Freitag, 11 Dezember 2015 – 08:13 Uhr

Die Verzögerung der Wiederkunft: Kommt Jesus wirklich bald?

Kommt Jesus wirklich bald?

Bild: Gajus - Adobe Stock

Können wir Jesu Wiederkunft beschleunigen? Warum ist er noch nicht gekommen? Und was hat das mit dem Jahr 1888 zu tun? Von Dennis Priebe

Haben Siebenten-Tags-Adventisten diese Frage nicht auch schon 1950 gestellt, 1910, 1890 – und die Milleriten 1844? Dennoch sind wir über ein halbes Jahrhundert später immer noch auf dieser Erde und stellen uns dieselbe Frage. Ist irgendetwas schief gelaufen? Werden sich unsere Kinder und Enkel in 50 Jahren als adventistische Folgegeneration immer noch dieselbe Frage stellen? Wie lässt sich das verhindern? Was garantiert uns, dass Jesus wirklich bald kommt?

So erschreckend es klingt: Nichts! Vielleicht kommt Jesus gar nicht so bald. Ich kann nicht hundertprozentig dafür garantieren, dass Jesus in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren kommt.

Offenbarung 7,1-3 beschreibt die Zeit, in der wir leben: »Danach sah ich vier Engel stehen an den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde fest, damit kein Wind über die Erde blase noch über das Meer noch über irgendeinen Baum. Und ich sah einen andern Engel aufsteigen vom Aufgang der Sonne her, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief mit großer Stimme zu den vier Engeln, denen Macht gegeben war, der Erde und dem Meer Schaden zu tun: Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden, bis wir versiegeln die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.«

Die vier Engel halten die Winde der Zerstörung nun schon sehr lange. Sie wurden extra dazu beauftragt, die Winde zu halten, bis Gott sein Versiegelungswerk abgeschlossen hat. Aus diesen Versen erfahren wir zwei Dinge: Erstens, die Versiegelung ist noch nicht abgeschlossen. Zweitens, wir werden das Ende des Leides dieser Welt erst erleben, wenn die Versiegelung abgeschlossen ist, sollte dieser Zeitpunkt auch noch Jahrzehnte in der Zukunft liegen. Verstehen wir nun, warum wir keine Garantie dafür haben, dass Jesus bald wieder kommt?

Höhepunkte in der Geschichte: Chance für die Wiederkunft

Zwar habe ich gesagt, wir hätten keine Garantie dafür, dass Jesus bald kommt, möchte aber schnell hinzufügen, dass ich glaube, dass Jesus durchaus sehr, sehr bald kommen kann. Offensichtlich lenkt Gott die Ereignisse in der Welt und in der Gemeinde zu gewissen Zeiten in der Geschichte auf einen Höhepunkt zu. Dann wartet er und schaut, ob sein Volk bereit ist, mit ihm voranzuschreiten.

Im Jahr 1844 wirkte er gewaltig durch Miller und die Adventbewegung. Hätte sein Volk nach der großen Enttäuschung Glauben und Einheit bewahrt, hätte die Versiegelung ziemlich schnell abgeschlossen werden können. Doch die große Adventbewegung zerfiel nach der Enttäuschung; Gott konnte die Versiegelung nicht abschließen.

Gottes Werk verlief daraufhin vierzig Jahre lang relativ ruhig, bis er die Ereignisse in der Welt und der Gemeinde auf einen zweiten Höhepunkt hinführte, und zwar im Jahr 1888. Erneut wartete Gott voller Hoffnung, um zu sehen, ob sein Volk die Gunst der Stunde begreifen und sich ernsthaft auf die Reise zum Neuen Jerusalem vorbereiten würde. Doch wieder wurde Gottes Sehnsucht enttäuscht, diesmal durch die Selbst-, Macht- und Kritiksucht adventistischer Männer und Frauen.

