• Franziskus und die Hölle: Doch keine ewige Qual?

    Doch keine ewige Qual?

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    Der Papst macht wieder Schlagzeilen. Von Pat Arrabito

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Mittwoch, 20 Mai 2015 – 07:06 Uhr

Gottes Ehrenrettung: Eine Antwort auf eine bohrende Frage

Eine Antwort auf eine bohrende Frage

Photo: Igor Zh. - shutterstock.com

Warum dreht sich diese Welt der Sünde und des Leides seit Jesu Tod nun schon fast zweitausend Jahre stöhnend weiter? Von Dave Fiedler

Der Wunsch nach Ehrenrettung ist eine Grundsehnsucht jedes Menschen. Wir sind zwar selten so direkt, dass wir sagen: »Ich hab’s dir ja gesagt!«, empfinden aber von Natur aus eine gewisse Befriedigung, wenn andere merken, dass unser Standpunkt richtig war. Das ist auch nicht unbedingt falsch. Stolz weckt allerdings allzu gerne den Wunsch, andere abzuwerten oder sich selbst zu erhöhen. Dennoch: Der Wunsch ist legitim, dass andere das als wahr und richtig erkennen, was auch wahr und richtig ist.

Auch der Schöpfer freut sich wie die Menschen, die er geschaffen hat, auf den Tag seiner Ehrenrettung. Mehrere tausend Jahre verfolgt er schon geduldig den kostspieligen Kurs, die Güte und Notwendigkeit seiner Regierungsgrundsätze zu zeigen. Überall in der Geschichte unserer Gemeinschaft treffen wir auf dieses wiederkehrende Thema, die einzigartige adventistische Erkenntnis: Der Charakter der Gläubigen wird in der letzten Generation das Bild Jesu völlig widerspiegeln. Sie werden in der Trübsalszeit ohne Sünde leben und so Gottes Charakter rehabilitieren, rechtfertigen, seine Ehre retten. Dieses Szenario enthält einige Aspekte, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Warum sollte Gott überhaupt solch einen Kurs verfolgen?
Warum verkündigt er nicht einfach, dass er Recht hat?
Warum lässt er es auf eine Demonstration ankommen?
Warum nimmt er sich die Zeit dafür?
Warum sollte er auf die »letzte Generation« warten, damit sie eine bisher unerreichte Herausforderung erfüllt?

Denn Zeit ist kostspielig – nicht so sehr in menschlichen Währungen, als vielmehr in einer teureren Währung: dem Leid. An jedem neuen Tag wird Millionen Menschen, die diesen sündigen Planeten bewohnen, ein schrecklicher Tribut abgefordert. Mehr noch als sie leidet Gott selbst, so viel mehr, das wir nicht begreifen können und auch nur selten bedenken.

»Wer darüber nachdenkt, was geschehen würde, wenn man die Evangeliumsverkündigung beschleunigt oder bremst, tut dies meist im Blick auf die Welt und sich selbst. Wenige denken dabei an Gott oder an den Schmerz, den die Sünde unserem Schöpfer verursacht. Der ganze Himmel durchlitt Jesu Todeskampf, aber sein Leiden begann und endete nicht mit seiner Offenbarung als Mensch. Das Kreuz enthüllt unsern stumpfen Sinnen den Schmerz, den die Sünde schon seit ihrem Aufkommen Gottes Herzen bereitet. Jedes Abweichen vom Recht, jede grausame Tat, jedes Versagen der Menschheit vom Kurs auf das von Gott gesetzte Ziel bereitet ihm großen Kummer.« (Education, 263; vgl. Erziehung, 217)

Leid ist bedeutsam. Es macht die Zeit kostspielig. Wenn es kein Leid gäbe, könnten wir auf den Gedanken kommen, Gott hätte gar keinen Anreiz dazu, sich jetzt mit dem Sündenproblem zu befassen, sondern erst in ein paar Millionen Jahren. Wenn es kein Leid gäbe, warum sollte er sich beeilen?

