• Jüdisches Zeugnis an die Welt: Ein Dorn im Auge

    Ein Dorn im Auge

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    Oder: Die völlige Infragestellung des üblichen Wertekatalogs. Von Richard Elofer

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Mittwoch, 13 Dezember 2017 – 08:43 Uhr

Donald Trump erkennt Hauptstadt Jerusalem an: Das Zündeln am Pulverfass

Das Zündeln am Pulverfass

Adobe Stock - Renáta Sedmáková

Sacharja verheißt Erweckung und Reformation in Zeiten des Sturms. Von Kai Mester

Er hat es getan. Donald Trump hat sein Wahlversprechen wahr gemacht und Jerusalem uneingeschränkt als Hauptstadt Israels anerkannt. Die Folgen sind nicht zu übersehen: Empörung, Demonstrationen, Streiks, Dringlichkeitssitzungen des UN-Sicherheitsrats, der Arabischen Liga, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Was kommt noch?

Kein Konflikt bewegt die ganze Welt in unserer Zeit so sehr wie Jerusalem. Das Thema Jerusalem bewegt Juden, Christen und Muslime im Innersten. Alle drei Weltreligionen erheben Anspruch auf diese Stadt. Vor allem in der Altstadt und am Tempelberg kommt es immer wieder zu Zusammenstößen.

Jerusalem in der Bibel

Jerusalem ist ein großes Thema in der Bibel. Sie erzählt von seiner Eroberung durch David, den israelischen König (1004 v. Chr.), seiner Zerstörung durch Nebukadnezar, den babylonischen König (586 v. Chr.), seinem Wiederaufbau auf Befehl von Artaxerxes, dem persischen König (457 v. Chr.) und seiner zweiten Zerstörung durch Titus, den späteren römischen Kaiser (70 n. Chr.).

Dass die Geschichte Jerusalems damit nicht zu Ende war, sehen wir immer wieder in den Nachrichten. Und jetzt erleben wir es ganz aktuell. Der Streit um Jerusalem flammt wieder neu auf.

Jerusalem als moderne Hauptstadt

Im Dezember 1949, kaum ein Jahr nach der Neugründung Israels, sagte Premierminister David Ben Gurion, Jerusalem sei Israels ewige und heilige Hauptstadt. Im Januar 1950 stimmte das israelische Parlament Knesset zu, im Juli 1980 verabschiedete es dann das Jerusalem-Gesetz, das ausdrücklich das ganze, vereinte Jerusalem zur Hauptstadt erklärte, einschließlich des besetzten palästinensischen Ostteils.

Kein Staat erkannte dies an. Deshalb befinden sich die Botschaften der Länder bis heute alle in Tel Aviv. Nur Bolivien und Paraguay haben ihre Botschaft in einem Vorort von Jerusalem.

Jerusalem und die Evangelikalen

Das alles sollte sich nun 500 Jahre nach der Reformation Martin Luthers ändern. Was aber hat Luther damit zu tun? Nun, es sind die Evangelikalen, die sich in lutherischer Tradition wähnen. Ihren Wunsch hat Donald Trump mit seiner Anerkennung erfüllt. Deshalb haben sie ihn auch gewählt. Er hatte ihnen ja dieses Wahlversprechen gemacht.

Am 6. Dezember 2017, knapp ein Jahr nach seiner Amtseinführung, sprach Präsident Donald Trump in einer besonders dafür angekündigten Ansprache im Weißen Haus die uneingeschränkte Anerkennung der USA für Jerusalem als Hauptstadt aus.

Evangelikale sehen in der Staatsgründung Israels und in Jerusalem als jüdischer Hauptstadt wichtige Endzeitereignisse. Dementsprechend dreht sich die Weltsicht der US-amerikanischen Republikaner seither besonders um den Nahen Osten, mit zum Teil verheerenden Folgen für die muslimischen Staaten. Die Kriege der Region stehen damit in Verbindung und bilden mit dem islamischen Terror einen Teufelskreis.