Somit traten wir in eine weitere »ruhige« Phase von bereits über 90 Jahren ein. Meiner Meinung nach, sind wir tatsächlich gerade wieder einmal dabei, auf einen dieser seltenen Höhepunkte in der Geschichte zuzutreiben, an denen Gott die Ereignisse in einen Countdown hineinführt, um das Finale dieser Weltgeschichte einzuleiten. Er hofft, dass sein Volk diesmal erkennt, dass die Ewigkeit in greifbare Nähe gerückt ist. Er hofft, dass sein Volk sich mit ihm verbündet, um der Sündenproblematik ein für allemal ein Ende zu setzen. Wird es diesmal mitziehen? Werden wir diesmal mitziehen? Wollen wir von Herzen Ernst machen mit dem Namen, den Gott uns ausgesucht hat: Siebenten-Tags-Adventisten? Dann könnte die Geschichtsära der Sünde schon bald zu Ende sein. Schlafen wir dagegen weiter und beglückwünschen uns selbst zu unseren schönen Kapellen, teuren Orgeln und rasch steigenden Taufzahlen auf anderen Kontinenten, dann wird diese Chance genauso verstreichen wie die vorigen – die müde, alte Erde wird weiter um ihr Überleben ringen, während du und ich enttäuscht ins Grab sinken werden.

Wenn die Gleichung nicht aufgeht ...

Damals zur Zeit Jesu hatte das Volk Israel ein paar kostbar gehütete Lieblingstexte, die man gerne zitierte, wenn die Zukunft nicht sehr rosig aussah. Dazu gehörte Jeremia 31,35-37: »So spricht der HERR, der die Sonne dem Tage zum Licht gibt und den Mond und die Sterne der Nacht zum Licht bestellt; der das Meer bewegt, dass seine Wellen brausen – HERR Zebaoth ist sein Name –: Wenn jemals diese Ordnungen vor mir ins Wanken kämen, spricht der HERR, so müsste auch das Geschlecht Israels aufhören, ein Volk zu sein vor mir ewiglich. So spricht der HERR: Wenn man den Himmel oben messen könnte und den Grund der Erde unten erforschen, dann würde ich auch verwerfen das ganze Geschlecht Israels für all das, was sie getan haben, spricht der HERR.« Über Jerusalem sagt der HERR in Vers 40: »Die Stadt wird niemals mehr eingerissen und abgebrochen werden.« Gott sagte dem Volk Israel, es solle sein auserwähltes Volk bleiben, solange Sonne, Mond und Sterne am Himmel stehen würden. Er versprach, dass er Israel genauso wenig verstoßen werde, wie jemand in der Lage sei, das Ausmaß der Himmel und die Tiefe der Erde zu messen.

Ellen White kommentiert: »Diese Worte bezogen die Juden auf sich. Da Gott ihnen so viel Gunst und Barmherzigkeit erwiesen hatte, schmeichelten sie sich, dass er sie trotz ihrer Sünden und Übertretungen als Volk weiter bevorzugen und mit besonderen Segnungen überschütten würde. Das war die Gefahr, in der Gottes Volk in allen Zeitaltern stand; vor allem aber ist es die Gefahr derer, die kurz vor dem Ende der Zeit leben … Wenn sie ihre Augen verschließen, wie es die Juden damals zu ihrem eigenen Verderben taten, und ihre eigenen Wege gehen, dann wird der HERR sie der geistlichen Blindheit und Herzenshärte preisgeben, sodass sie die Dinge nicht erkennen können, die Gottes Geist bewegt.« (Redemption 1, 38-39)

Klingt die gerade gelesene Verheißung aber nicht, als würde sie bedingungslos gelten? Glaubten die Juden nicht zu Recht, dass Israel für immer Gottes auserwähltes Volk bleibt? Glauben nicht auch wir zu Recht, dass unsere Gemeinde bis zum Ende bestehen bleibt, weil wir lesen, sie werde nicht fallen, selbst wenn es so aussehen sollte? Oder haben sowohl die Israeliten als auch wir Adventisten einen weiteren entscheidenden Grundsatz vergessen, der uns im selben Buch der Bibel erläutert wird:

Der Grundsatz bedingter Verheißungen

»Bald rede ich über ein Volk und Königreich, dass ich es bauen und pflanzen will; wenn es aber tut, was mir missfällt, dass es meiner Stimme nicht gehorcht, so reut mich auch das Gute, das ich ihm verheißen hatte zu tun.« (Jeremia 18,9-10)

