• Zum Reformationstag am 31. Oktober 2017: 95 Thesen für Siebenten-Tags-Adventisten

    95 Thesen für Siebenten-Tags-Adventisten

    Warum wir Reformation dringend nötig haben. Von Johannes Kolletzki, Ältester der Adventgemeinde Nürnberg-Marienberg ()

Freitag, 03 November 2017 – 08:46 Uhr

Zum Reformationstag am 31. Oktober 2017: 95 Thesen für Siebenten-Tags-Adventisten

95 Thesen für Siebenten-Tags-Adventisten

Warum wir Reformation dringend nötig haben. Von Johannes Kolletzki, Ältester der Adventgemeinde Nürnberg-Marienberg ()

Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, alles auszuräumen, was den Heiligen Geist hindern könnte, unter Gottes Volk Erweckung und Reformation zu bewirken, sodass die weltweite Verkündigung der Dreiengelbotschaft vollendet und Christus schon bald wiederkommen kann, mögen die folgenden Sätze von jedem Siebenten-Tags-Adventisten bedacht, biblisch ergründet und zu Herzen genommen werden.

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1. Als unser Herr und Erlöser der Adventgemeinde sagte: »Sei nun eifrig und tue Buße!« (Offenbarung 3,19), hat er gewollt, dass diese Buße das ganze Leben der Gläubigen erfasst.

2. Weil die Buße bislang nicht vollständig gewesen ist, ist die Wiederkunft Jesu aufgehalten worden.

3. Christus kann nicht wiederkommen, solange sein Erlösungswerk im Himmel und auf der Erde nicht abgeschlossen ist.

4. Es ist die Ausgießung des Heiligen Geistes im Spätregen, die das Werk auf der Erde zur Reife bringt.

5. Der Spätregen wird erst fallen, wenn die Gemeindeglieder mit reuigem Herzen darum beten.

6. Eine innere Haltung der Reue entsteht nur durch Sündenerkenntnis.

7. Sündenerkenntnis ist die natürliche Folge wahrer Gotteserkenntnis. Es ist die Erkenntnis von Gottes Güte, die Reue im Herzen aufbrechen lässt (Römer 2,4).

8. Gleichzeitig kann ein Mensch die Größe der Güte Gottes erst erahnen, wenn er die Größe seiner Schuld erahnt, die Gott ihm zu vergeben bereit ist.

9. Die mangelnde Reue unter Adventisten ist ein Zeichen mangelnder Selbst- und Gotteserkenntnis, von Jesus als »Blindheit« diagnostiziert.

10. Das mangelhafte Verständnis der eigenen Verlorenheit führt zu einem mangelhaften Verständnis des Rettungswerkes Jesu und einem Mangel an Glauben an dieses Werk, von Jesus als »Armut« diagnostiziert.

11. Der mangelhafte Glaube verhindert die Erfahrung vollständiger Rechtfertigung aus Glauben, von Jesus als »Nacktheit« diagnostiziert.

12. Die göttlichen Heilmittel »Augensalbe, Gold und weiße Kleider« werden in Umfang und Tiefe falsch eingeschätzt, weil die geistlichen Leiden, die sie heilen sollen, in Umfang und Tiefe falsch eingeschätzt werden.

13. Ein oberflächliches Verständnis der Krankheit führt zu einer oberflächlichen Behandlung ohne rettende Wirkung.

14. Eine unwissentlich oberflächliche Gemeinde ist eine unwissentlich laue Gemeinde.

15. Eine Gemeinde, die sich selbst nicht kennt, beweist, dass sie Gott nicht kennt.

16. Mangelnde Gotteserkenntnis führt am Ende in den Tod: »Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis.« (Hosea 4,6) Die Laodizea-Botschaft ist daher eine Frage von Leben oder Tod.

17. Dass Christus auch 2017 noch nicht wiedergekommen ist, beweist seine außerordentliche Liebe und Langmut für die Gemeinde, weil »er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.« (2. Petrus 3,9)

18. Der Prozess der Heilung – oft »Erweckung und Reformation« genannt – beginnt mit der Erkenntnis der Wahrheit durch die göttliche »Augensalbe«.

