Mittwoch, 30 August 2017 – 07:16 Uhr

Heilung für Geist und Seele (Letzter Teil): Strategie der Hoffnung bei Depressionen

Strategie der Hoffnung bei Depressionen

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Eigentlich gar nicht kompliziert. Es kostet nur ein wenig Glauben. Von Elden Chalmers

Depressionen können in jedem Alter auftreten.

Beim Säugling

Sogar Säuglinge im Alter von 7 bis 15 Monaten können depressiv werden, und zwar wenn man sie von einer liebevollen Mutter trennt, sie sich emotional vernachlässigt oder missbraucht fühlen, oder spüren, dass die Mutter selbst niedergeschlagen ist.

Depressive Säuglinge schreien anfangs sehr viel, werden dann in sich gekehrt und passiv. Sie erwarten nichts mehr von ihrer Umwelt und zeigen zunehmend Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit. Manchmal weinen sie immer wieder, sind aber sonst meist lust- und teilnahmslos. Es treten Stillprobleme auf, sie spucken die Milch oft wieder aus und schlafen übermäßig viel.

Ein Säugling entwickelte eine Depression, weil seine Mutter im Umgang mit ihm extrem unsicher war. Sie hatte Angst, ihn zu halten und mied ihn daher mit Ausnahme der Situationen, in denen sie seine Grundbedürfnisse befriedigte. Nachdem sie mit dem Kinderarzt gesprochen hatte, konnte sie sich entspannen und ihrem Baby die Wärme und liebevolle Fürsorge schenken, die es so sehr brauchte. Ihr Baby fing an zu lächeln und seine Depression zu überwinden. Herzliche, liebevolle Fürsorge ist eine vitalisierende Macht. Sie bringt jedem Bereich des Gehirns und des Körpers Heilung. Unser liebender Gott ist die Quelle dieser Fürsorge.

Beim älteren Menschen

Wie verlaufen Depressionen bei älteren Menschen? Die Selbstmordrate liegt bei Männern über sechzig am höchsten, bei Frauen liegt sie viel niedriger. Der Verlust des Selbstwertgefühls, verbunden mit hoffnungslosen Zukunftsaussichten, kann Depressionen auslösen. Ältere Menschen können sich oft nur schwer in ihre neue Rolle fügen: zunehmende Abhängigkeit, abnehmende körperliche Kraft und Beweglichkeit, der Verlust eines geliebten Menschen und scheinbare oder tatsächliche finanzielle Unsicherheit. Die Nähe eines neuen Partners oder die echte Fürsorge und fröhliche Anteilnahme eines Sohnes, einer Tochter, eines jüngeren Bruders oder einer jüngeren Schwester haben schon vielen alten Menschen aus ihrer Depression geholfen und andere ganz davor bewahrt.

Können auch Christen Depressionen bekommen?

Auch der treue Christ ist nicht vor Depressionen sicher. Hiob, eine der Hauptpersonen im Alten Testament, rief aus: »Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgebracht? Wäre ich doch dabei umgekommen, ohne dass mich ein Auge gesehen hätte! … Sorglos war ich, da hat er mich … zerschmettert … meine Galle schüttete er auf die Erde aus … Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und mein Horn in den Staub gesenkt. Mein Angesicht ist gerötet vom Weinen, und Todesschatten liegt auf meinen Lidern …Wenn ich rede, so wird mein Schmerz nicht gelindert, unterlasse ich es aber, was verliere ich? … Mein Geist ist verstört, meine Tage laufen ab … Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind? … Wo ist da noch Hoffnung für mich?« (Hiob10,18; 16,12-13.15-16.6; 17,1; 13,24; 17,15)

Nach einem Vortrag, den ich über emotionale Gesundheit gehalten hatte, stellte mir jemand die Frage: »Wäre Elia bei Ihren psychologischen Tests als emotional gesund eingestuft worden?«

