• Leben am großen Versöhnungstag: Warum Glauben und Handeln heute etwas ganz Besonderes ist

    Warum Glauben und Handeln heute etwas ganz Besonderes ist

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    Versöhnung und Kirchengeschichte stehen kurz vor dem Abschluss. Von Ellen White

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Mittwoch, 25 März 2015 – 06:00 Uhr

Wenn das Schicksal zuschlägt: Lieber Gott, wo warst du?

Lieber Gott, wo warst du?

Photo: Frank Gaertner - Shutterstock.com

Als der Airbus von Germanwings abstürzte? Als der Tsunami Ende 2004 Unzählige in den Tod riss? Anlässlich des tragischen Flugzeugunglücks veröffentlichen wir einen Artikel vom Februar 2005, der sich mit dieser Frage beschäftigt. Von Kai Mester

Lieber Gott, wo warst du? Diese Frage stellen sich viele Menschen nach der Flutkatastrophe in Südasien. Doch leider können viele Christen keine Antwort darauf geben. Warum? Kennen sie ihren Vater nicht?

Lieber Gott, wo warst du? Auf dem Richterstuhl? Hast du deinen Zorn über die Unmoral und Grausamkeiten in Südasien ausgegossen? Vielleicht wegen der schlimmen Kriege und Unruhen in Sri Lanka und Indonesien und wegen der Unmoral im Paradies des Sextourismus, Thailand? Hast du über die Opfer gelacht und über sie gespottet, wie in Sprüche und Psalm beschrieben?

»Weil ihr … allen meinen Rat verwerft und meine Zurechtweisung nicht begehrt, so werde auch ich über euer Unglück lachen und über euch spotten, wenn das kommt, was ihr fürchtet.« (Sprüche 1,25.26) »Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie.« (Psalm 2,4)

Sollen wir nun aus Angst vor dir, dem schrecklichen Gott, Buße tun, damit wir nicht »alle auch so umkommen« (Lukas 13,5)?

Ein Missverständnis

Der Erzfeind Gottes freut sich, wenn wir diese Worte der Bibel so verstehen, dass wir uns von Gott abgestoßen fühlen, weil wir ihn nicht verstehen, weil wir Angst vor ihm bekommen, weil wir daran zweifeln, dass er wirklich selbstlos ist.

»Satan wirkt auch durch die Elemente, um seine Ernte an unvorbereiteten Seelen einzubringen. Er hat die Geheimnisse des Laboratoriums der Natur studiert, und er setzt seine ganze Macht ein, um die Elemente zu beherrschen, soweit Gott es zulässt … Satan herrscht über alle, die nicht unter Gottes besonderem Schutz stehen. Er wird manche begünstigen und fördern, um seine eigenen Absichten voranzubringen; über andere wird er Unglück bringen und den Menschen einreden, es sei Gott, der sie peinige … Schon jetzt ist er am Wirken. Durch Unfälle und Unglücke zu Wasser und zu Lande, durch große Feuersbrünste, wütende Tornados und heftige Hagelfälle, durch Orkane, Überschwemmungen, tropische Wirbelstürme, Flutwellen und Erdbeben, ja an allen Orten und in tausenderlei Gestalt übt Satan seine Macht aus.« (The Great Controversy, 289, vgl. Der große Kampf, 590; Hervorhebung hinzugefügt)

»Satan stellte Gott falsch dar, indem er ihm den Wunsch nach Selbsterhöhung unterschob. Er wollte dem liebevollen Schöpfer seine eigenen Wesenszüge andichten. Auf diese Weise verführte er Engel und Menschen. Er brachte sie dazu, an Gottes Wort zu zweifeln und seiner Güte zu misstrauen. Weil Gott ein richtender Gott von schrecklicher Majestät ist, stellte Satan ihn als hartherzig und unversöhnlich dar … Die Erde war durch dieses falsche Verständnis von Gott verfinstert. Um die düsteren Schatten zu erhellen und die Welt wieder zu Gott zu führen, musste Satans täuschende Macht gebrochen werden … Gottes Wesen musste dem Wesen Satans gegenübergestellt werden. Das konnte nur einer im Universum tun. Nur er, der das Ausmaß der Liebe Gottes kannte, war dazu in der Lage. In der dunklen Weltnacht musste die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit ›Heilung unter ihren Flügeln‹ (Maleachi 3,20).« (The Desire of Ages, 21.22; vgl. Das Leben Jesu, 11.12)

So ist Gott!

