Mittwoch, 03 August 2016 – 10:28 Uhr

Wie man spannend und wirksam betet: Beten mit Erfolg

Beten mit Erfolg

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Vom Plappern oder Schweigen zum echten Reden mit Gott. Von Ellen White

Viele beten, ohne zu glauben. Sie gebrauchen feste Wendungen, bleiben aber nicht wirklich dran. Diese unschlüssigen Gebete bringen dem Beter keine Erleichterung und anderen weder Trost noch Hoffnung. Man bedient sich zwar der Form des Gebets, ist aber nicht mit Leib und Seele bei der Sache; der Beter verrät dadurch, dass er gar kein Bedürfnis verspürt, keinen Hunger nach Jesu Gerechtigkeit. Diese langatmigen, kalten Gebete sind fehl am Platz und ermüdend. Sie hören sich viel zu sehr danach an, als hielte man dem HERRN eine Predigt.

Schön beten oder mit innerem Feuer?

Kurze Gebete, die direkt zum Punkt kommen; konkrete Bitten um das, was man gerade braucht; laute Gebete, wo nur Gott zuhören kann; keine Scheingebete, sondern ernstes Flehen aus tiefem Verlangen nach dem Lebensbrot – danach sehnt sich Gott. Wer mehr im Verborgenen betet, kann auch vor anderen besser beten. Dann ist es vorbei mit zögerlichen, unschlüssigen Gebeten. Wer mehr im Verborgenen betet, der ist beim Gottesdienst unter Geschwistern eine Bereicherung für die Versammlung, weil er ein Stück himmlische Atmosphäre mitbringt. Dadurch wird der Gottesdienst Realität und bleibt keine bloße Form. Die Menschen um uns herum spüren schnell, ob wir das persönliche Gebet pflegen. Wenn der Mensch nur wenig in der Kammer und bei der täglichen Arbeit betet, zeigt sich das in der Gebetsgemeinschaft. Dann sind seine Gebete leblos und formell, bestehen aus Wiederholungen und Gewohnheitsphrasen und bringen in die Versammlung mehr Dunkel als Licht.

Geistreich beten

Unser geistliches Leben speist sich aus kontinuierlicher Gemeinschaft mit Gott. Wir teilen Gott unsere Bedürfnisse mit und öffnen unser Herz für seine erfrischenden Segnungen. Von aufrichtigen Lippen strömt unser Dank, und die Erfrischung, die Jesus schenkt, zeigt sich in unseren Worten, wohltätigem Handeln und öffentlicher Hingabe. Unser Herz ist voller Liebe zu Jesus und wo Liebe herrscht, wird sie nicht zurückgehalten, sondern offen gezeigt. Das Gebet im Verborgenen hält unser geistliches Leben aufrecht. Das Herz, das Gott liebt, sehnt sich nach Gemeinschaft mit ihm und stützt sich mit ganz besonderem Vertrauen auf ihn.

Lernen wir, wie man geistreich betet, wie man seine Bitten klar und genau ausdrückt! Geben wir unsere träge, lustlose Angewohnheit auf, in die wir gerutscht sind! Beten wir aufrichtig! Denn: »Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es aufrichtig ist.« (Jakobus 5,16) Wer Glauben hat, stützt sich fest auf Gottes Verheißungen und legt Gott seine Anliegen eindringlich ans Herz. Doch stagniert das geistliche Leben, so wird die Hingabe zu einer saft- und kraftlosen Formsache.

Haben wir eine falsche Scheu?

Ich höre oft Aussagen wie diese: »Ich habe nicht die Erkenntnis, die ich mir wünsche; ich habe nicht die Gewissheit, bei Gott angenommen zu sein.« Solche Aussagen sind nichts als düsterer Kleinglaube. Meinen wir, dass uns unsere Leistungen bei Gott in ein besseres Licht rücken, dass wir erst sündlos sein müssten, bevor wir uns auf seine rettende Kraft stützen dürfen? Wenn wir mit solchen Gedanken ringen, erhalten wir leider keine Kraft und werden schließlich mutlos dastehen. Wie die eherne Schlange in der Wüste aufgerichtet worden war, so wurde auch Jesus erhöht und zieht seither alle Menschen zu sich. Wer auf die Schlange blickte, wurde geheilt. So hatte es Gott gewollt. Auch wir können in unserer Sündhaftigkeit, in unserer großen Not, »aufschauen und leben«. Wenn wir unsern hilflosen Zustand ohne Jesus erkennen, brauchen wir nicht entmutigt zu sein. Berufen wir uns stattdessen auf das, was der gekreuzigte und auferstandene Messias getan hat! Du armer sündenbeladener, entmutigter Mensch, blicke auf ihn und lebe! Jesus hat versprochen, alle zu retten, die zu ihm kommen. Dort können wir unsere Sünden bekennen und Früchte wahrer Reue hervorbringen.