Ich erwiderte: »Wenn Sie drei Jahre Hungersnot durchmachen können, in denen Sie nur von Raben versorgt und gleichzeitig von dem Gedanken gequält werden, dass die Streitmacht des Königs es auf sie abgesehen hat; wenn Sie 450 Baalspropheten entgegentreten können, die Ihnen nach dem Leben trachten; wenn Sie danach noch ein außerordentliches Wunder vollbringen, um den Gott des Himmels zu entlasten, sodann erfahren, dass die Königin geschworen hat, Sie umzubringen; wenn schließlich Ihre Arbeit ganz umsonst gewesen zu sein scheint; und wenn Sie erst nach alledem in eine depressive Phase eintauchen, würden Sie wahrscheinlich bei meinen psychologischen emotionalen Gesundheitstests glänzend abschneiden!« Ja, sogar Elia wurde depressiv. Doch Gott liebte ihn und sandte einen Engel, um ihm aus seiner Depression zu helfen.

Das Leben verliert seine Bedeutung

Jeder, der eine Depression erlebt hat, weiß, wie furchtbar das ist! Man fühlt sich alleine. Keiner scheint einen zu verstehen. Falls es jemandem gelingt, uns etwas Hoffnung zu vermitteln, so verglüht dieser Funke doch schnell. Alles erscheint einem sinnlos. Die anderen Symptome sind sehr abhängig von dem einzelnen Menschen und seiner individuellen Lebenslage. Man kann sich schlecht konzentrieren. Für manche ist der Morgen die schlimmste Zeit am Tag.

Alles ist doppelt so anstrengend. Man fühlt sich ausgelaugt und müde. Man kann sich zu nichts aufraffen und interessiert sich auch überhaupt nicht für seine Umwelt. Vielleicht fühlt man sich sogar schuldig, weiß aber nicht so recht wofür – oder man weiß, dass viele andere Menschen für dieselben oder schlimmere Dinge Vergebung erfahren haben, aber es hilft einem trotzdem nicht, frei zu werden. Man ist sich sicher, dass Gott einen verlassen hat, ängstigt sich vielleicht, weint viel mehr als sonst oder fährt leicht aus der Haut. Möglicherweise meint man sogar, den Verstand zu verlieren.

Manche depressiven Menschen neigen zu Schlafstörungen, wachen zu früh auf und sind nicht ausgeschlafen. Andere können schlecht einschlafen. Sie haben keinen Appetit. Ihnen wird ab und zu schwindelig oder sie bekommen Herzrasen. Die Symptome sind zahlreich und die meisten Patienten haben nur einige davon.

Was löst Depressionen aus?

Meistens liegen einer Depression mehrere Ursachen zugrunde. Nach meiner Beobachtung zählen ein erniedrigter Blutzuckerspiegel, eine Blutarmut oder eine Schilddrüsenunterfunktion zu den drei häufigsten organischen Ursachen. Ich habe festgestellt, dass dies die drei meistverbreiteten körperlichen Ursachen für Depression sind. Einige Wissenschaftler meinen, dass in einigen Fällen ein gestörter Aminosäuren-Stoffwechsel vorliegt. Oft sind die Ursachen aber ganz und gar nicht organischer Natur.

Ein Vorfall kann eine ganze Gedankenkette auslösen, die unser Versagen in übertriebenen Farben darstellt, so dass wir uns völlig unfähig und wertlos vorkommen. Ein Aufgeben unserer sonst hochmoralischen Prinzipien in einem schwachen Moment kann starke Depressionen mit Gefühlen erdrückender Schuld und Wertlosigkeit hervorrufen. Ich habe miterlebt, wie solche Menschen extreme Übelkeitsgefühle erlebten und sich übergeben mussten. Wiederholte finanzielle Schwierigkeiten, wachsende Schulden, Versagen in der Ehe und Kindererziehung – all das kann Nervenenergie rauben, das normale chemische Gleichgewicht stören und depressive Gefühle auslösen.

Wie können wir depressiven Phasen vorbeugen?

