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    Abenteuergeschichten (1/8)

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Mittwoch, 05 September 2018 – 06:47 Uhr

Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 58): Aussendung von Tawbuid-Missionaren

Aussendung von Tawbuid-Missionaren

Adobe Stock - bogdanserban

Es war überwältigend, am Ende der Straße zu stehen, in die Hügel hinaufzuschauen und für Lomar und seine Familie zu beten, bevor sie ihre lange Wanderung antraten. Von Paul Massey

Als ich aus dem klimatisierten Wagen ausstieg, haute mich die Hitze und Schwüle fast um. Ich war noch nicht mal losgelaufen, da war meine Stirn schon schweißnass. Mit dem Auto wären wir nicht mehr weitergekommen. Deshalb parkten wir den Wagen am Ende eines großen, trockenen Feldes. Ich wusste, dass die Wanderung relativ kurz sein würde, doch in so einem Klima kann schon der kleinste Spaziergang anstrengend sein. Trotzdem schnappte ich mir meine Wasserflasche und schloss mich John Holbrook an.

Die Landschaft in diesem Teil von Mindoro ist schön. Bewaldete Berge ragen aus den Küstenebenen auf. Felder in Hügellandschaften bringen reiche Reis- und Maisernte, Papaya- und Mangobäume sowie saftige Früchte, wenn ihre Zeit gekommen ist. Schaut man genauer hin, entdeckt man hier und da Akazienhaine oder auch eine einzelne Akazie, die hoch oben auf einem Hügel steht und üppigen, kühlenden Schatten spendet. Doch so schön Mindoro aussieht, kann es doch ein unwirtlicher Ort sein, wo Flüsse und Bäche während der Trockenzeit versiegen, die Sonne heiß vom Himmel brennt, die Schwüle einem gewaltig zu schaffen macht und Moskitos wie blutsaugende Dämonen um einen herumschwirren, sodass es einen überall juckt und man manchmal sogar krank wird.

In diese Welt der Schönheit und Verzweiflung wanderten wir nun hinein. Nach ein paar hundert Metern ging das flache Feld in einen bewaldeten Hang über. Der gewundene Pfad führte uns hinauf durch die Bäume, über ein trockenes Bachbett, am Rand eines kleinen Auberginenackers entlang und wieder zurück in den Wald. Wir begegneten einer Familie, die gerade den Berg herabkam, wahrscheinlich um ihre »4 Ps« abzuholen – ein Geldbetrag, den die Einheimischen von der philippinischen Regierung bekommen. Kurz darauf konnten wir auf der Hügelkuppe ein großes, blaues Gebäude erkennen. Seine Farbe hob sich stark von den braunen Bambushütten rundherum ab.

»Die Regierung hat also den ganzen Beton, die Steine und das Blech hier raufschleppen lassen, um diese Schule zu bauen?«, fragte ich John.

»Genau. Sie haben die Einheimischen für jeden Stein und jeden Zementsack bezahlt, den sie hier hochgetragen haben.«

Eine urige Treppe aus kleinen Tritten führte zu der Schule, aber wir blieben auf dem Lehmpfad, um dem Unkraut aus dem Weg zu gehen, dass zwischen den Steinen und ungleichmäßigen Stufen wuchs, auf denen man sich höchsten den Fuß verstauchen oder die Zehen anstoßen konnte.

»Da drüben ist Sammys Haus«, sagte John und deutete nach links.

In wenigen Minuten standen wir vor Sammys Haus, das sich scheinbar noch im Bau befand. Er war gerade dabei, eine neue Küche anzubauen. Man stelle sich einen Pfahlbau mit Grasdach vor und überdachtem Balkon an einer Seite. Am anderen Ende des Balkons war das Dach etwas höher, darunter ein großer Kasten mit Erdboden.

»Wofür ist dieser Kasten?«, fragte ich und wartete auf Johns Übersetzung.

»Dort werde ich Feuer machen und Essen kochen«, erwiderte Sammy.

