Dienstag, 11 November 2014 – 08:24 Uhr

Frauenordination: Ein heißes Thema

Ein heißes Thema

IngaIvanova - iStockphoto.com

Zum dritten Mal soll nun im Juli 2015 auf der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten über das Thema Frauenordination abgestimmt werden. Drei widersprüchliche Positionen wurden von Theologen biblisch begründet. Dieser Artikel wirft einen prüfenden Blick darauf … von Kai Mester

Einführung

Auf der Herbsttagung der Generalkonferenz am 14. Oktober 2014 wurden drei Positionen zum Thema Frauenordination vorgestellt. Im Ausschuss, wo man das Thema studiert hatte, konnte man sich nicht einigen. Daher bat man drei Theologen, die verschiedenen Positionen den Delegierten in jeweils 20 Minuten vorzustellen. Natürlich liegen auch ausführlichere schriftliche Berichte vor. Sie sind im Internet öffentlich zugänglich.

Dieser Artikel möchte einen Einblick in die drei Positionen geben (in Großbuchstaben) und sie gleichzeitig kommentieren (in Normalschrift). Auf der kommenden Vollversammlung der Generalkonferenz im Juli 2015 soll es durch demokratische Abstimmung eine verbindliche Entscheidung darüber geben.

Pro Frauenordination

DR. CARL COSAERT VON DER WALLA WALLA UNIVERSITY TRAT UNEINGESCHRÄNKT FÜR DIE FRAUENORDINATION EIN: http://www.adventistreview.org/church-news/theology-of-ordination-position-no.-2

Naturgemäß bemühte sich Cosaert vor allem, die Argumente gegen die Frauenordination zu entkräften. DENN IN DER BIBEL GEBE ES, SO SAGT ER, WEDER PRIESTERINNEN NOCH APOSTELINNEN. AUCH ERLAUBE PAULUS DER FRAU NICHT, MÄNNER ZU BELEHREN ODER VOLLMACHT ÜBER SIE AUSZUÜBEN, UND BEGRÜNDE DIES MIT DER SCHÖPFUNGSORDNUNG.

COSAERT ARGUMENTIERT JEDOCH, DASS JESUS DAS PRIESTERTUM ALLER GLÄUBIGEN EINGEFÜHRT UND DIE FRAU DEM MANN GLEICHGESTELLT HABE (GALATER 3,28), ein Argument, dem tatsächlich niemand widerspricht. Die Frage ist, ob dadurch auch jegliche Rollenverteilung aufgehoben ist. WEITER SAGT COSAERT, SOWOHL MÄNNER ALS AUCH FRAUEN EMPFINGEN SEITHER DIE GEISTESGABEN. Auch hierin sind sich alle einig.

Schauen wir uns die Argumente weiter an: DAS PAULINISCHE LEHRVERBOT FÜR FRAUEN IN 1. TIMOTHEUS 2 MÜSSE VOR DEM HINTERGRUND DER GEMEINDESITUATION IN EPHESUS VERSTANDEN WERDEN. Dort hätten sich die Frauen Irrlehrern angeschlossen, weshalb ihnen die Lehrbefugnis entzogen wurde. Hier nun gilt es aufzumerken. Wird hier durch eine so genannte Neurahmung der Bibelvers so umgedeutet, als könne er für heute keine Bedeutung mehr haben?

COSAERT FÄHRT FORT: AN ANDEREN STELLEN NENNE PAULUS AUßERDEM FRAUEN IN LEITENDER FUNKTION: EUODIA, SYNTYCHE UND PHOEBE (PHILIPPER 4,2.3; RÖMER 16,1). Euodia und Syntyche werden als Evangeliumsmitarbeiterinnen genannt. Alle sind sich darin einig, dass Frauen von jeher eine große Aufgabe in der Verbreitung der Guten Nachricht hatten. Nicht angesprochen wird hier jedoch das Thema Ordination zum Ältesten (Aufseher, Bischof), einem Amt, das in unserer Gemeinde durch Gemeindeleiter und Pastoren wahrgenommen wird. Phoebe wiederum diente lediglich als Diakonin.