Jede Verheißung, die Gott Einzelnen oder einem ganzen Volk gibt und die unsere Beziehung zu ihm betrifft, ist immer bedingt, also abhängig davon, inwieweit wir seinem offenbarten Willen folgen. Mose erklärt das ausführlich in 5. Mose 28: »Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen. Und weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist, werden über dich kommen und dir zuteilwerden alle diese Segnungen.« (Verse 1-2) »Der HERR wird dich zum heiligen Volk für sich erheben, wie er dir geschworen hat, weil du die Gebote des HERRN, deines Gottes, hältst und in seinen Wegen wandelst.« (Vers 9) »Und der HERR wird dich zum Kopf machen und nicht zum Schwanz, und du wirst immer aufwärts steigen und nicht heruntersinken, weil du gehorsam bist den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete zu halten und zu tun.« (Vers 13)

»Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen.« (Vers 15) »Der HERR wird unter dich senden Unfrieden, Unruhe und Unglück in allem, was du unternimmst, bis du vertilgt bist und bald untergegangen bist um deines bösen Treibens willen, weil du mich verlassen hast.« (Vers 20) »Alle diese Flüche werden über dich kommen und dich verfolgen und treffen, bis du vertilgt bist, weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, nicht gehorcht und seine Gebote und Rechte nicht gehalten hast, die er dir geboten hat.« (Vers 45)

Mose warnte Israel deutlich, dass es möglicherweise auch völliger Vernichtung preisgegeben werde, sollte es die Gebote Gottes längere Zeit beharrlich übertreten. Ellen White sagt kurz und treffend: »Vergessen wir nicht, dass Gottes Verheißungen und Drohungen gleichermaßen an Bedingungen geknüpft sind.« (Evangelism, 695; Christus kommt bald, 29) Haben wir schon festgestellt, wie leicht dieser Grundsatz bei uns genauso in Vergessenheit geraten kann, wie bei den Juden zur Zeit Jesu?

Achtung! Wir können das Ziel verfehlen!

Leider selten gelesene aber inspirierte Aussagen warnen uns deutlich: »Ich bin voller Traurigkeit, wenn ich an den Zustand unseres Volkes denke … wir haben uns durch unser kontinuierliches Abgleiten von Gott getrennt … Dennoch wird allgemein angenommen, dass die Gemeinde sich wunderbar entwickle und sowohl Friede als auch geistlicher Wohlstand überall in ihr herrsche. Die Gemeinde folgt nicht mehr ihrem Führer, Jesus, sondern zieht sich langsam aber sicher nach Ägypten zurück.« (Testimonies 5, 217) »Misswirtschaft und Fehleinschätzung haben den ganzen Leib krank gemacht.« (Testimonies to Ministers, 397; vgl. Zeugnisse für Prediger, 342) »Eine Macht hat das Seil durchgehauen … so dass wir aufs Meer hinaustreiben ohne Karte oder Kompass.« (Review and Herald, 24. Juli 1888) »Ihr beschreitet denselben Pfad wie das alte Israel. Aus Nachlässigkeit folgt ihr nicht dem Licht. Dadurch werdet ihr in eine Position geraten, die ungünstiger ist als die der Juden, über die Jesus ein Wehe ausrief.« (Testimonies 5, 75-76)

»Sofern die Gemeinde, die momentan von ihrer eigenen Rückfälligkeit durchsäuert ist, nicht Buße tut und sich bekehrt, wird sie die Frucht ihres eigenen Handelns essen, bis sie sich selbst verabscheut.« (Testimonies 8, 250, Last Day Events, 60; vgl. Zeugnisse 8, 246, Christus kommt bald, 45) »Meine Brüder, es schmerzt mich, euch sagen zu müssen, dass ihr euch mit Finsternis umhüllt habt, indem ihr aus sündiger Nachlässigkeit nicht im Licht gewandelt seid. Möglicherweise überseht und missachtet ihr das Licht jetzt aus ehrlichem Herzen; der Zweifel jedoch, den ihr hegtet, hat zusammen mit eurer Nachlässigkeit gegenüber Gottes Forderungen eure Wahrnehmung dermaßen getrübt, dass euch jetzt Finsternis als Licht erscheint und Licht als Finsternis.« (Testimonies 5, 71; vgl. Für die Gemeinde geschrieben 1, 28)

