• Pioniergeschichten: Die Anfänge

    Die Anfänge

    film1

    Ich möchte den Kindern der Pioniere der Adventbewegung von dieser Bewegung erzählen und davon, warum wir sie fortführen sollten. Von Arthur W. Spalding. Gelesen von Tante Maria

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

Montag, 23 März 2015 – 13:19 Uhr

Tawbuid-Projekt auf Mindoro: Träume und Visionen

Träume und Visionen

Photo: Sharon Day - Shutterstock.com

Rauschendes Wasser. Wie komme ich durch diesen Fluss? Dunkelheit. Gott bahnt sich seinen Weg zum Herzen der Hochland-Tawbuid. Von John Holbrook

Der reißende Fluss

Benson stand direkt vor dem rauschenden Wasser. Vor seinen Füßen landeten Schaumflocken, die der Fluss umherschleuderte, als wäre er ein tollwütiges Tier, das ihn verschlingen wollte. Das Hochwasser erstreckte sich in beide Richtungen, so weit das Auge die Finsternis durchdringen konnte. Von einer Brücke oder einer Furt kein Anzeichen. Wenn er auf die andere Seite wollte, dann war dies der Ort.

Irgendwie wusste Benson, dass er diesen Fluss überqueren musste. Er war sich nicht klar warum, aber es war ihm auch egal. Hauptsache er kam hinüber! Er nahm allen Mut zusammen und ging vorwärts. Das kalte Wasser ging ihm bis zu den Oberschenkeln. Die Strömung war so stark, dass er beinahe das Gleichgewicht verlor, langsam schob er sich vorwärts, die Augen fest aufs Ziel gerichtet.

Immer höher stieg das Wasser um seinen angespannten Körper. Plötzlich verlor Benson den Halt und wurde davongetrieben. Kopfüber stürzte er die Stromschnellen hinunter, versuchte sich irgendwo festzuhalten. Er stieß gegen Felsen, Strudel zogen ihn nach unten und spuckten ihn später wieder aus. Doch er kämpfte sich weiter vorwärts zum gegenüberliegenden Ufer.

Dann, so plötzlich, wie er den Halt verloren hatte, fand er sich am andern Ufer wieder. Er hatte keine Ahnung, wie er dort hingekommen war. Der Fluss hatte ihm völlig die Orientierung geraubt, aber er hatte es irgendwie geschafft.

Auf der Suche nach der Deutung

Benson erwachte. Die Nacht war still. Der Traum war so echt gewesen. Was konnte das bedeuten? Obwohl es ein Albtraum war, spürte er eine unerklärliche Wärme und einen Frieden. Ich muss unbedingt meinen Bruder John fragen, sobald er von seiner Reise zurück ist, sagte er sich. Er wird wissen, was dieser Traum zu bedeuten hat. Mit diesem Gedanken fiel er in einen friedlichen Schlaf.
Ein paar Tage später, kam ich nach einer langen Reise in Balangabong an und ging sofort zu Bensons Haus. Nach der üblichen Begrüßung, kam er gleich zur Sache: »Ich hatte einen Traum!«, sagte er und beeilte sich, mir alle Einzelheiten zu erzählen. Als er fertig war, schaute er mich erwartungsvoll an. »Was hat das zu bedeuten?«

Nun, ich bin kein Traumexperte. Aber ich glaube, dass Gott meinte, was er in Joel 2 über Träume und Gesichte in den letzten Tagen sagte. Auch habe ich nichts gefunden, was darauf hinweist, dass Ellen White die einzige Erfüllung dieser Prophezeiung ist. Persönlich habe ich erlebt, dass Gott gerne Träume und Visionen an Orten schenkt, wo sein Wort zum ersten Mal vordringt, und zwar besonders, wo die Menschen viel Wert auf spirituelle Manifestationen legen.

Es war auch klar, dass Benson von mir erwartete, der ihm die Geschichten von Josef und Pharaos Träumen erzählt hatte, dass ich seine Träume deuten könnte. Ich hörte ihn förmlich denken: »Wenn die Geschichten in der Bibel sich  wirklich ereignet haben, dann muss es auch heute noch so etwas geben.« Mit einem Gebet und Weisheit und der Warnung, dass er sich nicht zu sehr auf meine Deutung verlassen solle, erklärte ich ihm den Traum, so gut ich es aufgrund der Symbole und Bedeutungen in den biblischen Prophezeiungen eben konnte.

Als ich geendet hatte, lehnte sich Benson zurück. Er war zufrieden. Gott hatte zu ihm gesprochen, sein Lehrer hatte ihm geholfen zu verstehen. Alles würde gut werden. Ich meinerseits betete, dass er Recht hatte.

Die Krise

Ein paar Wochen später erlebte Benson seine Krise.