Jesus zeigte uns, wie Gott wirklich ist. Er zeigte es uns ganz plastisch, sozusagen zum Anfassen. »Wenn wir etwas erdulden müssten, was Jesus nicht zu erdulden brauchte, dann würde Satan dies so deuten, als reiche Gottes Kraft für uns nicht aus.« (ibid., 24; vgl. ebd.,14) Daher setzte sich Jesus dem ganzen Leid aus, das wir auf dieser Welt erleben. Denn »der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu erretten!« (Lukas 9,56) So ist Gott!

Jesus weinte über den bevorstehenden Untergang Jerusalems (Lukas 19,41). Er empfand Mitleid mit den Menschen (Matthäus 9,36). Noch auf seinem Kreuzweg riet er den Töchtern Jerusalems, nicht über ihn zu weinen, sondern über ihr eigenes Schicksal (Lukas 23,28). So ist Gott!

Ja, eigentlich wissen und wünschen wir das. Aber wie passen all das Leid und die Katastrophen in dieses Bild? Wie sind Gottes Gerichte zu verstehen?

Die folgende Passage hat meine Gedanken über Gott und meine Gefühle für ihn tiefgreifend verändert:

»Wenige denken darüber nach, was für ein Leid die Sünde unserem Schöpfer verursacht hat. Der ganze Himmel litt Jesu Todesqualen mit, doch seine Offenbarung als Mensch war weder der Beginn noch das Ende jenes Leidens. Das Kreuz offenbart unserer abgestumpften Wahrnehmung, was für ein Schmerz die Sünde seit ihrem ersten Aufkommen dem Herzen Gottes zufügt. Jedes Abweichen vom richtigen Weg, jede grausame Tat, jedes Nichterreichen seines Ideals für die Menschen, lässt ihn trauern. Als Israel von den Katastrophen heimgesucht wurde, die das sichere Ergebnis ihrer Trennung von Gott waren, Unterwerfung durch ihre Feinde, Grausamkeit und Tod, heißt es: ›Da jammerte es ihn, dass Israel so geplagt wurde.‹ ›Bei all ihrer Bedrängnis war er auch bedrängt … er nahm sie auf und trug sie alle Tage der Vorzeit.‹ (Richter 10,16 Luther; Jesaja 63,9)« (Education, 263; vgl. Erziehung, Advent-Verlag, 263; Förderkreis, 217, Hervorhebungen hinzugefügt)

Ich war mitten drin

Jetzt wird klar, wo der liebe Gott war, als die Todesflut kam. Er war mitten unter den Opfern und versuchte sie zu retten, so wie er auch viele Tiere rettete, die sich vor der Welle in Sicherheit brachten. Doch die meisten Menschen waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten (Matthäus 9,36) und kannten seine Stimme nicht (Johannes 10,27). So musste er all den Schmerz und die Grausamkeit erleiden und mit ansehen, wie nur wenige seiner eigenen geliebten Geschöpfe sich von ihm retten ließen.

Keiner hat so gelitten durch dieses Gericht wie Gott selbst. Denn niemand liebte die Menschen, die dort ums Leben kamen oder verletzt wurden, so sehr wie er.

Lieber Gott, wo warst du? – Ich war unter den Opfern. Ich starb, für deine Sünden. Ich entzog mich nicht dem Leid meiner Geschöpfe, sondern nahm ihr Leid auf mich. Es sollen doch wenigstens die leben, die durch mein Opfer erkennen, dass ich sie lieb habe. Wenn sie mir dann ihr ganzes Vertrauen schenken, kann ich sie bewahren und retten wie in Psalm 91,7 beschrieben. »Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.«