»Welch wunderbare Vorrechte werden unserm Volk doch gewährt! Doch schon damals schonte Gott sein von ihm geliebtes Volk nicht, wenn es sich weigerte, im Licht zu wandeln. Wie kann er dann das Volk schonen, das er mit Licht vom Himmel so reichlich gesegnet hat, dass er ihm die erhabensten Wahrheiten offenbarte, die je sterblichen Menschen in dieser Welt gegeben wurden? … Innerer Verfall wird die Verurteilung Gottes genauso über sein Volk bringen wie damals über Jerusalem … Meine Brüder, wir wissen nicht, was uns bevorsteht … Gott wird mit uns und für uns wirken, wenn unsere Sünden nicht zu solchen Verbrechen werden, die seinen Zorn über die alte Welt brachten, über Sodom und Gomorra und über das Jerusalem des Altertums.« (8. Dezember 1886, Manuscript Releases 12, 319, 321; vgl. Für die Gemeinde geschrieben 2, 389)

»Was würde der Retter tun, wenn er heute zu uns käme wie damals zu den Juden? Das Werk, das er zu tun hätte, wäre ähnlich.« (Review and Herald, 4. Juni 1889) »Jerusalem ist eine Darstellung von dem, was die Gemeinde sein wird, wenn sie das Licht, das Gott geschenkt hat, nicht empfangen und darin wandeln will … Das sind keine leeren Worte; es ist die Wahrheit.« (Testimonies 8, 67-68; Zeugnisse 8, 76) »Wenn wir sein (Israels) Beispiel der Übertretung nachahmen und von Gott ablassen, werden wir ebenso gewiss fallen.« (Testimonies 1, 608-609) »Eine Gemeinde, die stolz und überheblich wird, sich nicht auf Gott verlässt und seine Macht nicht verherrlicht, wird der HERR ganz sicher verlassen, damit sie wieder auf den Boden zurückgeholt wird. Ein Volk, das sich seines Reichtums rühmt, seiner Klugheit und Erkenntnis oder sonst einer Gabe außer Jesus, wird bald in Verwirrung gestürzt werden.« (Testimonies 8, 127; Zeugnisse 8, 133)

Das sind äußerst ernüchternde Aussagen. Sie sollten uns bewusst machen, dass der Grundsatz der bedingten Prophetie uns heute noch genauso gilt wie damals dem Volk Israel. Auch wir werden darauf geprüft, wie wir mit Gottes Geboten umgehen. Werden wir sie befolgen und alle Bundessegnungen empfangen? Oder werden wir sie nicht befolgen und uns somit dorthin befördern, wo Gott uns nicht mehr erreichen kann? Das Schiff, das schließlich am Ziel ankommt, bist du und ich, nicht irgendein Gebilde außerhalb von uns, das uns hindurchträgt, wenn wir uns nur fest genug daran klammern. Das Schiff des Adventismus wird nur am Ziel ankommen, wenn du und ich unsere gesamten Energien darauf richten, Gottes Willen für diese Krisenzeit zu erfahren und auszuleben. In anderen Worten: Unsere Entscheidungen bestimmen, was mit dieser Gemeinde geschieht.

Vielleicht ist an dieser Stelle eine Mahnung zur Vorsicht angebracht. Ich sage nicht, dass wir Gottes Willen am besten tun können, wenn wir uns von der organisierten Gemeinde trennen. Wenn alle treuen Gotteskinder sich von der Gemeinde trennten, bedeutete das sicherlich den Untergang der Gemeinde und wir würden wirklich die wunderbare Chance verpassen, die Wiederkunft zu beschleunigen (2. Petrus 3,12). Vielleicht bliebe uns dann sogar nur die unangenehme Aussicht darauf, enttäuscht ins Grab sinken zu müssen. Ich will vielmehr sagen, dass wir nicht selbstgefällig glauben dürfen, dass die Gemeinde automatisch das Ziel erreicht und auch wir es schaffen, wenn wir uns nur gut an ihr festklammern. Denn das reicht nicht aus. Unsere einzige Hoffnung liegt in Studium und Gebet, wie es keiner von uns bis jetzt am eigenen Leibe erfahren hat.