Doch das Leid ist ein zweischneidiges Schwert. Es versichert uns zwar, dass Gott Grund genug hat eine Lösung für »den großen Kampf« zu suchen, weckt aber auch eine Frage: Warum lässt er es zu, dass sich das Leid in die Länge zieht?

Warum macht Gott dem Leid noch kein Ende?

Vielleicht können wir nicht alles begreifen, was mit diesem Problem zusammenhängt. Doch wir müssen zugeben, dass Gottes gegenwärtige Beziehung zur fortwährenden Existenz der Sünde in eine von vier Kategorien fallen muss:

Er kann die Sünde nicht abschaffen.
Er kann die Sünde abschaffen, will aber nicht.
Er kann die Sünde abschaffen, es ist ihm aber nicht wichtig genug.
Er kann die Sünde abschaffen, aber er hat ausreichend wichtige Gründe, die es rechtfertigen, dass er die Sünde eine gewisse Zeit gewähren lässt.

Auch ohne theologische Schulung sehen wir, dass die ersten drei Möglichkeiten dem Zeugnis der Inspiration hoffnungslos widersprechen. Wenn Sünde kein Leid verursacht, könnte man meinen, es gäbe wenig oder keinen Bedarf sie aus dem Universum zu schaffen. Wenn Sünde nur den sündigen Geschöpfen Leid zufügt, könnte man vermuten, Gott fehlt das nötige Mitleid, um die Sünde aus dem Universum zu schaffen. Weil aber sowohl der Schöpfer selbst als auch seine Geschöpfe unter der Sünde leiden, liegt es nahe, dass es einen triftigen Grund geben muss, der die Beseitigung der Sünde verzögert. Es stellt sich die Frage: »Welcher Grund könnte die Beseitigung der Sünde verzögern?« Glücklicherweise gibt es Antworten auf diese Frage:

»Warum durfte der große Kampf ganze Zeitalter hindurch währen? Warum wurde Satan nicht ausgelöscht, als er seine Rebellion begann? – Damit das Weltall von Gottes gerechter Behandlung des Bösen überzeugt wird und die Sünde ewige Verdammnis empfängt. Im Erlösungsplan gibt es Höhen und Tiefen, die unser Geist selbst in der Ewigkeit nie voll durchdringen wird – Wunder, die die Engel gern begreifen möchten.« (Education, 308; vgl. Erziehung, 252)

»Gott hat in seiner Weisheit keine Zwangsmaßnahmen benutzt, um Satans Rebellion zu unterdrücken. Solche Maßnahmen hätten Sympathie für Satan geweckt und seine Rebellion eher gestärkt, als seine Macht geschwächt. Hätte Gott gleich am Anfang Satans Rebellion bestraft, hätten noch viel mehr Wesen Satan als zu Unrecht Behandelten angesehen und wären seinem Beispiel gefolgt. Es war notwendig, dass er Zeit und Gelegenheit bekam, seine falschen Grundsätze zu entwickeln.« (Signs of the Times, 23. Juli 1902)

»Der große Gott hätte diesen Erzbetrüger sofort aus dem Himmel werfen können. Doch es lag nicht in seiner Absicht … Wenn Gott seine Macht ausgeübt hätte, um diesen Erzrebellen zu bestrafen, wären die unzufriedenen Engel offenbar geworden. Deshalb schlug Gott einen anderen Weg ein. Er wollte dem ganzen himmlischen Heer sein Recht und sein Gericht deutlich offenbaren. « (The Spirit of Prophecy 1, 21)

