• Jüdische Wohltätigkeit: Die Motive des Herzens

    Die Motive des Herzens

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    Eine spirituelle Grundrechenart. Von Richard Elofer

Montag, 11 September 2017 – 09:37 Uhr

Gedanken zum BWgungs-Artikel „Sündlos vor der Wiederkunft?“ von Denis Kaiser: Kraftquelle Golgatha

Kraftquelle Golgatha

Adobe Stock - Stephanie Frey

Die Theologie von der letzten Generation schlägt Wellen in den Herzen. Eine Reflexion im Geiste der Versöhnung. Von Kai Mester

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Artikel von Denis Kaiser in der Sept./Okt.-Ausgabe der BWgung gelesen.

Einerseits liegt das sicher daran, dass wir uns persönlich kennen. Andererseits aber auch daran, dass ich als Redakteur von hoffnung weltweit zum selben Thema schon Artikel übersetzt habe, zum Beispiel von Dave Fiedler »Gottes Ehrenrettung: Eine Antwort auf eine bohrende Frage« und von Dennis Priebe »Die Verzögerung der Wiederkunft: Kommt Jesus wirklich bald?«.

Der Sieg beruht allein auf Jesu Verdienst

Denis Kaiser stellt in seinem Artikel Jesu Verdienste in den Mittelpunkt und betont, dass kein Mensch aus eigener Leistung heraus sündlos werden oder Gottes Charakter widerspiegeln kann. Der Gläubige ist ständig von Gott abhängig und braucht seine Gnade auch über das Ende der Gnadenzeit hinaus. Nur Jesus kann uns bis zur Wiederkunft untadelig bewahren. Nur der Heilige Geist kann uns befähigen, Gott zu gehorchen. Der Sieg über Satan und die Versöhnung des Sünders mit Gott beruht niemals auf unserer Leistung, sondern auf dem Leben, Sterben und dem hohepriesterlichen Dienst Jesu.

Das sind wichtige, grundlegende Wahrheiten, die so mancher bei der Beschäftigung und dem praktischen Ringen mit dem Thema der letzten Generation wohl schon mal aus den Augen verloren hat. Es ist wertvoll, sich immer wieder neu darauf zu besinnen.

Nur Jesus kann uns von Sünde retten

Denis Kaiser betont, dass Sünde mehr ist als nur eine Tat. Sie beginnt wesentlich früher: in unserem Herzen. Auch kann nur eine Neugeburt, Gottes Hilfe und Vertrauen auf ihn unseren sündigen Neigungen Einhalt gebieten. Wäre Jesus nicht einerseits wie wir und andererseits doch anders als wir, nämlich ohne Sünde, gäbe es für uns keine Hoffnung auf Erlösung. Das Bemühen, Gottes Gesetz zu halten, kann uns erst recht in die Sünde hineinführen, wenn wir die Zehn Gebote nur als Regeln verstehen und ihr Wesen aus den Augen verlieren; wenn wir auf reine Gesetzeseinhaltung bedacht sind, aber nicht kreativ Liebe gegenüber dem Nächsten üben. Gottes Gesetz ist der Ausdruck seines Charakters der Barmherzigkeit und Feindesliebe. Die Liebe, die das Gesetz erfüllt, ist nicht selbstzentriert auf eine künstliche Heiligkeit bedacht, sondern auf das Wohl des Anderen. Der Sünder soll durch die negative Formulierung der Zehn Gebote verstehen, was Liebe nicht ist.

Auch diese Erklärungen kann ich voll und ganz unterstreichen. Ein anderes Verständnis wäre fatal und würde uns in die Selbsttäuschung oder Verzweiflung führen.