Die Botschaft von 1888 – das Heilmittel

Wie können wir sicher gehen, dass wir nicht den Fehler der Juden damals wiederholen und unsere Stellung als Gottes Überrest verlieren? Wie können wir selbst am Ziel ankommen und es Jesus ermöglichen, dem Leid dieses Planeten in naher Zukunft ein Ende zu setzen? Sind wir nicht dann besonders blind, wenn wir die Vergangenheit ignorieren und meinen, alte Schwächen könnten uns nicht übereilen? Wir haben in der Adventgeschichte ein dramatisches Beispiel für die Offenbarung von Gottes Willen und die Fähigkeit des Menschen seinen Willen zu durchkreuzen. Wenn wir noch einen Hauch von einer Chance haben, Gottes letzter Überrest heute zu sein, dann müssen wir so gut wie nur menschlich möglich verstehen, was zwischen 1888 und 1900 geschah; denn das war unsere jüngste Chance nach Hause zu gehen. Es gilt zu verstehen, warum es bisher nicht geschehen ist.

Ich möchte allen Lesern ans Herz legen, diesem Thema eine besondere Stellung auf ihrer Studien- und Gebetsliste einzuräumen. »Der HERR hat seinem Volk in seiner großen Barmherzigkeit eine äußerst kostbare Botschaft geschickt durch die Prediger [Ellet] Waggoner and [Alonzo] Jones.« (Testimonies to Ministers, 91, Last Day Events, 200; vgl. Zeugnisse für Prediger, 75, Christus kommt bald, 143) »Diese Botschaft wird die Erde mit ihrer Herrlichkeit erleuchten, wenn sie in ihrem wahren Wesen verstanden und im Geist verkündet wird.« (Manuscript Releases 2, 58)

Das ist die Sprache, in welcher der Laute Ruf der dritten Engelsbotschaft gegeben wird. Wir können daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass Gott schon damals sein Volk dafür vorbereiten wollte, der Welt durch die Botschaft von 1888 die letzte Warnung zu geben. Doch was geschah?

Die Ablehnung der 1888-Botschaft

»Indem Satan jenen Widerstand auslösen konnte, gelang es ihm zum großen Teil die besondere Kraft des Heiligen Geistes, die Gott unserem Volk so gerne geben wollte, von ihm fernzuhalten … Das Licht, das die ganze Welt mit seiner Herrlichkeit erfüllen sollte, wurde abgewehrt und durch das Vorgehen der Geschwister in großem Maße der Welt vorenthalten.« (Selected Messages 1, 234-235; Für die Gemeinde geschrieben 1, 247) In andern Worten: Indem Menschen um Worte stritten, sich von Eifersucht leiten ließen und offenen Widerstand zeigten, bewirkten sie eine Verschiebung von Jesu Wiederkunft um über hundert Jahre.

»Gott hat den Brüdern [Alonzo] Jones und [Ellet] Waggoner eine Botschaft für das Volk gegeben … Wenn ihr die Botschaft dieser Männer ablehnt, lehnt ihr Jesus ab, der diese Botschaft gesandt hat.« (Im Jahr 1895, The Ellen G. White 1888 Materials, 1353) Während der Vorträge in Minneapolis im Jahr 1888 saß Ellen White in der ersten Reihe und man hörte sie immer wieder sagen: »Amen! Hier ist viel Licht.« …

… bis heute

In den letzten Jahren hat man sehr stark versucht zu beweisen, dass zwar einige der leitenden Brüder die Botschaft damals abgelehnt, die meisten sie aber angenommen hätten. Ja selbst die Gegner hätten später bereut und sich wieder eingereiht, so dass unsere Gemeinde, so sagt man, die 1888-Botschaft von der Gerechtigkeit aus Glauben angenommen habe und diese auch seitdem lehre. Diese Ansicht enthält aber große Fehler. Erstens wären wir schon lange im Himmel, wenn wir die Botschaft angenommen hätten. Zweitens zeigt der historische Befund, dass die Botschaft nach 1888 weiterhin abgelehnt wurde. Ja ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Ich glaube nicht, dass wir die 1888-Botschaft als Gemeinde seither überhaupt verstanden, gelehrt oder gelebt haben. Entweder sind wir in die Falle der Gesetzlichkeit geraten oder in die des Evangeliums von der Ungerechtigkeit durch Anmaßung, also der »Guten Nachricht« vom Sündigen aus dreister Furchtlosigkeit.