COSAERT ERKLÄRT WEITER, EVAS SÜNDENFALL ERWÄHNE PAULUS NUR ALS STARKE ILLUSTRATION FÜR DIE GEFAHR DER VERSUCHUNG, DER FRAUEN AUSGESETZT SEIN KÖNNEN. DIE SCHÖPFUNGSORDNUNG FÜHRE ER AN, UM ZU ZEIGEN, DASS GOTT NIE WOLLTE, DASS DIE FRAU ÜBER DEN MANN HERRSCHE, SONDERN IHM GLEICHBERECHTIGT ZUR SEITE STEHE. DASS ADAM ZUERST GESCHAFFEN WURDE, HABE IHM KEINESFALLS VOLLMACHT ÜBER SEINE FRAU VERLIEHEN. VIELMEHR SEI DIE GANZE SCHÖPFUNG EINE ENTWICKLUNG HIN ZUR VOLLSTÄNDIGKEIT GEWESEN.

Liest man aber den Text unvoreingenommen, fällt es schwer dieser Logik ganz zu folgen:

»Ebenso will ich auch, dass sich die Frauen in ehrbarem Anstand mit Schamhaftigkeit und Zucht schmücken, nicht mit Haarflechten oder Gold oder Perlen oder aufwändiger Kleidung, sondern durch gute Werke, wie es sich für Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen. Eine Frau soll in der Stille lernen, in aller Unterordnung. Ich erlaube aber einer Frau nicht, [den Mann] zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, sondern sie soll sich still verhalten. Denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber wurde verführt und geriet in Übertretung; sie soll aber davor bewahrt werden durch das Kindergebären, wenn sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht.« (1. Timotheus 2,9-15)

Auch der Kontext dieses Briefabschnitts bietet zu wenige Argumente an, um ihn rein kulturell zu deuten.

LAUT COSAERT BEZIEHE SICH 1. KORINTHER 11 EBENFALLS AUF EINE BESONDERE KULTURELLE GEMEINDESITUATION, IN DER FRAUEN SCHANDE ÜBER IHRE MÄNNER BRACHTEN. PAULUS SAGE DAHER ZWAR, DIE FRAU SEI GESCHAFFEN, UM DEM MANN EHRE ZU BRINGEN. DOCH ER SAGE AUCH, DASS KEIN MANN OHNE FRAU GEBOREN WIRD. DAHER SOLLTEN AUCH DIE MÄNNER IHREN FRAUEN EHRE MACHEN. AUßERDEM GEHE ES IN DIESEM KAPITEL NICHT UM FRAGEN DER LEITUNG, VOLLMACHT ODER ORDINATION. DAS RECHT DER FRAU AUF ÖFFENTLICHES BETEN UND WEISSAGEN WERDE HIER SOGAR HERVORGEHOBEN.

Damit mag Cosaert weitgehend recht haben. Doch die Aussagen, um die es in diesem Kapitel im Zusammenhang mit der Frauenordination eigentlich geht, lauten: »Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt jedes Mannes ist, der Mann aber das Haupt der Frau, Gott aber das Haupt des Christus … Der Mann … ist Gottes Bild und Ehre; die Frau aber ist die Ehre des Mannes. Denn der Mann kommt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch wurde der Mann nicht um der Frau willen erschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.« (1. Korinther 11,3.7.8) Wenn Paulus tatsächlich – und das glauben wir – ein inspirierter Schreiber war, dann fällt es schwer, diesen Aussagen ihre Allgemeingültigkeit abzusprechen.