Weiterhin erläutert Denis Kaiser Ellen Whites Verständnis des großen Kampfes und der letzten Generation. Dabei führt er aus, dass sie folgende Überzeugungen vertritt:

Zu sündigen, das Gesetz zu übertreten, heißt ein Prinzip umzusetzen, das im Gegensatz zum großen Gesetz der Liebe steht, und damit zum Fundament der göttlichen Regierung.
Unser sündiges, selbstsüchtiges Herz kann nur durch Gottes Gnade neu ausgerichtet werden.
Jesu Verdienste und sein stellvertretendes Opfer sind absolute Voraussetzung für unsere Erlösung.
Nur durch Jesu Hilfe, den Heiligen Geist und die vollkommene Abhängigkeit von Gott können wir ohne den himmlischen Vermittlungsdienst die Trübsalszeit überstehen.

Treffend formuliert Denis Kaiser: »Es wäre auch seltsam, wenn wir unser ganzes Glaubensleben hindurch lernen sollen, ganz auf Gott und nicht auf uns zu vertrauen, und wir es dann am Ende doch alleine schaffen.«

Ein tragisches Missverständnis?

Ich frage mich daher, ob es ein tragisches Missverständnis ist, dem die Gegner der Last-Generation-Theologie und auch einige ihrer Befürworter zum Opfer fallen. Denn persönlich habe ich diese Grundwahrheiten nie in Frage gestellt, obwohl mir die letzte Generation im Heilsgeschehen eine bedeutende Rolle zu spielen scheint.

Kommt Jesus wirklich bald?

Über den Zeitpunkt der Wiederkunft schreibt Denis Kaiser, er hänge von der Evangeliumsverkündigung ab, der Ausgießung des Spätregens und dem Abschluss der Versiegelung. Ellen White erläutere, die letzte Gnadenbotschaft an die Welt bestehe darin, Gottes Charakter der Liebe im Leben und Charakter der Gotteskinder zu offenbaren. »Wenn der Charakter Christi in seinem Volk vollkommen nachgebildet wurde, dann wird er kommen und sie als sein Eigentum beanspruchen.« (Christ's Object Lessons, 69) Hierbei, so Denis Kaiser, gehe es um den liebenden Dienst am Nächsten und die Verkündigung der Erlösungsbotschaft und nicht um makelloses Verhalten. Ich würde formulieren: nicht um pharisäische Gebotserfüllung.

Jesu Wiederkunft könne zwar subjektiv beschleunigt werden. (Subjektiv deshalb, weil Gott ja den Zeitpunkt schon im Voraus wisse). Ellen White ermutige uns aber sogar, um Aufschub zu beten, damit wir das vernachlässigte Werk verrichten können.

Das stimmt!

Wir verdanken alles Golgatha

Ein besonderes Anliegen ist Denis Kaiser zurecht auch die zentrale Stellung von Golgatha, wo Satans Anklagen widerlegt worden seien und die Versöhnung vollbracht wurde. Satan sei bereits dort gerichtet worden und warte nur noch auf die Vollstreckung des Urteils. Von daher sei Gottes Sieg sicher und könne nicht mehr weggenommen werden (Römer 8,31-39). Jesu Opfer als Versöhnung für unsere Sünden sei die große Wahrheit, um die sich alle anderen Wahrheiten sammeln. Alles solle im Licht vom Kreuz auf Golgatha studiert werden.

Auch dem pflichte ich vom Grundsatz her bei.

Falscher Eifer führt nicht zum Ziel

Denis Kaiser spricht sich gegen eine einseitige Lesart von Ellen Whites Aussagen aus und warnt davor, übers Ziel hinauszuschießen und zentrale biblische Lehren zu verzerren. Sonst könnten wir die Macht der Sünde unterschätzen wie auch die Fähigkeit des Menschen, sie zu überwinden. Der Fokus dürfe nicht auf uns liegen, sondern auf Gott und dem Nächsten.

Eine Frage des Blickwinkels?

Aus alledem schließt Denis Kaiser, Gott sei nicht davon abhängig, dass wir seinen Charakter durch unsere Sündlosigkeit rechtfertigen, und der Zeitpunkt seiner Wiederkunft erst recht nicht.