Arthur Daniells, ein ehemaliger Generalkonferenzpräsident, schrieb: »Man hat die Botschaft bisher weder empfangen noch verkündet noch hat man ihr freie Bahn gewährt, wie es hätte sein sollen, damit die Gemeinde die gewaltigen Segnungen erfahren könnte, die in dieser Botschaft verpackt waren.« (Christ Our Righteousness, 47).

Ellen White sprach 1898 immer noch von sturer Missachtung, Isolierung und Ablehnung des Lichts. Im Jahre 1902 schrieb sie in einem Brief: »Ich wurde darüber unterrichtet, dass das schreckliche Erlebnis auf der Konferenz in Minneapolis eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte derer sei, die an die gegenwärtige Wahrheit glauben.« (Manuscript Releases 1, 142) William White, ihr Sohn, schrieb: »Doch das schlimmste an der Entfremdung war, dass diese sich allmählich in einen Geist der Ablehnung gegenüber den Zeugnissen von Schwester White verwandelte, die eindringlich betonten, wie wichtig die Botschaft von der Gerechtigkeit aus Glauben sei, und dabei jene Brüder (Jones und Waggoner) … zu stützen schienen.« (A. V. Olson, Thirteen Crisis Years, 332) Hat die gegenwärtige Flut von Kritik und Ignoranz gegenüber ihren Schriften vielleicht in den Jahren kurz nach 1888 ihren Ursprung?

Vielleicht finden wir die Wurzel allen Übels in folgendem Kommentar von Ellen White aus dem Jahr 1901: »Wieder und immer wieder wurde ausreichend über das Thema gesprochen; doch es brachte nichts. Das Licht schien unverändert auf sie und wurde ihrer Behauptung zufolge von ihnen angenommen, und doch machen sie gerade so weiter wie vorher.« (Ansprache am 1. April 1901; Spalding and Magan Collection, 165) Zu behaupten man hätte Licht angenommen, ohne etwas zu ändern – das wird Gottes Werk nicht zum Abschluss bringen. Haben diese Behauptungen vielleicht gewisse Historiker dahingehend getäuscht, dass sie Lippenbekenntnisse mit Herzensannahme verwechseln? Haben wir möglicherweise heute dasselbe Problem? Die Inspiration erklärt uns, dass die Leitung der Generalkonferenz 1901 »die Tür gegen den Eintritt des Heiligen Geistes geschlossen und verriegelt habe … Die Türen wurden vor dem himmlischen Strom versperrt, der alles Böse hinweggefegt hätte.« (Brief vom 5. August 1902, Battle Creek Letters, 55 oder Kress Collection, 95) »Die letzte Generalkonferenz hat die größte und schrecklichste Traurigkeit in meinem Leben ausgelöst. Es wurde keine Veränderung vorgenommen.« (Brief vom 15. Januar 1903, Manuscript Releases 13, 122)

Was ist die Botschaft von 1888?

Wenn es wirklich stimmt, dass Gott sein Werk auf Erden durch die Botschaft von 1888 beenden wollte; wenn es stimmt, dass wir diese Botschaft seither noch nie richtig gehört haben, von einzelnen Ausnahmen abgesehen; was ist dann die Botschaft, die den Spätregen und den Lauten Ruf hätte bewirken können und heute bewirken wird, wenn wir sie annehmen? Die Botschaft kann mit einem Bibelvers zusammengefasst werden: »Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.« (Kolosser 1,27) Die Botschaft von 1888 drehte sich um die Vorbereitung von Gottes Volk auf die Verwandlung. Daher hatte sie viel darüber zu sagen, wie man in Jesus vollkommen sein und so für das Ende der Gnadenzeit bereit werden kann. Die Botschaft drehte sich nicht um die persönliche Heilsgewissheit, sondern um die Ehrenrettung und Verherrlichung von Gottes Namen.