COSAERT FÜHRT DIE DREI PROPHETINNEN MIRJAM, DEBORA UND HULDA AN, UM ZU ZEIGEN, DASS SCHON IM ALTEN TESTAMENT FRAUEN GEISTLICHE FÜHRUNGSROLLEN INNEHATTEN. DEBORA HABE SOGAR ALS RICHTERIN GEWIRKT UND MIRJAM ALS FÜHRERIN NEBEN IHREN BRÜDERN MOSE UND AARON. Nun, Mirjam blieb mit ihrem Bruder Aaron immer im »Schatten« von Mose und wurde sogar mal für kurze Zeit aussätzig, als sie aus diesem Schatten heraustreten wollte. Die einzige Führungsrolle, von der die Bibel bei Mirjam spricht, bezieht sich auf die Israelitinnen: »Alle Frauen folgten ihr nach.« (2. Mose 15,20)

Hulda war als Prophetin lediglich Sprachrohr Gottes und bekleidete kein offizielles Amt in Israel. Allein Debora sticht durch ihre Männerrolle hervor. Doch sie erklärt den Grund für diese außergewöhnliche Situation: »Es fehlten Führer in Israel, sie fehlten, bis ich, Debora, aufstand, bis ich aufstand, eine Mutter in Israel.« (Richter 5,7) So mag Gott auch heute in Extremsituationen Frauen zu einem ähnlichen Dienst berufen und bevollmächtigen. Doch eine Regel, die einem Konzil zur Abstimmung vorgelegt wird, kann daraus nicht abgeleitet werden.

COSAERT GIBT ZU, DASS PAULUS ALS KRITERIUM FÜR DIE WAHL EINES ÄLTESTEN ODER GEMEINDELEITERS NENNE, DASS ER MANN EINER FRAU SEIN MÜSSE. DOCH DASSELBE, SO MEINT ER, GELTE JA AUCH FÜR DIAKONE. DENNOCH WERDE IN RÖMER 16 EINE DIAKONIN GENANNT. SOMIT KÖNNE MAN NICHT ABLEITEN, DASS ÄLTESTE UND DIAKONE IN JEDEM FALL MÄNNER SEIN MÜSSEN. Auf dieses Argument geht Clinton Wahlen weiter unten noch ein.

ZUM SCHLUSS ERWÄHNT COSAERT, ELLEN WHITE HABE FRAUEN ZUM DIENST IN FÜHRUNGSPOSITIONEN ERMUTIGT UND SELBST AUCH IN DIESER FUNKTION GEWIRKT. Es stimmt: Das Evangelium gibt Frauen den Wert und die Stellung zurück, die ihnen Gott von jeher zugedacht hatte, und selbst Männer, die sich für wichtige Botschafter Gottes hielten, haben zu Unrecht Frauen diskriminiert.

Doch verkennen die Befürworter der Frauenordination, um welchen Einfluss man die Frau bringt, wenn man sie für die leitenden Ämter einsegnet. Als nächster Schritt käme ja dann sicher irgendwann die Quotenregelung. Schon heute haben es Pastorenkinder schwer, Pastorinnenkinder werden es mit Sicherheit noch schwerer haben. So gibt es immer weniger Gottesmänner und -frauen der zweiten Generation.

Dass die Aufgabe der Mutter wichtiger ist als die eines Staatsführers, verstehen heute nur noch wenige. Ellen White jedenfalls hatte nie ein Gemeindeamt inne. Es fehlte in ihren Tagen auch nicht an männlichen Führungskräften. Ihr Mann war Generalkonferenzpräsident, nicht sie. Auch in der Vision vom schmalen Pfad ging er ihr voran {2T 596.2}. Sie erfüllte ihre Aufgabe als Mutter und ließ sich zu Lebzeiten als prophetische Stimme weder institutionalisieren noch anderweitig vereinnahmen.

Alles in allem überzeugen die Argumente von Cosaert nicht.

Frauenordination als Ausnahme

DR. NICHOLAS MILLER VOM THEOLOGISCHEN SEMINAR DER ANDREWS UNIVERSITY WAR DER SPRECHER FÜR ALLE, DIE DAFÜR EINTRETEN, DASS MÄNNERORDINATION DIE REGEL UND FRAUENORDINATION EINE REGIONALE AUSNAHME SEIN SOLLE. DIESE AUSNAHMEN MÜSSTEN ABER, SO DIESE POSITION, VON DER DIVISION FÜR DIE JEWEILIGE UNION GENEHMIGT WERDEN, WOBEI KEINE VEREINIGUNG ODER ORTSGEMEINDE ZU DIESER PRAXIS VERPFLICHTET WERDEN DÜRFE.
http://www.adventistreview.org/church-news/theology-of-ordination-position-no.-3