Darauf kann niemand eine allgemeingültige Antwort geben. Manchmal können wir ihnen – wie Hiob – einfach nicht aus dem Weg gehen. Dennoch hier einige wichtige Tipps:

Ernährung

Sorgen Sie für regelmäßige Essenszeiten, essen Sie nicht zu viel und nicht zu wenig und halten Sie ausreichend Abstand zwischen den Mahlzeiten (ca. fünf Stunden). So vermeiden Sie Blutzuckerschwankungen und gewähren dem Verdauungssystem auch die notwendige Ruhephase.

Viele verhaltensgestörte und zu Depression neigende Kinder kommen aus Familien, die regelmäßige Essenszeiten nicht wichtig finden. So gewöhnen sich diese Kinder daran, zu jeder Tages- und Nachtzeit minderwertige Kost zu essen.

Raffinierte Süßigkeiten sollten, wenn überhaupt, nur sehr sparsam genossen werden. Ideale Kohlenhydratquellen sind Früchte und Vollkorngetreide wie Weizen, Mais, Hafer und Hirse. Einer Blutarmut kann man normalerweise durch eine Ernährung vorbeugen, die viel Eisen, Vitamin C und Vitamin B12 enthält. Für Vegetarier sind Trockenfrüchte, dunkelgrüne Blattgemüse, Vollkorngetreide sowie (bitte sparsam verwenden!) Eier- und Milchprodukte eine gute Eisenquelle. Veganer können ihren Vitamin-B12-Bedarf durch mit Vitamin B12 angereicherte Nahrungsmittel (oder Supplemente) decken.

Um die Nährstoffe der Nahrung auch gut aufnehmen zu können, ist es wichtig mit Ruhe zu essen und ausreichend lange zu kauen. Verbleibt halbverdaute Nahrung zu lange im Magen, entsteht Alkohol. Dies geschieht insbesondere dann, wenn wir uns überessen, zu viel zu den Mahlzeiten trinken oder Lebensmittel kombinieren, die unterschiedlich schnell verdaut werden. Viele Medikamente, wie beispielsweise Hustensäfte, basieren auf einer hochprozentigen Alkohollösung, die eine depressive Entwicklung fördern kann. Eine weitere Ursache, eine Unterfunktion der Schilddrüse, kann von Ihrem Hausarzt behandelt werden. So viel zu den körperlichen Ursachen.

Positiv denken lernen

Wenn alle Familienmitglieder eine positive Lebenseinstellung hätten, wäre unser Selbstwertgefühl viel tragfähiger. Depressive Gefühle würden viel seltener und, wenn überhaupt wahrnehmbar, nur viel kürzer auftreten.

Als Teenager lernte ich Bibelverse auswendig, die zu Leitmotiven meines Lebens wurden: »Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.« (Philipper 4,13)

»Alles, was deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft.« (Prediger 9,10)

»Achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Standhaftigkeit bewirkt. Die Standhaftigkeit aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und ganz seid und es euch an nichts mangelt.« (Jakobus 1,2-4)

»Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!« (1. Korinther 15,57)

Ermutigen Sie Ihre Familie, nach beeindruckenden Bibelversen wie diesen zu suchen, sie auswendig zu lernen und im Rahmen der gemeinsamen Familienandacht vorzutragen. Das wird die emotionale Gesundheit Ihrer Familie fördern. Diese Anregungen werden Ihr Gemüt stählen.

Tapetenwechsel

Was tun wir aber, wenn wir doch von depressiven Gefühlen und Gedanken eingeholt werden? Sobald Sie dies bemerken, ist entschiedenes Handeln angesagt. Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, verlassen Sie sofort den Platz, an dem Ihnen diese Gedanken kommen, planen Sie eine körperliche Aktivität und widmen Sie sich dieser Aufgabe ganz bewusst. Dabei ist es völlig egal, ob Sie nun schrubben, graben oder pflanzen. Ein Tapetenwechsel wird Ihnen beim Umdenken helfen. Trinken Sie ein Glas Wasser! Atmen Sie an der frischen Luft tief durch. Waschen Sie sich kräftig mit kaltem Wasser das Gesicht und den Nacken ab.