Seine Rückenmarkstuberkulose hatte sich verbessert, doch so langsam, dass er es kaum bemerkte. Er hatte immer noch ständig Schmerzen. Dann kam noch ein sehr empfindlicher Abszess in der Nähe seiner verformten Rückenwirbel hinzu. Er wollte schon das Handtuch werfen. »Sag's mir halt«, schrie er fast, »wenn es mir nicht besser gehen wird, dann sag's mir einfach, damit ich wegkriechen und sterben kann!«

Mein Betreuer Laurence Burn war gerade auf Besuch, als dies geschah. »Ich habe wirklich den Eindruck, dass wir noch einmal hingehen und für Benson beten sollten«, sagte er mir am nächsten Morgen. »Vielleicht können wir auch Benson zum Beten ermutigen.«

Soweit ich wusste, hatte Benson in seinem Leben noch nie gebetet. Doch nachdem Laurence sein Herz ausgeschüttet und gebetet hatte, dass Gott seine Herrlichkeit offenbare, führte ich Benson durchs Gebet. Ich betete immer einen Satz, den er wiederholte, teilweise mit anderen Worten, die seine persönlichen Gefühle wiedergaben. Er betete mit einer Inbrunst, die für ihn ungewöhnlich war. Bestimmt würde Gott sein einfaches Glaubensgebet erhören!

Doch nichts geschah. »Warum?«, schrie ich zu Gott. »Durch die Geschichte hindurch hast du Menschen geheilt, vor allem die, die nach dir suchen. Ich habe selbst schon erlebt, wie du mehrere Spontanheilungen vollbracht und sogar Kinder von den Toten auferweckt hast. Warum willst du Benson nicht heilen? Wie soll er deine Macht kennen lernen, wenn es ihm nicht besser geht?« Keine Antwort!

Der zweite Traum

Später in der Nacht hatte Benson einen weiteren Traum. In diesem Traum war er wieder gesund und stark und arbeitete auf einem weiten Feld. Andere vor ihm hatten versucht auf diesem Feld zu arbeiten, aber sie konnten es nicht gründlich roden. Ihm nun gelang es, alles Unterholz zu entfernen und das Feld abzubrennen, damit es gute Frucht bringt.

Heilung

Ein paar Tage später war Laurence auf dem Heimweg in die Vereinigten Staaten. Bald schon brachte er mich in Kontakt mit einem Chirurg für Orthopädie in den USA, der sich freundlicherweise die Zeit nahm, mir Schritt für Schritt fernmündlich zu erklären, wie ich Bensons Abszess öffnen und den Druck auf sein Rückenmark verringern könnte.

Wieder ein paar Tage später führte ich das Ganze durch. Plötzlich konnte Benson gehen und war fast völlig schmerzfrei! Der Chirurg hatte mich gewarnt, dass Benson seine schwache Wirbelsäule so wenig wie möglich belasten solle. Doch Benson war vor Begeisterung darüber, dass die Schmerzen verschwunden waren, nicht zu halten. Er lief im ganzen Dorf umher. »Pass auf«, protestierte ich, »dass du deine Wirbelsäule nicht noch schlimmer schädigst!« Aber ich wusste, es war hoffnungslos. Denn eines Morgens sah ich ihn auf dem Dach seines Nachbars Bambussteifen zum Trocknen auslegen, damit er später daraus einen Korb flechten konnte.

Der erste Hochland-Tawbuid

Benson gibt alles Lob Gott. Anscheinend hat er nie daran gezweifelt, dass Gott ihn heilen kann. Gottes Absichten hat er nicht in Frage gestellt, wie ich es vielleicht in seiner Situation getan hätte. Jetzt, wo er wieder umherläuft, kommt er regelmäßig in die Gemeinde und zur Gebetsversammlung und saugt die Wahrheit auf. Vor allem aber bringt er seinen Glauben an Gott zum Ausdruck! Benson ist unser erster bekehrter Hochland-Tawbuid!

Der Kampf ist jedoch noch nicht vorbei. Einer von Bensons früheren Schamanen versucht ihn wieder zurückzuholen und die Motive, warum ich ihm helfe, anzuzweifeln. Bitte betet mit mir jeden Tag darum, dass Gott in Benson Gestalt gewinnt und er eines Tages seinen Traum erfüllen wird, damit er ein produktiver Arbeiter im Feld der Tawbuid wird.

Aus: Adventist Frontiers, Februar 2015

http://www.afmonline.org/post/dreams-and-visions2

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.
JOHN HOLBROOK möchte das eingeborene Bergvolk der Tawbuid auf der philippinischen Insel Mindoro erreichen.
www.afmonline.org


Diesen Artikel...




Mehr auf HOFFNUNG WELTWEIT

Überlegungen zum VATER UNSER: Herr, lehre uns beten
Angriff aufs Tawbuid-Projekt: Briefe von Mephistos Lakaien
Gebet um Vergebung und Hilfe: Die nötige Wende
Wenn ein Missionar am Boden zerstört ist: Weiter so, mein Kämpfer!
Tawbuid-Projekt auf Mindoro: Campmeeting auf den Philippinen
Vom Engel besucht: William Miller und sein Auftrag
Für Spätregner: 14 Regeln fürs Bibelstudium
Tawbuid-Projekt auf Mindoro: Endlich Heilung
Tawbuid-Projekt auf Mindoro: Mein Freund