Dies ist wahrscheinlich die abenteuerlichste Position. Sie ist das Ergebnis der Suche nach einem friedlichen Kompromiss zwischen den beiden anderen Positionen. Dieser soll eine etwaige Abspaltung solcher regionaler Einheiten unserer Glaubensgemeinschaft verhindern, die Frauen im Predigtamt ordinieren möchten und dies zum Teil schon im Alleingang gegen den Beschluss der Generalkonferenz praktizieren.

MILLER SPRICHT SICH GEGEN DIE EWIGE UNTERORDNUNG DES SOHNES UNTER DEN VATER AUS UND DAHER AUCH GEGEN EINE FÜHRERROLLE DES MANNES GEGENÜBER DER FRAU VOR DEM SÜNDENFALL. DER MANN SEI ERST NACH DEM SÜNDENFALL ZUM HAUPT IN DER FAMILIE BESTIMMT WORDEN. AUCH SEIEN MÄNNER IN DER GEMEINDE ZUR LEITERSCHAFT BERUFEN, UND DESHALB VERWEISE PAULUS AUF DIE SCHÖPFUNGSORDNUNG UND DEN SÜNDENFALL.

Hier ist eine Schwachstelle in seiner Argumentation. Wie kann Paulus die Unterordnung der Frau unter den Mann mit der Schöpfungsordnung begründen – also damit, dass der Mann zuerst geschaffen wurde –, wenn dieses Argument unbiblisch sein soll? Vor dem Sündenfall hat es laut Miller doch keine Unterordnung gegeben, weder der Frau unter den Mann, noch des göttlichen Sohnes unter den Vater.

MILLER ARGUMENTIERT WEITER, DASS TROTZ DER LEITUNGSFUNKTION, DIE MÄNNER IN DER GEMEINDE HÄTTEN, DAS EINZIGE HAUPT IN DER GEMEINDE JESUS SEI. NUR IHM HÄTTEN SICH FRAUEN UNTERZUORDNEN. EBENSO WÜRDEN DIE GEISTESGABEN SOWOHL MÄNNERN ALS AUCH FRAUEN GEGEBEN. ALLERDINGS SEI BEIM AMT DES ÄLTESTEN FESTZUSTELLEN, DASS DAS GESCHLECHT DENNOCH EINE ROLLE SPIELE. ES SEI ABER NUR EIN KRITERIUM UNTER MEHREREN UND KEINESFALLS DAS WICHTIGSTE, SONDERN HABE MEHR PRAGMATISCHEN UND NICHT MORALISCHEN CHARAKTER.

Hier ist Vorsicht geboten! So manch anderes Gebot könnte leicht in die pragmatische Kategorie geschoben werden. Kaum hat ein Gebot nämlich mit Moral nichts zu tun, verliert es an Gewicht und Verbindlichkeit.

DIE INTERPRETATION VON 1. TIMOTHEUS 2 UND 1. KORINTHER 11 ALS SONDERREGELUNG FÜR KULTURELLE SONDERSITUATIONEN LEHNT MILLER JEDOCH AB. WÜRDE MAN IHR FOLGEN, KÖNNTE MAN BALD AUCH RÖMER 1 IN DIESEM SINNE AUSLEGEN, UM EINEN HOMOSEXUELLEN LEBENSSTIL ZU LEGITIMIEREN. Ja, diesen Weg sind uns tatsächlich einige protestantische Kirchen vorausgegangen.

