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    Gott kennt Auswege. Von Kai Mester

Dienstag, 20 Oktober 2020 – 08:08 Uhr

Meine unfassbare Begegnung mit Gott (Das Lebensgesetz – Teil 7): Früh morgens allein unterm Sternenzelt

Früh morgens allein unterm Sternenzelt

Bild von My pictures are CC0. When doing composings: auf Pixabay

Werteverschiebung: Und alles ist anders. Von Mark Sandoval, leitender Arzt am Uchee Pines Institute, Alabama

»Echte Hingabe kommt immer von Herzen. So war es beim Messias. Wenn wir wollen, wird er sich mit unseren Gedanken und Zielen identifizieren, unser Herz und Denken in seinem Willen aufgehen lassen. Dann führen wir, wenn wir ihm nachfolgen, lediglich unsere eigenen Impulse aus. Unser verfeinerter und geheiligter Wille wird höchste Freude daran finden, im Dienst für Gott zu stehen. Wenn wir Gott kennen, wie wir ihn kennen dürfen, wird unser Leben aus fortwährender Hingabe bestehen. Weil wir Jesu Wesen lieben und dadurch Gemeinschaft mit Gott haben, wird uns die Sünde verhasst sein.« (Ellen White, Desire of Ages, 668)

Neue Ansichten führen zu einem neuen Bewertungssystem, neuen Entscheidungen und neuem Verhalten oder Handeln. Allerdings nur vorübergehend. Denn es hängt davon ab, was ich glaube und was ich für möglich halte. Will ich aber eine bleibende Veränderung, brauche ich noch etwas anderes.

Echte Überzeugung führt ebenfalls zu einem neuen Bewertungssystem, neuen Entscheidungen, neuem Verhalten oder Handeln. Aber die Veränderung ist von Dauer. Sie lässt sich nicht von Zuckerbrot oder Peitsche beeindrucken. Von einer Überzeugung lässt man sich nicht abbringen, denn sie sitzt wie ein Schatz tief im Herzen und beeinflusst permanent alle Entscheidungen.

Offenbarung 7 und 14 stellen uns die 144.000 vor, die Gott am Ende der Zeit treu sein werden. Sie werden als die dargestellt, »die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus« (14,12). Sie sind an der Stirn versiegelt (7,3.4). Was ist dieses Siegel?

Ein für allemal versiegelt

Dieses Siegel ist ein Überzeugtsein von der Wahrheit, sodass niemand uns überzeugen kann, unsere Einstellung oder Entscheidung zu ändern, auch nicht unter Druck. »Sobald Gottes Volk an der Stirn versiegelt ist – nicht mit sichtbarem Stempel oder Zeichen, sondern mit einem unerschütterlichem intellektuellen und geistlichen Verankertsein in der Wahrheit – sobald Gottes Volk also versiegelt und auf die Sichtung vorbereitet ist, wird sie kommen. Sie hat eigentlich schon begonnen; Gottes Gerichte gehen jetzt als Warnung übers Land, damit wir einen Eindruck von dem erhalten, was auf uns zukommt.« (Manuscript Releases 1, 249)

Diese Überzeugung, dieses Siegel, sitzt so tief, dass nicht einmal eine Todesdrohung unsere Entscheidung erschüttern oder uns zur Sünde überreden kann. »Diejenigen, die lieber sterben würden, als ein Unrecht zu begehen, sind die einzigen, die treu bleiben werden.«. (Testimonies for the Church 5, 53) Dies ist die Herzenseinstellung der 144.000, die für Jesu Wiederkunft bereit sein werden. Diese Herzenshaltung ergibt sich aus dem Schatz der Überzeugung. Davon möchte auch ich bleibend erfüllt werden.

Die Überzeugung, dass Gott der größte Schatz meines Lebens ist, lässt also meinen Willen bleibend in Gottes Willen aufgehen. Dann werde ich auch nicht sündigen, weil die Sünde für mich immer den größten Verlust darstellt, auch wenn sie weiter Vergnügen, Macht, Position, Prestige usw. anbietet. Diese Überzeugung ist so stark, dass selbst Todesdrohungen mich nicht zur Sünde bewegen können. Ich bin in der Wahrheit verankert.

