• Neue Sprachen und die Zerstreuung: Auf Überraschungen vorbereitet

    Auf Überraschungen vorbereitet

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    Wenn Gott dich aus der Komfortzone führt. Von Kai Mester

Montag, 28 September 2020 – 08:19 Uhr

Neue Sprachen und die Zerstreuung: Auf Überraschungen vorbereitet

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Wenn Gott dich aus der Komfortzone führt. Von Kai Mester

Ein Zeichen, das Christen bei der Evangeliumsverkündigung begleiten soll, ist die Zungenrede, oder besser übersetzt: das Reden in neuen Sprachen (Markus 16,17).

Die meisten von uns kennen eine Handvoll Geschichten, wo Missionare plötzlich Eingeborene verstanden haben und umgekehrt, obwohl sie die Sprache vorher nirgendwo erlernen konnten. Ein Sprachenwunder! Doch ist das alles, was Jesus meinte?

Keine Angst vor Fremdsprachen

Der Auftrag ergeht an uns alle: »Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.« (Vers 15) Für die meisten von uns bedeutet das, in neuen Sprachen zu reden. Oder gehen wir davon aus, dass uns die Menschen, zu denen wir gehen, in unserer Muttersprache verstehen?

Selbst wenn wir im Land bleiben und dort den Menschen dienen, empfiehlt es sich, eine Sprache zu sprechen, die sie verstehen. Das berüchtigte Kanaanäisch zum Beispiel kann sogar dann ein großes Kommunikationshindernis sein, wenn beide Parteien Deutsch sprechen.

Die Sprache bei der Arbeit lernen

Gottes Kinder sollten also daran zu erkennen sein, dass sie keine Scheu haben, in neuen Sprachen zu reden. Manch einer meint, eine Sprache erst gut lernen zu müssen, bevor er sich traut, in ihr etwas zu sagen. Die Mitgründerin der Siebenten-Tags-Adventisten gab ihrer Gemeinde dazu Folgendes mit auf den Weg: »Lasst sie die Arbeit direkt vor Ort beginnen und die Sprache bei der Arbeit lernen. Schon bald werden sie die einfachen Wahrheiten aus Gottes Wort weitergeben können.« (Ellen White, Testimonies 8, 205; vgl. Zeugnisse 8, 206) Der Sprung ins kalte Wasser ist, was die neue Sprache betrifft, eindeutig angeraten. Mit Erfolg, wie man an der weltweiten rasanten Ausbreitung dieser Glaubensgemeinschaft sehen kann.

Um international mobil zu sein (»Geht hin in alle Welt«), braucht man heute wenigstens Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch oder Arabisch. Auch mit Russisch, Mandarin und Türkisch erreicht man unzählige Menschen. Haben wir die Bereitschaft aus unserer Komfortzone zu treten und in neuen Sprachen zu sprechen, wenn Gott uns ruft? Sind wir bereit für Überraschungen?

Verfolgung als Katalysator hinauszugehen

Leider waren in der Geschichte nicht genug Gläubige bereit, bis ans Ende der Erde zu gehen. Viele schlossen sich in Kolonien zusammen und siedelten in der Nähe von religiösen Zentren. Ein Beispiel war Jerusalem. Erst die Verfolgung, die mit der Steinigung des Stephanus einsetzte, zerstreute die Gläubigen an die Orte, wo sie das Evangelium verkündigen sollten. »Diejenigen nun, die zerstreut worden waren, zogen umher und verkündigten das Wort des Evangeliums.« (Apostelgeschichte 8,2) »Damit seine Repräsentanten ins Ausland zerstreut würden, wo sie für andere wirken könnten, ließ Gott zu, dass Verfolgung über sie hereinbrach. Von Jerusalem vertrieben, predigten die Gläubigen überall das Wort.« (Acts of the Apostles, 105; Wirken der Apostel, 108)

Das Evangelium hat sich heute seinen Weg in einen Großteil der Länder gebahnt. Aber es gibt noch immer viele unerreichte Bevölkerungsgruppen, Landstriche und Länder. Die muslimischen Länder im sogenannten 10/40-Fenster erscheinen beispielsweise immer noch kaum erreichbar. Braucht es wieder erst Diskriminierung und Verfolgung, damit Gottes Kinder ihre Heimat verlassen und Gottes Auftrag folgen?