19. Die Augensalbe ist die Heilige Schrift sowie speziell für Gottes letzte Gemeinde die Gabe der Prophetie, die sich im Wirken von Ellen Gould White manifestiert hat.

20. Gott sah diese besonderen prophetischen Schriften als notwendig an, weil sein Volk die Bibel entweder zu wenig studierte oder zu falschen Auslegungen kam.

21. Ellen Whites Schrifttum beschreibt exakt denselben Erlösungsplan wie die Bibel, nur in mehr Einzelheiten und für unsere Zeit leichter verständlich.

22. Der allgemein laue Zustand der Adventgemeinde beweist, dass sie das Schrifttum von Ellen White allgemein nicht liest oder nicht versteht oder nicht glaubt.

23. Die erste grundlegende Einsicht auf dem Weg zum Heil ist die der eigenen Verlorenheit. Sie wird offenkundig in der totalen Unmöglichkeit für den natürlichen Menschen, Gottes heiliges Gesetz zu halten (Römer 8,7).

24. Martin Luther gelangte aus eigener Erfahrung zu einem tiefgehenden Verständnis dieser Wahrheit, legte allerdings nicht dasselbe Gewicht auf folgende, ebenso wichtige Wahrheit:

25. Dem bekehrten, in lebendiger Gemeinschaft mit Christus lebenden Gläubigen »ist alles möglich« (Markus 9,23).

26. Das Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Wahrheiten führte zu einem Ungleichgewicht in Luthers Verständnis von Rechtfertigung und Heiligung, wobei er dennoch deutlich ausgewogener war als viele derer, die sich später auf ihn beriefen.

27. So entstand in der evangelischen Christenheit ein einseitiges Erlösungsverständnis, das Rechtfertigung als Erlösung an sich verstand statt als einen Teil der Erlösung.

28. Das evangelische Verständnis erfuhr eine gottgewollte Korrektur und Erweiterung durch nachreformatorische Bewegungen wie die Methodisten und Pietisten, die mehr Gewicht auf die Heiligung legten.

29. Gott vervollständigte unser Verständnis vom Erlösungsplan, als er der Adventbewegung 1844 die Lehre vom himmlischen Heiligtum offenbarte.

30. Die drei Abteile des Heiligtums – Vorhof, Heiliges und Allerheiligstes – stellen die drei Phasen des Erlösungsplanes dar.

31. Der Vorhof steht für Jesu Opfer am Kreuz; hier erfährt der Gläubige Vergebung und Wiedergeburt. Diesen Punkt teilen evangelische Christen voll mit Adventisten.

32. Das Heilige steht für die tägliche Lebensgemeinschaft mit Jesus; hier erfährt der Gläubige Veränderung und Wachstum. Diesen Punkt teilen evangelische Christen nur teilweise mit Adventisten.

33. Das Allerheiligste steht für Vollendung und Gericht; hier erfährt der Gläubige volle Reife und Versiegelung. Dieser Punkt ist evangelischen Christen fremd.

34. Obwohl die Adventgemeinde den dreigeteilten Dienst Jesu als Opfer und Hohepriester offiziell lehrt, hat sie die praktische Bedeutung dieses Dienstes bis heute nicht in der nötigen Tiefe erkannt und angenommen.

35. Wesentliche Gründe dafür sind Sündenliebe und Stolz, wobei Sündenliebe zum Missbrauch der Gnade führt und Stolz zu Gesetzeswerken.

36. Beiden gemeinsam ist die mangelnde Liebe zu Gott, die sich in mangelnder Bereitschaft zeigt, »Christus in mir leben« zu lassen (Galater 2,20).

37. Unsere Liebe zu Gott ist ein Gradmesser für das Bewusstsein unserer Schuld, denn »wem wenig vergeben wird, der liebt wenig« (Lukas 7,47).

