• Daniel und der Schock der 2300: Ist 1844 wirklich biblisch?

    Ist 1844 wirklich biblisch?

    (bild: ruskpp - shutterstock.com)

    Warum wurde der Prophet Daniel so krank? Waren es die Begegnung mit Engeln und die Horrorszenen der Visionen? Oder enttäuschte Hoffnungen? War es der Schock darüber, dass erst mehr als 2300 Jahre später das Trauma der Tempelzerstörung gelöst werden würde? von Kai Mester

Mittwoch, 03 Juli 2019 – 08:49 Uhr

Daniels erste Vision: Kulturschändung oder Befreiungsschlag?

Kulturschändung oder Befreiungsschlag?

Adobe Stock - delbars

Eine Prophezeiung über die großen Linien der Weltgeschichte. Von Kai Mester

Eine spannende Geschichte: diese Statue aus verschiedenen Baustoffen in der ersten Vision des Propheten Daniel. Lesen Sie selbst in Kapitel zwei seines Buches. Vier aufeinander folgende Weltreiche werden hier in ihr dargestellt: Babylon aus Gold, Persien aus Silber, Griechenland aus Bronze und Rom aus Eisen.

Babylon, Persien, Griechenland, Rom

Ein Vergleich mit den weiteren Visionen in Daniel 7 und 8 bestätigt uns die richtige Deutung dieser Abfolge.

»Du, o König [Nebukadnezar], … bist das Haupt aus Gold! Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen.« (Daniel 2,37-39) Nebukadnezar war der König von Babylon, dem ersten prophetischen Reich. »Der Widder … das sind die Könige der … Perser. Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland.« (Daniel 8,20-21) So werden die ersten drei prophetischen Reiche namentlich genannt.

Achten Sie auch darauf, dass in Daniels Visionen die Begriffe »König« und »Königreich« austauschbar sind. »Jene großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten … vier Könige.« (Daniel 7,17) »Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich; das wird sich von allen anderen Königreichen unterscheiden.« (Daniel 7,23) Nach Griechenland kam das vierte Reich: Rom.

Die Baustoffe

Der Wert der Metalle nimmt von einem zum nächsten Weltreich stetig ab. Babylon ist hier das glänzende Haupt aller Weltreiche. Doch während Wissenschaft, Rechtsprechung, Kunst, Religion, militärische Stärke und Philosophie von einem zum nächsten Weltreich weitergereicht wurden, nahm der Glanz ab, bis am Schluss vor allem die Grausamkeit – das Eisen – übrig geblieben ist: In der zweiten Vision frisst das vierte Tier mit großen eisernen Zähnen und zermalmt alles.

Füße aus Eisen und Ton

Das Eisen bleibt bis zum Ende der Zeiten. Dann fegt ein Stein alle Weltreiche hinweg. Die Statue fällt um, zerschellt, wird vom Wind verweht und der Stein wächst zu einem Berg. Das Kulturerbe dieser Welt wird von einer neuen Kultur abgelöst. Offensichtlich leben wir noch vor dieser Zeitenwende.

Denn Rom ist tatsächlich bis heute bestehen geblieben und lebt sowohl in Europa fort als auch auf Kontinenten, die von Europäern besiedelt wurden wie Amerika und Australien. Unsere westliche Kultur baut auf dem römischen Erbe auf.

Doch welche neue Substanz hat sich da in den Füßen der Statue zu dem Eisen gemischt? Sie passt nicht zu den ganzen Metallen, ist weder besonders stabil noch vertrauenerweckend. Einige Bibelstellen geben dem Ton eine religiöse Bedeutung: »Wir sind der Ton, und du bist der Töpfer; wir alle sind das Werk deiner Hände.« (Jesaja 64,7) Doch Daniel 2 spricht von »lehmigem Ton« (Vers 41), verunreinigtem Ton. Und wirklich: Auch die Parallelvisionen bestätigen den Eindruck: Eine religiöse, »christliche« Macht kommt auf. Sie führt Krieg mit den Heiligen (Daniel 7,21), schwingt Reden gegen Gott, und vergreift sich an Zeit und Gesetz (Vers 25).

Die römische Kirche

Es gibt nur eine Religion, die sich mit Rom eng identifiziert: die römisch-katholische Kirche. Ihr Glaube und ihr Ritus sind durchsetzt mit christianisierten Elementen heidnischer Kulte. Durch die Jahrhunderte hat sie einen beispiellosen Krieg gegen alle Ketzer und Dissidenten geführt. Auch beansprucht sie die Einführung des Sonntags und die Abschaffung des Sabbats der Zehn Gebote als wöchentlichen Ruhetag (Zeit und Gesetz) für sich. Vor allem das Papsttum mit seinen Titeln, Kronen, seinem Thron, seiner Hierarchie und seiner Unfehlbarkeit ist das verkörperte Gegenteil der blütenreinen Lehren Jesu: »Wenn jemand der Erste sein will, so sei er von allen der Letzte und aller Diener!« (Markus 9,35)

Disclaimer

Was hier über die römisch-katholische Kirche und das Papsttum gesagt wird, ist unter besonderen Vorzeichen zu verstehen. Die Herausgeber schätzen Katholiken ganz besonders. Uns ist bewusst, dass gerade Katholiken oft großen Einsatz für ihre Mitmenschen bringen und ein tiefes Glaubensleben führen. Um die Prophezeiungen des Daniel aber ehrlich auslegen zu können, kommen wir nicht umhin, Gegenwartsbezüge herzustellen. Das Buch Daniel kritisiert religiöse Intoleranz und von Menschen beanspruchte göttliche Eigenschaften, die sich in Unterdrückung und Diskriminierung äußern. Auf diese Gefahren in der römischen Kirche weisen die Bücher Daniel und Offenbarung an mehreren Stellen hin.

Ein geteiltes Reich

Eisen und Ton haften nicht aneinander (Vers 43). Die letzten Königreiche in römischer Tradition auch nicht. Die Versuche, Europa wieder zu einen, lassen sich über die Jahrhunderte verfolgen. Kaiser, Päpste, Präsidenten und Kanzler haben hier die verschiedensten Rollen gespielt. Bündnisse waren immer nur Teilerfolge. Gegenwärtig die EU, die NATO und andere. Sie verbünden sich, haften aber nicht aneinander.

Eindeutig wird in der Vision von der Statue, dass der Prophet unsere heutige Zeit irgendwo in den Fußzehen gesehen haben muss, kurz vor dem Aufschlagen des Steins, der die weltlichen Königreiche zerstört.

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1844

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