Vielleicht sind ein paar kurze Auszüge aus den Botschaften von Jones und Waggoner hilfreich: »Jesus nahm das Fleisch auf sich, nicht das eines sündlosen Wesens, sondern der sündigen Menschheit. D.h. dass das Fleisch, das er auf sich nahm, alle Schwächen und Neigungen zur Sünde* hatte, denen die gefallene menschliche Natur unterworfen ist.« (Ellet Waggoner, Christ and His Righteousness, 26-27) »In unserem gesamten christlichen Glaubensleben haben wir hier und da Schlupflöcher für die Sünde geduldet. Wir sind nie an den Punkt gelangt, an dem wir zu glauben wagten, dass das Leben eines Christen ein sündloses Leben sein sollte. Wir wagten uns weder es zu glauben noch es zu predigen. In diesem Fall können wir das Gesetz Gottes aber nicht völlig verkündigen. Warum nicht? Weil wir die Macht der Rechtfertigung aus dem Glauben nicht verstehen.« (Ellet Waggoner, General Conference Bulletin 1891, 156-159)

Genau hier liegt der Unterschied zwischen der Rechtfertigung, wie sie von den Evangelikalen gelehrt wird, und der Rechtfertigung der 1888-Botschaft. Nur in der Botschaft von 1888 hören wir etwas von einer Macht, die uns vor dem Sündigen bewahrt. Dieser Sieg über die Sünde ist immer verbunden mit der Natur Jesu.

»Jesus soll in uns sein, so wie Gott in ihm war; sein Charakter soll in uns sein, wie Gott in ihm war … Das Zusammenwirken des Göttlichen mit dem Menschlichen – Gottes Geheimnis in dir und mir – … dies ist die dritte Engelsbotschaft.« (Alonzo Jones, General Conference Bulletin 1893, 207) »Gott hat in Jesus Christus, als er im sündigen Fleisch war, vor dem Universum gezeigt, dass er vom sündigen Fleisch so völlig Besitz ergreifen kann, dass seine eigene Gegenwart, seine Macht und seine Herrlichkeit sich darin offenbart und nicht die Sünde … Dann wird Gott uns so nehmen und gebrauchen, dass unser sündiges Ich keinen schädlichen Einfluss auf jemanden haben kann; Gott wird durch uns vielmehr sein gerechtes Ich, seine Herrlichkeit vor den Menschen offenbaren trotz unseres Ichs und unserer Sündhaftigkeit … Und das ist das Geheimnis Gottes ›Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit‹ – Gott offenbart im sündigen Fleisch.« (Alonzo Jones, General Conference Bulletin 1895, 303)

»Das Fleisch Jesu Christi war also unser Fleisch, und in ihm war alles, was in unserem Fleisch ist. Alle Neigungen zur Sünde, die in unserem Fleisch sind, waren in seinem Fleisch. Sie versuchten ihn dazu zu bringen, in die Sünde einzuwilligen.« (Alonzo Jones, General Conference Bulletin 1895, 328) »Vollkommenheit, charakterliche Vollkommenheit, ist das Ziel des Christen – Vollkommenheit, die im menschlichen Fleisch in dieser Welt erreichbar ist. Jesus erreichte sie im menschlichen Fleisch in dieser Welt und bereitete daher einen Weg, auf dem jeder Gläubige in ihm diese Vollkommenheit erreichen kann.« (Alonzo Jones, The Consecrated Way to Christan Perfection, 84) »Doch bevor die Gnadenzeit endet, wird es ein Volk von Menschen geben, die so völlig in Jesus sind, dass sie trotz ihres sündigen Fleisches ein sündloses Leben führen werden. Sie werden in sterblichem Fleisch ein sündloses Leben führen, weil er, der bewiesen hat, dass er die Macht über alles Fleisch hat, in ihnen dieses sündlose Leben im sündigen Fleisch führt.« (Ellet Waggoner, General Conference Bulletin 1901, 146)

