Mittwoch, 07 Oktober 2020 – 11:54 Uhr

Waffen und Heilsgewissheit: Warum lassen sich Jesusjünger zum Töten ausbilden?

Warum lassen sich Jesusjünger zum Töten ausbilden?

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Eine verstörende Frage. Von Kai Mester

LESERFRAGE:
Ich bin ja von manchen eurer Veröffentlichungen ganz tief berührt, aber was mich sehr überrascht ist, dass es offenbar als in Ordnung gilt, für das Militär zu arbeiten. Es ist doch ein eindeutiger Verstoß gegen das sechste Gebot, für das Militär zu arbeiten. Glaubt ihr wirklich, dass ein Mensch, der mit Waffen zu tun hat, gerettet ist?

Feindesliebe ist sanftmütig

Jesus hat eindeutig gesagt, dass alle, die das Schwert (Waffen) nehmen, durch das Schwert umkommen werden (Matthäus 26,52). Er fordert uns auf, unsere Feinde zu lieben und uns von ihnen schlagen zu lassen (Lukas 6,27-29). Er ließ sich von seinen Feinden sogar umbringen, auch darin war er unser Vorbild. Insofern hast du Recht, wenn du die Rettung eines Menschen, der mit Waffen tötet, anzweifelst, weil ja Gerettetsein bedeutet, in Christus gestorben und auferstanden und von seinem Leben und Wesen erfüllt zu sein.

Bluttriefende Richter und Könige

Nun lesen wir in der Bibel aber von Glaubensmännern wie den Richtern oder König David, die viele Menschenleben auf dem Gewissen haben, und das auch noch im Namen Gottes. Und Jesus war ja der Sohn Davids. Wir lesen in der Bibel von Todesstrafe, Krieg und Völkermord. Dann auch von den ganzen Tieropfern. Wie ordnen wir das ein? Wie gehen wir damit um? Gott erlaubte es David nicht, ihm ein Haus zu bauen, sagt die Bibel, weil viel Blut an seinen Händen klebte und er Kriege geführt hatte (1. Chronik 22,8). Nur ein Friedensmann durfte den Tempel bauen (Salomo; Vers 9-10), leider irrte er dafür mehr als sein Vater David auf dem Gebiet der Polygamie (1. Könige 11,1-3).

Das Übel der Monarchie

Das Ganze ist ein großes Thema. Aber man kann sagen, dass Gott gewisse Praktiken tolerierte, ohne sie gutzuheißen. Zum Beispiel die Monarchie! Als Israel sich für sie entschied, sagte Gott zu Samuel, dass das Volk nicht Samuel, sondern ihn verworfen habe (1. Samuel 8). Aber Gott ließ sein Volk deshalb nicht im Stich. Er sagte ihnen zwar voraus, dass eine Monarchie auch Kriegsdienst und Zwangsarbeit bedeuten würde (Vers 11-17), aber schlussendlich war er sogar bereit, Israels König im Krieg beizustehen. Interessanterweise mussten sie keine Waffen einsetzen, wenn sie Gott völlig vertrauten, wie uns die Berichte über Josaphat und Hiskia zeigen (2. Chronik 20,16.22-24; 32,8.21).

Heute scheint mehr Licht

Es ist zuweilen schwer verständlich für uns, wie weit Gott auf den Menschen eingeht, um ihn aus dem Sumpf zu holen. Dabei sieht Gott vor allem das Herz an. Bekehrt sich ein verrohter Mensch und entschließt sich von nun an, nur noch für Gottes Sache zu töten, so nimmt Gott das in seiner Gnade an, vor allem, wenn dieser Mensch keine Möglichkeit hatte, zu erleben, wie wahre Gewaltlosigkeit und Liebe aussehen (Richter 3,12-30). Jesus hat uns Gottes Liebe aber inzwischen in der völligen Offenbarung vorgelebt (Johannes 17,3.4). Daher gibt es eigentlich keinen Grund mehr, mit Waffen zu töten.

Das Schwert im Dienst Gottes?