»Der allweise Gott ließ Satan sein Werk weiterführen, bis der Geist der Unzufriedenheit zu offenem Aufruhr heranreifte. Seine Pläne mussten sich völlig entwickeln, damit alle ihr wahres Wesen und Ziel erkennen konnten. Luzifer hatte als der gesalbte Cherub eine außerordentlich hohe Stellung; er wurde von den himmlischen Wesen sehr geliebt und hatte großen Einfluss auf sie … Mit großem Geschick hatte er seine Position dargelegt und mit Wortklauberei und Betrug seine Absichten verfolgt. Seine Täuschungsmacht war sehr groß. Unter dem Deckmantel der Unwahrheit gewann er Vorsprung. Sogar die treuen Engel konnten seinen Charakter nicht völlig durchschauen oder erkennen, wohin sein Werk führte.« (The Great Controversy, 497; vgl. Der große Kampf, 499)

Die Schwierigkeit bei diesen Antworten bleibt der Faktor Zeit. Jeder dieser Punkte begründet, warum Satan damals nicht vernichtet wurde, als er fiel. Doch was ist jetzt? Ist inzwischen nicht genug Zeit vergangen, dass alle seine Absicht durchschauen?

Wurde die Schlacht nicht schon auf Golgatha gewonnen?

An diesem Punkt werden die Zeugnisse schon ein wenig komplexer. Bestimmte Aussagen aus dem Geist der Weissagung wecken den Anschein, dass die Streitfragen am Kreuz abschließend gelöst wurden. Andere Aussagen sagen eindeutig, dass sie immer noch offen sind. Zum Beispiel:

»Jesu Leben war eine äußerst vollkommene und gründliche Rehabilitation (Ehrenrettung) des Gesetzes seines Vaters. Sein Tod bescheinigte die Unwandelbarkeit des Gesetzes.« (This Day With God, 246)

»Der Erlösungsplan hatte noch einen umfassenderen, tieferen Sinn als die Rettung des Menschen. Jesus kam nicht allein dazu auf die Erde, damit die Bewohner unserer kleinen Welt sein Gesetz so halten, wie es sein sollte, sondern um Gottes Charakter vor dem Weltall zu rehabilitieren … Der Akt Jesu, für die Rettung der Menschen zu sterben, machte nicht nur dem Menschen den Himmel wieder zugänglich, sondern rehabilitierte vor dem ganzen Weltall, wie Gott und sein Sohn der Rebellion Satans begegneten. Er sorgte für die bleibende Gültigkeit von Gottes Gesetz und offenbarte das Wesen und die Folgen der Sünde.« (Patriarchs and Prophets, 68-69; vgl. Patriarchen und Propheten, 46)

»Erst bei Jesu Tod wurde den Engeln und den ungefallenen Welten der wahre Charakter Satans klar. Erst dann sahen sie die Ausflüchte und Anschuldigungen des einst erhabenen Engels im richtigen Licht. Jetzt sah man, dass sein angeblich makelloser Charakter täuschte. Sein tief gelegter Plan, sich selbst zur Alleinherrschaft aufzuschwingen, wurde durchschaut. Seine Unwahrheiten waren für alle sichtbar. Gottes Autorität wurde für immer gefestigt. Die Wahrheit triumphierte über die Unwahrheit.« (Signs of the Times, 27. August 1902)

So überzeugend solche Aussagen für sich genommen auch klingen, gibt es trotzdem noch eine andere Spur. Zwar werden einige versucht sein, einen »Widerspruch« darin zu sehen, doch ist erkennbar, dass Ellen White selbst darin keinen solchen sah. Als sie von den Auswirkungen des Opfers Jesu sprach, bemerkte sie Folgendes:

»Satan erkannte, dass ihm die Maske abgerissen war. Seine Handlungsweise wurde vor den nicht gefallenen Engeln und dem ganzen Himmel offenbar. Er hatte sich selbst als Mörder entlarvt. Indem er das Blut des Gottessohns vergoss, beraubte er sich aller Sympathien der himmlischen Wesen. Fortan war sein Wirken beschränkt. Welche Haltung er auch immer einnehmen würde, er konnte nicht mehr auf die Engel warten, um vor ihnen, wenn sie von den himmlischen Höfen kamen, Jesu Brüder zu beschuldigen, dass sie unreine, sündenbefleckte Kleider tragen würden. Das letzte Band der Zuneigung zwischen der Himmelswelt und Satan war zerrissen.