Diese mechanischen Methoden haben oft eine Wirkung auf den Blutkreislauf und die Nervenströme. So wird es einfacher, sich willentlich auf die positiven, erbaulichen und lohnenden Lebenserfahrungen zu konzentrieren.

Gleichzeitig sollten Sie sich neue, stärkende Gedanken machen. Unsere Gedanken sind oft mit der Umgebung und unseren Aktivitäten verknüpft. Wenn wir uns an einen Ort begeben, an dem wir bereits einmal in der Vergangenheit über siegreiche und ermutigende Gedanken nachgedacht haben, werden diese Gedanken wieder aktiviert.

Dr. Wilder Penfield sagte mir, dass Gehirnzentren, die ähnliche Gedanken und Gefühle auslösen, beieinander liegen. Wenn eines feuert, feuern oft auch die benachbarten Zentren. Angesichts dieser Tatsache lässt es sich leicht verstehen, warum ein entmutigender Gedanke immer mehr Gedanken seiner Art nach sich zieht, bis man nur noch an etwas Entmutigendes denken kann!

Wenn dies geschieht, bewegen Sie sich also von der Stelle fort, an der Ihnen diese Gedanken kommen, um Ihren Gedanken zu helfen, sich an etwas Erfreulicherem zu orientieren. Wenden Sie sich einer anderen Aufgabe zu und bemühen Sie sich entschieden, Ihren Gedankenfluss zu ändern. Ja, es erfordert Entschlossenheit, die Gedanken und Gefühle umzulenken – diese Techniken aber können uns dabei helfen.

Schuldverursachte Depressionen

Wenn die Depression durch Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle ausgelöst wird, so folgen Sie den biblischen Schritten, um diese Schuldgefühle aufzulösen. Falls Sie an einer bewussten Sünde festgehalten haben, bekennen Sie es Gott. Entschuldigen Sie sich bei dem Menschen, dem Sie Unrecht getan haben und treffen Sie die klare Entscheidung, dass Sie alle Kraft und Energie, die Gott Ihnen schenkt, einsetzen werden, um diese Sünde für immer aus Ihrem Leben zu verbannen, koste es, was es wolle. Machen Sie es sich zum obersten Ziel im Leben, Gott in völliger Hingabe zu dienen, indem Sie seinen in der Bibel geoffenbarten Willen befolgen.

Falls Ihre depressiven Gefühle von Gefühlen des Versagens und der Minderwertigkeit begleitet werden, denken Sie einige Augenblicke lang an das, was Sie im Leben schon erreicht haben. In Zeiten der Entmutigung ist es wirklich hilfreich, an viele dieser erfolgreichen Höhepunkte im Leben zu denken. Schließlich wurden Sie geschaffen, um erfolgreich zu sein. Ein Kind, das gerade Laufen lernt, steht auch wieder auf, wenn es hinfällt. Wenn Sie immer wieder aufstehen, um es aufs Neue zu versuchen, werden Sie schließlich Erfolg haben. Nebenbei gesagt sollten Eltern dafür sorgen, dass Ihre Kinder schon in Kleinigkeiten lernen, Erfolg zu haben. Kinder dürfen lernen, sich über ihre Erfolge zu freuen. Bringen Sie Ihnen bei, wie man etwas macht, damit sie Selbstachtung und das Gefühl entwickeln, etwas geleistet zu haben. Minimieren Sie ihre Niederlagen und maximieren Sie ihre Erfolge.

Wenn die Depression entstanden ist, weil Sie von jemandem abgelehnt wurden, der Ihnen sehr wichtig ist, dann stürzen Sie sich in die Arbeit für Unglückliche und Bedürftige. Setzen Sie sich für kleine Kinder und ältere Menschen ein. Man wird Ihre Fürsorge schätzen und Sie werden die Freude empfinden, die aus Hilfsbereitschaft erwächst.

Ende der Serie      Teil 1 der Serie

 

Leicht gekürzt aus: Elden M. Chalmers Ph.D., Healing the Broken Brain, Remnant Publications 1998, S. 43-51.


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