MILLER FÜHRT WEITER AUS, DASS GOTT SICH ABER IN DER GESCHICHTE IMMER WIEDER AUF SEIN VOLK EINGELASSEN HABE. ZUM BEISPIEL HABE ER ISRAELS WUNSCH NACH EINEM KÖNIG NACHGEGEBEN, OBWOHL DIES NICHT DAS IDEAL DARSTELLTE. DIESEN KÖNIG HABE ER SOGAR DURCH SEINEN PROPHETEN GESALBT. Wenn wir mit diesem Argument für die Frauenordination stimmen, müssen wir uns tatsächlich auf schlimme Folgen gefasst machen. Unsägliches Leid kam über Israel: Spaltung, Krieg, Götzendienst und Exil. Sicher, es ist uns gesagt, dass wir die Geschichte Israels wiederholen. Doch bewusst darauf anlegen sollte man es nicht!

MILLER ERWÄHNT DIE TÖCHTER ZELOFHADS, DIE EIGENTUM ERBEN DURFTEN, OBWOHL DIES URSPRÜNGLICH NICHT IM GESETZ VORGESEHEN WAR. Nun, das Gesetz des Mose war nicht als letztes Wort Gottes gedacht. Es holte die Menschen auf der Ebene ab, auf der sie noch ansprechbar waren. Todesstrafe, Tieropfer und Fleischverzehr waren unter bestimmten Bedingungen geboten. Amnestie und Vegetarismus sind jedoch kein Widerspruch zum Geist des Gesetzes.

Ebenso sind die Rechte der Frau unbedingt ausbaufähig, weil die Frau in der Geschichte erfahrungsgemäß unter dem Mann massiv zu leiden hatte.

WEITER NENNT MILLER DAVID. ER HABE KÖNIG WERDEN KÖNNEN, OBWOHL SEINE URGROßMUTTER EINE MOABITERIN GEWESEN SEI UND LAUT MOSAISCHEM GESETZ NICHT INS VOLK ISRAEL HÄTTE AUFGENOMMEN WERDEN DÜRFEN. AUCH HABE DAVID DIE SCHAUBROTE GEGESSEN, DIE ALLEIN DEN PRIESTERN VORBEHALTEN WAREN.
Das ist wahr! Doch aus Gottes barmherzigen Ausnahmen lässt sich wiederum keine allgemeingültige Regel oder Ausnahmeregelung ableiten, schon gar nicht, wo es um zivile und zeremonielle Aspekte ging.

Gott verblüfft uns auch heute noch, indem er unübliche Wege beschreitet. Doch heißt das, wir sollten diese Wege in unserer Satzung verankern?

DAS APOSTELKONZIL, SO MILLER, HABE EBENSO EINEN KOMPROMISS GESUCHT, UM EINE KIRCHENSPALTUNG ZU VERHINDERN. Selbstverständlich ist es uns darin ein Vorbild. Bei diesem Kompromiss ging es aber darum, welche mosaischen Gesetze man den Nichtjuden auferlegen solle. Hindernisse für die Verbreitung des Evangeliums unter allen Völkern sollten beseitigt werden, doch eben ohne faule Kompromisse zu machen.

Würde bei der Generalkonferenz darüber entschieden, ob Frauen andere Frauen taufen dürfen, zum Beispiel in muslimischen Ländern, wo es für viele Frauen undenkbar ist, sich von einem fremden Mann anfassen und taufen zu lassen, würde ich sofort dafür stimmen. Doch darum geht es ja gar nicht. Der ganzen Frage liegt ein viel feministischerer Ansatz zugrunde.

ZUM SCHLUSS ERWÄHNTE MILLER, DASS ELLEN WHITE SICH DAFÜR AUSSPRECHE, DASS IN ABGELEGENEN GEBIETEN, WO KEIN PREDIGER IN REICHWEITE SEI, TAUFEN AUCH DURCH NICHT EINGESEGNETE LAIEN DURCHGEFÜHRT WERDEN KÖNNTEN. AUCH BETONE SIE DIE ROLLE VON FRAUEN IN NOTSITUATIONEN, WO MÄNNER IHRER AUFGABE NICHT NACHKÄMEN. Absolut einverstanden! Die Entscheidungsgewalt darüber aber den Divisionen zu geben, halte ich für unpraktisch. In einer Notsituation ist oft rasches Handeln erforderlich, was Genehmigungen überflüssig macht.