Gibt es Gebetshindernisse?

Jesus ist noch heute unser Erlöser. Er bittet für uns im Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums und wird unsere Sünden vergeben. Unser gesamtes geistliches Schicksal hier auf Erden hängt davon ab, ob wir uns, ohne zu zweifeln, auf Gott verlassen oder ob wir in uns nach eigener Gerechtigkeit suchen, bevor wir zu ihm gehen. Schauen wir von uns weg auf Gottes Lamm, das die Sünden der Welt wegnimmt! Wer zweifelt, der sündigt. Auch nur der geringste im Herzen gehegte Zweifel zieht den Menschen in Schuld und führt ihn in große Dunkelheit und Entmutigung. Zweifeln heißt, Gott nicht trauen, unsicher sein, ob er erfüllt, was er versprochen hat. Viele hegen solange Zweifel, Unzufriedenheit und eine Neigung zum Falschen, bis sie den Zweifel lieben und noch darauf stolz sind, ein Skeptiker zu sein. Doch wenn die Gläubigen ihren Lohn erhalten, ja fürs ewige Leben gerettet werden, ernten die Zweifler, die Unglauben gesät haben, das was sie gesät haben: eine jämmerliche Ernte, die sich keiner wünscht.

Manche meinen, sie müssten dem HERRN erst beweisen, dass sie wiedergeboren sind, bevor sie seine Segnungen beanspruchen könnten. Aber diese lieben Menschen dürfen seine Segnungen schon jetzt beanspruchen. Sie brauchen seine Gnade, den Geist Jesu, ja um ihre Schwachheit zu überwinden, sonst können sie erst gar keinen christlichen Charakter entwickeln. Jesus möchte, dass wir zu ihm kommen, wie wir sind: sündenbeladen, hilflos, abhängig. Wir wollen doch Kinder des Lichts sein, nicht der Nacht oder der Dunkelheit! Warum sind wir dann so kleingläubig?

Beten und Gefühle

Einige erleben, wie ihre Gebete erhört werden, fühlen sich ein wenig freier und sind begeistert. Sie wachsen aber nicht im Glauben, haben weder Kraft noch Glaubensmut, sondern sind von Gefühlen abhängig. Wenn es ihnen gut geht, meinen sie, Gott sei ihnen wohlgesonnen. Wie viele täuschen sich hierin und werden überwunden! Gefühle sind nicht maßgeblich! »Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.« (Hebräer 11,1) Wir sind aufgerufen, unseren Charakter in Gottes Spiegel, seinem heiligen Gesetz, zu prüfen, unsere Fehler und Unvollkommenheiten zu entdecken und sie mit dem kostbaren Blut Jesu zu beheben.

Nächstenliebe

Jesus, der für uns starb, erweist uns seine unendliche Liebe, und auch wir sollen uns untereinander lieben. Legen wir alle Selbstsucht ab und arbeiten in Liebe und Einheit zusammen! Wir haben uns selbst geliebt und verwöhnt, haben Ausreden für unseren Eigensinn vorgebracht, sind aber unbarmherzig mit unsern Brüdern gewesen, die nicht so fehlerhaft sind wie wir. Der HERR liebt uns und hat Geduld mit uns, auch wenn wir mit anderen lieblos und unbarmherzig umgehen. Wie oft verletzen wir einander, obwohl wir uns doch lieben sollten, wie Jesus uns liebt. Es ist dringend notwendig, dass wir uns um 180 Grad drehen! Pflegen wir die kostbare Pflanze der Liebe und helfen uns gegenseitig von Herzen gerne! Wir dürfen freundlich, nachsichtig und geduldig mit den Fehlern des anderen umgehen, unsere scharfe Kritik an unseren Geschwistern für uns behalten, alles hoffen und alles glauben!