38. Der Erlösungsplan besteht darin, dass Gott uns vollständige Sündenerkenntnis schenkt, um uns dann, wenn wir darum bitten, vollkommen zu vergeben und damit ungeteilte Liebe zu Gott in uns zu wecken, die zu dem Wunsch führt, Gottes Wesenszüge vollständig nachzuahmen, woraufhin der Heilige Geist völligen Gehorsam in unser Herz legt, aus dem sich schließlich ein vollkommener Charakter entwickelt, der uns zu voller Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit befähigt.

39. In allen diesen Schritten ist Christus »Anfänger und Vollender« (Hebräer 12,2), weswegen im Erlösungsplan menschlicher Ruhm »ausgeschlossen« ist (Römer 3,27), wobei uns dennoch die Aufgabe zufällt, die guten Werke auszuleben, die Gott »in Christus vorbereitet hat« (Epheser 2,10), weswegen unsere Erlösung nicht ohne eigenes Zutun geschieht (Philipper 2,12), was aber vor Gott ohne jedes Verdienst ist (Lukas 17,10) und nicht mit Werksgerechtigkeit verwechselt werden darf.

40. »Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.« (Matthäus 5,48) Dieses Gebot ist eine Verheißung. Der Erlösungsplan hat unsere vollständige Befreiung aus der Macht Satans zum Ziel.

41. Die Neigung, seine Sünden und Charakterfehler zu entschuldigen, führt zu weiteren Sünden und Charakterfehlern.

42. Es heißt »Gerechtigkeit aus Glauben«, nicht »Ungerechtigkeit trotz Glauben«.

43. Erst wenn wir verstehen, dass es für Sünde keine Entschuldigung gibt, wird sie uns wirklich leidtun. Erst dann werden wir Christus ganz in unseren Seelentempel einlassen, sodass er ihn »von aller Ungerechtigkeit reinigen« kann (1. Johannes 1,9).

44. Die Verkündigung auf der Generalkonferenz von 1888 war ein Vorstoß Gottes, die Gemeinde zur vollen Erkenntnis des Erlösungsplanes zu führen und so den Weg für den Spätregen und die Wiederkunft zu bahnen.

45. Dass wir rund 130 Jahre später noch immer um Erweckung und Reformation beten, beweist ohne Zweifel, dass dieser Vorstoß nicht erfolgreich war.

46. Derselbe Umstand widerlegt gleicherweise die Behauptung, die Botschaft von 1888 sei nach anfänglichen Widerständen von der großen Mehrheit der Geschwister akzeptiert worden und werde heute allgemein in der Adventgemeinde gelehrt.

47. Diese Behauptung ist vielmehr symptomatisch dafür, dass die Gemeinde unter den Einfluss der Kirchen Babylons geraten ist und die Botschaft von 1888 im Rückblick durch die Brille evangelischer Rechtfertigungslehre umdeutet.

48. Weitere Anzeichen dieses Einflusses sind eine Schwerpunktverschiebung des Heilsgeschehens weg vom Heiligtum hin zu Golgatha, die Kehrtwende im Verständnis der menschlichen Natur Jesu von gefallen zu ungefallen sowie die Umdeklarierung des Untersuchungsgerichtes zum Vorwiederkunftsgericht.

49. Das adventistische Verständnis vom Erlösungswerk Jesu, wie es auch 1888 verkündigt wurde, baut zwar auf den Erkenntnissen der Reformation auf, geht aber darüber hinaus.

50. Zur Zeit der Reformation war Jesu stellvertretendes Opfer im Vorhof die große gegenwärtige Wahrheit, heute ist es Jesu Priesterdienst im Heiligen und besonders das Untersuchungsgericht seit 1844 im Allerheiligsten, wobei alle drei Phasen eine harmonische Einheit bilden.

51. Zur Zeit der Reformation waren Gnade und Vergebung die große Entdeckung, heute sind es Heiligung und die Vollendung der Gemeinde seit 1844, wobei dies alles Teil eines großen Ganzen ist.

52. Gottes Wille ist, dass der Gläubige vollständige Bekehrung erfährt und daraus vollständige Heiligung und daraus vollständigen Sieg über Sünde.