Wie kann Gott mein größter Schatz werden?

Gott ist mein Schatz. Daran kann dann nichts mehr etwas ändern. Wie aber kann Gott überhaupt zu meinem Schatz werden?

1. Bibellesen

Ich kann Gottes Wort lesen, um ihn kennen und lieben zu lernen, also nicht nur als Informationsquelle. Will ich verstehen, wer Gott ist, wie er ist, wie sein Wesen beschrieben wird und wie eine Beziehung zu ihm aussieht?

2. Beten

Ich kann häufig Zeit im ernsthaften Gebet verbringen. Wie in jeder Beziehung braucht es Zeit. Mach es dir zur Gewohnheit, den Tag mit Gebet zu beginnen, bevor andere Gedanken dich ablenken. Geh in die Natur und suche aufrichtig und leidenschaftlich seine Nähe. Sprich mit ihm über deine Schwierigkeiten und Probleme. Bitte ihn, deine Gebete zu beantworten. Führe ein Tagebuch über deine Gespräche mit Gott, deine Bitten an ihn und alle Gebetserhörungen. Danke ihm für die Segnungen in deinem Leben. Sprich einfach mit ihm wie mit einem Freund.

3. Andacht

Beschäftige dich mit Jesu Leben, insbesondere mit den letzten Tagen seines Erdenlebens. Denke bei jeder Geschichte aus seinem Leben darüber nach, wie es war, mit ihm Zeit zu verbringen. Was könnten die Leute, die darin vorkommen, gedacht oder gefühlt haben? Achte auf die Liebe, mit der Jesus ihnen begegnete. Versuche vor allem zu begreifen, wie viel Liebe Jesus ab dem Garten Getsemani bis zum Kreuz in seinem Opfergang bewiesen hat. Dort wirst du Gottes erstaunliche Liebe am deutlichsten erkennen können. Du wirst sehen und erleben, dass diese Liebe in dir Gegenliebe wecken wird.

4. Vorfreude

Beschäftige dich mit Gottes Segnungen. Denke darüber nach, was es heißt, dass dir alle Sünden vergeben sind und du vor Gott vollkommen dastehst, weil Jesus sich für dich geopfert hat. Denke darüber nach, wie es im Himmel sein wird, was für freudige Entdeckungen du im Universum machen wirst. Beschäftige dich damit, wie es sein wird, ewig bei Jesus zu sein und deine Beziehung mit ihm und anderen zu vertiefen. Denke über den Segen seines aufopfernden Lebens in deinem Leben nach.

5. Verheißungen in Anspruch nehmen

Mache dir eine Liste seiner Verheißungen, nimm ihn beim Wort und vertraue ihm. Suche in der Bibel nach Verheißungen, die sich auf die Probleme beziehen, mit denen du kämpfst, und lies sie immer wieder durch, schreibe sie auf, lerne sie auswendig, berufe dich auf sie unter verschiedenen Umständen und investiere deine ganze geistige Energie in dein Vertrauen auf sie.

6. Heiligem Geist Raum geben

Lass den Heiligen Geist Gott zu deinem Schatz machen. Gib seinem Wirken Raum in deinem Herzen, sodass er dies in jedem Winkel deiner Seele vollbringen kann.

»Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.« (Matthäus 13,44-46) »Der Heilige Geist offenbart den Menschen, wie kostbar die gute Perle ist. Die Zeit der Kraft des Heiligen Geistes ist die Zeit, in der die himmlische Gabe besonders gesucht und gefunden wird.« (Christ's Object Lessons, 118)

Vorgeschichte zu meiner unfassbaren Erfahrung

Wer auf der Suche nach dem verborgenen Schatz und der kostbaren Perle ist, den möchte ich mit meiner Erfahrung ermutigen.