Pflegen wir den Geist der Nächstenliebe, so können wir unser Seelenheil getrost dem Schöpfer anvertrauen, nicht weil wir sündlos sind, sondern weil Jesus starb, um genau solche irrenden, fehlerhaften Geschöpfe wie uns zu retten. Damit zeigte er, wie viel ihm ein Mensch wert ist. Wir dürfen uns auf Gott verlassen, nicht wegen unserer Leistungen, sondern weil uns Jesu Gerechtigkeit zugerechnet wird. Blicken wir von uns weg auf Gottes fleckenloses Lamm, das nicht gesündigt hat! Indem wir im Glauben auf ihn blicken, werden wir in sein Bild verwandelt.

Jesus heute erleben!

Das Wort Gottes enthält große Verheißungen für uns. Der Erlösungsplan ist wunderbar. Er ist nicht wie eine Notreserve, die für uns angelegt wurde. Wir sind nicht gezwungen den Beweisen zu vertrauen, die vor einem Jahr oder Monat geschehen sind, sondern wir haben heute die Gewissheit, dass Jesus lebt und unser Fürsprecher ist. Wir können unseren Mitmenschen nichts Gutes tun, wenn es uns an geistlichem Leben fehlt. Unsere Prediger ringen nicht mehr nächtelang im Gebet wie viele gottesfürchtige Prediger früher. Sie sitzen vielmehr gebeugt über dem Schreibtisch und arbeiten Lektionen oder Artikel aus, die von Tausenden gelesen werden, tragen Fakten zusammen, die von der richtigen Lehre überzeugen sollen. All das ist wichtig, aber wie viel mehr kann Gott für uns tun, mit wie viel Licht und Überzeugungskraft kann er erst die Herzen bewegen, wenn wir im Glauben zu ihm beten! Die leeren Plätze in unseren Gebetsversammlungen beweisen, dass die Christen sich nicht klar darüber sind, wozu Gott sie berufen hat. Sie erkennen nicht, dass sie die Aufgabe haben, diese Versammlungen interessant und gewinnbringend zu gestalten. Sie lauschen einer monotonen, ermüdenden Litanei und gehen dann ohne Erfrischung und Segen nach Hause. Wir können andere nur erfrischen, wenn wir vorher aus dem Brunnen schöpfen, der nie versiegt. Wir dürfen die wahre Kraftquelle kennen lernen und Gottes Arm festhalten. Nur wenn wir mit Gott vertrauten Umgang pflegen, werden wir geistliches Leben und geistliche Kraft bekommen. Wir dürfen ihm alle unsere Bedürfnisse sagen. Unsere ernsten Bitten zeigen ihm, dass wir unsere Not erkennen und alles tun werden, was in unserer Macht steht, um gewissermaßen unsere eigenen Gebete zu »erhören«. Folgen wir dem Befehl des Paulus: »Steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.« (Epheser 5,14)

Wie betete Martin Luther?

Martin Luther war ein Mann des Gebets. Er betete und arbeitete, als müsse etwas getan werden und zwar sofort, und dann wurde es auch getan. Nachdem er gebetet hatte, wagte er etwas und berief sich dabei auf Gottes Verheißungen. So konnte er mit Gottes Hilfe die gewaltige Macht Roms erschüttern. In allen Ländern zitterten die Grundfesten der Kirche.

Gottes Geist begleitet den demütigen Arbeiter, der in Jesus bleibt und mit ihm vertrauten Umgang pflegt. Beten wir, wenn wir verzagt sind! Schweigen wir uns bei unsern Mitmenschen beharrlich aus, wenn wir niedergeschlagen sind! Lassen wir keine Dunkelheit nach draußen, sonst werfen wir Schatten auf den Weg unseres Nächsten. Sagen wir alles dem Herrn Jesus! Bitten wir um Demut, Weisheit, Mut und Wachstum im Glauben, dann werden wir Licht in seinem Licht finden und Freude in seiner Liebe. Glaube nur, und du wirst ganz bestimmt Gottes rettenden Arm erleben.

Aus: Review and Herald, 22. April 1884

Zuerst im Deutschen erschienen in Unser festes Fundament, 1-2003


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