53. Die Vollständigkeit einer Phase ist die Voraussetzung für die Vollständigkeit der nächsten.

54. Laodizeas Grundproblem ist eine unvollständige Bekehrung, was eine unvollständige Heiligung und einen unvollständigen Sieg über Sünde zur Folge hat.

55. Viele Adventisten erkennen zwar ihren mangelnden Sieg über Sünde, nicht aber ihre unvollständige Bekehrung (Lauheit). Daher »kurieren« sie das Problem auf theologischer Ebene und erklären Jesus zum Stellvertreter statt zum Vorbild, den »elenden Menschen« aus Römer 7 zum Normchristen und das Gericht zur »guten Nachricht«, weil es sowieso nur auf einen Freispruch hinauslaufen kann.

56. Ausgangspunkt dieser Theologie ist nicht das Wort, sondern die eigene Erfahrung. Das widerspricht der reformatorischen Grundfeste Sola scriptura und schafft eine Schnittfläche zur Sinnesreligion der Charismatischen Bewegung und der katholischen Kirche.

57. Allein der Glaube an das nackte Wort Gottes, selbst gegen alle Erfahrung, verschafft dem Menschen Eingang ins Himmelreich. Das war der Glaube von Abraham, Jesus und Luther, und dies wird auch der Glaube »der Übrigen« sein, »welche die Gebote Gottes halten« (Offenbarung 12,17).

58. Alle Werke Gottes sind vollkommen. Da Rechtfertigung und Heiligung Gottes Werk sind, sind sie notwendigerweise auch vollkommen.

59. Der Gläubige ist im Untersuchungsgericht »heilig und tadellos und unverklagbar« (Kolosser 1,22), weil Christi Blut seine vergangenen Sünden vollständig bedeckt und seinen gegenwärtigen Charakter vollständig gereinigt hat, sodass er in Ewigkeit ohne Sünde bleiben wird.

60. Die Lehre der Charaktervervollkommnung ist nicht extrem, sondern die konsequente Weiterführung der reformatorischen Glaubensgerechtigkeit und unsere einzige Hoffnung auf ewiges Leben. Sie »gibt Gott die Ehre« (Offenbarung 14,7) als Neuschöpfer und mächtiger Erlöser. Sie ist der einzige biblische und logische Weg zur endgültigen Beseitigung der Sünde und die großartigste Verheißung, die Gott Menschen je gemacht hat.

61. Unzählige Adventisten können nicht glauben, dass Gott ihren Charakter während ihrer Lebenszeit vervollkommnen will, haben aber keinen Zweifel, dass er dasselbe bei der Versiegelung bzw. Wiederkunft in einem Augenblick tun wird, obwohl die Schrift dies an keiner Stelle lehrt.

62. Unzählige Adventisten haben Angst vor dem Gericht und glauben deshalb bereitwillig der Behauptung, im Untersuchungsgericht ständen nicht ihre Werke auf dem Prüfstand, sondern allein die ihres Stellvertreters Jesus Christus, obwohl die Schrift dem deutlich widerspricht.

63. Unzählige Adventisten sind aufgrund ihrer geistlichen Schwachheit so verzagt, dass sie begierig nach einer »Heilsgewissheit« greifen, die sich im Gericht allein auf eine zugerechnete Heiligkeit stützt, obwohl schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass dies nicht alles sein kann, wenn ich eines Tages in der Gegenwart eines heiligen Gottes stehen will.

64. Statt des Gerichtes sollten Adventisten lieber den Unglauben fürchten, denn »wegen des Unglaubens« konnte das alte Israel das verheißene Land nicht betreten (Hebräer 3,19).

65. Statt sich vom eigenen Unvermögen entmutigen zu lassen, sollten Adventisten vielmehr auf ihren Vater Abraham schauen, der seinem und Saras hohem Alter zum Trotz »Gott die Ehre gab«, indem er »der vollen Gewissheit (war), dass er, was er verheißen habe, auch zu tun vermöge« (Römer 4,20.21).

