Montag, 30 Mai 2016 – 15:27 Uhr

Zum 600. Gedenktag von Hieronymus von Prag: Du weißt, dass ich deine Wahrheit immer geliebt habe!

Du weißt, dass ich deine Wahrheit immer geliebt habe!

Bild: Wikipedia

Heute vor 600 Jahren, am 30. Mai 1416, starb der tschechische Reformator Hieronymus von Prag als Märtyrer auf dem Konzil zu Konstanz. Von Alberto Rosenthal

 

»Herr, allmächtiger Vater, erbarme dich über mich und vergib mir meine Sünden. Denn du weißt, dass ich deine Wahrheit immer geliebt habe.« Hieronymus letzte Worte in den lodernden Flammen waren ein Gebet.
 
Wie für Johannes Hus, der ihm auf demselben Konzil am 06. Juli 1415 auf dem Weg in das Martyrium vorausgegangen war, war auch für Hieronymus von Prag »die Wahrheit des Vaters« in Jesus Christus offenbar geworden. Beide Männer waren durch das Studium der Bibel in der Tiefe ihrer Seele von ihrer göttlichen Urheberschaft überzeugt worden, und beide konnten freimütig bezeugen, dass Jesus Christus das für sie geworden war, was Gottes Wort versprach: Heiland und Herr, Bruder und Freund.
 
Das Geheimnis von Golgatha erschloss sich Hus und Hieronymus ganz so, wie der Psalmist es deutet: »Gnade und Wahrheit sind einander begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküsst.« (Psalm 85,11) Der Glaube an Jesus Christus schenkte ihnen einen Ausweg aus dem großen Dilemma der menschlichen Erfahrung: »Wie gerecht sein und zugleich barmherzig? Wie barmherzig und zugleich gerecht?« Im Gekreuzigten erkannten sie die Öffnung jenes verheißenen »Quell[s] gegen Sünde und Unreinheit« (Sachara 13,1), in dem beides zusammenfließt: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
 
Jenseits kirchlicher Weisheit fanden diese hoch gelehrten Männer im vertrauensvollen Blick auf den erhöhten Menschensohn jenen Frieden, den der Messias seinen Nachfolgern zugesagt hatte:  
 
»Frieden hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch; euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!« (Johannes 14,27)
 
Der heutige besondere Gedenktag weist daher auch vornehmlich auf jene Macht der Liebe, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, jeden Sturm der Seele zu stillen und jedem, der möchte, ein Herz zu schenken und ein Leben zu bereiten, das  auch im Angesicht von Feindschaft und Missbrauch Frieden und Freude bewahren darf. Ein Herz und ein Leben, das zugleich beides sein darf: »Simul iustus et misericors« – »zugleich gerecht und barmherzig«.
 
Solch ein Leben kann nach Jesu Christi Worten nur im ewigen Leben münden. An Nikodemus gerichtet, sagte er:
 
»Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.« (Johannes 3,14-16)
 
Hus und Hieronymus erkannten, dass Wahrheit und Liebe eine Einheit bilden und dass sie als Gesetz des Lebens immer vereint aus Gottes Herzen strömen. In der erhaltenden Kraft des "allmächtigen Vaters" wussten sich beide in der Stunde ihres Todes geborgen.
 
Vor diesem Hintergrund gewinnt Johannes Hus berühmtes Wort seine ganze Kraft:
 
»Darum, frommer Christ, suche die Wahrheit, höre auf die Wahrheit, lerne die Wahrheit, liebe die Wahrheit, sprich die Wahrheit, halte die Wahrheit fest, verteidige die Wahrheit bis zum Tode, denn die Wahrheit befreit dich von der Sünde, vom Teufel, vom Tod der Seele und schließlich vom ewigen Tod.«
 
Vor diesem Hintergrund offenbart sich auch der ungebrochene Retterwille, der Hieronymus beseelte, als er unmittelbar vor seiner Hinrichtung warnend zu seinen Richtern sprach:
 
»Ich aber werde nach meinem Tod ein Biss in eurem Gewissen und ein Nagel in eurem Herzen sein.«
 
Weiter nämlich hatte Jesus zu Nikodemus gesagt:
 
»Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohn Gottes geglaubt hat. Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind.« (Johannes 3,17-21)
 
Die böhmischen Reformatoren hatten sich gegen die Ansprüche einer sakralen Gesellschaft für die Frucht echten, rettenden Glaubens entschieden. Mit ihrem Blut besiegelten sie die Überzeugung ihres Lebens, die so vielen aus der Knechtschaft von Sünde und Angst verholfen hatte.
 
Wahrhaftig erfüllte sich an ihnen die Zusicherung ihres Meisters:
 
»Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.« (Johannes 7,37.38)
 
Möge diese Erfahrung jedem Leser und jedem Menschen beschieden sein!
 
Wer den Ereignissen heute vor 600 Jahren weiter nachgehen möchte, findet dazu in der folgenden Broschüre auf den Seiten 22-27 die Gelegenheit. Das besondere Augenmerk der Broschüre, die anlässlich des 600. Jahrestags der Martyrien von Hus und Hieronymus erscheint und daher bereits am vergangenen 06. Juli zum 600. Gedenktag des Martyriums von Johannes Hus auf dieses Portal gestellt wurde, richtet sich dabei auf eine Gefahr, die vom historischen Gesichtspunkt die größte für unsere heutige freiheitliche Rechtsordnung darstellt. Es geht dabei um die noch immer wenig beachtete, zunehmende Verquickung von Religion und Politik. Anhand der Erfahrung von Hus und Hieronymus werden Grundsätze beleuchtet, die eine entscheidende Bedeutung für Ereignisse besitzen, die heute vor uns stehen und die im zweiten Teil der Broschüre beschrieben werden. Der gewählte Blickwinkel ist dabei notwendigerweise historisch-prophetischer Natur und damit genau der Blickwinkel, dem alle Reformatoren Rechnung trugen.
 
http://www.hoffnung-weltweit.info/aufklaerung/prophetie/suche-liebe-halte-fest.html
 
Die Ereignisse heute vor 600 Jahren wurden auch von einem Augenzeugen festgehalten. Der bekannte Humanist Poggio Bracciolini erlebte das Verhör und die Hinrichtung von Hieronymus mit und berichtete einem Freund noch am selben Tag in einem Brief davon. Eine moderne Übersetzung des lateinischen Originals durch einen süddeutschen Latinisten liegt seit Anfang 2014 vor und konnte dankenswerterweise am 03. Juni vergangenen Jahres auf diesem Portal veröffentlicht werden. Dankenswerterweise entstanden dazu auch kostbare moderne Illustrationen durch einen begnadeten, zeitgenössischen Künstler.
 
http://www.hoffnung-weltweit.info/wurzeln/ein-augenzeugenbericht.html


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