• Eine Geschichte aus Südostasien: Mut zum Sabbat

    Mut zum Sabbat

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    Die Kunst, feinfühlig Mut zu machen. Von AFM

Mittwoch, 10 April 2019 – 06:43 Uhr

Ein Brief von Hudson Taylor: In Jesus ruhen

In Jesus ruhen

Bild: Wikipedia

Ermutigt durch das folgende Zitat von Ellen White drucken wir hier einmal einen wertvollen Brief des berühmten China-Missionars Hudson Taylor ab. Von Hudson Taylor

»Damit in Kindern und Jugendlichen Mitgefühl und Opferbereitschaft für das Leiden der Millionen von Menschen geweckt wird, die in »unbetretenen Gebieten« leben, sollten wir sie mit diesen Ländern und ihren Völkern vertraut machen. Anstatt sie mit der Geschichte Alexanders des Großen und Napoleons vertraut zu machen, sollen die Schüler das Leben solcher Männer wie Paulus und Martin Luther studieren; Männer wie Moffat, Livingstone und Carey, Judson, Williams und Morrison, sowie die derzeitige Entwicklung der Missionsbemühungen. Anstatt ihr Gedächtnis mit einer nichtenden wollenden Aufzählung von Namen und Theorien zu belasten, die keinen Bezug zu ihrem Leben haben und an die sie nach der Schule kaum mehr denken werden, sollen sie alle Länder im Licht der Missionsbemühungen studieren und sich mit den Völkern und ihren Bedürfnissen vertrautmachen.« {General Conference Bulletin, 1 Juli 1902, § 16}

17. Oktober 1869. »Meine Liebe Schwester! Vielen Dank für deinen langen, lieben Brief! ... Ich glaube nicht, dass du mir je einen solchen Brief geschrieben hast, seitdem wir in China sind. Ich weiß, es geht dir wie mir – du kommst nicht zum Schreiben, obwohl du gern möchtest. Leib und Geist können nur bis zu einer bestimmten Grenze arbeiten, nur einen bestimmten Grad der Spannung ertragen. Die Arbeit war mir noch nie so reichlich zugemessen und nie so verantwortungsvoll und schwierig. Aber Last und Spannung sind weg. Der vergangene Monat war vielleicht der glücklichste meines Lebens, und ich möchte dir gern erzählen, was der Herr an meiner Seele getan hat. Ich weiß allerdings nicht, obes mir ganz gelingen wird, weil es eigentlich nichts Neues, Fremdes oder Wunderbares ist – und dennoch ist alles neu. Mit einem Wort: ›Ich war blind und bin nun sehend.‹ Vielleicht muss ich etwas zurückgreifen, um mich besser verständlich zu machen. Mein Liebes, während der letzten sechs oder acht Monate war meine Seele sehr bedrückt, weil mir das Bedürfnis nach mehr Heiligung, Leben und Kraft sowohl meiner eigenen Seele, als auch der ganzen Mission bewusst war. Ich fühlte die Undankbarkeit, die Sünde, die Gefahr eines Lebens, das nicht enger mit Gott verbunden war. Ich betete, quälte mich ab, fastete und mühte mich, fasste Vorsätze, las die Schrift fleißiger, suchte mehr Zeit zu innerer Sammlung – doch alles ohne Erfolg. Täglich, beinahe stündlich bedrückte mich das Bewusstsein der Sünde. Ich wusste, dass alles in Ordnung sein würde, wenn ich nur in Christus bleiben könnte – aber ich konnte nicht. Ich begann den Tag mit Gebet, entschlossen, Jesus keinen Augenblick aus den Augen zu verlieren. Aber die Pflichten mit ihren Anforderungen, beständige Unterbrechungen, die ja so ermüden, ließen mich Ihn oft vergessen. Außerdem greift das Klima meine Nerven so an, dass man schwer der Versuchung widerstehen kann, gelegentlich gereizt zu werden, was leicht zu bösen Gedanken und unfreundlichen Worten führt. Jeder Tag brachte ein Register an Sünden, Versagen und Kraftlosigkeit. Das Wollen war bei mir wirklich vorhanden, aber das Vollbringen war mir unmöglich.

