, du liest mein Herz, du weißt, dass ich aufrichtig bin. Vielleicht bin ich kein Sieger, aber ich bin aufrichtig. Herr, was soll ich tun?!!!« Das war der Schrei meines Herzens.

Mein Kopf senkte sich wieder. Die Verzweiflung packte mich erneut. Da sagte das Gras wieder: »Kopf hoch!« Und der HERR sagte mir in meinen Gedanken: »Sally, schau die Berge, die ich geschaffen habe!« Ich betrachtete sie und wusste, dass Gott mich liebt. Ich sah die schönen majestätischen, schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains. Gott sagte mir: »Ich sprach, und sie standen da.«

Ging ich nicht den gleichen Weg, den der Aussätzige ging, als seine Gefühle und Gedanken außer Kontrolle waren? Stand ich nicht wie der Aussätzige auf dem Hügel? Sandte mir Gott nicht durch die Berge die Botschaft: »Wenn du willst, kann ich dich reinigen!«? Ich antwortete dem Retter sofort: »Wenn durch dein Wort Berge entstehen, können durch dein Wort auch meine Sünden verschwinden. HERR, sie gehören dir. Ich gebe sie dir. Denn ich komme mit ihnen nicht zurecht.«

Dann geschah etwas Interessantes, zum ersten Mal in meinem Leben. Sofort, als wäre ein Abfluss in meinem Innern geöffnet worden, flossen alle Gefühle, alle Verzweiflung ab, als hätte man den Stöpsel in einer Badewanne gezogen. Ich konnte nicht glauben, was gerade mit Sally Hohnberger geschehen war, mit mir stummem, dummem, irrendem, wertlosem Nichts – Sally. Gott hatte mich berührt, mich gereinigt. Ich war so voller Freude, von der einen Augenblick früher nichts dagewesen war. Ich rannte ins Haus, die Treppe hinauf und erzählte meinem Mann und meinen Kindern, was Gott an mir getan hatte. Ich konnte es nicht glauben. Das ist die Geschichte deiner und meiner Reinigung vom Aussatz.

Lies Folgendes zu deiner eigenen Ermutigung: »›Alles hast du [Gott] unter seine [Jesu] Füße getan.‹ Wenn er [Gott] ihm [Jesus] alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre.« (Hebräer 2,8) Gott kann meine falschen Gefühle, Gedanken, Worte, Einstellungen, Sehnsüchte und alles, womit wir kämpfen unter Jesu Füße tun. Er möchte uns reinigen wie den Aussätzigen.

Wie wurde der Aussätzige verändert?

Er hörte die Heilung in der Stimme Gottes. Er reagierte im Glauben, er handelte, folgte, entschied sich und wurde geheilt. Der Aussatz wurde für immer aus seinem Fleisch entfernt.

Der Aussatz der Selbstsucht und Sünde in Gefühlen, Gedanken, Worten und Taten jedoch bleibt nur so lange unter Jesu Füßen, wie ich tatsächlich mit Jesus verbunden bin. Aus unserem Fleisch und Gehirn werden Selbstsucht und Sünde erst entfernt, wenn Jesus als König wiederkommt. Sie werden aber durch die Kraft Jesu in Schach gehalten. Das geschieht allerdings nur, solange ich in Jesus Christus bleibe. Wenn ich überwinden will, gilt es in Jesus zu bleiben. Birg dich in Jesus und für den Rest ist gesorgt!

Meine ärgerliche Veranlagung wird allein durch ständige Ergebenheit an Jesus gezähmt, denn er bändigt die Selbstsucht. An die Stelle meines Unmuts und meiner Verzweiflung tritt durch Gottes Gnade und Kraft Dankbarkeit. Aussatz an Häusern, in der Kleidung, sogar die Luft, in der sich der Aussätzige aufhielt, wurden mit Feuer gereinigt. Das Feuer in unserem Leben sind die Anfechtungen und Schwierigkeiten; sie machen uns bewusst, dass wir Gott brauchen.