Ich empfinde das ehrlich gesagt als Frage des Blickwinkels. Was uns als Menschen zunächst widersprüchlich erscheint, kann sich zuweilen als ergänzender Komplex von Wahrheiten entpuppen.

Der Unterschied zwischen Sünde und Versuchung

Ja, Sünde auf eine Handlung zu reduzieren, das wäre verfehlt. Denn Jesus spricht ja schon in der Bergpredigt davon, dass Sünde im Herzen beginnt. Doch als Sünder sehne ich mich hier und jetzt nach der verheißenen Befreiung von der Sünde. Deshalb ist es für mich entscheidend, zwischen Versuchung und Sünde zu unterscheiden. Denn Befreiung von Versuchung ist uns diesseits der Wiederkunft nicht verheißen, Befreiung von Sünde aber schon.

Ein versuchender Gedanke ist keine Sünde: »Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde.« (Jakobus 1,14.15) Wer jedoch im Herzen sein Gottvertrauen loslässt und sich für die Begierde entscheidet, der sündigt auch, wenn man es von außen noch nicht merkt. »Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.« (Matthäus 5,28) Denn »Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.« (Römer 14,23) Deshalb »ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt.« (Epheser 6,16)

Gott offenbart sich im sündigen Fleisch

Ja, Jesus wurde von der Sünde nicht angesteckt oder befleckt. Auch verband sich Gottes sündlose Natur bei Jesu Menschwerdung nur mit unserer sündigen Natur und ihren Schwächen, nicht aber mit unserer starken Vorliebe für die Sünde (Propensität). Es gab nie einen Zeitpunkt, an dem er die Sünde nicht von ganzem Herzen gehasst hätte. Ja, sein Hass für die Sünde nahm bis zum Kreuz stetig zu.

Zu den Schwächen unserer sündigen Natur gehört jedoch auch die Neigung unseres Fleisches, die uns, getrennt von Gottes Geist, zur Sünde führt (Tendenz). Und diese Neigung seines Fleisches spürte Jesus auch. Gerade, weil er ohne Sünde war, zehrte dies an seinen Nerven, und deshalb spürte er auch die Schuld unserer Sünde zunehmend auf sich lasten, bis er in Gethsemane darunter zusammenbrach, auf Golgatha Gottes Gegenwart nicht mehr spüren konnte und an zerbrochenem Herzen starb. Auf diese Weise wurde er »zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden« (2. Korinther 5,21).

Deshalb dürfen wir uns von Jesus verstanden fühlen, weil er »in allem versucht worden ist wie wir, doch ohne Sünde« (Hebräer 4,15). Deshalb kann er mit uns mitfühlen, sodass wir zuversichtlich zum Thron der Gnade hinzutreten. Jesus verurteilte die Sünde im Fleisch, damit wir im Fleisch geistlich leben können (Römer 8,3.4).

So kann letztlich nur Jesus in uns die Sünde überwinden. Er allein ist unsere Hoffnung: »Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit« (Kolosser 1,27). »Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir: Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes.« (Galater 2,20) Ich glaube definitiv nicht, dass dies nach dem Ende der Gnadenzeit anders sein wird.

Wenn Jesus in mir lebt, dann werde ich nicht krampfhaft versuchen, jede Gesetzesübertretung zu meiden und meine sündige Natur zu überwinden oder eine Sünde nach der anderen endgültig zu besiegen, bis ich für die Verwandlung bereit bin. Das hätte mit Freiheit nichts mehr zu tun. Jesus macht mich frei. Er ist der Silberschmied, der das Feuer der Anfechtungen reguliert, bis er sein Bild auf der Oberfläche wiedererkennen kann.