So haben Evangelikale in der Bibel nach Informationen über die letzten Ereignisse im Zusammenhang mit Israel und Jerusalem gesucht. Dazu haben sie die Prophezeiungen oft aus ihrer historischen Erfüllung in den letzten zwei Jahrtausenden gelöst und auf die Zukunft angewendet. Das nennt man Futurismus – eine Strategie, die von dem Jesuiten Francisco Ribera im 16. Jahrhundert entwickelt wurde. Viele erwarten sogar den Bau des dritten Tempels und die Wiederaufnahme der Opferriten.

Da die Evangelikalen in der jetzigen US-Regierung einen starken, ja den stärksten wirtschaftlichen und militärischen Staat der Welt als Verbündeten gefunden haben, macht es Sinn, ihr Endzeitszenario zu verstehen. Denn es kann und wird nicht ohne Auswirkungen auf den Verlauf der Weltgeschichte bleiben.

Doch ihre Rechnung wird nicht aufgehen. Zu meinen, Gott habe sich im Nahostkonflikt auf eine Seite geschlagen, wäre zu kurz gegriffen. Denn er sehnt sich danach, dass sowohl Israels als auch Ismaels Söhne ihn erkennen und sich zu ihm bekehren.

Andererseits wäre es auch blind, wenn wir aus einer gut begründeten, biblischen Kritik an der futuristischen Prophetieauslegung der Evangelikalen, das Thema Jerusalem ganz aus unserem Bibelstudium streichen würden, indem wir sozusagen präteristisch Jerusalem nur eine Bedeutung in der Vergangenheit bis 70 n. Chr. zuweisen und futuristisch wieder nach den tausend Jahren, wenn die himmlische Stadt als zweite Arche die weltweite Feuerflut übersteht.

Deshalb möchte ich einen Blick auf die in adventistischen Kreisen selten studierten Verse in Sacharja werfen und die Frage stellen: Haben diese Texte etwas mit unserer Zeit zu tun? Und wenn ja, was?

Taumelkelch und Laststein

»Siehe, ich mache Jerusalem zum Taumelkelch für alle Völker ringsum, und auch über Juda wird es kommen bei der Belagerung Jerusalems. Und es soll geschehen an jenem Tag, dass ich Jerusalem zum Laststein für alle Völker machen werde; alle, die ihn heben wollen, werden sich gewisslich daran wund reißen; und alle Heidenvölker der Erde werden sich gegen es versammeln.« (Sacharja 12,2-3)

In anderen Worten: An Jerusalem wird man sich die Zähne ausbeißen.

Das himmlische Jerusalem

Natürlich wissen wir, dass Jesus schon nach seiner Himmelfahrt begonnen hat, das Neue Jerusalem im Himmel für die Erlösten zu bauen. Er hat verheißen: »Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten … [dann] will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.« (Johannes 14,3) In diese Stadt wird er uns holen, »wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen … und wir … entrückt werden auf den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft … [wo] wir beim Herrn sein [werden] allezeit.« (1. Thessalonicher 4,17)

Diese heilige Stadt wird schließlich »von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann« (Offenbarung 21,2). Nach dem Millennium wird der Messias seinen Fuß auf den Ölberg setzen: »Und an jenem Tag werden seine Füße auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in seiner Mitte spalten vom Osten bis zum Westen zu einem sehr weiten Tal, sodass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird.« (Sacharja 14,4) Auf dieser Ebene wird das Neue Jerusalem landen (Offenbarung 20,9; 21,2-3). Bei den gigantischen Ausmaßen der himmlischen Stadt (12.000 Stadien, Offenbarung 21,16) wird das jetzige Jerusalem bis dahin kaum noch existieren können. Die Erde wird vorher zur Wüste gemacht worden sein (Jesaja 13,9; Jeremia 4,23).

Die Einwohner der himmlischen Stadt

In der Offenbarung wird jedoch nicht nur die Stadt selbst als Braut des Lammes beschrieben, sondern auch ihre Einwohner. Und die bereiten sich in diesem Leben schon vor (Offenbarung 19,7-9). Die Vorbereitung geschieht, indem Jesus uns sein eigenes Kleid der Gerechtigkeit verleiht (Offenbarung 3,18).

Dies geht nur, wenn wir Jesus kennen. Doch wer Jesus kennt, der kennt auch Jerusalem, die Stadt über die Jesus weinte, die Stadt, in die er als König einzog, die Stadt, vor deren Toren Jesus starb.