Mein ganzes Leben lang habe ich diesen Schatz gesucht, manchmal mit mehr Enthusiasmus, manchmal mit weniger: im Gottesdienst, durch Gebet, durch Bibelstudium, durch gute Werke. Ich habe ihn an vielen Orten und zu verschiedenen Zeiten meines Lebens gesucht. Doch bis vor kurzem habe ich nicht begriffen, was für ein Schatz Er wirklich ist.

Der HERR ist in all den Jahren so gut zu mir gewesen. Ich habe seine Nähe beim Beten gespürt. Er ist mir in seinem Wort begegnet und auch durch andere. Mein ganzes Leben lang ist er mir nachgegangen (Lukas 15). Ich kann nur staunen über diesen Gott, der mich so sehr liebt (Johannes 3,16). Aber die meiste Zeit meines Lebens war ich nicht bereit, mich ihm völlig hinzugeben. Ich habe immer etwas für mich selbst zurückgehalten.

Vor etwa 10 Jahren ließ mich der HERR durch eine sehr dunkle und verzweifelte Zeit gehen – eine Zeit, in der ich schließlich aufgab. Ich war dabei, mich selbst und meine Lieben zu zerstören und erkannte, dass ich mich nicht von dem befreien konnte, was mich gefangen hielt (Römer 7,15-24). In meiner Verzweiflung bat Gott mich, ihm mein ganzes Leben zu übergeben, ihn ans Steuer zu lassen (Matthäus 11,28-30; Lukas 9,23). Das machte mir Angst, denn ich war immer selbst am Steuer gewesen. Ich wusste nicht, ob ich Gott vertrauen konnte. Doch da ich nichts mehr zu verlieren hatte, weil ich mich aus meiner Misere nicht befreien konnte, beschloss ich, ihm alles zu übergeben.

»HERR, ich will alles tun, was du willst, ganz gleich, wie beschämend oder schmerzhaft es ist. Ich will dorthin gehen, wohin du mich rufst, wie sehr es mir auch gegen den Strich geht. Ich will alles aufgeben, worum du mich bittest, auch wenn es mir noch so kostbar erscheint. Sollte es heißen, meine Familie zu verlieren, werde ich dir trotzdem folgen. Sollte es mir peinlich sein, folge ich dir trotzdem. Wird meine Karriere oder mein Ansehen dadurch ruiniert, verliere ich meine Fähigkeiten – ich folge dir! Was du auch von mir verlangst, ich werde es tun. Hol mich nur aus diesem Schlamassel heraus.«

Gott zeigte mir das Bild eines Drahtseils über einem Abgrund. Dort stand Jesus als erfahrener Hochseilkünstler mit einer Schubkarre, die er auf dem Seil balancierte, die Griffe fest in Händen. Er lud mich ein, in die Schubkarre zu steigen (Matthäus 19,21). Alleine würde ich in die Schlucht in den sicheren Tod hinabstürzen (Römer 3,23; 6,23). Aber mit seiner Schubkarre (die für mich Vertrauen und völlige Hingabe symbolisierte) bestand die Chance, dass er mich sicher über den Abgrund bringen würde (Johannes 6,39).

Als er mich aufforderte, in die Schubkarre zu steigen, kämpfte ich mit mir. Mir war sofort klar, dass die Schubkarre jederzeit umkippen und ich herausfallen konnte, sobald ich selbst versuchen würde, die Kontrolle zu übernehmen (Matthäus 14,30). Mir war klar, dass ich, einmal eingestiegen, entweder drin bleiben oder in den Tod stürzen müsste. Ich musste das Steuer meines Lebens für immer aufgeben (Römer 6,16), und war mir nicht sicher, ob ich mich Jesus wirklich anvertrauen wollte. Er erinnerte mich daran, dass ich mich mit Sicherheit selbst zerstören würde, wenn ich das Steuer nicht aus der Hand geben würde (Jeremia 17,9), und er lud mich wieder freundlich in seine Schubkarre ein. Schließlich stieg ich ein, und mein Leben war nie mehr dasselbe!