Dann kam die Frage: Gibt es dafür keine Rettung? Muss es bis an mein Ende so bleiben – beständiger Kampf und anstatt des Sieges oft Niederlagen? Wie konnte ich verkündigen, dass Jesus denen, die Ihn aufnehmen, Macht gibt, ›Gottes Kinder zu werden‹, d. h. göttlich zu werden, wenn meine eigene Erfahrung nicht damit übereinstimmte? Statt an Kraft zuzunehmen, schien ich immer schwächer zu werden und weniger gegen die Sünde auszurichten. So war es nicht verwunderlich, dass der Glaube und sogar die Hoffnung schwanden. Ich hasste mich, hasste meine Sünde und gewann doch keine Macht über sie. Ich fühlte mich als Kind Gottes, denn trotz allem schrie Sein Geist in meinem Herzen das ›Abba, lieber Vater!‹ Aber ich war außerstande, meine Vorrechte als Kind zu gebrauchen. Ich war absolut kraftlos. Ich dachte, Heiligung, praktische Heiligung sei durch fortwährenden Gebrauch der Gnadenmittel zu er-reichen. Ich fühlte, dass ich mich nach nichts in der Welt so sehnte und dass ich nichts so dringend brauchte. Aber weit davon entfernt, sie auch nur teilweise zu erreichen, entwich sie mir, je mehr ich danach strebte und darum kämpfte. Schließlich hatte ich kaum noch Hoffnung, sie zu gewinnen, und dachte schon, Gott wolle uns die Heiligung hier auf Erden vorenthalten, damit es dann im Himmel um so schöner wäre. Ich glaube nicht, dass ich in eigener Kraft danach strebte, kannte ich doch meine Kraftlosigkeit. Das sagte ich auch meinem Herrn und bat Ihn um Hilfe und Kraft. Manchmal glaubte ich fast, Er wolle mich bewahren und tragen. Aber wenn ich abends zurückschaute – o da hatte ich vor Gott nur Sünde und Versagen zu bekennen und zu beklagen! Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als ob das die tägliche Erfahrung dieser langen, schweren Monate gewesen wäre. Doch in diesem Zustand befand sich meine Seele nur zu oft und in zunehmendem Maße, so dass ich gänzlich in Verzweiflung geriet. Und doch schien mir Christus nie teurer gewesen zu sein – ein Erlöser, der einen Sünder wie mich retten konnte und wollte ... Manchmal gab es auch Zeiten des Friedens, sogar der Freude im Herrn. Aber sie verflogen so schnell, und was blieb, war traurige Kraftlosigkeit. O wie gut war doch der Herr, dass Er diesem Konflikt ein Ende bereitete! Während der ganzen Zeit war ich mir darüber klar, dass in Christus alles zu haben war, was mir fehlte. Aber wie sollte ich es von Ihm bekommen, das war die praktische Frage. Er war reich, wahrhaftigreich, ich aber arm. Er war stark, ich aber schwach. Ich wusste wohl, dass in der Wurzel und im Stamm Lebenssaft im Überfluss vorhanden war, aber wie ich ihn in meinen kleinen Zweig bekommen konnte, das war die Frage. Als mir langsam das Licht aufging, erkannte ich, dass der Glaube das einzig Erforderliche ist, Seine Fülle zu ergreifen, um sie sich anzueignen. Aber ich hatte diesen Glauben nicht! Ich kämpfte darum, gewann ihn aber nicht. Ich versuchte, ihn zu üben, aber umsonst. Je mehr ich den Reichtum der Gnade erkannte, der in Jesus verborgen liegt – die Fülle unseres herrlichen Erlösers –, desto mehr schienen meine Hilflosigkeit und Schuld zuzunehmen. Die Sünden, die ich beging, waren klein und nichtig, gemessen an der Sünde des Unglaubens, dem Grundübel, das Gott nicht bei Seinem Wort nimmt und Ihn eher zum Lügner stempelt. Ich fühlte, dass Unglaube die verdammlichste Sünde der Welt ist – und doch, ich beging sie. Ich betete um Glauben, aber er kam nicht. Was sollte ich tun?

