• Adventisten heute, gelesen im August 2019 (Teil 5): Quo vadimus? Thema Homosexualität

    Quo vadimus? Thema Homosexualität

    Adobe Stock - carlo marony

    Wohin steuern wir als Gemeinde in Deutschland? Von Kai Mester

Montag, 16 September 2019 – 08:12 Uhr

Adventisten heute, gelesen im August 2019 (Teil 5): Quo vadimus? Thema Homosexualität

Quo vadimus? Thema Homosexualität

Adobe Stock - carlo marony

Wohin steuern wir als Gemeinde in Deutschland? Von Kai Mester

Ein letztes Zitat hat mich in der Augustausgabe der Zeitschrift adventisten heute aufhorchen lassen. Es stammt aus einer werbenden Buchrezension für ein Buch, in dem homosexuelle Christen zu Wort kommen.
Aufhorchen lassen, weil ich mich frage: Quo vadimus? Wohin gehen wir Adventisten in Deutschland?

Nicht mehr schweigen

»Die Publikation gibt Einblick in die Lebensrealität von 25 homosexuellen und transidenten Menschen … Ihre Erfahrung könnte man so zusammenfassen, dass sie Heilung und Befreiung gerade nicht in der Überwindung, sondern in der Annahme ihrer sexuellen Orientierung fanden … Nicht mehr schweigen ist ein Buch, das unter die Haut geht und zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Es leuchtet in eine dunkle kirchliche Tabuzone hinein und wirft am Beispiel homosexueller und transidenter Christen die grundsätzliche Frage auf, wie gut die Lehre der Gemeinde zu diesem Thema im Sinn und Geist Jesu seelsorgerlich abgestützt werden kann.« (Christian Alt auf Seite 26)

Hatte das Evangelium zur Zeit der Apostel noch stärkere Kraft? So wirkt es wenigstens, wenn wir die Worte des Paulus lesen:

»Wisst ihr nicht, dass Menschen, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes erhalten werden? Täuscht euch nicht. Menschen, die sich auf Unzucht einlassen, Götzendiener, Ehebrecher, Prostituierte, Homosexuelle, Diebe, Habgierige, Trinker, Lästerer, Räuber - keiner von ihnen wird am Reich Gottes teilhaben. Und solche sind einige von euch gewesen; aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch dem Geist unseres Gottes!« (1. Korinther 6,9-11 NL/LUT)

Nach dieser Kraft sehnen sich die Menschen. Das bekennt auch die besagte Buchrezension: »Sie schöpften Hoffnung auf die ersehnte Veränderung. Die Möglichkeit, ihre geheime Not mit jemandem zu teilen, brachte eine erste Erleichterung. Doch am Ende kamen sie alle enttäuscht und seelisch noch stärker verwundet zu der Erkenntnis, dass die homosexuelle Orientierung ein fester und unveränderbarer Bestandteil ihrer Identität war.« (Christian Alt auf Seite 26)

Es macht traurig, dass wir als Gemeinde scheinbar das Feuer der Liebe nicht mehr haben, dass jene ersten Christen damals so umgekrempelt und befreit hatte. Konservative Geschwister verurteilen die Opfer dieses fehlenden Feuers. Liberale halten sie dadurch in ihrer Sucht gefangen, dass sie ihnen keinen Ausweg zeigen.

Wo sind die Nachfolger Jesu in unserer Gemeinde, die zu Menschen eine Beziehung aufbauen wie Jesus zu Maria Magdalena, »die er von sieben bösen Geistern befreit hatte« (Markus 16,9 GN), indem er sprach: »So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.« (Johannes 8,11)? »Siebenmal hatte sie gehört, wie er die bösen Geister zurechtgewiesen hatte, die ihr Herz und ihre Gedankenwelt im Griff hatten. Sie hatte gehört, wie er intensiv den Vater für sie angefleht hatte. Sie wusste, wie verletzend Sünde für seine fleckenlose Reinheit ist. Da hatte sie in seiner Kraft überwunden.« (Desire of Ages, 568)

Das hat nichts mit krudem Exorzismus zu tun, sondern hier werden satanische Lügen durch den Glauben an Gottes Verheißungen ersetzt. Es hat auch nichts mit Konversionstherapien zu tun, bei denen man den Betroffenen vergebens Hoffnung darauf macht, Gott würde ihre Neigung oder ihre Versuchungen wegnehmen. Dies ist ja auch bei anderen Sünden keinem Christen verheißen. Ist es das, was dieses Buch eigentlich bewusst machen will? Dann wäre ich nicht beunruhigt.

Dass Gott denen genauso Befreiung von Zwängen und Süchten schenken kann, die sich gegen ein homosexuelles oder transidentes Leben entscheiden, wie er es anderen Sündern auch schenkt, wird allerdings nur am Rande und nicht besonders hoffnungsvoll erwähnt: »Das Buch berichtet auch von der Entscheidung für ein zölibatäres Leben. Aber das scheint die Ausnahme zu sein.«

Dass Betroffene sich gar für eine klassische Ehe mit dem anderen Geschlecht frei entscheiden können, wenn sie das möchten, weil Gott ihre Gewohnheiten verändern kann, wird gar nicht erwähnt. Doch es gibt viele glückliche Beispiele.

Quo vadimus, liebe Geschwister? In ein Leben der Schwäche und Selbstzufriedenheit oder des Selbstmitleids und der Resignation, wo wir in der Annahme unserer Ausweglosigkeit Befreiung finden? Oder in ein Leben der Kraft, Hoffnung, Freiheit, des Selbstwerts, des begeisterten Kampfes, der Fülle, weil Gott uns mehr verheißen hat, als wir für möglich gehalten haben, auch wenn die Beispiele noch rar gesät sind?

»Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.« (Johannes 10,10)


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