Dennoch wurde Satan damals nicht vernichtet. Die Engel verstanden selbst jetzt noch nicht alles, was der große Kampf in sich vereinte. Die auf dem Spiel stehenden Grundsätze mussten erst völlig offenbart werden, und um der Menschen willen muss Satan weiter existieren. Menschen wie Engel müssen den großen Kontrast zwischen dem Fürsten des Lichts und dem Fürsten der Finsternis erkennen und sich entscheiden, wem sie dienen wollen.« (The Desire of Ages, 761; vgl. Der Eine – Jesus Christus, 762-763)

Warum 4000 und dann nochmal 2000 Jahre?

Warum brauchte es viertausend Jahre, damit die ungefallenen Wesen Satan in seinem wahren Licht erkennen konnten? »Er hatte sich selbst als Mörder zu erkennen gegeben.« War das nicht schon seit Kains Zeiten klar erkennbar? Wie viele Millionen Mörder hatte es schon gegeben? Haben sie nicht gezählt?

Nein – jedenfalls nicht als überzeugender Beweis. Nichts in dem angestauten Schmerz von viertausend Jahren war so aussagekräftig wie die Kreuzigung. Aus einem einfachen Grund: Alle, die vorher starben, waren Sünder gewesen. Satan hatte die perfekte Ausrede. Es war Gottes Gesetz und nicht seines, das besagte, Sünder müssen sterben. Erst beim Tod Christi zeigte sich, dass Satan ein unschuldiges Wesen töten würde.

Noch erstaunlicher allerdings ist, dass nach dem Kreuz ein zusätzlicher Beweis nötig sein soll. Was könnte das sein? Reicht Jesu Tod nicht, um das teuflische Wesen Satans und der Sünde zu entlarven?

Um diesen Fragen weiter nachgehen zu können, wollen wir über den Sinn und das Wesen von Gottes Bemühungen nachdenken, seine Ehre zu retten. Zuerst einmal ist wichtig, dass Ehrenrettung nicht nur in der Darstellung größerer Kraft oder Weisheit besteht. Ehrenrettung schließt die Widerlegung konkreter Anklagen ein. Satans sofortige Vernichtung würde ihn zwar zum Schweigen bringen, seine Anklagen aber nicht vom Tisch fegen. Das zeigt die ursprüngliche Entscheidung der Gottheit deutlich: Luzifers Regierungsprinzipien wurden Zeit zur Entfaltung gegeben. Außerdem beachte man, dass Ehrenrettung anschauliche Beweise fordert. Was auch beide Parteien behaupten – das Problem bleibt ungelöst, bis ein objektiver, demonstrativer Beweis klärt, wer Recht hat.

Diese Überlegung leuchtet vielleicht sofort ein, doch ihre Tragweite ist im Zusammenhang mit dem Erlösungsplan tiefgreifend. Wenn die Streitfragen des großen Kampfes durch eine praktische Demonstration entschieden werden, ist anzunehmen, dass die Wettkampfzuschauer ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Für die ungefallenen Wesen lässt sich das leicht glauben. Man bedenke aber, dass auch die Menschheit entscheiden muss, jeder Mensch für sich persönlich.

Eine ganz praktische Schwierigkeit entsteht hier durch die menschliche Schwachheit. Satans Täuschungen sind so klug, dass es viertausend Jahre dauerte, um jegliche Zuneigung zu ihm aus den Engelherzen zu verbannen. Wie kann man dann von einem Menschen erwarten, in nur etwa siebzig Jahren zu entscheiden? – besitzt er doch weit weniger Intelligenz und sieht weit weniger von den verfügbaren Beweisen. Beim ersten Nachdenken klingt diese Frage scheinbar leichtsinnig, doch die einfache Antwort, die wir geben, weckt eine ganz neue Folge von Fragen.

