• Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 65): Emanuel wird Missionar

    Emanuel wird Missionar

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    … und erlebt Gottes heilende Kraft. Von John Holbrook

Freitag, 23 August 2019 – 08:33 Uhr

Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 65): Emanuel wird Missionar

Emanuel wird Missionar

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… und erlebt Gottes heilende Kraft. Von John Holbrook

»Emanuel, bitte komm schnell! Mein Cousin Dado ist sehr krank!«

Emanuel saß an einen Baum gelehnt am Dschungelrand. Seine Kleider waren schweißnass von der langen Wanderung, und er war erschöpft. Außerdem wusste er nicht, wie er dem Kranken helfen sollte.

Emanuel hatte sein eigenes Tawbuid-Volk verlassen, um unter den Mangyan als Missionar zu wirken. Anfangs dachte er, dass er hauptsächlich predigen und unterrichten würde, nicht Kranke behandeln. Dennoch wusste er, dass ein Missionar helfen sollte. Er müsste einfach darauf vertrauen, dass Gott ihm zeigen würde wie.

»Auf!«, rief Emanuel seinen Gefährten zu und streckte seine Glieder. »Mal sehen, was wir tun können. Hat jemand von euch irgendwelche Medikamente dabei?«

»Ich habe noch eine Tablette Paracetamol«, antwortete ein junger Mann. »Wir haben keine Ahnung, was wir tun können. Aber wir folgen dir mal.«

Ich weiß es auch nicht, dachte Emanuel ein paar Minuten später bei sich, als sie in die primitive Hütte kletterten. Panik beschlich ihn und drohte ihn zu lähmen. Doch Gott hat mich hierhergeschickt. Er wird wissen, was zu tun ist. HERR, ich vertraue dir dieses Problem an!

Dado war schwer krank. Emanuel hatte genug Menschen in seinem eigenen Volk sterben sehen. Er wusste, dass es nur wenig Hoffnung für diesen Mann gab. Seine eine Paracetamol würde da sicher auch nicht viel dran ändern. Na ja!, dachte er bei sich selbst, dann kann sich Gott den Mangyan ja noch stärker beweisen! Aber ich muss aufpassen, dass sie nicht glauben, dass die Heilung in der Tablette steckt.



»Mein Freund«, sagte Emanuel so laut, dass jeder ihn hören konnte. »Du bist sehr krank. Ich habe hier nur ein Tablettchen, das nicht annähernd stark genug ist, um dich zu heilen. Aber es gibt einen Gott im Himmel. Er hat uns alle erschaffen und alles in dieser Welt. Er liebt uns und will uns helfen. Wenn wir zu ihm beten, hört er uns und wird dich, wenn er will, heilen. Willst du mit mir zu Gott beten, statt zu den Geistern?

«

Es entstand eine lange Pause, während Dado nachdachte. »Ja«, flüsterte er endlich. »Ich werde es mit Gott probieren. Bitte bete für mich.«

»Gott im Himmel«, begann Emanuel, »du hast die Worte dieses Mannes gehört. Er will geheilt werden und möchte zu dir beten, nicht mehr zu den Geistern. Ich bitte dich, nimm diese einfache Tablette, füge deine Kraft hinzu und heile ihn. Lass ihn und alle im Dorf wissen, dass du allein Gott bist und deine Kinder liebst. Ich bitte dich, weil du es so willst und im Namen Jesu.«

Emanuel und seine Gefährten verließen das Haus schweigend. Würde Gott ihr Gebet erhören? Falls Dado sterben würde, würde das Dorf sie und ihre Botschaft ablehnen?

Es war fast neun Uhr in jener Nacht, als Emanuel sich frustriert aufsetzte. Er konnte einfach nicht schlafen. Vor seinem geistigen Auge sah er Dado an der Schwelle des Todes liegen. Emanuel konnte nicht bis zum Morgen warten. Er musste herausfinden, was passiert war.

Aufs Schlimmste gefasst machte er sich auf den Weg durchs Dorf zur Hütte. Ein Feuer flackerte hell. Emanuel fürchtete, dass sie bereits Dados Leiche für die Bestattung am Morgen vorbereiteten. Als er jedoch die Treppe hinaufkam, erwartete ihn ein erstaunlicher Anblick. "Bruder! Hereinspaziert! Dein Gott hat dein Gebet erhört und mich schon geheilt. Komm, iss mit mir! Ich bin so hungrig, ich muss unbedingt etwas essen!" Dado lachte laut über seinen Witz, und Emanuel ließ sich erleichtert auf den Boden fallen.