Findest du nicht auch, dass man diese Botschaft heute selten hört? Anstatt diese Botschaft zu studieren, anstatt zu lernen, wie man diese Botschaft lebt, haben wir uns darüber entzweit, ob Jesus unsere gefallene oder Adams ungefallene Natur auf sich nahm. Wir raten sogar unseren Leuten, dieses Thema möglichst gar nicht anzusprechen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass Vollkommenheit ein schlechtes Wort ist und dass ein sündloses Leben eine Idee des fanatischen Extremismus ist. Satan hat es meisterhaft verstanden, unseren Geist vor der einzigen Botschaft zu verschließen, die uns auf die Wiederkunft vorbereiten kann. Doch Satan hat seine Aufgabe nicht gut genug gemacht. Trotz größter Anstrengungen, diese Botschaft zu vernichten, ist sie quicklebendig. Mehr und mehr Menschen werden sich ihrer Bedeutung bewusst.

Ich glaube, dass Gottes Volk diese einmalige Chance nicht noch einmal verpassen wird. Ich sehe eine Erweckung unter den Gemeindegliedern und denke nicht, dass Satan in der Lage ist, sie alle wieder in den Schlaf zu wiegen. Aber Achtung! Diese Erweckung geschieht nur unter einer kleinen Minderheit der Gemeindeglieder. Die Mehrheit schläft todesgleich weiter in der Meinung, dass sie gerettet ist, solange sie nur weiter in den Gottesdienst kommt. Was für ein tragisches Erwachen wird das sein, wenn die meisten Siebenten-Tags-Adventisten zu spät erkennen werden, dass sie das Malzeichen des Tieres haben.

Wenn wir dieser Tragödie entgehen wollen, wenn wir möchten, dass Jesus schon bald zurückkehrt, dann lasst uns unbedingt unser Leben falls notwendig völlig neu ordnen! Machen wir das Studium der 1888-Botschaft zur höchsten Priorität in unserem Leben und verbringen wir mehr Zeit in Studium und Gebet als je zuvor in unserem Leben! Hören wir auf Gottes Ruf, den er uns durch seine inspirierte Botin gesandt hat:

»Licht leuchtet vom Thron Gottes. Wozu ist es gedacht? Es soll ein Volk vorbereiten, am Tag Gottes zu bestehen. Du, der du Zeit und Geld für Schmuck, Kleidung und Wohnungsdekoration investierst, ich möchte dich fragen: Hat Jesus, die Hoffnung der Herrlichkeit, in dir Gestalt gewonnen? Der Tag ist schon zu weit fortgeschritten, als dass man Menschen eines zu großen Engagements im Dienst für den HERRN beschuldigen könnte mit den Worten: ›Ihr seid Schwärmer, ihr seid zu intensiv, zu positiv!‹« (Review and Herald, 4. März 1890)

* [Wenn Ellen White sagt: »Stellt ihn (Jesus) den Menschen nicht als jemanden mit den Neigungen zur Sünde dar.« (Bible Commentary 7, 447; Bibelkommentar, 565), dann meint sie seine göttliche, geistliche Natur, denn er gab der Versuchung nicht mit einem Gedanken nach. An anderer Stelle schreibt sie von dieserart sündigen Neigungen nämlich: »Wir brauchen nicht eine sündige Neigung zu behalten.« (Bible Commentary 7, 943, Bibelkommentar, 491) Sie meint damit die Liebe zur Sünde. Ellet Waggoner jedoch meint mit Neigungen zur Sünde die Empfänglichkeit oder Anfälligkeit für die Sünde, die Jesus hatte, weil er unser Fleisch auf sich nahm. Hierzu schreibt Ellen White: »Der Heiland nahm die menschliche Natur an mit all ihren Anfälligkeiten.« (Desire of Ages, 116, Leben Jesu, 100) »Der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.« (Hebräer 4,15) Auch von innen, denn: »Ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt.« (Jakobus 1,14) Anm. d. Red.]

Gekürzt aus: Is Jesus Really Coming Soon, www.dennispriebe.com/documents

Dennis Priebe ist durch seine Arbeit als Erweckungsprediger für Amazing Facts bekannt, dem adventistischen Missionswerk, das Doug Batchelor, der Autor von Der Höhlenmensch leitet. Dennis Priebe, 14069 S. Lincoln Way, Galt, CA 95632 USA E-Mail:

Zuerst im Deutschen erschienen in: Unser festes Fundament, 4-2001


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