Ich fand heraus, dass er tausend Möglichkeiten hat, mich zu befreien, wo ich keinen einzigen Ausweg mehr sehen konnte (Hebräer 7,25). Ich fand heraus, dass ich genau das, womit ich mich vorher zur Gemeinschaft mit Jesus gezwungen hatte (Gebet, Bibelstudium, Dienst, Gehorsam), jetzt ganz natürlich, freiwillig und gerne tat (Römer 8,26.27). Das Leben war neu, anders, aufregend, befreiend und siegreich.

Im Laufe der Zeit wurde ich immer konsequenter im Gebet und im Studium seines Wortes. Meine Gewohnheiten und Vorlieben änderten sich, meine physische und mentale Ernährung, meine Kleidung und Freizeitgestaltung, meine Freunde, Wünsche und Gedanken. Gott machte mich zu einer neuen Schöpfung in Christus Jesus (2. Korinther 5,17).

In den letzten Jahren hat der HERR mir ein stabiles Gebetsleben geschenkt. Unabhängig davon, wie ich mich fühle oder wie sehr ich einfach mit meinem Bett verschmelzen möchte, stehe ich morgens früh auf, um Zeit mit dem HERRN im Gebet zu verbringen. Er hat mir in den letzten Jahren viel über seine Liebe offenbart und ich verstehe seine Liebe und Barmherzigkeit immer besser (Epheser 3,17-19). Ich durfte Tausende von Menschen in diese Liebe einführen und lerne jedes Mal selbst mehr darüber.

Unser Gebetskreis

Jeden Mittwoch bete und faste ich mit einem kleinen Kreis. Dann beten wir während der Mittagspause, anstatt zu essen. Es stärkt mich, mit anderen gemeinsam den HERRN zu suchen und unsere Bitten und Probleme vor ihm auszubreiten (Matthäus 18,19.20).

Die folgende Erfahrung ereignete sich an einem Donnerstagmorgen nach dem Beten und Fasten am Mittwoch. Ich glaube, nicht von ungefähr.

Der Gebetsspaziergang

Nach dem Aufstehen zog ich mich an und ging für einen Gebetsspaziergang nach draußen. (Dabei schlafe ich nicht ein, was mir daheim leichter passieren kann.) Als ich aus dem Haus ging und zum Himmel schaute, sah ich Tausende von Sternen.

Der Tag davor war kein guter Tag gewesen. Deshalb bat ich Gott gleich, nachdem ich ihm für mein Leben gedankt hatte und für den neuen Tag mit neuen Möglichkeiten (Psalm 9,1), um Vergebung für meine Haltung und meine Reaktionen vom Vortag (1. Johannes 1,9). Wieder einmal hatte ich den HERRN falsch repräsentiert und das Steuer in meine eigenen Hände genommen. In den letzten paar Wochen war ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich wieder in die Schubkarre zurückkehren muss (Sprüche 24,16). Der HERR hatte mir auch deutlich gezeigt wie. Etwa eine Woche lang spürte ich auch, dass mir der Glaube fehlte. Nur Gott könnte mir wieder Glauben schenken (Markus 9,24). Außerdem hatte ich mich mit dem verborgenen Schatz und der kostbaren Perle beschäftigt und fing an, über diesen Schatz – diese Perle – nachzudenken, die Jesus ist (Matthäus 13,44-46).

Als ich da so morgens im Dunkeln unter den Sternen spazierenging, betete ich ernsthaft zum HERRN, dass er mir wieder Glauben schenkt, damit mir Jesus wieder wirklich so viel bedeutet, wie er wert ist.

Ich begann über die Größe der Sterne und die Entfernungen zwischen ihnen nachzudenken. Ich dachte darüber nach, wie lange es brauchen würde, um zum nächsten Stern und dann quer durch die Milchstraße zu reisen. Wie groß ist das sichtbare Universum? Ist nicht jenseits davon auch wieder Unendlichkeit? Ist Gott nicht größer als seine Schöpfung? Hat er dann nicht auch unendlich viel Macht (Psalm 89,8)? Wie kann es sein, dass Gott ein so kleines und unbedeutendes Geschöpf wie mich liebt?

