• Zum Umgang mit Andersgläubigen: Zur Zeit und zur Unzeit?

    Zur Zeit und zur Unzeit?

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    Gottes Auftrag erfüllen, heißt langfristig denken. Von Ellen White

Mittwoch, 25 Mai 2016 – 12:41 Uhr

Feindesliebe als Erkennungsmerkmal: Denn er hat uns zuerst geliebt

Denn er hat uns zuerst geliebt

Foto:  Photographee.eu - Adobe Stock

Viele kennen das Gefühl: Beim Gedanken an bestimmte Menschen tritt körperliches Unwohlsein auf. Wie können wir damit umgehen? Von Ellen White

»Lasst uns ihn lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: ›Ich liebe Gott‹, und hasst doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht? Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll.« (1. Johannes 4,19-21) Gottes Wille kommt in diesen Worten ganz unmissverständlich zum Ausdruck. Daher stellt sich die Frage: Folgen wir Gottes Stimme bis auf den letzten Buchstaben? Einen vollendeten Charakter erlangt man schließlich nur, wenn man Gottes Stimme hört und seinen Rat befolgt.

Die Ermahnung des Apostels gilt auch denen, die mit Krisen zu kämpfen haben, durch die in ihnen eine Abneigung gegen ihre Geschwister entsteht. Sie gilt solchen, die verletzt oder finanziell übervorteilt, beschimpft und kritisiert, missverstanden und falsch beurteilt werden. Wenn sie an die denken, von denen sie verletzt wurden, dürfen sie keinen Hass in ihr Herz dringen oder unfreundliche Gefühle aufkommen lassen.

Jesus trägt die Verderbtheit der Menschenkinder mit Geduld. Er hat Mitleid mit ihnen auf ihrem falschen Weg. Würde er so empfinden wie einige seiner angeblichen Nachfolger, dann wäre er ständig von Empörung und Hass erfüllt, wenn er die sieht, die seine Barmherzigkeit missbrauchen, seine Gnade verachten, seine Gebote nicht befolgen wollen und seine Autorität mit Füßen treten. Er hat sie mit Leib und Seele gekauft. Obwohl sie Satan, seinem bittersten Feind, die Treue schwören, liebt er sie immer noch.

Niemand kann seinen Bruder hassen, ja selbst seinen Feind, ohne sich selbst zu verdammen. Wir empfangen von der Hand unseres Schöpfers und Richters immer den Lohn, der unserem Verhalten ihm und seinen Geschöpfen gegenüber entspricht. Es steht geschrieben: »Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.« (Matthäus 6,15) Und wieder lesen wir: »Gegen den Gütigen erzeigst du dich gütig, gegen den Rechtschaffenen rechtschaffen, gegen den Reinen erzeigst du dich rein, aber dem Hinterlistigen trittst du entgegen!« (Psalm 18,26-27)

Wenn wir die Bibel ins Herz schließen und zur Regel unseres Verhaltens machen, hegen wir auch gegen die keinen Hass, die uns Unrecht tun. Wie Jesus vergeben auch wir unseren Feinden und halten nach Gelegenheiten Ausschau, wo wir denen, die uns Schaden zugefügt haben, zeigen können, dass wir sie lieben und ihnen, wann immer möglich, Gutes tun werden. Wenn wir uns so verhalten, werden dadurch möglicherweise Feindschaften aufgelöst, unsere eigenen stolzen und kalten Herzen gedemütigt und mit Jesus in Einklang gebracht. Wenn die, die uns verletzt haben, uns weiter Unrecht tun und wir sehen, dass wir ihnen nichts Gutes tun können, dann sollte immer noch die Liebe unsere eigenen Herzen regieren und die Feindschaft überwinden, die sich in unserer Brust breit machen will.

Wenn wir sowohl Bibeltäter als auch Bibelleser wären, würde in unseren Gemeinden einen völlig anderer Zustand herrschen. Bemüht euch um Versöhnung mit euren Geschwistern und folgt dabei dem biblischen Plan, so wie Jesus selbst es angewiesen hat! Wenn unsere Geschwister die Versöhnung ablehnen, redet weder hinter ihrem Rücken noch schädigt ihren Einfluss, sondern überlasst sie den Händen eines gerechten Gottes, der alle Menschen gerecht richtet. Wie vielen mangelt es doch an Liebe! Wenn nur die Liebe den Hass aus dem Herzen verbannen sowie Wetteifer, Streit und die Wurzel der Bitterkeit ausrotten würde, die viele verunreinigt. Die Liebe Jesu kann erst dann im Herzen empfangen und in es ausgegossen werden, wenn Neidgefühle, Hass, Eifersucht und Argwohn abgelegt werden.

Junge Leute mögen wohl ihre große Liebe für Gottes Sache bekennen. Solange sie aber mit ihren Kameraden nicht versöhnt sind, sind sie auch nicht mit Gott versöhnt. Groll und selbstsüchtige Gefühle halten Gottes Segen von unseren Herzen und Heimen fern. Lassen wir Jesu Liebe ins Herz fließen und den Charakter verwandeln! Andernfalls sind wir keine Kinder Gottes, keine Bibelchristen. Jesus bedeutet uns nichts, wenn wir ihn nicht unser Verständnis erleuchten, die Gefühle reinigen, die Schlacke entfernen, jeden Flecken und jede Runzel von unsern Gewändern beseitigen und uns mit seiner Gerechtigkeit bekleiden lassen.

Viele täuschen sich; denn die Grundsätze der Liebe wohnen nicht in ihren Herzen. Doch auch wenn sie die Augen vor ihren eigenen Fehlern und Mängeln verschließen, Gott können sie nicht täuschen. In dieser Angelegenheit bedarf es einer Reformation. Nur wenn das Pflugmesser der Wahrheit tiefe Furchen in unsere stolzen Herzen pflügt und die Grasnarbe unserer ungeheiligten Naturen entfernt, können der Geist und die Liebe Jesu in unsere Herzen gepflanzt werden. Die Zeit schreitet rasch voran. Jedes Werk wird bald ins Gericht kommen. Dann werden entweder unsere Sünden oder unsere Namen aus dem Buch des Lebens ausgelöscht.

»Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben.« (Markus 11,25-26) Das Gesetz und das Evangelium erklären dieses Gebot und verstärken es noch: »Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso; denn dies ist das Gesetz und die Propheten.« (Matthäus 7,12) »Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; so ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.« (Römer 13,10)

Reine Liebe funktioniert unkompliziert und ganz anders als andere Handlungsprinzipien. Wenn sie mit irdischen Motiven und selbstsüchtigen Interessen kombiniert wird, ist sie nicht länger rein. Gott achtet mehr darauf, mit wie viel Liebe wir arbeiten, als darauf, wie viel wir tun. Liebe ist eine himmlische Eigenschaft. Das natürliche Herz kann sie nicht hervorbringen. Diese himmlische Pflanze gedeiht nur dort, wo Jesus an oberster Stelle regiert. Wo Liebe existiert, gibt es Kraft und Wahrheit im Leben. Liebe tut Gutes, und zwar ausschließlich Gutes. Wer Liebe hat, trägt Frucht zur Heiligkeit und am Ende ewiges Leben. »Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.« (1. Johannes 5,2-3)

The Youth’s Instructor 13. Januar 1898. Hervorhebungen von der Redaktion.

Zuerst in Deutsch bei hoffnung weltweit erschienen in Unser festes Fundament, 1-2001.


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