Die Angst vor den Bären

Wie wird der Aussatz der Selbstsucht gereinigt? – Als wir in die Berge zogen, wusste ich, dass ich vor den Bären Angst haben würde, weil ich falsche Geschichten gehört und Filme im Fernsehen und im Kino geschaut hatte, die ich nie hätte anschauen sollen. In meinem Elternhaus waren diese Dinge gang und gäbe. Die Folgen hatte ich zu tragen: Die Angst vor den Bären. Ich vermutete hinter jedem Baum, hinter dem Komposthaufen usw. einen Bären. Gott arbeitete an mir. Es war ein Prozess des Verlernens und Umlernens. Ich lernte, was nötig war, um die entgegengesetzte Gewohnheit zu erwerben.

Ohne Gott lähmte mich die Angst vor den Bären. Solange ich mit Jesus verbunden war und wusste, ich bin in Christus und tue nichts gegen Gottes Willen, konnte ich nach einiger Zeit ohne Angst vor den Bären nach draußen gehen. Wenn ich aber im Haus war, etwas gegen Gottes Willen getan hatte und es nicht bekannte oder aufgab, sondern immer noch gerne tat, und es war bereits dunkel, und ich wollte den Kompost hinausbringen, kam die Angst vor den Bären zurück in mein Herz. »Was, wenn ein Bär hinter dem Komposthaufen ist?«

Ich ging im Dunkeln hinaus, der Herr klopfte an meiner Herzenstür und ich sagte: »In Ordnung, Herr. Ich bekenne das, das und das. Denn ich muss jetzt zum Kompost. Dazu muss ich dir vertrauen und darf keine Angst haben.« Dann versuchte ich stark zu sein und einfach zu gehen. Doch die Angst packte mich. Ich rannte zum Kompost und schaute mich keuchend um. Gab ich mich Gott hingegen völlig, konnte ich ohne Angst auch im Dunkeln hinausgehen und langsam laufen. Gott hört unseren Ruf und unseren Schrei nach Reinigung von Sünde und Selbstsucht sofort.

Solange ich mit Jesus verbunden bin, kann mein älterer Bruder die Sünde in mir in Schach halten. Wir werden verändert, indem wir uns in Jesus bergen. Solange ich mit Jesus ständig und wahrhaft verbunden bleibe, muss mein Fleisch nicht über mich herrschen. Wenn wir unsere Sünden bereuen, indem wir auf den Einfluss des Heiligen Geistes reagieren, wenn wir uns nach Gott ausstrecken, seinen Verheißungen glauben und uns von ihm besitzen lassen, kann seine lebensspendende Barmherzigkeit unsern Willen stark machen und reinigen. Wenn wir Gott um Hilfe anrufen, wird er uns helfen. Wir tun unseren Teil, Gott tut treu seinen Teil.

»Und es begab sich, als Jesus in einer Stadt war, siehe, da war ich voller Aussatz. Als ich Jesus sah, fiel ich auf mein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen. Und Jesus streckt seine Hand aus und rührt mich an und spricht: Ich will’s tun, sei rein! Und sogleich wird der Aussatz von mir weichen.« (frei nach Lukas 5,12-13)

Ich bete darum, dass auch du diesen Heiland kennen lernst, damit wir wirklich Gott ganz gehören können.

»Vater im Himmel. Wir danken dir, dass Jesus das alles möglich macht. Wir brauchen deine Reinigung, und du bist der einzige Arzt, der uns heilen und die Sehnsucht unseres Herzens stillen kann. Wir geben uns dir ganz, vollkommen, entschieden, HERR. Obwohl diese Übergabe schüchtern ist, obwohl »ganz« nur alles das meint, was wir bis jetzt erkannt haben, wissen wir, dass du es annimmst, und wir danken dir dafür. Hilf uns aufzustehen und ein erneuertes Leben zu führen, in dem Jesus unser bester Freund und Gefährte ist. HERR, lass keinen Leser die Offenbarung deiner Liebe verpassen. Offenbare dich als unser Retter. Danke dass wir dieses Vorrecht haben. Im Namen Jesu, Amen.«

Leicht gekürzt aus The Leper Cleansed in A Personal Walk, einer Kassettenserie von Restoration International.

Zuerst im Deutschen erschienen in zwei Teilen in der Zeitschrift Unser festes Fundament 2/2001 und 5/2001.


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