Freitag, 28 August 2015 – 09:58 Uhr

Der Sabbat und die Judenchristen: Die Dekapolis-Connection

Die Dekapolis-Connection

Bild: enterlinedesign - Shutterstock

Nach der Flucht aus Jerusalem entstand eine jüdisch-christliche Richtung, die noch im Mittelalter von sich reden machte. Von Pat Arrabito

Jesus warnte seine Nachfolger, aus Jerusalem zu fliehen, bevor die Stadt zerstört würde: »Bittet aber, dass eure Flucht nicht im Winter noch am Sabbat geschieht.« (Matthäus 24,20) Eusebius von Caesarea, ein christlicher Geschichtsschreiber im vierten Jahrhundert, berichtete, dass den Christusgläubigen in Jerusalem »durch eine Offenbarung geboten« wurde, nach Pella zu eilen, um dem unsäglichen Grauen zu entkommen, dass auf ihre dem Untergang geweihten Stadt wartete.

Pella war eine von zehn Städten, die sich Dekapolis nannten und die Ostgrenze des römischen Reiches darstellten. Seine Ruinen befinden sich heute in den Bergen Jordaniens, 30 km östlich des Sees Genezareth und 100 km nordöstlich von Jerusalem.

Es gibt eine Tradition, die von Bischof Epiphanios von Salamis (†403 n. Chr.) in seinem Panárion (einer Abhandlung gegen 30 Sekten) gestützt wird. Diese besagt, dass sich aus der christlichen Gemeinde in Pella die frühen Nazarener oder Nazoräer entwickelten – eine jüdisch-christliche Sekte, die an der Sabbatheiligung festhielt.

»Diese Sekte der Nazarener gedeiht am besten im Staat Berea in Syrien, in Dekapolis, um Pella herum und in Basan … Nachdem sie Jerusalem verlassen hatten, machten sie hier einen Neuanfang. Da alle Jünger in Pella wohnten, weil Jesus sie gewarnt hatte, sie sollten Jerusalem verlassen und vor der drohenden Gefahr auswandern.« (Epiphanios, Panárion 29)

Und nun ein Sprung ins 12. Jahrhundert: Bonaccursus, ein unbekannter »Ketzer«, der sich zum römischen Katholizismus bekehrte, schrieb ein Manifest gegen seinen eigenen vorigen Glauben. Darin nahm er die Nazarener ins Visier, die zu jener Zeit auch als »Passagini« bekannt waren.

»Wer noch nicht mit ihnen bekannt ist, beachte, wie verdreht ihr Glauben und ihre Lehre ist. Erstens lehren sie, dass wir das Gesetz des Mose buchstäblich befolgen sollen – den Sabbat, die Beschneidung – und das die Gesetzesvorschriften immer noch gültig sind. Des Weiteren verschlimmern sie ihren Irrtum dadurch, dass sie alle Kirchenväter verdammen und ablehnen und die ganze römische Kirche.« (Bonaccursus, Gegen die Ketzer)

Die Geschichtsschreiber können nur spekulieren, wie die Lehren der Gemeinde in Pella über die Jahrhunderte bis an die Passagini weitergegeben wurden. Wir führen es auf das wiederholte Eingreifen Gottes zurück, der das Licht der Wahrheit sogar durchs Mittelalter hindurch weiter leuchten ließ.

Quelle: The Link to Decapolis, LLT Productions Newsletter, August 2015


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