Erstaunlicherweise spricht Paulus auch nach Golgatha noch davon, dass der Staat das Schwert trägt, um damit dem Bösen zu wehren (Römer 13,4), obwohl doch Jesus gesagt hat, dass wir dem Bösen eben nicht wehren sollen (Matthäus 5,39). Die Obrigkeit sei »Gottes Dienerin, eine Rächerin zum Zorngericht an dem, der das Böse tut« (Römer 13,4). Wie ist das zu verstehen? Tatsächlich gibt es bis heute keinen Staat auf der Erde, der auf Waffengewalt verzichtet. Jeder Staat hat Soldaten und Polizisten, die zum Töten ausgebildet werden. Bisher hat uns kein Staat vorgemacht, wie ein Staat erfolgreich funktioniert, der völlig auf Waffen verzichtet. Sie werden mindestens zur Abschreckung eingesetzt. Gott scheint also auch nach Golgatha noch den Einsatz von Waffen zu tolerieren, und zwar dort, wo keine Erkenntnis über einen besseren Weg herrscht.

Nicht in der Hand eines Christen

Wenige Verse vorher fordert Paulus aber alle Gotteskinder auf, sich weder zu rächen (12,19) noch Böses mit Bösem zu vergelten (Vers 17), sondern den Feind zu lieben und das Böse durch das Gute zu überwinden (Vers 20,21). Gott möchte also nicht, dass sich seine Kinder am »Schwert-Tragen« des Staates beteiligen. Er macht uns lediglich darauf aufmerksam, dass wir uns nicht gegen das »Schwert-Tragen« der Obrigkeit auflehnen sollen.

Heilen statt töten

Daher vertreten die Adventisten offiziell den Nichtkämpferstandpunkt. Das heißt: Wir sind bereit, im Krieg auch an der Front Sanitätsdienst zu leisten und Soldaten wieder zusammenzuflicken, damit sie erneut Töten können, um es mal ganz scharf zu sagen. Denn Gott lässt jeden Tag seine Sonne über den Bösen aufgehen (Matthäus 5,45), um ihnen erneut Leben für ihre bösen Taten zu schenken, damit sie die Gelegenheit haben, doch noch irgendwann zur Erkenntnis zu kommen (1. Timotheus 2,4).

Adventistische Soldaten – ein Bekenntnis

Es gibt dennoch Adventisten, die als Soldaten an die Front ziehen, vor allem in den USA, obwohl die Armee dort eine Freiwilligenarmee ist. Soldatsein scheint also in der Freikirche der Adventisten mit dem Adventistsein vereinbar zu sein. Diese Soldaten haben in meinen Augen aber das Evangelium noch nicht in der Tiefe verstanden. Dass es adventistische Soldaten überhaupt gibt, hat mich schon immer beunruhigt und stimmt mich sehr traurig. Hier wird zu wenig aufgeklärt. Daher bekenne ich mit Daniel: »Uns, HERR, treibt es die Schamröte ins Gesicht, unseren Königen, unseren Fürsten und unseren Vätern, weil wir gegen dich gesündigt haben!« (Daniel 9,8) Gott sieht zwar sicher das Herz an, wo Soldaten tatsächlich aus »edler« Motivation ihrem Land mit der Waffe dienen und meinen, auf diese Weise Werte der Freiheit und Demokratie und ihre Mitbürger zu schützen. Aber es ist unsere Aufgabe, das Evangelium so klar zu verkündigen, dass dies als antichristlicher Irrweg entlarvt wird. Nicht umsonst warnt uns die Offenbarung, dass die USA in der Endzeit als Wolf im Schafspelz agieren wird »gleich einem Lamm und redet wie ein Drache« (Offenbarung 13,11).

Wahre Rettung nur in Jesus

Deine Frage oben würde ich, auf mich selbst bezogen, mit Nein beantworten: Wenn ich mich zum Töten ausbilden lassen und eine Waffe tragen würde, dann würde ich nicht dem Beispiel Jesu folgen und meine Rettung wäre in Frage gestellt. Für andere Menschen kann ich diese Frage nicht hundertprozentig beantworten, da Gott auch in der Geschichte gnädig war, wo wahrhaft gottergebene Menschen andere töteten, weil sie Gott nach bestem Wissen und Gewissen dienten. Auf jeden Fall fordert uns Jesus auf, unser Licht leuchten zu lassen, damit Gottes sanftmütiges Wesen die ganze Welt erleuchtet und Gotteskinder weder töten noch sich dafür ausbilden lassen.

Zuerst erschienen im Versöhnungstag, Juli 2014


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