Liebt dieser unendliche Gott mich nicht so sehr, dass er sich entschieden hat, auf diesen unendlich kleinen Planeten zu kommen, um mich zu retten? Hat dieser unendliche Gott sich nicht in eine einzige Zelle in Marias Schoß komprimiert und zur kleinsten und verletzlichsten Form des Lebens gemacht? Und das alles für mich (Johannes 3,16)!

Der Heilige Geist wirkte an meinem Herzen und schenkte mir wieder Glauben, während ich staunte, wie kostbar Jesus ist. Ich dachte darüber nach, dass Gottes Wesen ist zu geben (Matthäus 5,45); und im Geben liegt Freude. Dennoch sprach Jesus dreimal mit dem Vater, als es um das Lösegeld für eine rebellische Welt ging, bevor der Vater einwilligte, seinen Sohn als Lösegeld für die Menschheit zu geben. Wenn es Gottes Natur ist zu geben, er aber beim Geben der Gabe Jesu zögerte, wie groß muss dann dieses Geschenk sein?

Die Erkenntnis bringt mich auf die Knie

Als mir die Größe dieses Geschenks bewusst wurde, das speziell für mich gegeben wurde, und wie kostbar Jesus ist, wie unendlich wertvoll, war ich überwältigt, mir kamen die Tränen und ich fiel auf die Knie auf die nackte Erde. Nur ein Gedanke bewegte mich. Weinend rief ich aus: »Wer bin ich, dass du mir ein solches Geschenk machst? Wer bin ich, dass du Jesus für mich gegeben hast? Wer bin ich?«

Völlig sprachlos vor Staunen, stammelte ich nur: »Danke! Danke! Danke schön!« Nach ein paar Minuten stand ich vom Boden auf, rieb die Erde von meinen Kleidern und ging weiter. Ich schwelgte einfach in dem Gedanken an Gottes unendliche Liebe zu mir. Dort im Dunkel des frühen Morgens war mir, als stünde ich kurz vor dem Himmelstor. Es war eine einzigartige und wunderbare Erfahrung. Nie zuvor hatte ich so etwas erlebt.

Ich dachte an Mose und seine Erfahrung mit Gott. Er wollte Gott sehen; der führte ihn in eine Felsspalte, hielt seine Hand über ihn, bis er an ihm vorbeigegangen war, dann durfte er ihm nachschauen(2. Mose 33,18-23; 34,5-8). Er zeigte Mose so viel von sich, wie dieser verkraften konnte. Ich hatte das Gefühl, dass der HERR nun mir so viel von seinem schönen Wesen offenbart hatte, wie ich verkraften konnte. Es war wunderschön, einfach wunderschön!

Auf dem Rücken liegend, die Sterne betrachten

Ich wusste, dass dies ein Geschenk von Gott war, dass er mir den Glauben geschenkt hatte. Jetzt bedeutete mir Jesus wieder so viel, wie er wert ist. Und damit änderte sich alles. Ich ging zu meinem Auto, legte mich auf den Kofferraum, starrte die Sterne an und dachte über Gottes Größe und Schönheit nach und über seine unendliche Liebe zu mir. Wieder weinte ich bei dem Gedanken, dass es eine solche Liebe gibt und dass sie mir gilt.

Ich dachte an Jesu Opfer, wie er missverstanden, ausgenutzt, abgelehnt, verachtet, verhöhnt, geschlagen, ans Kreuz genagelt, von seinem Vater getrennt und scheinbar verlassen wurde – alles für mich! Ich dachte daran, wie sehr er die liebte, die er retten wollte (Römer 5,8). Doch wie viele von ihnen kehrten ihm den Rücken (Johannes 6,66). Wie sehr muss es Gott wehgetan haben, dass seine unendliche Liebe so zurückgewiesen wurde! Wie sehr liebte Jesus jeden, den er retten wollte, und wie groß war seine Herzensqual, als seine Kinder die Liebe seines Vaters zurückwiesen! (Dabei tat er sich nicht selbst leid. Es tat ihm um sie leid, weil er wusste, was diese Zurückweisung für sie bedeutete).