Wahrscheinlich gibt es nur eine Antwort: Jeder Mensch wird nur an dem geprüft, was er selbst bewerten kann. Denn die Grenzen der menschlichen Sterblichkeit erlauben nicht den Luxus von mehreren tausend Jahren für eine Entscheidung. Wir sagen oft: Man ist nur für das Licht verantwortlich, das man auch erhält. Ein weiterer Aspekt des gleichen Problems ist die Verheißung des HERRN: »Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft.« (1. Korinther 10,13)

Das heißt also, dass die Menschheit zu einem gewissen Grad vor den Täuschungen des Teufels beschützt wurde. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass wir sie schneller durchschauen als die ungefallenen Welten, sondern dass wir ihnen nicht allen begegnet sind. Einfach gesagt: Gott hat den Teufel daran gehindert, uns seine überzeugendsten Argumente vorzutragen, weil wir einfach nicht fähig wären, mit ihnen umzugehen.

Das hört sich für uns vielleicht fair und gerecht an; aber denken wir mal einen Augenblick darüber nach, wie der Teufel das sieht. Versetzen wir uns einmal in seine Lage. Würde uns das überzeugen? Würden wir das als fair betrachten? Und was denken die ungefallenen Engel darüber? Wenn eine Ehrenrettung stattfinden soll auf dem Schauplatz der bewussten Entscheidung und der intelligenten Auswertung widerstreitender Behauptungen, dann gefährdet solch eine Zensur der feindlichen Argumente jeglichen Beweis für menschliche Loyalität gravierend.

Das Problem verschärft sich nur weiter, wenn man den Fall derer einbezieht, die schon längst gestorben sind. Wenn der HERR vorschlägt, zahlreiche Auferstandene in Gottes Familie aufzunehmen, die nie Satans »beste« Argumente gehört haben, ist da nicht zu erwarten, dass die ungefallenen Engel eine gehörige Portion Unwohlsein empfinden? Man bedenke: Noch vor ein paar tausend Jahren waren Luzifers Gesinnungsgenossen ihre Freunde und Gefährten. Wenn Engel so weit fallen konnten, welche Garantie gibt es dann für diese ungeprüften, sündigen Menschen?

Um die Bedenken der gefallenen und ungefallenen Engel zu zerstreuen, muss der HERR zwei Dinge tun. Er muss zeigen, dass die Menschheit der ganzen Breite von Täuschungen der Sünde begegnen und sie besiegen kann. Er muss auch zeigen, dass es einen erkennbaren Faktor gibt, der stets mit diesem Sieg verbunden ist. In anderen Worten: Alle, die die Sünde überwinden, brauchen ein gemeinsames Merkmal. Dieses Merkmal darf niemand besitzen, der trotz der Chance, es zu bekommen, weiter sündigt. Es muss ein bestimmtes Unterscheidungsmerkmal sein, das immer zu völligem Sieg führt.

Wenn diese beiden Tatsachen einmal bewiesen sind, kann man logisch schließen, dass die Gestorbenen, die dieses bestimmte Kennzeichen hatten, die Täuschungen des Teufels auch verworfen hätten, wenn sie Zeit und Gelegenheit dazu gehabt hätten. Aufgrund dieses einen Merkmals kann man sie also gefahrlos in die Gemeinschaft des Himmels aufnehmen.

Gerechtigkeit kommt wirklich aus Glauben

Das alles hört sich vielleicht neu an, doch wir sind ganz und gar zurück auf dem altbekannten theologischen Pfad. Das lebenswichtige Merkmal, der unausweichliche Unterschied zwischen den Gerechten und den Bösen ist nichts anderes als der »Glaube«.