Jerusalem als Erinnerungsstütze

Wenn nun diese Stadt fast 2000 Jahre später wieder in die Schlagzeilen gerät, dann gerät, ob gewollt oder nicht, auch Jesus dadurch indirekt in die Schlagzeilen. Jerusalem lässt sich bis heute weder von der biblischen Botschaft trennen noch vom Handeln Gottes mit seinem Volk in der Geschichte. Die Erinnerungen werden automatisch wach. Das ist ja auch der Grund, weshalb die Völker immer noch darum streiten.

Zwar ist das Heiligtum und sein wahrer Hoher Priester jetzt im Himmel. Aber der Gedanke an Jerusalem, erinnert Menschen an Gott, ruft in ihnen Fragen und Sehnsüchte wach. Daran können wir anknüpfen.

Erweckung in Jerusalem

»Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich den Geist der Gnade und des Gebets ausgießen, und sie werden auf mich sehen, den sie durchstochen haben, ja, sie werden um ihn klagen, wie man klagt um den Eingeborenen, und sie werden bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich Leid trägt über den Erstgeborenen.« (Sacharja 12,10)

Die Erlösten aller Zeitalter werden einst Jerusalem bewohnen. Daher gilt ihnen allen dieser Vers als Aufruf und Verheißung. Man kann sich dennoch gut vorstellen, dass ein Jude und Einwohner des modernen Jerusalems, der diesen Vers liest, sich besonders angesprochen fühlen muss.

So kommentiert auch Ellen White: »Trotz des schrecklichen Schicksals, das den Juden als Nation zur der Zeit verkündet wurde, da sie Jesus von Nazareth ablehnten, haben zu allen Zeiten viele edle, gottesfürchtige jüdische Männer und Frauen in der Stille gelitten. Gott hat ihre Herzen in ihre Not getröstet und ihre schreckliche Situation voller Mitleid beobachtet. Er hört das Flehen derer, die ihn von ganzem Herzen suchen, um sein Wort richtig zu verstehen. Einige erkennen in dem demütigen Nazarener, den ihre Vorväter abgelehnt und gekreuzigt haben, den Messias Israels.« (Acts of the Apostles, 379)

Reformation in Jerusalem

»An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner von Jerusalem ein Quell eröffnet sein gegen Sünde und Unreinheit … Und es soll geschehen, spricht der HERR, dass im ganzen Land zwei Drittel ausgerottet werden und umkommen, ein Drittel aber soll darin übrig bleiben. Aber dieses Drittel will ich ins Feuer bringen und es läutern, wie man Silber läutert, und ich will es prüfen, wie man Gold prüft. Es wird meinen Namen anrufen, und ich will ihm antworten; ich will sagen: ›Das ist mein Volk!‹, und es wird sagen: ›Der HERR ist mein Gott!‹« (Sacharja 13,1.8-9)

Sacharja prophezeite den Einzug des Messias als König in Jerusalem (9,9), seinen Verrat für dreißig Silberlinge (11,12.13), seinen Tod (12,10) und seine Wiederkunft (14,4). Die Gute Nachricht von Jesus findet sich also auch in Sacharja, und diese Gute Nachricht gilt laut Apostel Paulus »zuerst den Juden, dann auch den Griechen« (Römer 1,16).

Wir brauchen nicht in die Falle des Futurismus, Dispensationalismus, der Israel-Euphorie und der Islamfeindlichkeit zu tappen, wenn wir uns überlegen, was das heutige Jerusalem im Staat Israel und die Verheißungen der Propheten für eine Wirkung auf Juden, Christen und Muslime haben und noch haben werden. Wenn sie wirklich nach der Wahrheit suchen, wird sie der Geist in alle Wahrheit leiten (Johannes 14,13). Wenn sie jedoch die Liebe zur Wahrheit nicht haben, sondern Lust an der Ungerechtigkeit haben, werden sie durch die falschen Jerusalem-Theorien der Irrlehrer verführt werden (2. Thessalonicher 2,10-12).

Was bringt die Zukunft?

