• Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 70): Meilenstein erreicht

    Meilenstein erreicht

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    … Ziel übertroffen … die Bewegung fängt jetzt erst an. Von John Holbrook

Mittwoch, 12 August 2020 – 08:35 Uhr

Aus dem Leben eines modernen Missionars (Tawbuid-Projekt auf Mindoro – Teil 69): Geheimnisvolle Wege

Geheimnisvolle Wege

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Nur Geduld überwindet die Angst. Von John Holbrook

Die Sonne brannte auf Emmanuel nieder, als er den letzten Hang zum Dorf hinaufstieg. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, seit er in der schwülen Dunkelheit der Morgendämmerung aufgebrochen war. Seine Kleider, die am Morgen noch taunass gewesen waren, tropften inzwischen fast vor Schweiß. Es war Nachmittag, und er wanderte immer noch.

Knapp unterhalb des Dorfes spendete ein uralter Baum ein wenig Schatten, und Emmanuel blieb stehen, um den Schweiß trocknen zu lassen. Er wusste aus Erfahrung, dass ihn die misstrauischen Hochlandbewohner, sobald er das Dorf betreten würde, mit Fragen nur so bombardieren würden. Er brauchte etwas Ruhe, bevor er sich ihrer Neugier stellte.

Trotz des ohrenbetäubenden Lärms der Zikaden hörte Emmanuel kleine Füße herantrippeln. Als er den Pfad hinaufblickte, sah er ein nacktes Kind auf sich zueilen. Er erwartete, dass das Kind vor Schreck wegrennen würde, sobald es ihn erblickte. Doch stattdessen rannte das Kind direkt auf Emmanuel zu. »Großer Bruder! Bitte komm schnell! Im Dorf ist ein kranker Säugling. Die Eltern haben gehört, dass du kommst, und möchten, dass du ihm hilfst. Bitte komm schnell!«

»Ich bin zwar kein Arzt«, antwortete Emmanuel. »Aber ich werde tun, was ich kann. Bitte führe mich zu dem Kind.«

Bei seine Ankunft sah Emmanuel den Großteil des Dorfes in der winzigen, auf Stelzen gebauten Bambushütte zusammengepfercht. Als Emmanuel die Leiter hinaufsteigen wollte, kündigte ein splitterndes Geräusch den Einsturz des Bodens an, der nicht für so viel Gewicht ausgelegt war. Mit Lendenschurz bekleidete und mit Macheten bewaffnete Männer sprangen auf allen Hausseiten durchs Grasdach, das fast bis zum Boden reichte. Nachdem die Last ausreichend reduziert worden war, kletterte Emmanuel in die Hütte, um nach seinem Patienten zu schauen.

»Dort drüben in der Ecke«, zeigte ein Mann.

Emmanuel bahnte sich seinen Weg durch die Leiber in der angegebenen Richtung. Als er endlich ankam, blickte er betroffen auf das kleine Bündel, das in eine Rattan-Schlafmatte gewickelt war. »Freunde! Sie baten mich zu kommen und Ihrem kranken Baby zu helfen. Aber dieses Baby ist tot! Sie haben es doch schon zum Begräbnis in eine Matte gewickelt. Was soll ich noch tun, um ihm zu helfen? Ich kann nur zu Gott beten und ihn bitten, die trauernden Eltern zu trösten und zu ermutigen.

»Nein!«, rief die Mutter. »Wir kennen Gott. Im Altertum, vor der ersten Sünde konnten auch wir auf die Balugo-Ranke klettern und mit Gott sprechen. Wir wissen, dass es unsere eigene Sünde war, die die Balugo-Ranke zerschnitt, uns von ihm trennte und uns der Knechtschaft der Geister überließ. Aber wir wissen auch, dass ihr Missionare mit Gott reden könnt und dass er euch hört. Bitte bete zu ihm, dass er mein Kind wieder zum Leben erweckt!

»Darum beten, dass Ihr Kind wieder zum Leben erwacht?«, Emmanuel war schockiert, »ich habe zwar noch nie von einem Missionar gehört, der so etwas getan hat. Aber Jesus hat durchaus Menschen wieder auferweckt. Durch seine Kraft taten das auch einige Propheten und Apostel. Vielleicht wäre es also in Ordnung, dies von Gott zu erbitten, wenn es sein Wille ist.«

»Gut«, rief Emmanuel und versuchte den Lärm der Worte zu übertönen, der das winzige Haus erfüllte. »Ich werde zu Gott beten, dass er diesem Kind wieder Leben einhaucht. Alle müssen sehr still und respektvoll sein, wenn ich zu dem großen, allmächtigen Gott spreche, den Ihre Vorfahren einst kannten.«

In der Hütte wurde es fast totenstill, was bei den Hochlandbewohnern von Mindoro eigentlich niemals vorkommt. Das einzige Geräusch war das Gackern der Hühner unter dem Haus und das Wimmern eines Kindes, das nicht verstand, was vor sich ging.

Emmanuel kniete nieder, legte seine Hände auf das kleine Bündel und begann zu beten. »Gott im Himmel, du bist so mächtig, dass du alles tun kannst, wenn du willst. Ich weiß, dass du die Menschen in diesem Dorf liebst und dass du die Beziehung, die sie vor so langer Zeit durch die erste Sünde zerbrochen haben, wiederherstellen willst. Aber sie haben Angst, dass die Geister sie bestrafen, wenn sie neue Lehren annehmen. Bitte, Gott, zeig du ihnen, dass du sie vor den Geistern schützen kannst und die zerbrochene Beziehung wiederherstellen willst. Bitte zeig es ihnen, indem Du dieses Kind wieder zum Leben erweckst. Weil ich nicht immer weiß, was das Beste ist, bitte ich dich, es nur dann zu tun, wenn du es langfristig für das Beste hältst. Im Namen deines Sohnes Jesus, Amen.«

Emmanuel öffnete erwartungsvoll die Augen. Er betastete das Bündel unter seinen Händen, hoffend, dass es sich bewegen würde.