Vielleicht verstehen wir nun besser, dass ein zusätzlicher Beweis nötig ist nach Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Zwei Problempunkte werden gesehen – der eine vom Teufel und der andere von den ungefallenen Bewohnern des Universums. Sie warten immer noch auf eine Lösung. Da beide Punkte mit den greifbaren Entscheidungen des einzelnen, gefallenen, sündigen Menschen zu tun haben, dürfte es nicht überraschen, dass Jesu Opfer den nötigen Beweis nicht direkt liefern konnte. Doch Achtung vor dem Kurzschluss, der Mensch sei die Quelle seiner eigenen Rettung oder der Ehrenrettung des HERRN. Auch wenn die Menschheit eine Rolle spielt, ist es immer noch eine ewige Wahrheit, dass alles Gute von Gott kommt. Wenn irgendein Mensch irgendwo zu irgendeiner Zeit ein Leben des Gehorsams führt gegenüber Gottes Gesetz, verdankt er es Jesu Macht.

Im Grunde war der Faktor Mensch bei der Ehrenrettung Gottes bisher nur wenig mehr als ein Verzögerungsfaktor. Das Kreuz widerlegte viele Anklagen Satans und abgesehen von den Anklagen an die Menschheit scheint es so, als ob das Universum sich bereits zu einem Urteil durchgerungen hat: Gott ist in allen Punkten »unschuldig«.

»Sollten auch alle Bewohner dieser kleinen Welt Gott den Gehorsam verweigern, würde er nicht ohne Ehre bleiben. Er könnte jeden Sterblichen in einem einzigen Augenblick vom Angesicht der Erde fegen und ein neues Geschlecht schaffen, das die Welt wieder bevölkern und seinen Namen rühmen würde. Gottes Ehre ist nicht vom Menschen abhängig.« (Review and Herald, 1. März 1881, vgl. Das geheiligte Leben, 49)

»Das Erlösungswerk für die Menschen ist nicht alles, was durch das Kreuz vollbracht wird. Gottes Liebe offenbart sich dem ganzen Weltall. Der Fürst dieser Welt ist ausgestoßen, die Anklagen Satans gegen Gott sind widerlegt, und die Vorwürfe, die er gegen den Himmel schleuderte, für immer beseitigt.« (The Desire of Ages, 625; vgl. Der Eine – Jesus Christus, 622)

So ermutigend das auch ist, es bleiben Fragen offen, die die Menschheit betreffen. Obwohl Jesus wirklich Mensch wurde, ist die Frage nach dem menschlichen Gehorsam scheinbar noch irgendwie ungelöst. »Satan erklärte, dass es für die Söhne und Töchter Adams unmöglich ist, Gottes Gesetz zu halten. Deshalb beschuldigte er Gott, ihm fehle Weisheit und Liebe. Wenn sie das Gesetz nicht halten könnten, dann läge der Fehler beim Gesetzgeber.« (Signs of the Times, 16. Januar 1896)

»Der HERR möchte Satans Anklagen durch sein Volk widerlegen, indem es die Früchte zeigt, die heranreifen, wenn man die richtigen Grundsätze befolgt.« (Christ’s Object Lessons, 296; vgl. Christus lehrt durch Gleichnisse, 211)

Wenn die letzte Generation des Gottesvolks ihre Charaktere vervollkommnet und im Einklang mit seinem Gesetz lebt, hat Satan jedoch immer noch ein anderes Argument:

Gottes Vergebung unter Beschuss

»Satan erklärte, dass es keine Vergebung bei Gott gibt, und dass Gott sein Gesetz wirkungslos mache, wenn er Sünde vergeben sollte. Er sagt dem Sünder: Du bist verloren.« (Review and Herald, 19. Januar 1911)

Mit diesem Argument wird Gottes Volk erst sehr spät konfrontiert – in der Zeit der »Angst für Jakob« [Jeremia 30,7]: Satan »kennt genau die Sünden, zu denen er sie verführt hat, er malt sie vor Gott in den grellsten Farben und behauptet, dieses Volk verdiene wie er, von Gottes Gunst ausgeschlossen zu werden. Er erklärt, der HERR könne von Rechts wegen nicht einerseits ihre Sünden vergeben, andererseits aber ihn und seine Engel vernichten. Er beansprucht sie als Beute und verlangt, dass sie zur Vernichtung ihm überantwortet werden.« (The Great Controversy, 618; vgl. Der große Kampf, 619)

