• Wichtige Aufgaben in der Familie: Die Herzen der Kinder gewinnen

    Die Herzen der Kinder gewinnen

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    Doch wie? Und welche Stolpersteine kann ich dafür aus dem Weg räumen? Von Ellen White

Freitag, 09 September 2016 – 09:33 Uhr

Die Rolle des Vaters in der Familie: Traditionelle oder revolutionäre Erziehung?

Traditionelle oder revolutionäre Erziehung?

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Zu oft versucht man in der Erziehung das richtige Maß zwischen Großzügigkeit und Strenge zu finden, also die richtige Methodik. Doch entscheidend sind ganz andere Fragen. Von Ellen White
 

Nur wenige Väter sind für die Verantwortung der Kindererziehung geeignet, da sie noch selbst eine strenge Erziehung brauchen, um Selbstbeherrschung, Nachsicht und Einfühlungsvermögen zu lernen. Erst wenn sie selbst diese Eigenschaften besitzen, sind sie fähig, ihre Kinder richtig zu erziehen.

Womit lässt sich das moralische Feingefühl der Väter wecken, damit sie ihre Aufgabe gegenüber ihren Sprösslingen erkennen und ernst nehmen? Dieses Thema ist sehr wichtig und interessant, da davon der zukünftige nationale Wohlstand abhängt. Mit tiefem Ernst möchten wir Vätern, wie auch Müttern, die große Verantwortung vor Augen halten, die sie auf sich genommen haben, indem sie Kinder in die Welt setzten. Dies ist eine Verantwortung, von der sie nur der Tod entbinden kann. In den ersten Lebensjahren der Kinder liegt die Hauptlast und Fürsorge für die Kinder zwar bei der Mutter, doch selbst dann sollte der Vater ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie ermutigen, auf seine große Zuneigung zu bauen und ihr soviel wie möglich helfen.

Wo liegen meine Prioritäten?

Am wichtigsten sollte dem Vater die Aufgabe sein, die er seinen Kindern gegenüber hat. Er sollte sie nicht beiseite schieben, um Wohlstand zu erreichen oder eine höhere Position in den Augen der Welt zu gewinnen. Tatsächlich führt der Besitz von Wohlstand und Ehre häufig zu einer Trennung zwischen dem Ehemann und seiner Familie, und dies hemmt seinen Einfluss auf sie besonders. Wenn es das Ziel des Vaters ist, dass seine Kinder harmonische Charaktere entwickeln, ihm Ehre machen und der Welt Segen bringen, so muss er Außerordentliches vollbringen. Gott macht ihn dafür verantwortlich. Beim jüngsten Gericht wird Gott ihn einmal fragen: Wo sind die Kinder, die ich dir anvertraut habe? Hast du sie für mich so erzogen, dass sie mich lobpreisen? Glitzert ihr Leben in der Welt wie ein schönes Diadem? Werden sie in die Ewigkeit eingehen, um mich immerdar zu ehren?

Welche Charaktertypen haben meine Kinder? – Mit Geduld und Weisheit erklären ist besser als strafen

Manche Kinder haben starke moralische Fähigkeiten. Sie haben genug Willenskraft, um ihren Verstand und ihre Handlungen zu beherrschen. Bei anderen Kindern hingegen sind die körperlichen Begierden fast nicht zu bändigen. Um diesen gegensätzlichen Temperamenten gerecht zu werden, die oft in derselben Familie vorkommen, brauchen Väter, wie auch Mütter, Geduld und Weisheit vom göttlichen Helfer. Man erreicht nicht so viel, wenn man die Kinder wegen ihrer Übertretungen bestraft. Viel mehr erreicht man, wenn man ihnen die Torheit und Abscheulichkeit ihrer Sünde erklärt, ihre versteckten Neigungen versteht und alles dafür tut, sie in die richtige Richtung zu lenken.

Die Stunden, die viele Väter mit dem Rauchen [u. Ä.] verbringen, sollten besser genutzt werden, um Gottes Erziehungsstil zu studieren und weitere Lehren aus den göttlichen Methoden zu ziehen. Jesu Lehren eröffnen dem Vater neue Wege, auf denen er das Menschenherz erreichen und ihm wichtige Lehren über Wahrheit und Recht nahe bringen kann. Jesus benutzte Bekanntes aus der Natur, um seinen Auftrag zu veranschaulichen und einzuprägen. Er zog praktische Lehren aus dem Alltag, den Berufen der Menschen und ihrem täglichen Umgang miteinander.