Die Gesamtargumentation von Miller erscheint mir insgesamt riskant. Vielleicht hat sie das Potenzial eine Abspaltung von einzelnen regionalen Einheiten vorerst abzuwenden, doch birgt sie langfristig die Gefahr gravierenderer Folgen wie man am Beispiel Israels sehen kann.

Contra Frauenordination

DR. CLINTON WAHLEN VOM BIBLICAL RESEARCH INSTITUTE VERTRAT DIE POSITION, DIE SICH GEGEN FRAUENORDINATION AUSSPRICHT. DIESE POSITION SPRICHT SICH ZUDEM DAFÜR AUS, DIE ORDINATION VON GEMEINDELEITERINNEN WIEDER ABZUSCHAFFEN, DIE IN EINIGEN GEBIETEN BEREITS ÜBER JAHRZEHNTE ÜBLICH IST. GLEICHZEITIG WIRD ABER AUCH EINE BREITE FÖRDERUNG VON EINSATZMÖGLICHKEITEN FÜR FRAUEN EMPFOHLEN.
http://www.adventistreview.org/church-news/theology-of-ordination-position-no.-1

ZUERST EINMAL BEKRÄFTIGT CLINTON WAHLEN DIE ÜBEREINSTIMMUNG MIT DEN ANDEREN POSITIONEN IN FOLGENDEN PUNKTEN:
JESUS SEI DAS ALLEINIGE HAUPT DER GEMEINDE; ALLE GLÄUBIGEN SEIEN ZUM DIENST BERUFEN; DIE GEISTESGABEN SEIEN GESCHLECHTSUNABHÄNGIG; ALLE GLÄUBIGEN SEIEN PRIESTER; MANN UND FRAU SEIEN VON GOTT GLEICHBERECHTIGT GESCHAFFEN; IN CHRISTUS SEI WEDER JUDE NOCH GRIECHE, WEDER MANN NOCH FRAU; UND IM SPÄTREGEN WÜRDEN SÖHNE UND TÖCHTER WEISSAGEN.

Doch nun zu den Argumenten, durch die er sich von den beiden anderen Positionen unterscheidet: 1. TIMOTHEUS SEI KEIN BRIEF AN EINE GEMEINDE, SONDERN AN EINEN EVANGELIUMSDIENER UND DAMIT NICHT AN DIE SITUATION DER GEMEINDE IN EPHESUS GEBUNDEN. Nun, eigentlich können wir keinen neutestamentlichen Brief als situationsbedingt von uns weisen, auch nicht die Briefe an die Gemeinden. Gottes Wort ist auf jeden Fall unser Maßstab. Doch zu jedem Thema müssen alle relevanten Stellen aus der ganzen Schrift herangezogen werden. So lässt sich dann erkennen, was der Text uns heute zu sagen hat.

WENN PAULUS SICH GESCHLECHTSNEUTRAL AUSDRÜCKEN WOLLTE, SAGT WAHLEN, SO HABE ER DIES AUCH GETAN (1. TIMOTHEUS 2,1.4.5). DRÜCKE ER SICH ABER GESCHLECHTSSPEZIFISCH AUS, SO MACHE ER DIES EBENSO BEWUSST (1. TIMOTHEUS 2,8-15). Darüber hinaus drücke er sich in einigen Versen so aus, dass ein Geschlecht völlig ausgeschlossen werde (1. Timotheus 3,1-10.12). Diese Argumentation ist nicht so einfach von der Hand zu weisen.

SOWOHL AN TIMOTHEUS ALS AUCH AN TITUS SCHREIBE ER, DASS ÄLTESTE UND DIAKONE MANN EINER FRAU SEIN SOLLEN. DIAKONINNEN WÜRDEN ABER MIT EIGENEN KRITERIEN ALS SONDERGRUPPE ERWÄHNT (1. TIMOTHEUS 2,11). Titus 2,3-5 bestätigt, dass Frauen anderen Frauen dienen sollen. Hierfür haben sie sogar ausdrücklich eine Lehrbefugnis (Vers 4). Im Gegensatz dazu wurden die ersten Diakone auch mit der Witwenbetreuung beauftragt und dienten so dem anderen Geschlecht (Apostelgeschichte 6,1.3). Als Paar konnten Aquila und Priska sich auch gemeinsam ihres Schützlings Apollo annehmen (Apostelgeschichte 18,24-27). Hätte sich aber eine einzelne Frau eines Mannes angenommen, so hätte dies nicht als »ehrbar« gegolten.