Nichts.

Er setzte sich wieder. Boden tu dich auf! Jetzt würde er versuchen müssen, den Menschen zu erklären, warum Gott nicht geantwortet hatte. Warum war sein Gebet nicht erhört worden? Jetzt wird das Dorf wahrscheinlich nie mehr einen Missionar hereinlassen!

Zwei peinliche und beschämende Stunden vergingen. Emmanuel wollte gerade vom Ort des Geschehens fliehen, als das kleine Bündel in der Ecke ohne Vorwarnung einen langen, klagenden Schrei ausstieß und anfing, um sich zu schlagen.

»Mein Baby! Mein Baby«, schrie die Mutter, stürzte sich auf das Bündel und riss die Rindenschnüre ab, mit denen es festgebunden war. Als sie endlich die Matte aufbekam, fand sie ihr Baby lebendig und bei bester Gesundheit vor!

»Lasst uns Gott danken!«, rief Emmanuel und sprang auf. »Wir verstehen nicht immer, warum er die Dinge so tut, wie er sie tut. Aber wir können darauf vertrauen, dass er immer aus allem, was passiert, das Beste macht.«

Eine Woche später stieg Emmanuel wieder den letzten Hang zum Dorf hinauf, wo Gott sich als mächtig erwiesen hatte. Das Dorf hatte Emmanuel mit überwältigender Mehrheit aufgenommen und ihn eingeladen, als Missionar unter ihnen zu leben. Die wenigen misstrauischen Ältesten waren überstimmt worden, und Emmanuel war gegangen, um seine wenigen Habseligkeiten zu holen und sich auf einen langen Aufenthalt im Dorf vorzubereiten.

Erneut hielt Emmanuel unter dem alten Baum an, um seinen tropfenden Schweiß zu trocknen. Zu seiner Überraschung hörte er erneut Fußtrippeln.

»Bruder!«, weinte das kleine Mädchen. »Du bist zurückgekommen! Ach, es ist so traurig. Nachdem du gegangen warst, kam der alte Schamane. Er sagte der Mutter, dass die Seele des Kindes unvollständig sei, da es zu früh geboren wurde. Er sagte ihr, es gäbe keine Hoffnung, es sei grausam, das Baby zu quälen und sein Leben zu verlängern. Er flüsterte, die Paroy-Geister seien sehr, sehr wütend. Sie würden die Erde unter ihrem Haus mit einem gewaltigen Donnerschlag aufreißen, eine Wasserfontäne hochschicken und alle in der Familie töten.

Ach großer Bruder! Mutter und Vater waren so verängstigt. Sie wussten nicht, was sie tun sollten. Gott hatte ihr Baby wieder auferweckt. Aber die Geister waren wütend, und sie fürchteten, sie würden sie alle töten. Sie hatten schon erlebt, wie die Geister solche Dinge taten. Sie wussten nicht, ob Gott sie vor den Paroy-Geistern beschützen konnte. Also ließen sie ihr Baby auf dem kalten Bambusboden zurück. Es weinte und weinte. Die Mutter weinte und weinte. Der Vater wischte sich die Tränen aus den Augen. Die Geister, ach die Geister sind so grausam. Das arme Baby ist wieder gestorben.«

Daraufhin brach das kleine Mädchen selbst in Tränen aus. Emmanuel hob sie auf und trug sie zutiefst erschüttert ins Dorf zurück. Wie kann ich diesen Menschen helfen? Wann werden sie glauben, dass Gott mächtiger ist als die Dämonen, die sich als Geister ausgeben? Ach, Gott! Hilf mir diesen Menschen ein Missionar zu sein! Benutze mich, um denen, die Sklaven der Angst sind, deinen Frieden und dein Leben zu bringen!

Nachwort:

Heute gibt es eine gesunde, glückliche Gemeinde in dem kleinen Dorf, in das Emmanuel als erster Missionar kam. Der Vater und die Mutter des Kindes haben gelernt, Gott zu lieben und ihm zu vertrauen. Sie haben keine Angst mehr vor den Geistern oder dem Schamanen, und sie werden sich nie wieder von Satan schikanieren lassen. Die meisten der Dorfbewohner sind getaufte Gläubige, und die Gemeinde arbeitet daran, die Gute Nachricht in andere Dörfer in der Nähe zu bringen. Emmanuels Arbeit in diesem Dorf ist beendet. Er ist in eine andere Gegend weitergezogen, wo er sich zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter immer noch dafür einsetzt, die Gefangenen Satans zum Glauben an Jesus zu führen.

Aus: Adventist Frontiers, 1. Juli 2020

Adventist Frontiers ist eine Publikation von Adventist Frontier Missions (AFM).
AFM hat es sich zum Ziel gesetzt, einheimische Bewegungen ins Leben zu rufen, die Adventgemeinden in unerreichten Volksgruppen gründen.

JOHN HOLBROOK wuchs im Missionsfeld auf. Er half seiner Familie eine Gemeindegründungsbewegung unter dem Alanganvolk in den Bergen der philippinischen Insel Mindoro zu initiieren. Seit 2011 setzt John seine Fähigkeiten und seine Erfahrung ein, um das Evangelium den abgeschotteten Tawbuid-Animisten zu bringen, einem Stamm, der in der Nachbarschaft der Alangan lebt.

www.afmonline.org


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