66. Statt eine »klinisch reine«, von allen menschlichen Werken separierte Rechtfertigung als das Heil zu predigen, sollten Adventisten sich bewusst werden, dass »das Reich Gottes nicht im Wort besteht, sondern in Kraft« (1. Korinther 4,20).

67. Gottes Wort ist nicht nur Wahrheit, es schafft Wahrheit. Dasselbe göttliche Wort, das den Menschen gerecht spricht, macht ihn auch gerecht.

68. Vollständige Vergebung durch Christus ist gleichzeitig die Verheißung vollständiger Heiligung durch Christus. Wenn wir das Erste glauben, obwohl wir es weder sehen noch fühlen können, dürfen wir im selben Maße das Zweite glauben, obwohl wir es weder sehen noch fühlen können.

69. Ein Mittlerdienst, der immer wieder Vergebung bietet, jedoch keine vollständige Heiligung, würde die Sünde verlängern statt wegzunehmen und Christus zu einem »Diener der Sünde« (Galater 2,17) machen. »Gehorsam ist besser als Schlachtopfer«! (1. Samuel 15,22)

70. Wenn Gottes Wort »ein Hammer ist, der Felsen zerschmettert« (Jeremia 23,29) – der Fels ist Christus, der um unserer Schuld willen zerschmettert wurde –, dann kann es auch unser hartes Herz zerbrechen und uns zu neuen Menschen machen.

71. Die Verheißung eines neuen, von Liebe erfüllten Herzens ist der Kern des Neuen Bundes. Wer leugnet, dass Jesu neutestamentlicher Mittlerdienst den Gläubigen »für immer vollkommen macht« (Hebräer 10,14), lebt noch im Alten Bund.

72. Gerade weil der Neue Bund Vollkommenheit bewirkt, kann Jesu Dienst im himmlischen Heiligtum eines Tages aufhören (Hebräer 10,1).

73. Israels Einzug in Kanaan wurde verhindert, weil das Volk sich denen anschloss, die Unglauben predigten, aber diejenigen steinigen wollte, die zum Glauben an Gottes grenzenlose Macht ermutigten.

74. Der Einzug der Adventgemeinde ins himmlische Kanaan wird bis heute verhindert, weil die Gemeinden eher auf die Vielen hören, die unermüdlich gegen Charaktervollkommenheit predigen, und die Wenigen, die auf Gottes erlösende Macht hinweisen, als Extremisten bekämpfen.

75. Wer sagt, die Lehre von der Charaktervollkommenheit würde die Heilsgewissheit rauben, predigt eine menschlich erdachte Heilsgewissheit.

76. Die oft gestellte Frage »Hast du Heilsgewissheit?« offenbart ein mangelhaftes Verständnis vom Evangelium.

77. Die entscheidende Frage lautet: »Liebst du Jesus?«, wobei damit die Liebe gemeint ist, von der Jesus sagt: »Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!« (Johannes 14,15)

78. Laodizea braucht nicht menschliche Heilsgewissheit, sondern göttliche Heilsungewissheit – ein Aufrütteln aus dem gefährlichen Zustand einer falschen Rechtfertigungslehre, die blind für die Wahrheit macht.

79. Die Bibel spricht nicht von »Heilsgewissheit«, sondern von Hoffnung, »denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden.« (Römer 8,24)

80. Unsere Hoffnung auf ewiges Leben besteht nicht in externen Fakten wie »zugerechneter Gerechtigkeit« oder einem Eintrag im Buch des Lebens, sondern in dem Sohn Gottes: »Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.« (1. Johannes 5,12)

81. Hoffnung schaut nicht auf Sichtbares, sondern glaubt an das Unsichtbare, weil Gott es versprochen hat.

82. Hoffnung hat Frieden mit Gott, weil sie in seinen Verheißungen ruht, während sie gleichzeitig einen heiligen Vorwärtsdrang besitzt, sich diese Verheißungen zu eigen zu machen.

83. Objektiv »gewiss« ist unsere Erlösung erst am Ende unseres Lebens bzw. bei der Wiederkunft.

84. Solange wir leben, ist unsere Aufgabe, durch »seine göttliche Kraft« und »die kostbaren und größten Verheißungen« unsere »Berufung und Erwählung fest zu machen« (2. Petrus 1,3.4.10).