Ja, »ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung« (Hebräer 9,22). Welches Leid und welche Trauer muss Gott ertragen, bis wir endlich Vertrauen zu ihm fassen? Wie viel Blut muss noch fließen? Sein Blut fließt, solange wir sündigen (Hebräer 4,6). »Weil du kostbar bist in meinen Augen und wertgeachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben.« (Jesaja 43,4) Selbst wenn nur ein Mensch sich retten ließe, würde Gott dieses Opfer bringen, das ihm unsägliche Schmerzen zufügt. In diesem Sinne und in keinem anderen gibt er Menschen und Völker für die Erlösten hin. Jesus starb an gebrochenem Herzen, nicht an körperlichem Leid. Er starb an der Trauer darüber, dass so viele Menschen verloren gehen, weil sie sein Liebesangebot nicht verstanden haben oder annehmen wollten.

Sind die Opfer alle verloren?

Wir können nicht behaupten, dass alle Opfer eines Unglücks oder einer Katastrophe verloren sind. Denn es heißt: »Menschen, die dem HERRN die Treue halten, kommen um, aber niemanden kümmert das. Sie werden aus dem Leben gerissen, aber keiner schert sich darum. Der HERR will diese Menschen vor noch schlimmeren Zeiten bewahren. Sie haben ein aufrichtiges Leben geführt, nun ruhen sie in Frieden.« (Jesaja 57,1.2) Für manchen Gläubigen ist vielleicht die Zeit gekommen, wo Gott ihn abruft, weil er seine Aufgabe auf Erden erfüllt hat. In diesem Fall wird jedoch sein Tod auch inmitten einer Katastrophe im Frieden mit Gott geschehen. Ansonsten gelten aber jedem Gotteskind die zahlreichen biblischen Verheißungen von Gottes Schutz.

Endzeitgericht?

Satan hat Freude an Grausamkeiten und am Tod. Unser himmlischer Vater aber ist Liebe und Leben. An diesen Tatsachen rüttelt die Bibel nicht, wenn sie vom Zorn Gottes und vom Gericht spricht. Sie erklärt vielmehr, dass Gott seine ganze Schöpfung in ein Gesetz von Ursache und Wirkung gestellt hat und dass er die freie Entscheidung des Menschen respektiert. Deshalb hat die Sünde früher oder später das Gericht zur Folge. Auf diese Weise ist Gott der Richter über Leben und Tod. Aus Gnade hat er unseren selbst erwirkten Untergang jedoch schon viele Jahrtausende aufgeschoben, damit er sich uns so offenbaren kann, dass wir uns von ihm retten lassen. Ist ein gewisses Maß an Sünde und Bosheit aber überschritten, wirkt Gott den Folgen nicht länger entgegen. Dann gestattet er Satan, seinen Hoheitsanspruch über die Menschen, die sich ihm unterstellen, geltend zu machen. Weil jede von den finsteren Mächten geplante oder begrüßte Katastrophe erst von Gott abgewogen wird und zugelassen werden muss, bleibt er trotz allem der Richter. Erst im Gericht nach den tausend Jahren empfangen dann alle gottlosen Menschen das gerechte Urteil »nach ihren Werken« (Offenbarung 20,12.13).

Wir finden in der Bibel mehrere Beispiele, wo zwei Blickwinkel formuliert werden. Bei David ließ Gott einerseits zu, dass Satan ihn versuchte, weshalb Gott andererseits auch als Versucher Davids dargestellt wird. (2. Samuel 24,1 versus 1. Chronik 21,1). Der Pharao verstockte einerseits sein Herz als Reaktion auf Gottes Wort und sein Handeln, weshalb Gott andererseits auch als Verstocker seines Herzens dargestellt wird (2. Mose 8,11.28; 9,34 versus 9,12; 10,1.20.27; 11,10).

Römer 1,18.26.27 erklärt uns das Wesen von Gottes Zorn genauer. Der Zorn Gottes ist der Rückzug seiner lebens- und schutzspendenden Gegenwart und schließlich sein gerechtes vom ganzen Universum gebilligtes Endgericht über die Sünde, sein »fremdartiges Werk« (Jesaja 28,21). Hesekiel beschreibt, wie sich Gottes Thronwagen auf dem Rückzug befindet (Hesekiel 8,6; 9,3; 10,4.18.19; 11,23). Doch wir haben den Auftrag, seiner Wiederkunft in so vielen Herzen wie möglich den Weg zu bereiten. (Hesekiel 43,2.4.5).