»Ja, Bruder«, kam Dados Frau dazu, »so was haben wir noch nie gesehen. Wir alle wussten, dass mein Mann so gut wie tot war. Man erholt sich nicht, wenn es erst mal so weit mit einem gekommen ist, und schon gar nicht in wenigen Stunden. Jeder im Dorf weiß jetzt, dass dein Gott mächtiger ist als die Geister.«

An dieser Stelle könnte man diese Geschichte gut beenden. Aber sie ist noch nicht zu Ende. Ein paar Wochen später kam Emanuel in dasselbe Dorf zurück, um mehr über den Schöpfergott zu erzählen. Als er ankam, wartete das Dorf bereits auf ihn.

»Bruder Emanuel!« riefen die Leute und rannten auf ihn zu. »Du kommst gerade rechtzeitig. Bitte, komm schnell! Großvater ist sehr krank. Wenn du für ihn betest, wird er gesund werden.«

Oh nein!, dachte Emanuel. Das letzte Mal hatte ich Angst, man würde die Heilung der Tablette, statt dem Gebet zuschreiben. Und jetzt meinen sie, meine Gebete seien eine Art Magie!

Er eilte zum Haus des Großvaters und versuchte zu erklären. »Freunde, ich habe keine besondere Macht. Nicht das Gebet heilt. Auch spielt es keine Rolle, wer betet. Jeder, der ernsthaft an Gott glaubt und im Namen Jesu betet, kann Gott anrufen. Es ist keine Magie wie die, mit der ihr vertraut seid. Gott denkt wirklich. Er liebt uns und hört uns zu. Sprecht mit ihm wie mit einem Freund.«

»Ja, ja, ja«, antworteten sie. »Alles gut! Bete trotzdem für Großvater, sonst stirbt er. Bitte, sei nicht herzlos. Bete für ihn, damit er lebt!«

Emanuel wusste nicht, was er tun sollte. Gott wurde eindeutig missverstanden. Als sei er ein eigenwilliger Geist wie die Geister, die sie kannten, oder eine Art Magie, die funktioniert, wenn man die richtigen Worte sagt oder die richtige Macht ausübt.

Er wusste vom Missionar John, dass dies Synkretismus ist. Aber ihm war auch klar, dass die Menschen nach nur einer Begegnung mit Gott seinen Charakter nicht verstehen konnten. War es nicht erst mal genug, dass sie sich überhaupt an ihn wandten? War das nicht wie Naemans Versuch, JHWH anzubeten, als er zwei Maultierladungen Erde aus Israel mit nach Hause nahm, um auf ihnen zu opfern? In Zukunft wäre noch genug Zeit, mehr zu erklären. Aber nicht, wenn er ihnen jetzt nicht half.

»In Ordnung«, sagte Emanuel. »Großvater, glaubst du, dass Gott dich heilen kann? Willst du Gott um Hilfe bitten, statt die Geister?«

»Ja«, antwortet Großvater. »Bitte bete für mich!«

Wieder betete Emanuel ein schlichtes Gebet und bat um Heilung zum Zeugnis für die Mangyan in diesem Dorf. Und wieder geschah die Heilung in wenigen Stunden.

Später am Abend, als Emanuel die Menschen aus der Bibel unterrichtete, stand einer von Großvaters Verwandten auf. »Wir wollen Christen sein. Wir haben genug gesehen. Menschen werden Christen, indem sie unter Wasser getaucht werden. Bitte mach das auch mit uns.«

»Ja!«, sprang einer von Dados Verwandten auf. »Wir wollen auch Christen sein! Tauch uns im Fluss unter Wasser.«

»Moment mal! Moment mal!«, rief Emanuel und grinste vor Freude. »Das ist ja alles wunderbar! Gott ist vor Freude überglücklich! Aber eins nach dem anderen. Der Fluss ist so spät abends viel zu kalt. Wir wollen erst mal unser Studium in Gottes Buch beenden und erfahren, wer Gott ist, woher die Geister gekommen sind und wie Gott uns retten will. Dann können wir uns aufs Untertauchen vorbereiten!«

Und das, meine Freunde, war die Geschichte, wie Gott Emanuel nahm, einen glühenden jungen Tawbuid-Christen, und durch ihn Gemeinden im dunklen, unwirtlichen Hinterland der Magyan zu gründen begann.

Aus: Adventist Frontiers, 1. August 2019

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.

JOHN HOLBROOK wuchs im Missionsfeld auf. Er half seiner Familie eine Gemeindegründungsbewegung unter dem Alanganvolk in den Bergen der philippinischen Insel Mindoro zu initiieren. Seit 2011 setzt John seine Fähigkeiten und seine Erfahrung ein, um das Evangelium den abgeschotteten Tawbuid-Animisten zu bringen, einem Stamm, der in der Nachbarschaft der Alangan lebt.

www.afmonline.org


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