Ich schaute den Rest des Hauses an und zu Sammys Nachbarn hinüber. Einige kleine Kinder, die nur schmutzige, zerlumpte T-Shirts anhatten, saßen auf dem offenen Balkon. Hühner, Hunde und Schweine streunten frei unter den Häusern herum und suchten nach Käfern, Obstschalen und Reiskörnern, die zwischen den Bambuslatten hindurchgefallen waren. Das war Sammys Welt – eine Welt armer Eingeborener, die in Angst vor Geistern lebten und von Regierungsgeldern abhängig waren. Hier gab es wenig Hoffnung auf Besserung.

Warum hatte sich Sammy diesen Platz als Wohnort ausgesucht? Sammy ist vor ein paar Jahren in dieses Dorf gezogen, weil er dem Volk der Tawbuid – seinem Volk – Hoffnung und Sinn in Jesus Christus bringen möchte. Er könnte in einem größeren Dorf wohnen. Er könnte in eine Gemeinde mit anderen Familien gehen. Er könnte vieles unternehmen, aber er hat sich fürs Missionarsein entschieden.

Als wir zusammensaßen und uns unterhielten, wurde klar, dass die letzten Jahre für Sammy nicht einfach waren. Die Tawbuid sind Außenstehenden gegenüber sehr misstrauisch, und es dauerte lange, bis Sammy überhaupt in ihr Dorf ziehen durfte. Außerdem hatte Sammy mit seinen Teamkollegen einige Auseinandersetzungen. Als wäre das noch nicht genug, ist die einzige Quelle weiter oben am Berg. Trotz all dieser Herausforderungen und der Einsamkeit plauderte Sammy vergnügt mit uns. Die Gruppe ist klein, aber sie hoffen auf Wachstum. Sie haben nicht viel, aber verhungern auch nicht. Bitte betet für Sammy und seine Familie!

Ich war begeistert, als ich erfuhr, dass Sammy nur einer von einigen einheimischen Missionaren unter den Tawbuid ist. Aufgrund von Aberglauben, Furcht und allgemeinem Misstrauen gegenüber Außenstehenden lassen die Hochland-Tawbuid John nicht in ihre Dörfer. Tiefland-Tawbuid gegenüber sind sie aber offener. Sie dürfen bei ihnen wohnen. Deshalb hat John begonnen, eine kleine Gruppe von Gläubigen für die Mission auszubilden. Er ermutigt sie, für ihr Volk Verantwortung zu übernehmen. Das Ergebnis: Einige Tieflandfamilien sind in abgelegene Dörfer umgezogen und hoffen, dass sie eines Tages von dort aus in Hochland-Dörfer weiterziehen dürfen.

Während meines Besuchs durfte ich an der Aussendung einer dieser Familien teilnehmen. Lomar, der Älteste der Ortsgemeinde, fühlt sich schon seit einiger Zeit von Gott in ein bestimmtes Dorf gerufen. Vor Jahrzehnten war sein Vater aus dem Hochland gekommen und hatte sein Leben Jesus gegeben. Jetzt zieht sein Sohn als Missionar ins Hochland. Ist es nicht erstaunlich, wie Gott wirkt! Es war überwältigend, am Ende der Straße zu stehen, in die Hügel hinaufzuschauen und für Lomar und seine Familie zu beten, bevor sie ihre lange Wanderung antraten.

Ich kann mir ausmalen, wie ihr Leben aussehen und wie anstrengend ihre Arbeit sein wird. Beten wir darum, dass trotz der Schwierigkeiten, Lomar mit seiner Familie ebenso lächelnd unter unerreichten Tawbuid-Dorfbewohnern auf seiner Veranda sitzen wird mit Gottes Lob auf seinen Lippen.

Aus: Adventist Frontiers, Print edition July 2018

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.

JOHN HOLBROOK wuchs im Missionsfeld auf. Er half seiner Familie eine Gemeindegründungsbewegung unter dem Alanganvolk in den Bergen der philippinischen Insel Mindoro zu initiieren. Seit 2011 setzt John seine Fähigkeiten und seine Erfahrung ein, um das Evangelium den abgeschotteten Tawbuid-Animisten zu bringen, einem Stamm, der in der Nachbarschaft der Alangan lebt.

www.afmonline.org


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