Als mein Seelenkampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, gebrauchte Gott einen Satz aus einem Brief meines lieben McCarthy, um die Schuppen von meinen Augen zunehmen. Der Geist Gottes offenbarte mir nun die Wahrheit unseres Einsseins mit Jesus, wie ich sie vorher nie erkannt hatte. McCarthy, der selbst unter demselben Versagen gelitten hatte, aber vor mir Klarheit bekam, schrieb (ich zitiere aus dem Gedächtnis): ›Wie kann mein Glaube gestärkt werden? Nicht, indem ich um Glauben ringe,sondern indem ich in Jesus ruhe.‹ Als ich das las, wurde mir alles klar. ›Glauben wir nicht, so bleibt er doch treu!‹ Ich blickte auf Jesus und sah (und wie ich sah, o welche Freude!), dass Er gesagt hatte: ›Ich will dich nimmermehr verlassen!‹ Ja, da ist Ruhe, dachte ich. Ich habe umsonst gekämpft, um in Ihm zu ruhen. Ich will nicht mehr kämpfen. Hat Er denn nicht versprochen, bei mir zu bleiben und mich nie zu verlassen – mich nie zu enttäuschen? Und Liebes, Erwird es nie tun!

Aber das war nicht alles. Als ich auch an den Weinstock und die Reben dachte, welch ein Licht goss der Heilige Geist in meine Seele! Wie groß war mein Irrtum gewesen, dass ich den Saft, die Fülle aus Ihm herausbekommen wollte! Ich erkannte nicht nur, dass Jesus mich nie verlassen will, sondern dass ich ein Glied Seines Leibes, ›Fleischvon seinem Fleisch, Gebein vonseinem Gebein‹ bin. Der Weinstock, das sehe ich nun klar, besteht nicht nur aus der Wurzel, sondern als Ganzes aus Wurzel, Stamm, Ästen, Zweigen, Blättern, Blüten und Früchten. Und Jesus ist nicht nur das, sondern Er ist auch Boden, Sonnenschein Luft und Regen und unendlich viel mehr, alswir je erträumt, gewünscht oder nötig gehabt hätten. O welche Freude, diese Wahrheit zu erkennen! Ich bete nur, dass ›die Augen deines Verständnisses erleuchtet werden‹, damit du erkennst und erlebst, welche Reichtümer uns in Jesus frei geschenkt sind.

Meine liebe Schwester, es ist herrlich, wirklich eins sein zu dürfen mit dem auferstandenen und erhöhten Heiland, ein Glied Christi zu sein! Bedenke, was das bedeutet! Kann Christus reich sein und ich arm? Kann deine rechte Hand reich sein und deine linke arm? Oder kann dein Haupt gut genährt sein, während dein Leib hungert? Bedenke ferner, was das für das Gebet bedeutet! Könnte ein Bankbeamter zu seinem Kunden sagen: ›Es war nur deine Hand, die den Scheck schrieb, nicht du‹ oder ›Ich kann diese Summe nicht deiner Hand, sondern nur dir selber auszahlen‹? Ebenso wenig können deine oder meine Gebete zurückgewiesen werden, wenn sie in Jesu Namen gebetet worden sind (d.h. nicht in unserem Namen oder nur um Jesu willen, sondern auf Grund dessen, dass wir Sein Eigentum, Seine Glieder sind), solange wir uns innerhalb der Grenzen Seines Kredits bewegt haben – einer weiten Grenze! Wenn wir etwas er-bitten, das nicht schriftgemäß ist, das nicht Gottes Willen entspricht, so könnte selbst Christus nicht danach handeln. Aber ›wenn wir etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns und ... so wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben.‹