Auch wenn Satan diese Streitfrage erst als allerletztes Argument vorbringt, sollten wir nicht leichtfertig über sie hinweggehen. Wir sind das menschliche Rechtssystem gewöhnt, in dem nach Belieben vergeben werden kann. Daher macht die Behauptung des Teufels, der Richter des Universums könnte unsere Sünden nicht vergeben, nur wenig Eindruck auf uns. »Gewiss kann er das«, sagen wir. »Der Tod auf Golgatha gibt ihm das Recht, Sünden zu vergeben.«

Doch wäre es nicht ominös, wenn Satan ein Argument gebraucht, das schon seit beinahe zweitausend Jahren widerlegt sein müsste. Wenn Satan – wie oben angedeutet – Argumente hat, die wir noch nicht widerlegt haben, dann steht die Frage, ob Gott das Recht hat zu vergeben, wahrscheinlich noch auf seiner Liste. Doch der HERR ist nie unvorbereitet. Selbst wenn Satan noch Argumente auf dieser fundamentalen Ebene zückt, scheint der HERR auch Argumente in der Hinterhand zu haben, die er sich speziell für diesen Angriff aufgehoben hat. »Es gibt noch viel Licht, das von Gottes Gesetz und dem Evangelium der Gerechtigkeit scheinen wird. Wenn diese Botschaft in ihrem wahren Charakter verstanden und im Geist verkündigt wird, erleuchtet sie die Erde mit ihrer Herrlichkeit.« (This Day With God, 314)

Die Ehrenrettung ist ein langer und schwieriger Prozess. Das Leiden von Millionen Männern, Frauen und Kindern – das Leiden der Gottheit – macht sie so unvorstellbar teuer. Lohnt sich das ganze Leid?

Ja! Es lohnt sich, auch wenn die Ehrenrettung Zeit braucht. Ob dieser Prozess nun in der Zeit unseres Lebens endet oder nicht, das Warten lohnt sich. Können wir denn nicht mehr tun, als nur warten? Können wir nicht dafür sorgen, dass unser Handeln, unsere Entscheidungen und unser Leben ganz für Jesus zeugt? Können wir nicht arbeiten wie nie zuvor, und studieren wie noch nie? »Der HERR möchte Satans Anklagen durch sein Volk beantworten.« Können wir unsere Sorge um unsere Rettung nicht durch die größere Sorge um Gottes Ehrenrettung ersetzen?

Der HERR sagt, dass er seinen großartigen Plan, das Beste des Universums zu sichern, am Ende zum erfolgreichen Abschluss bringen wird – mit oder ohne uns.

»Das ganze Weltall ist Zeuge des Wesens und der Folgen der Sünde geworden. Hätte er die Sünde gleich zu Beginn völlig ausgerottet, hätte er die Engel in Furcht versetzt und Gott entehrt. Nun aber wird die Vernichtung der Sünde seine Liebe beweisen und seine Ehre in den Augen aller Geschöpfe des Weltalls retten … Die geprüfte und bewährte Schöpfung wird sich nie wieder abwenden von ihrer Hingabe an den, dessen Wesen sich ihnen völlig offenbart hat als ein Wesen unergründlicher Liebe und unendlicher Weisheit.« (The Great Controversy, 504; vgl. Der große Kampf, 507)

Eines Tages wird das Werk der Ehrenrettung vollbracht sein. Durch Gottes Gnade haben die Menschen die Chance in der Sache mitzuwirken. Gibt es eine stärkere Motivation für Heiligkeit? Gibt es einen besseren Grund Siebenten-Tags-Adventist zu sein?

Aus: Dave Fiedler, Hindsight, Seventh- day Adventist History in Essays and Extracts, 1996, Academy Enterprises, Harrah, Oaklahoma, USA, Seiten 272-278.

Zuerst im Deutschen erschienen in Unser festes Fundament, 1-2001


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