Zeit zum Gespräch und in der Natur

Wenn der Vater seine Kinder häufig um sich schart, kann er ihre Gedanken in moralische und religiöse Bahnen lenken, auf denen Licht scheint. Er sollte ihre unterschiedliche Neigung, Empfänglichkeit und Anfälligkeit studieren und sie auf den einfachsten Wegen zu erreichen suchen. Manche sind am besten durch Ehrfurcht und Gottesfurcht ansprechbar; andere sind besser zu erreichen, wenn man ihnen die Wunder und Geheimnisse der Natur vor Augen führt mit all ihrer wunderbaren Harmonie und Schönheit, die zu ihren Herzen vom Schöpfer des Himmels und der Erde spricht und von allen wunderbaren Dingen, die er geschaffen hat.

Zeit zum Musizieren und Musikhören

Viele Kinder, die mit der Gabe der Musik oder der Liebe zur Musik gesegnet sind, erhalten Eindrücke, die ein Leben lang anhalten, wenn diese Empfänglichkeit wohl überlegt genutzt wird, um sie im Glauben zu unterweisen. Man kann ihnen erklären, dass sie wie ein Missklang in der göttlichen Harmonie der Schöpfung sind, wie ein verstimmtes Instrument, das disharmonisch klingt, wenn sie nicht mit Gott eins sind, und Gott noch mehr Schmerzen bereiten als harte, disharmonische Töne ihrem eigenen feinen musikalischen Gehör.

Bilder und Illustrationen zu nutzen wissen

Manche Kinder erreicht man am besten durch heilige Bilder, die Szenen aus Jesu Leben und seinem Wirken darstellen. Auf diese Weise kann die Wahrheit ihrem Gedächtnis in lebhaften Farben eingeprägt werden, so dass sie nie mehr ausgelöscht werden. Die römisch-katholische Kirche ist sich dessen wohl bewusst und spricht die Sinne der Menschen durch den Reiz der Skulpturen und Gemälde an. Obwohl wir nicht mit der Bilderverehrung sympathisieren, die von Gottes Gesetz verurteilt wird, glauben wir doch, dass es richtig ist, wenn man sich die bei Kindern fast überall anzutreffende Liebe zu Bildern zunutze macht und dadurch wertvolle moralische Werte in ihrem Denken verankert. Die wunderschönen Bilder, die die großen moralischen Prinzipien der Bibel darstellen, binden das Evangelium an ihre Herzen. Auch unser Heiland veranschaulichte seine heiligen Lehren durch die Bilder in Gottes geschaffenen Werken.

Einsicht wecken ist besser als zwingen – Klippen umschifft man besser

Es wird nicht gelingen eine eiserne Regel aufzustellen, die jedes Familienglied in die gleiche Schule zwingt. Besser man erzieht sanft und appelliert an das Gewissen der Heranwachsenden, wenn es gilt, besondere Lehren zu vermitteln. Dabei hat es sich bewährt, auf ihre individuellen Vorlieben und Charaktermerkmale einzugehen. Eine einheitliche Erziehung in der Familie ist zwar wichtig, doch gleichzeitig sollte man die unterschiedlichen Bedürfnisse der Familienglieder berücksichtigen. Findet als Eltern heraus, wie ihr vermeiden könnt, bei euren Kindern Streitlust zu wecken, sie zum Zorn zu reizen oder in ihnen Rebellion zu entfachen. Stattdessen weckt ihr Interesse, regt sie an, nach der höchsten Intelligenz und Charaktervollkommenheit zu streben. Dies kann im Geist christlicher Wärme und Geduld geschehen. Die Eltern kennen die Schwächen ihrer Kinder und können entschlossen, aber freundlich ihre Neigungen zur Sünde bändigen.

Wachsamkeit in einer Atmosphäre des Vertrauens

Die Eltern, vor allem der Vater, sollten darauf achten, dass die Kinder ihn nicht als Detektiv empfinden, der all ihre Handlungen prüft, überwacht und kritisiert, jederzeit bereit einzuschreiten und sie für jedes Vergehen zu bestrafen. Das Verhalten des Vaters sollte den Kindern bei jeder Gelegenheit zeigen, dass der Grund für Korrektur ein Herz voller Liebe zu den Kindern ist. Hat man diesen Punkt erreicht, ist viel gewonnen. Der Vater sollte ein Gespür für die menschlichen Wünsche und Schwächen seiner Kinder haben, sein Mitgefühl für den Sünder und sein Kummer über den Irrenden sollte größer sein, als der Kummer, den die Kinder über ihre eigenen Missetaten empfinden können. Wenn er sein Kind auf den richtigen Weg zurückholt, wird es dies spüren, und selbst das verbohrteste Herz wird weich werden.

Wie Jesus zum Sündenträger werden

Der Vater, als Priester und als derjenige, der die Familie zusammenhält, sollte ihr gegenüber so weit als möglich den Platz Jesu einnehmen. Er trage trotz eigener Unschuld Leid um die Sünder! Er erdulde die Schmerzen und den Preis, den die Vergehen seiner Kinder kosten! Und er leide mehr als sie selbst, während er sie straft!