Ja, Gott sitzt auf dem Richterstuhl und muss wegen der zunehmenden Bosheit seinen Geist allmählich zurückziehen. Denn er drängt sich niemandem auf. Gott ist Leben und wer sich gegen ihn entscheidet, entscheidet sich gegen das Leben und für den Tod.

Ja, die Flutkatastrophe war ein Endzeitgericht. Denn Erdbeben werden von Jesus zu den Wehen gezählt, die natürlich bis zur Geburt an Häufigkeit und Intensität zunehmen (Matthäus 24,8).

Lacht Gott über die Opfer?

Wenn die Bibel von Gottes Lachen spricht, dann doch nur, um klarzumachen, wie klein und ohnmächtig der Mensch im Vergleich zu Gott ist. Wenn Menschen sich gegen Gott auflehnen, ihn lästern, seine Nachfolger verfolgen und meinen, sie kämen ohne ihn zurecht, dann ist das wirklich zum Lachen. Es ist absolut lächerlich! Diese Tatsache soll mit den anfangs zitierten Bibelworten ganz deutlich gemacht werden. Letztlich leidet Gott aber unsägliche Qualen. Wir können sein Leiden lindern, wenn wir Vertrauen fassen, an seiner Hand gehen, uns von der Sünde trennen lassen und den Überlebenden von Gottes Gerichten sowie den Angehörigen der Opfer Trost und Hilfe spenden, damit auch sie unter dem Schirm des Höchsten, dem Schatten des Allmächtigen wohnen können (Psalm 91,1).

Sollen wir unser Leben ändern?

Sollen wir unser Leben ändern, damit wir nicht »alle auch so umkommen«, wie die Menschen, die der Turm von Siloah unter sich begrub (Lukas 13,4.5) – oder erst die Menschen, die 2001 von den Zwillingstürmen begraben wurden? Gewiss! Doch aus Angst vor unserem schrecklichen Gott? Nein, nicht aus Angst, sondern, weil es bei ihm allein Geborgenheit und Zuflucht gibt.

Das Böse und der Tod kommen immer vom Feind und sind dort, wo Gott seinen Geist aus Respekt vor unserer freien Entscheidung zurückziehen muss. Dennoch kann man die ausführenden Organe wie Osama bin Laden oder den Tsunami letztlich als Gottes Gerichtsboten oder Zuchtruten bezeichnen. Denn er lässt sie so gewähren, dass noch viele gerettet werden können. Würde Gott seinen Lebensodem in einem Augenblick zurückziehen, sodass sich alles in Nichts auflösen würde, dann wäre er herzlos. Nein, er lässt uns das Feuer spüren, damit wir begreifen: Ich befinde mich auf dem besten Weg in den Tod und Gott möchte mich retten.

Mit diesem Heilsweg fügt Gott sich selbst größeres Leid zu als uns. Er schenkt und opfert sich selbst in seinem Sohn und macht dabei vor keiner Qual, keinem Schmerz und keinem noch so dunklen Tal der Trauer-, Angst- und Schuldgefühle Halt. Wer auf der Welt könnte mehr Vertrauen verdienen als so ein Vater? Wer ist selbstloser? In wessen Arme sollten wir uns sonst fallen lassen? An wessen Brust ließe es sich geborgener ruhen?

Wir brauchen vor Gott keine Angst zu haben, nur vor seinem Zorn und den spürt man nur in der Gottesferne, weil der Zorn die Gottesferne selbst ist. Je näher wir bei Gott sind, je mehr wir uns auf ihn einlassen, desto weniger Angst werden wir empfinden, denn »die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus« (1. Johannes 4,18).

Lieber Gott, wo warst du? – Ganz nahe. Näher konnte ich euch nicht sein!

Zuerst erschienen in Unser festes Fundament, 2-2005

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Begleitendes Video:

O, Gott, warum offenbarst Du dich nicht! - Sebastian Lorenz


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