85. »Wer das Schwert umgürtet, rühme sich nicht wie einer, der es wieder ablegt!« (1. Könige 20,11)

86. Wer sein Leben liebt, hasst den Tod; wer Jesus liebt, hasst seine Sünden, weil sie den Heiland ans Kreuz brachten und jedes Mal neu verletzen.

87. Liebe zu Jesus bewirkt immer eine tiefe Sehnsucht, gänzlich frei von Sünde zu werden und ein Leben beständigen Gehorsams zu führen, im Einklang mit Ihm.

88. Die Frucht wahrer Rechtfertigung ist wachsende Übereinstimmung mit Gottes Geboten, die Frucht falscher Rechtfertigung wachsende Freizügigkeit gegenüber Gottes Geboten.

89. Die seit vielen Jahren immer freizügigere Handhabung adventistischer Maßstäbe – in Bezug auf Ernährung, Kaffee, Kleidung, Musik, Fernsehen, Sabbatgestaltung, Taufbekenntnis, wilde Ehe, Gemeindezucht, Homosexualität und vieles mehr – offenbart den Sauerteig einer falschen Rechtfertigungslehre.

90. »Der Lohn der Sünde ist der Tod.« (Römer 6,23) Wahre Rechtfertigung geht dem Problem an die Wurzel und befreit von Sünde; falsche Rechtfertigung gibt sich damit zufrieden, vom Tod befreit zu werden.

91. Damit befindet sich das heutige Israel auf demselben Weg wie das alte Israel, das sich einen Messias wünschte, der sie von den Römern befreite, ohne zu verstehen, dass es ihre Sünden waren, die die Fremdherrscher überhaupt erst ins Land brachten.

92. Wie das alte Israel die Heilige Schrift selektiv las und nicht unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Messias, so lesen viele Adventisten die Bibel selektiv und unterscheiden nicht zwischen der »Rechtfertigung des Gottlosen« (Römer 4,5) und der »Rechtfertigung des Gehorsamen« (Römer 2,13), zwischen Heiligung durch »Aussonderung« (3. Mose 20,26) und Heiligung zur »Untadeligkeit« (1Thess 5,23), zwischen Versiegelung als Besitzanspruch (Epheser 1,13) und Versiegelung als Bestätigung, dass der Mensch seinen Charakter »im Blut des Lammes weiß gemacht« hat (Offenbarung 7,3.14).

93. Wollen wir andere dazu auffordern, »Gott zu fürchten«, »ihm die Ehre zu geben« und ihn als Schöpfer »anzubeten« (Offenbarung 14,7), muss sich unsere eigene Gottesfurcht in Gehorsam zeigen, müssen wir ihn in allen Lebensbereichen ehren und unseren Glauben an eine vollkommene Schöpfung der Welt in sechs Tagen darin beweisen, dass wir keinen Zweifel an einer vollkommenen Neuschöpfung des Menschen in seiner Lebenszeit haben.

94. Wollen wir »Babylons Fall« verkünden und andere aus diesem System der Rebellion und Götzenanbetung herausrufen (Offenbarung 14,8; 18,4), muss zuerst unsere eigene Rebellion gegen Gott beendet werden, die sich in Unglauben und Ungehorsam gegenüber seinem Erlösungsweg zeigt.

95. Wollen wir andere davon überzeugen, dass ein kleines Detail im Gesetz wie »Sabbat oder Sonntag« Gottes gerechten Zorn heraufbeschwört (Offenbarung 14,9-11), müssen wir selbst gelernt haben, Gottes Gebote im Detail zu halten, weil wir sonst unter dasselbe Urteil fallen.

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Nachsatz: Zeitpunkt und Anzahl der Thesen haben nur den einen Zweck, symbolisch zu verdeutlichen, was Gott sich heute ebenso wie vor 500 Jahren wünscht: eine gewaltige Reformationsbewegung zur Beendigung seines Werkes in der Vollmacht des Spätregens.

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