»… die Kinder machen einem doch alles nach«

Doch wie kann der Vater seinen Kindern die Überwindung schlechter Neigungen beibringen, wenn sie sehen, dass er sich selbst nicht beherrschen kann? Er verliert fast seinen ganzen Einfluss auf sie, wenn er ärgerlich oder ungerecht wird oder wenn irgendetwas an ihm darauf hinweist, dass er Sklave einer bösen Gewohnheit ist. Kinder beobachten scharf und ziehen klare Schlussfolgerungen. Eine Vorschrift muss von vorbildlichem Verhalten begleitet sein, damit sie greift. Wie soll der Vater in der Lage sein, seine moralische Würde vor den wachsamen Augen seiner Kinder zu wahren, wenn er schädliche Genussmittel zu sich nimmt oder in eine andere entwürdigende Gewohnheit fällt? Falls er für sich eine Sonderstellung beansprucht, was den Gebrauch von Tabak betrifft, werden seine Söhne sich vielleicht auch frei fühlen, sich dasselbe Recht herauszunehmen. Es kann gut sein, dass sie dann nicht nur Tabak nehmen wie der Vater, sondern zudem auch in die Alkoholsucht schlittern, weil sie meinen, es sei nicht schlimmer, Wein und Bier zu trinken, als Tabak zu rauchen. So setzt der Sohn seinen Fuß auf den Pfad des Trinkers, weil das Vorbild des Vaters ihn dazu verleitet hat.

Wie beschütze ich meine Kinder vor Genusssucht?

Die Gefahren der Jugend sind vielseitig. In unserer Wohlstandsgesellschaft gibt es unzählige Versuchungen, die Lust zu befriedigen. In unseren Städten sind junge Männer tagtäglich dieser Versuchung ausgesetzt. Sie fallen unter dem trügerischen Schein der Verlockung und befriedigen ihre Lust, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie ihrer Gesundheit schaden könnten. Die Jugend erliegt oft dem Glauben, dass Freude in schrankenloser Freiheit, im Genuss verbotener Vergnügungen und in egoistischer Selbstbefriedigung liegt. Diese Freude erwerben sie sich dann auf Kosten ihrer körperlichen, geistigen und moralischen Gesundheit und am Schluss bleibt nur Bitterkeit.

Wie wichtig ist es doch, dass der Vater auf die Gewohnheiten seiner Söhne und ihrer Kameraden achtet. Zuallererst sollte der Vater selbst dafür sorgen, dass er nicht Sklave einer verdorbenen Lust ist, die seinen Einfluss auf seine Söhne schmälert. Er sollte seinen Lippen jegliches Nachgeben gegenüber schädlichen Genussmitteln versagen.

Menschen können für Gott und ihre Mitmenschen viel mehr tun, wenn sie bei guter Gesundheit sind, als wenn sie unter Krankheit und Schmerzen leiden. Tabak- und Alkoholkonsum sowie falsche Essgewohnheiten verursachen Krankheit und Leid, die dafür unfähig machen, der Welt zum Segen zu werden. Die Natur, die mit Füßen getreten wird, macht sich nicht immer mit vorsichtigen Warnungen bemerkbar, sondern manchmal mit heftigen Schmerzen und extremer Schwäche. Unsere körperliche Gesundheit leidet jedes Mal, wenn wir den unnatürlichen Gelüsten nachgeben; unser Gehirn verliert die Klarheit, die es zum Handeln und Unterscheiden benötigt.

Magnet sein!

Der Vater braucht vor allem einen klaren, aktiven Geist, ein schnelles Wahrnehmungsvermögen, eine ruhige Urteilsfähigkeit, körperliche Stärke für seine anstrengenden Aufgaben und besonders Gottes Hilfe dabei, seine Handlungen richtig aufeinander abzustimmen. Er sollte deswegen absolut maßvoll leben, in der Furcht Gottes wandeln und sein Gesetz befolgen, einen Blick für die kleinen Liebenswürdigkeiten und Freundlichkeiten des Lebens haben, seine Frau unterstützen und stärken, ein vollkommenes Vorbild für seine Söhne sein sowie ein Ratgeber und eine Autoritätsperson für seine Töchter. Ferner ist es unerlässlich, dass er in der moralischen Würde eines Mannes steht, der frei von der Sklaverei böser Gewohnheiten und Leidenschaften ist. Nur so kann er der heiligen Verantwortung gerecht werden, seine Kinder für das höhere Leben zu erziehen.

Aus: Signs of the Times, 20. Dezember 1877

Bearbeitete Neuveröffentlichung des im Deutschen erschienenen Artikels »Der Vater in der Familie« in Unser festes Fundament, 2-2004


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