WAHLEN FÄHRT FORT, PAULUS SPRECHE IM SELBEN BRIEF VON DEN WITWEN, DIE »FRAU EINES MANNES« GEWESEN SEIEN (1. TIMOTHEUS 5,9), SEINE AUSDRUCKSWEISE SEI ALSO DURCHAUS SPEZIFISCH. EIN GUTER PUNKT! AUCH GEBE ES DURCHAUS MORALISCHE GEBOTE, WIE DAS ABENDMAHL ODER DEN MISSIONSAUFTRAG, DIE NICHT ZU DEN ZEHN GEBOTEN GEHÖRTEN UND DENNOCH VERBINDLICHEN CHARAKTER HÄTTEN. Selbstverständlich!

ADAMS ERSCHAFFUNG VOR EVA HABE EINE BESONDERE VERANTWORTUNG AUF IHN ÜBERTRAGEN. ER HABE NÄMLICH SCHON, BEVOR EVA ALS SEINE GEHILFIN GESCHAFFEN WORDEN SEI, DEN AUFTRAG ERHALTEN, DEN GARTEN ZU BEWAHREN, UND DAS WISSEN EMPFANGEN, VON WELCHEN BÄUMEN ER ESSEN DURFTE. EVA ALLEIN SEI NICHT DIE KRONE DER SCHÖPFUNG, SONDERN DIE EHE SEI ZUSAMMEN MIT DEM SABBAT DER HÖHEPUNKT DER BEIDEN SCHÖPFUNGSBERICHTE. Das ist interessant! Auch die Tiere benannte er vorher. Diese paar Stunden Vorsprung weckten in Adam das Gefühl der Verantwortung.

Als Mann und Frau sich das erste Mal begegneten, gab nicht Eva ihrem Mann einen Namen, sondern Adam seiner Frau: »Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll ›Männin‹ heißen; denn vom Mann ist sie genommen! Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.« (1. Mose 1,23-24)

Es ist anzunehmen, dass Adam seine Frau erst einmal auf seinen aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand gebracht hat und dass auf diese Weise ein besonderes Vertrauensverhältnis entstand. Dadurch hat Eva Adam als ihren Beschützer und Führer anerkannt. Dieser nutzte aber seine Position in keiner Weise aus, sondern setzte sie nur zu Evas Besten ein. Ihr entstanden also dadurch nur Vorteile, keine Nachteile, weshalb von einer Gleichberechtigung und vom gleichen Wert gesprochen werden muss.

MANCHE BEHAUPTETEN, SO WAHLEN, WER 1. TIMOTHEUS 3,2 (ÄLTESTER MUSS MANN EINER FRAU SEIN) WÖRTLICH NEHME, MÜSSE AUCH 1. KORINTHER 14 WÖRTLICH NEHMEN. DORT HEIßT ES, DIE FRAU HABE IN DER GEMEINDE ZU SCHWEIGEN. WAHLEN FÜHRT NUN AUS, DASS ES IN DIESEM KAPITEL NICHT UM EINE ALLGEMEINE REGEL GEHE, SONDERN DARUM, DAS CHAOS IM GOTTESDIENSTABLAUF DER GEMEINDE KORINTH ZU BESEITIGEN. MANCHE BRÜDER HÄTTEN IN ZUNGEN OHNE ÜBERSETZER GESPROCHEN, ANDERE HÄTTEN IHRE ERKENNTNISSE MITGETEILT, OHNE ZU WARTEN, BIS SIE AN DER REIHE WAREN, UND DIE SCHWESTERN HÄTTEN WÄHRENDDESSEN IHRE FRAGEN GESTELLT. ALLEN DREI GRUPPEN HABE PAULUS GEBOTEN ZU SCHWEIGEN, WENN SIE SICH NICHT AN DIE ORDNUNG HALTEN KÖNNTEN. Dies ist nun keine Umdeutung, sondern ergibt sich aus dem unmittelbaren Kontext.