Ich dachte an die vielen Male, als ich seine Liebe zurückgewiesen hatte und mich entschied, mein eigenes Ding zu machen. Wieder kamen mir die Tränen bei dem Gedanken an den Schmerz, den ich dem HERRN durch meinen Eigenwillen, meinen Ungehorsam und meine Sündenliebe zugefügt hatte. Wie verhasst war mir die Sünde in jenem Moment! Sie trennte mich von dem Gott, der mich so sehr liebte, sodass er in meinem Leben nicht erreichen konnte, wonach er sich sehnte. Sie verletzte und tötete die Kinder, die er so sehr liebte, dass er sogar den ganzen Himmel verlassen hatte, um sie zu retten. Wie konnte ich angesichts einer solchen Liebe die Sünde lieben – angesichts der unendlichen Kostbarkeit Jesu?

Wieder auf den Füßen

Ich stand vom Auto auf und ging wieder weiter. Dabei dachte ich darüber nach, was die Sünde zu bieten hatte. Die Sünde bot Macht, Positionen, Besitz, Vergnügen und Popularität. Aber gegen Jesus war das alles nichts! Es war, als ob das alles zwischen 1.000 und 10.000 Dollar wert war. Je nach Persönlichkeit und eigenen Wünschen variiert der Wert. Ich könnte mir mehr Vergnügen als Popularität, Position und Besitz wünschen. Für mich war Vergnügen vielleicht das Beste an der Sünde, also symbolisch vielleicht 10.000 Dollar wert. Doch Jesus war im Vergleich dazu 1.000.000.000.000.000.000.000.000 Dollar wert. Intellektuell war mir das schon immer klar gewesen, aber jetzt, als Gott mir die Gabe des Glaubens geschenkt hatte, glaubte ich es tatsächlich.

Ich erkannte, dass die Sünde mir nichts zu bieten hatte. In diesem Moment, wo ich an Jesu wahren Wert glaubte – hatte sie keine Anziehungskraft auf mich. Der Gedanke an das, was für mich zuvor Versuchung gewesen war, ließ mich völlig kalt. Die volle Erkenntnis über den Wert, den Jesus hat, nimmt der Sünde ihre Macht, ihre Anziehung und ihre Versuchung (Philipper 3,7.8). Die Sünde hatte keine Macht mehr über mich (Psalm 17,3). Warum? Weil die Erkenntnis des unendlichen Wertes Jesu mir deutlich vor Augen stand und ich daran glaubte. Ich war der Sünde gestorben (Römer 6,10), denn das Einzige, was sie mir bieten konnte, war, mir Jesus zu rauben, und das hätte ich als Totalkatastrophe erachtet (Philipper 3,8).

Der Gedanke an Jesu unendliche Kostbarkeit verwandelte mein Herz. Ich hatte keine Lust mehr auf Sünde. Es fiel mir nicht mehr schwer, mich Gott hinzugeben. Sein Gesetz und sein Wille waren meine Leidenschaft (Psalm 40,8). Sünde und Welt ließen mich kalt, weil ich mich intensiv zu Jesus und zum Himmel hingezogen fühlte (Römer 6,16). »Wenn der Sünder seinen Blick auf Jesu unvergleichliche Schönheit richtet, verliert die Sünde für ihn ihren Reiz; denn er sieht den Auserkorenen unter vielen Tausenden, an dem alles lieblich ist (Hohelied 5,10.16). Er erkennt durch eigene Erfahrung die Kraft des Evangeliums, dessen unermessliche Gestaltungskraft nur durch die Kostbarkeit seiner Absicht übertroffen wird.« (Signs of the Times, 4. Juli 1892)

Wieder fühlte ich mich der Himmelspforte nah und musste noch einmal denken: »HERR, wer bin ich, dass du mir eine so schöne Wahrheit offenbarst? Wer bin ich, dass du mir eine solche Erfahrung schenkst? Mehrmals blieb ich einfach stehen, sprachlos vor Staunen über den unendlichen Wert des Messias und was das für alles andere im Leben bedeutet.