Bis jetzt hat noch niemand den Nahostkonflikt lösen können. Die meisten US-Präsidenten und auch die Päpste haben sich daran versucht. Europa und Russland, ja die ganzen Vereinigten Nationen stehen hilflos daneben und können den Frieden nicht herstellen. Jerusalem bleibt Taumelbecher und Laststein und sorgt bis ans Ende der Zeit für Konfliktstoff.

Wo Juden von Herzen vertrauen und sich aufrichtig auf die messianischen Verheißungen berufen, wird Erweckung und Reformation besonders auch für einen Überrest im jüdischen Jerusalem geschehen. Das dürfen wir von ganzem Herzen hoffen und glauben.

»Danach werden die Israeliten umkehren und den HERRN, ihren Gott, und David, ihren König, suchen, und werden mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit.« (Hosea 3,5) »Es werden sich viele unter den Juden bekehren. Diese Bekehrten werden dazu beitragen, dem HERRN den Weg zu bereiten und unserm Gott in der Steppe eine Bahn zu ebnen. Bekehrte Juden werden eine wichtige Rolle spielen in den großen Vorbereitungen, die in der Zukunft für den Empfang des Messias, unseres Fürsten, getroffen werden. Eine Nation wird an einem Tag geboren werden (Jesaja 66,8). Wie? Durch Männer, die Gott zur Bekehrung berufen hat. Dann wird man sehen ›zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre‹ (Markus 4,28). Die Voraussagen der Prophezeiung werden sich erfüllen.« (Ellen White in Manuscript 75, 1905; Manuscript Releases 760, 14)

Gemeinsam mit den geistlichen Kindern Abrahams dürfen diese erweckten Juden ihre Herzenserneuerung direkt aus dem himmlischen Jerusalem erleben. Oder sollen wir vielleicht besser anders herum formulieren: Gemeinsam mit diesen erweckten Juden dürfen auch wir geistliche Kinder Abrahams unsere Herzenserneuerung direkt aus dem himmlischen Jerusalem erleben? Schließlich sind sie ja eigentlich unsere Väter und wir die Söhne; ihnen hat Gott die Torah, Jerusalem und den Messias geschenkt, und wir dürfen nun auch daran Anteil haben.

Jedenfalls werden bekehrte Juden und Heiden gemeinsam, darunter leibliche und geistliche Nachkommen Israels und Ismaels, als zukünftige Einwohner des himmlischen Jerusalems Taumelbecher und Laststein für die Völker sein, wenn alles auf das Finale der Weltgeschichte zuläuft.

So steht der Kampf um das irdische Jerusalem jetzt schon symbolisch für die Sabbat-Sonntag-Frage in der letzten geistlichen Auseinandersetzung der Weltgeschichte – für die Frage: Ist Gottes Regierung, sein Gesetz, sein gerechtes Wesen vertrauenswürdig.

Nachdenkliches

Der Schulterschluss zwischen USA und Israel war nie deutlicher! Die Opposition und der Aufschrei der Weltbevölkerung gegen dieses Paar selten größer. Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. Der IS ist angeblich fast besiegt. Der Scheinwerferkegel, der sich vom Irak nach Syrien verlagert hatte, sucht sich ein neues Ziel: den Jemen und jetzt Jerusalem? Der jesuitische Papst Franziskus mahnt in diesem Kriegstreiben als moralische Stimme und Lichtgestalt zur Vernunft. Wenige erahnen die wahre Agenda hinter den Kulissen.

Gott hat verheißen, dass denen, die ihn lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Römer 8,28) – den Juden und den anderen Völkern. Beten und arbeiten wir dafür, dass der Geist der Gnade und des Gebets, der Sündenüberwindung und Reinheit viele Herzen von der Selbstsucht und Selbstzerstörung heilen kann. Setzen wir uns dafür ein, dass der Geist die Herzen zu Gottes- und Nächstenliebe sowie zur Selbstlosigkeit inspirieren kann – jüdische Herzen und Herzen aller Völker! Denn nur mit Gottes Liebe im Herzen werden wir in den letzten Wirren der Weltgeschichte einen kühlen Kopf bewahren, ein warmes Herz und eine helfende Hand.


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