OBWOHL FRAUEN IN DER BIBEL WICHTIGE AUFGABEN ERFÜLLT HÄTTEN, GEBE ES KEINE EINZIGE PRIESTERIN IM ALTEN TESTAMENT UND KEINE EINZIGE APOSTELIN ODER PREDIGERIN, DIE EINE GEMEINDE GELEITET HÄTTE. DAS MOSAISCHE GESETZ SEHE NUR MÄNNER FÜRS PRIESTERAMT VOR UND JESUS HABE 12 MÄNNER ZU APOSTELN BERUFEN. WENN MAN AUCH NICHT UNBEDINGT MEHR JUDE HÄTTE SEIN MÜSSEN, UM ÄLTESTER ZU WERDEN, SO SEI DOCH DIE GESCHLECHTSANFORDERUNG NIE GEÄNDERT WORDEN. DAS GESCHLECHT SEI IN 1. TIMOTHEUS 3,2 DAS ERSTE KRITERIUM, DAS GENANNT WERDE UND DAHER WESENTLICH.

Die Evangelien nennen tatsächlich auch Jesu Jüngerinnen, doch Frauen waren freier von Ämtern und wirkten noch mehr in Sanftheit und Stille als die Männer, oft mit größeren Auswirkungen. Zur Verantwortung für die Strukturen waren aber die Männer gerufen.

Alles in allem empfinde ich die von Clinton Wahlen vorgetragene Position als der Bibel am nächsten.

Schlussüberlegungen

In einer Kultur, die sich immer weiter von der Bibel entfernt, sollten wir zeigen, dass Gott durch sein offenbartes Wort alle Lebensbereiche prägen möchte, auch wenn dies als politisch unkorrekt gilt.

Gleichzeitig sollten wir die zum Teil durchaus berechtigten Anliegen der Frauen- und Freiheitsrechtler im Kern ausleben, indem wir den Wert und die Würde der Frau so stark anheben, dass keiner den Eindruck erhält, bei uns werden Frauen unterdrückt oder klein gehalten. Wenn sich selbst die höchsten Amtsträger als Diener statt als Generäle des Leibes Jesu sehen, steht den Frauen in unserer Gemeinde letztlich ein Heer von Dienern zur Seite.

Die Würde der Frau wird aber nicht gehoben, wenn sie Männer tauft, Ehepaare traut, Tote beerdigt, Pastorin von Gemeinden, Vorsteherin von Vereinigungen, Verbänden und Divisionen wird, nur weil sie neuerdings die Ordination empfangen kann.

Wie auch immer die Entscheidung 2015 ausfallen wird, Gott wird sein Volk weiter zu führen wissen in die große Prüfung hinein und durch sie hindurch. Seine blütenreine Herrlichkeit, sein sanftmütiges Wesen wird die ganze Welt erleuchten. Und wie damals bei der ersten großen Prüfung während des Geschehens um Golgatha ist zu erwarten, dass auch in dieser letzten großen Prüfung Frauen eine entscheidende Rolle spielen werden. Sie waren die letzten am Kreuz und die ersten am Grab. Ihre Liebe und Hingabe wird sie auch diesmal als unangefochtene Heldinnen aus der Krise hervorgehen lassen.

Gott sei uns Männern gnädig, dass wir uns unserer Verantwortung stellen und vor allem die Männerherzen dieser Welt fürs Evangelium erreichen, damit mehr männliche Führungskräfte auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene zur Verfügung stehen. Gleichzeitig möge Gott unseren Führungsstil auf eine Weise heiligen, dass Frauen sich frei fühlen zum Evangeliumsdienst, emanzipiert von jeglicher männlicher Vorherrschaft, Kontrolle oder Unterdrückung. Dann wird uns die Frage der Frauenordination nicht mehr umtreiben.

 


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