So manches zeichnet sich tatsächlich ab.

Freiheitsbeschränkungen in Deutschland

Wer sein Kind in Deutschland selbst unterrichten möchte, lief bis vor Corona noch Gefahr, das Sorgerecht entzogen zu bekommen. Der evangelikalen Familie Wunderlich aus dem Nachbarort meines Heimatstädtchens erging es 2009 und 2013 so. Einmal wurden ihnen die Kinder für drei Wochen weggenommen. Als sie versprachen, sie fortan in die Schule zu schicken, bekamen sie die Kinder zurück, mussten aber einen fünfstelligen Betrag bezahlen, um ihre Heimkosten zu begleichen (Ratenzahlung wurde gewährt). Doch man gab ihnen nicht das volle Sorgerecht zurück, damit sie sich nicht doch ins EU-Ausland absetzen können, wo Homeschooling erlaubt ist.

Vor allem wenn religiöse Gründe vermutet werden, droht in Deutschland der Sorgerechtsentzug. Bei einer anderen uns bekannten Familie wurden die Kinder über ein Jahr lang von den Eltern getrennt, weil die Kindergärtnerin irrtümlich davon ausgegangen war, eines der Kinder werde daheim geschlagen. Nur durch den Rechtsweg konnten sie sich schließlich das Sorgerecht zurückholen.

Solche Beispiele zeigen, wie sehr man in Deutschland dazu tendiert, sich in die Familien einzumischen. Die Mentalität des europäischen Regulierungswahns tut ein Übriges hinzu. Nun soll in den Schulen mehr und mehr die Gleichbewertung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und neuer Familienkonzepte unterrichtet werden. Und überhaupt steht man als Familie unter starkem sozialen und finanziellen Druck, wenn die Mutter nicht außer Haus berufstätig ist.

Es macht also durchaus auch vor diesem Hintergrund Sinn, sich von Gott dorthin rufen zu lassen, wo ein freieres Leben und Wirken möglich ist, selbst wenn man dort eine andere »Sprache« spricht.

Die kommende Zerstreuung

Erst richtig brenzlig wird es dann, wenn Sabbathalter diskriminiert werden. So wie es aussieht, wird das zuerst in den westlichen überregulierten Staaten beginnen und schnell die Schmerzgrenze erreichen. Vielleicht stellen gerade dann die islamischen Länder mit ihrer altmodischen Familienmoral eine Zuflucht für gläubige Familien dar, sodass die Adventbotschaft auch in diesem Teil der Welt noch bekannter wird. Sicher aber bedeutet dies auch eine Stadtflucht. Denn spätestens seit den Corona-Einschränkungen ist klar, dass Einschränkungen generell in den Städten viel rigider und konsequenter umgesetzt werden.

Ellen White hat gegen Ende ihres Lebens eine interessante Prophezeiung zu Papier gebracht:

»Es naht eine Zeit, in der es zu einer großen Zerstreuung kommen wird, einer Zerstreuung, an die wir jetzt nicht einmal im Traum denken. Sie wird auf unerwartete Weise ausgelöst werden. Einige von euch werden in abgelegene Regionen geführt werden, doch Gott wird dort für euch ein Werk zu tun haben.« (1906 – Publishing Ministry, 92)

»Es kommt bald die Zeit, in der Gottes Volk wegen Verfolgung in viele Länder zerstreut wird. Wer eine ausgewogene Bildung erhalten hat, wird dann davon profitieren, wo er sich auch aufhält. (1908 – Last Day Events, 152; vgl. Christus kommt bald, 109)

»Wenn sich an verschiedenen Orten Feindschaft gegen die erhebt, die den Sabbat des HERRN halten, kann es notwendig werden, von diesen Orten an Orte umzuziehen, wo der Widerstand nicht so heftig ist. Gott verlangt von seinen Kindern nicht, dass sie dort bleiben, wo ihr Einfluss durch das Verhalten böser Menschen wirkungslos gemacht wird und ihr Leben in Gefahr ist. Wenn Freiheit und Leben bedroht sind, dann ist es nicht nur unser Vorrecht, sondern geradezu unsere Pflicht, an Orte zu ziehen, wo die Menschen gerne das Wort des Lebens hören, und wo die Möglichkeiten zur Verkündigung des Wortes günstiger sind.« (1904 – ibid.; vgl. ebd.)


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