Das Schönste ist dazu die Ruhe, die das absolute Einssein mit Christus bringt. Ich sorge mich um nichts mehr, seit mir das klar ist. Denn Er, das weiß ich, ist fähig, Seinen Willen auszuführen, und sein Wille ist der meine. Es kommt nicht darauf an, wohin und in welche Umstände Er mich sendet. Das überlasse ich Seinem Planen, muss Er mir doch in der leichtesten Lage Seine Gnade schenken, und in der schwierigsten lasse ich mir an Seiner Gnade genügen. Es ist meinem Diener gleichgültig, ob er das Billigste oder das Teuerste einkaufen soll. In beiden Fällen rechnet ermit meinem Geld und bringt mir das Gekaufte. Muss Gott mir nicht ganz klare Weisung geben, wenn Er mich in große Verlegenheit bringt, außerdem viel Gnade in schwierigen Lagen und viel Kraft unter erdrückenden Verhältnissen und Versuchungen? Keine Angst! Seine Hilfsquellen sind jeder Not gewachsen, und sie gehören mir, denn Er gehört mir, ist bei mir und wohnt in mir. Das alles kommt aus dem Einssein des Gläubigen mit Christus. Wie glücklich bin ich geworden, seit Jesus so durch den Glauben in meinem Herzen wohnt! Wenn ich dir doch davon erzählen könnte, anstatt nur darüber zu schreiben ...

Ich bin nicht besser als vorher (in gewissem Sinn möchte ich sogar sagen, ich wünsche es nicht einmal und strebe nicht danach). Aber ich bin mit Christus gestorben und begraben – ja, auch auferstanden und gen Himmel gefahren! Jetzt lebt Christus in mir und ›was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich in dem Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat‹. Ich glaube jetzt, dass ich der Sünde gestorben bin. Gott sieht mich so an und befiehlt mir, mich selbst so anzusehen. Er weiß es am besten. Alle meine Erfahrungen in der Vergangenheit mögen gezeigt haben, dass es nicht so war. Aber ich wage jetzt nicht mehr zu sagen, dass es nicht so ist, weil Er selbst es sagt. Ich fühle und weiß: Das Alte ist vergangen. Ich bin immer noch imstande zu sündigen, aber Christus ist gegenwärtig, wie es mir nie zuvor bewusst war. Er kann nicht sündigen, Er kann mich vor der Sünde bewahren. Ich kann nicht sagen (leider muss ich das sagen), dass ich seit dieser Erleuchtung nicht gesündigt habe; doch fühle ich, dass ich es nicht musste. Weiter: Ich wandle mehr im Licht, darum empfindet mein Gewissen zarter. Ich sehe die Sünde schneller ein, bekenne sie und erhalte Vergebung, Friede und Freude (in aller Demut). Nur einmal erlebte ich es anders. Da blieb ich mehrere Stunden unglücklich, aber dadurch erfuhr ich deutlich, dass ich meine Sünde nicht vollständig bekannt, sondern mich teilweise gerechtfertigt hatte.

Der Glaube, das sehe ich jetzt, ist die Wirklichkeit von dem, was man hofft (Hebr 11,1 nach engl. Übersetzung), nicht ein bloßer Schatten. Er ist nicht weniger als Sehen, sondern mehr. Das Sehen erfasst nur die äußere Formder Dinge. Der Glaube erfasst ihre Wirklichkeit. Auf die Wirklichkeit kann man sich verlassen, von ihr kann man zehren. Wenn Christus durch den Glauben (d. h. dadurch, dass wir Seiner Verheißung glauben) in unseren Herzen wohnt, so ist das wirklich Macht und Leben. Christus und die Sünde können nicht zusammen wohnen. Wir können auch Seine Gegenwart nicht zugleich mit Weltliebe und Sorgengeist besitzen.

Nun muss ich schließen. Ich habe nicht einmal die Hälfte von dem gesagt, was ich sagen möchte. Wenn ich Zeit dazu hätte, täte ich es noch genauer. Gott schenke dir, dass du diese Wahrheit erfassen kannst! Lass uns nicht länger sagen: ›Wer will hinaufsteigen zum Himmel (um Christus herabzuholen)?‹ Wir brauchen Ihn nicht weit weg zu suchen, denn Gott hat uns doch eins mit Ihm gemacht als Glieder Seines Leibes. Übrigens wollen wir nicht glauben, dass diese Erkenntnis nur für Einzelne bestimmt ist. Im Gegenteil, sie ist das Geburtsrecht jedes Gotteskindes, und keines darf ohne sie leben, wenn Gott recht geehrt werden soll. Die einzige Macht, die uns von Sünden befreit und für den Dienst zubereitet, ist Christus.‹

Aus: H. u. G. Taylor, Hudson Taylor. Ein Mann, der Gott vertraute, 9. Aufl., Gießen; Basel: Brunnen-Verl., 1996. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

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