• Jüdische Wohltätigkeit: Die Motive des Herzens

    Die Motive des Herzens

    Adobe Stock - Vladimir Wrangel

    Eine spirituelle Grundrechenart. Von Richard Elofer

Freitag, 10 November 2017 – 08:09 Uhr

Jüdische Wohltätigkeit: Die Motive des Herzens

Die Motive des Herzens

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Eine spirituelle Grundrechenart. Von Richard Elofer

Am Vorabend eines jüdischen Neujahrs (Rosch ha-Schana) hatte der Gesetzeslehrer (Tannait) Schimon ben Jochai einen Traum. In einem Traum sah er, dass seine Neffen gezwungen sein würden, 600 Golddenare Steuern zu zahlen. Da Rabbi Schimon ihnen diese Erschwernis ersparen wollte, sandte er Spendensammler mit der Bitte an seine Neffen, dieses Jahr mehr zu spenden als gewöhnlich.

»Warum sollen wir dieses Jahr mehr spenden als sonst?«, ließen sie ihren Onkel fragen. »Wenn man nicht bereitwillig für die richtige Sache spendet, zahlt man schließlich für die falsche Sache«, antwortete Rabbi Schimon.

Am Ende des Jahres wurde den Bewohnern jener Stadt eine besondere Militärsteuer auferlegt. Da Rabbi Schimons Neffen reich waren, sollten sie 600 Golddenare zahlen. Als sie sich weigerten, diese hohe Summe zu zahlen, wurden sie ins Gefängnis geworfen. Rabbi Schimon hörte davon und ließ nachrechnen, wie viele Spenden seine Neffen ihm übergeben hatten. Es kam heraus, dass sie 594 Golddenare gespendet hatten. »Sendet mir sechs Denare«, ließ Rabbi Schimon seinen Neffen ausrichten, »dann werde ich mit Gottes Hilfe alles richten.« »Man fordert aber 600 Denare von uns! Was helfen dann 6?« Rabbi Schimon beharrte darauf, dass sie seiner Aufforderung nachkamen.

Mit den 6 Denaren in der Hand wurde er beim Steuereintreiber vorstellig und konnte ihn überzeugen, die 6 Denare zu nehmen und seine Neffen freizulassen. Erst dann erzählte Rabbi Schimon von seinem Traum. »Hättet ihr 600 Denare gespendet, wäre euch diese unglückliche Erfahrung erspart geblieben«, sagte ihnen Rabbi Schimon. »Wenn du das schon die ganze Zeit gewusst hast, warum hast du uns dann nichts gesagt? Wir hätten dir gerne die 600 Denare gespendet!«, beklagten sie sich.

»Hätte ich euch meinen Traum am Jahresanfang erzählt, hättet ihr das ganze Jahr lang nur aus egoistischen Motiven gespendet. Dann hättet ihr die Mitzwa nicht in ihrer Tiefe erfüllt«, antwortete Rabbi Schimon.

Aus: Shabbat Shalom Newsletter, 737, 23. September 2017, 3. Tischri 5778
Herausgeber: World Jewish Adventist Friendship Center

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