• Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 55): Den Staffelstab weitergeben

    Den Staffelstab weitergeben

    Adobe Stock - Gerhard Seybert

    Nach vielen Jahren zeigt sich Frucht. Von John Holbrook

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Freitag, 29 Dezember 2017 – 09:32 Uhr

Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 52) Der göttliche Rettungsring

Der göttliche Rettungsring

Adobe Stock - imfotograf

Wer im Dienst für Gott in Gefahr gerät, wird von ihm nicht im Stich gelassen. Von John Holbrook

Eine braune Wassermasse brodelte in dem schwachen Lichtkegel meiner Taschenlampe. Ich konnte das Mahlen der Steine tief unter der Wasseroberfläche hören. Das Hochwasser wirbelte sie auf und schlug sie gegeneinander.

»Es wird schon nichts passieren«, beruhigte ich mich, als ich hineinwatete. »Du hast seit deiner Kindheit schon gefährlichere Flüsse als diesen überquert.«

Bald gingen mir die reißenden Wassermassen bis übers Knie und drohten mich umzuwerfen. Aus der Erfahrung ließ ich mich bei jedem Schritt ein wenig mit der Strömung treiben, um das Gleichgewicht zu halten.

»Sicher«, murmelte ich, »dieser Fluss fordert in jeder Regenzeit ein Opfer. Aber du bist ein guter Schwimmer. Außerdem haben deine Gemeindeleiter 18 Stunden Heimweg vom Fortbildungsseminar hinter sich und verlassen sich darauf, dass du sie abholst. Du musst diesen Fluss überqueren.«

Jetzt ging mir das Wasser bis zu den Achseln. Die Strömung war so stark, dass das ganze Flussbett – Steine, Sand, Geröll, einfach alles – unter meinen Füßen merklich in Bewegung war.

Und dann glitt mein Fuß zwischen zwei Steinen aus. Instinktiv lehnte ich mich zurück, um einen Knöchelbruch zu verhindern. Die schäumenden Fluten rissen mich unter Wasser. Als ich wieder auftauchte, befand ich mich bereits 30 Meter flussabwärts. Dann kannst du jetzt mal deine Schwimmkünste unter Beweis stellen, dachte ich mit einer eigenartigen inneren Ruhe. Ich legte mich auf den Rücken, die Füße nach vorne flussabwärts, falls ich auf einen Felsblock zusteuern sollte. Dann fing ich an, mit den Armen in Richtung des gegenüber liegenden Ufers zu paddeln.

In diesem Augenblick beleuchtete das schwache Mondlicht eine steile Welle vor mir. Der Wellenkamm ragte höher als mein Kopf und ich wusste, dass ein großer Felsen darunter liegen musste. »Herr, ich bin in deiner Hand«, hauchte ich. Zu meiner Erleichterung schwappte ich einfach mit der Welle hinüber und hatte nicht einmal leichten Kontakt mit dem Felsen darunter.

Jetzt war ich schon fast am anderen Ufer. Noch ein paar starke Schwimmzüge, dann war ich unter der überhängenden Böschung. Doch als ich sah, wie das Ufer vorbeiflitzte, wurde mir klar, dass die Strömung hier am stärksten war. Ich stellte die Füße auf den Boden und wurde sofort wieder umgerissen. Ich konnte nicht anhalten!

Vielleicht würde ich mich an einer Wurzel oder einem Ast festhalten können … Als hätte sie auf das Stichwort gewartet, ragte plötzlich eine knorrige Wurzel in der Dunkelheit vor mir auf. Ich packte sie mit aller Kraft. Doch die Strömung war so stark, dass sie mir wieder entglitt.

Zum ersten Mal spürte ich ein bisschen Angst. »Herr«, betete ich. »Mir gehen die Möglichkeiten aus. Ich weiß, dass weiter unten gefährliche Stromschnellen kommen. Ich habe alles versucht. Jetzt musst du mir helfen.«

Während ich betete, raste mir eine weitere Wurzel aus der Dunkelheit entgegen. Wieder packte ich sie, und wieder rutschten meine Hände aus. Doch diese Wurzel hatte etwas Besonderes an sich. Vor Jahren hatte sie sich tief unter der Erdoberfläche mit einer anderen Wurzel verflochten. Als der Fluss die Erde um den Baum fortgewaschen hatte, blieben die beiden verflochtenen Wurzeln als V in der Strömung liegen. Während meine Hände hilflos über die rutschige Rinde glitten, blieb ich mit meinen Armen in diesem V stecken und wurde gegen das Ufer geschleudert. In Nullkommanichts war ich aus dem Wasser und stand sicher auf festem Boden.

Jahre bevor ich auf die Philippinen gekommen war, hatte Gott einen Rettungsring genau an dem Ort gebildet und ihm die richtige Form gegeben, der mich in jener finsteren, stürmischen Nacht retten konnte. Er hatte viele Jahre geduldig im Erdboden gewartet. Der Sturm, der beinahe meinen leblosen Körper ins Meer hinausgespült hätte, hatte auch die Wurzeln freigelegt. Er ließ sie so schwimmen, dass sie mich im Augenblick meiner Not aufgabeln konnten.

Wenn wir unser Bestes geben und Gott den Rest überlassen, wird er uns nicht enttäuschen.

Aus: Adventist Frontiers, 1. Dezember 2017

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.

JOHN HOLBROOK wuchs im Missionsfeld auf. Er half seiner Familie eine Gemeindegründungsbewegung unter dem Alanganvolk in den Bergen der philippinischen Insel Mindoro zu initiieren. Seit 2011 setzt John seine Fähigkeiten und seine Erfahrung ein, um das Evangelium den abgeschotteten Tawbuid-Animisten zu bringen, einem Stamm, der in der Nachbarschaft der Alangan lebt.

www.afmonline.org


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