Dann fing ich an, über die schlimmen Dinge im Leben nachzudenken. Was, wenn ich LeEtta (meine Frau) verlieren würde? Was, wenn ich meine Kinder (ich habe sechs) verlieren würde? Was, wenn ein Feuer unser Haus verbrennen und wir all unser Hab und Gut verlieren würden? Was, wenn ich meinen Job verlöre und nie wieder in meinem Beruf arbeiten könnte (ich bin Missionsarzt)? Was, wenn ich verletzt oder krank und gelähmt wäre und nichts tun könnte, weil andere sich um mich kümmern müssten? Was, wenn ich wegen meines Glaubens gefangen genommen und gefoltert würde? Alle diese Szenarien gingen mir durch den Kopf, aber für jedes Szenario war meine Reaktion die gleiche – es würde nichts daran ändern. Es würde einfach nichts daran ändern. Ich würde immer noch an meinem Jesus festhalten, weil er mir so unendlich viel wert ist.

Jeglicher Verlust war nichts im Vergleich dazu, Jesus zu haben. Würde ich alles verlieren, hätte aber immer noch Jesus, dann wäre mir das genug. Beim Nachdenken über jede dieser potenziellen Herausforderungen hatte ich vollkommenen Frieden und unbeschreibliche Freude (Römer 15,13). Mir wurde klar, dass ich dem Verlust aller Dinge entgegentreten und körperliche Qualen erleiden könnte mit völligem Frieden und überfließender Freude im Herzen. Und das nicht nur vom Kopf her; ich habe es an diesem Morgen wirklich erlebt. Gott gab mir Einblick in das, was sein könnte, indem er mir den Glauben an Jesu wahre Kostbarkeit schenkte.

An diesem Morgen erkannte ich, dass dies auch Jesu Erfahrung gewesen sein musste, als er im menschlichen Fleisch lebte. Die Sünde übte keine Anziehung auf ihn aus. Sie war für ihn immer abstoßend, denn sie hätte den absoluten Verlust bedeutet – den Verlust seines Vaters. Nichts konnte seinen Frieden stören, denn nichts konnte ihn vom Vater trennen (bis er für uns Sünde wurde kurz vor dem Kreuz – 2. Korinther 5,21). Sein Leben war also ein Leben des Friedens, der Freude und des vollständigen Sieges über die Sünde.

Und für einige Augenblicke ließ Gott mich das auch erleben. Es war ein Geschenk – ein Geschenk von Gottes Gnade an sein sündiges Kind, das versucht hatte, Gott kennen und lieben zu lernen. Während die Minuten verstrichen, konnte ich spüren, wie die Erfahrung verblasste. Ich sagte Gott einfach immer wieder: »Ich liebe diese Erfahrung. Vielen Dank, dass du sie mir geschenkt hast. Ich wünsche mir mehr! Ich möchte, dass dies nicht die einzige Erfahrung dieser Art und dieser Tiefe bleibt.«

Moses hatte diese erste Erfahrung mit Gott auf dem Berg, aber sein Verhältnis zu Gott wurde enger. Er durfte mit ihm sogar von Angesicht zu Angesicht sprechen. Gott kam ihm so nahe, dass Moses' eigenes Gesicht in einem Glanz erstrahlte, der für diejenigen, die ihn ansahen, unerträglich war (2. Mose 34,29-35). Ich bat den HERRN darum, dass er sich mir immer häufiger und immer tiefer offenbaren möge, damit ich pausenlos in dieser Erfahrung bleiben kann.

»Ich will mehr und mehr von dir, Jesus. Im Bewusstsein deines wahren Wertes will ich leben. Um ein Herz, das deinen wahren Wert versteht, bete ich. Halte mich in Frieden, Freude und vollständigem Sieg über die Sünde, denn du bist der unendliche Schatz meines Herzens. Bewahre mich durch deine Liebe in deiner Liebe, damit ich in dir, dem Weinstock, bleibe (Johannes 15,4).«

Fortsetzung folgt

Teil 1

Leicht gekürzt, mit freundlicher Genehmigung aus: Dr. med. Mark Sandoval: The Law of Life, Uchee Pines Institute, Alabama: Seite 85-95


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