Wenn Jesus in mir lebt, verwandeln sich die Zehn Gebote in herrliche Verheißungen: Wenn wir uns von ihm befreien lassen, dann werden wir die Gebote nicht mehr brechen. Dann sind wir frei! »Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei.« (Johannes 8,36)

Er wird nicht wiederkommen, bis er dieses Werk auf Erden abgeschlossen hat, bis das Heiligtum im Himmel gereinigt ist. Wenn man bedenkt, dass die Bibel im Neuen Testament nicht nur vom Heiligtum im Himmel, sondern auch vom Heiligtum der Gemeinde auf Erden und von uns als Tempel des Heiligen Geistes spricht, liegt es für mich wohltuend nahe, dass Reinigung und Heilung hier Hand in Hand gehen.

Die Offenbarung beschreibt dieses Werk, das beim Ende der Gnadenzeit zum Abschluss kommt: »Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines Bundes wurde sichtbar in seinem Tempel.« (11,19) »Der Tempel wurde erfüllt mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft.« (15,8) »Die Erde wurde erleuchtet von seiner Herrlichkeit.« (18,1)

Wenn dann die Gnadenzeit abschließt, ist auch die Reinigung zu Ende. Es bedarf keines Mittlers mehr zwischen den Erlösten und Gott. Doch ihre Sündlosigkeit ist auch dann kein Eigenprodukt, sondern nur Gnade Gottes, gewirkt durch den Heiligen Geist in ihren Herzen, in denen Jesus für immer wohnen wird.

Für mich wäre der Gedanke schrecklich, dass die Reinigung des Heiligtums willkürlich geschieht, also zu einem festgelegten Zeitpunkt, sodass der aufrichtig bereuende Sünder zu spät kommen könnte. Es wird vielmehr sein wie zu Noahs Zeiten. Erst wenn klar ist, dass keiner mehr in die schützende Arche will, geht die Tür zu. Und zu spät kommen nur die, die freiwillig nicht kommen wollten.

Die 144.000 werden als untadelige Nachfolger Jesu bezeichnet, in deren Mund kein Falsch ist und auf deren Stirn der Charakter Jesu und des Vaters eingeprägt ist (Offenbarung 7,1.4). Die Geschichte steuert laut Prophetie auf einen Showdown zu. Wo die Finsternis am größten wird, wird auch das Licht am hellsten scheinen. So wie auf Golgatha wird Gott dem Universum, seinen Engeln und allen Menschen demonstrieren, dass die Gnade mächtiger ist als die Sünde, dass die von Jesus errungenen Verdienste im Herzen der Gläubigen hundertprozentig funktionieren und sie rettungssicher machen. Von ihnen wird also in Ewigkeit keine Gefahr mehr ausgehen fürs Universum. Es wird bewiesen sein, dass Gott mit seinen Verheißungen nicht gelogen hat. So wird in einer Zeit, »wie es noch keine gab, seitdem es Völker gibt, bis zu dieser Zeit«, auf allen Ebenen ein Höhepunkt erreicht sein in der Heilsgeschichte (Daniel 12,1). Und dieser Höhepunkt nimmt seine Kraft und Wirkmacht direkt aus Golgatha.

Aus dieser Perspektive hätte die Last-Generation-Theologie also doch recht. Hängt von ihr das Schicksal Gottes und des Universums ab? Nur insofern als Gott derjenige ist, der durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit das Universum rettet. Wir dürfen daran teilhaben, weil er uns in seiner Gnade in dieses zutiefst selbstlose Geschehen mit hineinnimmt. Wir brauchen uns dazu nur ganz in seine Hand fallen zu lassen. Vertrauen wir ihm ruhig, dass er tun kann, was uns unmöglich, ja wahnsinnig erscheint!

Denis, es ist mein Wunsch, dass wir uns alle diesem Ziel nähern, wie die Speichen der Radnabe – wenn auch von leicht verschiedenen Blickwinkeln. Eifern wir in der Vorbereitung im rechten Geist der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit. Denn sie sind die Erfüllung des Gesetzes! Und nur sie können die Sünde völlig aus unserem Leben vertreiben.


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