Mittwoch, 13 Februar 2019 – 04:33 Uhr

Nerven wie Drahtseile: Was Vitamin B12 mit unserer Leistungsfähigkeit zu tun hat

Was Vitamin B12 mit unserer Leistungsfähigkeit zu tun hat

Adobe Stock - Michail Petrov

Konzentrationsschwäche, Händekribbeln, Koordinationsschwierigkeiten – Das alles kann eine ganz einfache Ursache haben. Von Patricia Rosenthal

Alarm! Innerhalb von Millisekunden sausen zahllose Informationen zielgerichtet von einer Schaltstelle zur anderen. Die Lage wird analysiert, Entscheidungen getroffen, Reaktionen eingeleitet. Dank eines tadellosen Networkings sind die entsprechenden Kräfte sofort vor Ort und im Einsatz – und das alles blitzschnell. Perfekt!

So läuft es tatsächlich in unserem Körper ab, wenn wir Zahnschmerzen haben, uns in den Finger schneiden, eine Treppe hinuntergehen oder an Bananeneis mit Erdbeersoße denken. In einem Augenzwinkern finden an tausenden Stellen in unserem Körper sehr komplexe chemische und elektrische Prozesse statt, und das alles für jede einzelne, sinnvolle Handlung. Ein Meisterwerk des Schöpfers – unser Nervensystem!

Unser Nervensystem in Zahlen

Kaum zu glauben! Allein das Gehirn eines Menschen besteht aus etwa 86 Milliarden Neuronen. Dazu kommen die Nerven des peripheren Nervensystems, das vom Rückenmark aus in alle Bereiche des Körpers läuft. Im Extremfall kann die Erregungsleitung ein Tempo von 120 Metern pro Sekunde erreichen. Das sind 432 Kilometer pro Stunde, also ungefähr die Rekordgeschwindigkeit eines Rennautos!

Perfektes »Kabelgewirr«

Wie lauter kleine Kabel laufen dabei die Dendriten unserer Nervenzellen durch unseren Körper und sind an unzähligen Stellen miteinander verschaltet. Die Anzahl der Verbindungsstellen, der Synapsen, beträgt allein im Gehirn eines Erwachsenen etwa 100 Billionen (100.000.000.000.000). Bezogen auf ein einzelnes Neuron schwankt sie zwischen 1 und 200.000. Damit dieses scheinbare Kabelgewirr auch reibungslos funktioniert, sind die Nervenbahnen – wie die Kabel in unseren Wohnungen – genial isoliert. Hier allerdings nicht mit Gummi, sondern mit einer weißen, gallertartigen, fettigen Substanz: Myelin.

Einzigartige Schutzisolation

Myelin ist eine besondere Biomembran, die die Axone des peripheren Nervensystems und des Zentralnervensystems umhüllt und elektrisch gegenüber anderen Nerven isoliert. Sie weist eine sehr komplexe Struktur aus Lipiden und Proteinen auf. Dadurch schützt Myelin die innerhalb der Axone verlaufenden Nervenfasern vor elektrischen Signalen anderer Nerven und gewährleistet eine möglichst verlustarme Übertragung, auch über relativ weite Strecken. Denn Axone des peripheren Nervensystems können tatsächlich eine Länge von über 1 Meter aufweisen!

Wie bei einer Perlenkette wird dabei immer nur ein Teilstück ein und desselben Axons in mehreren bis vielen Schichten »umwickelt«. Diese als »Ranvier-Schnürringe« bezeichneten regelmäßigen Unterbrechungen (Myelinscheiden) führen dazu, dass die elektrische Reizweiterleitung sprunghaft von Schnürring zu Schnürring geschieht – »saltatorisch« sozusagen. Das hat den Vorteil, dass die Signale sehr viel schneller durch das System sausen als bei einer kontinuierlichen Übertragung.

Miniaturisierung im Großformat

Diese Myelinisierung der Axone und Nervenfasern ermöglicht auch eine Art Miniaturisierung des Nervensystems. Aufgrund der Myelinisierung können die Axone nämlich dünner sein, als wenn sie nicht myelinisiert wären, und dennoch die gleiche Leistung erbringen. Etwa 50 % der Hirnmasse bestehen aus weißer Substanz, also myelinisierten Axonen. Ohne diese Myelin-Schutzschicht wäre eine annähernd ähnlich komplexe Hirnleistung auf so kleinem Raum keinesfalls möglich. Allein der aus der Netzhaut austretende Sehnerv enthält etwa 2 Millionen myelinisierte Nervenfasern. Ohne den Schutz des Myelins müsste der Sehnerv bei gleicher Leistung einen Durchmesser von mehr als einem Meter aufweisen!

Der große Helfer

Nicht auszudenken, was passiert, wenn dieses Myelin beschädigt oder sogar fehlen würde! Und dennoch kann das schnell passieren. Denn um Myelin aufzubauen und zu erhalten, ist ein ganz bestimmter Stoff absolut essentiell: Vitamin B12. Und dabei geht es nicht nur um den Aufbau, die Regeneration und den Erhalt der Myelinscheiden selbst. Sind die Myelinschichten einmal angegriffen, können auch die Axone Schaden erleiden.

Vitamin B12 und die Lipide

Myelin besteht zu etwa 40% aus Wasser. Die Trockenmasse enthält rund 80% Lipide und ca. 20% Proteine; sie ist also sehr fetthaltig. Adenosylcobalamin, eines der Cobalamine, beeinflusst den Lipidstoffwechsel des Körpers, und ein Mangel kann zu einer fehlerhaften oder ungenügenden Produktion jener Lipide führen, aus denen sich das Myelin zusammensetzt. Außerdem fördert Methylcobalamin, ein weiteres Cobalamin, die Bildung von Lecithin, einem wichtigen Bestandteil der Myelinscheiden.

Vitamin B12 und die Proteine

Methylcobalamin spielt auch eine zentrale Rolle im Aufbau der Proteinmuster der Myelinscheiden. Die Proteine im Myelin bestehen zu etwa 40% aus dem sogenannten Myelin-Basischen Protein (MBP). Dieses Protein erhält sein Methyl, einen sehr wichtigen Baustein, aus S-Adenosyl-Methionin (SAM), und um SAM zu bilden, braucht der Körper Methylcobalamin.

Myelin statt MMA

Für die Funktionstüchtigkeit der Myelinscheiden ist die Struktur der Lipid- und Proteinmuster entscheidend. Aber es gibt da einen Gegenspieler:

Methylmelonyl-Coenzym A (OOC-CH(CH3)-CO-S-CoA) ist eine organische Verbindung, die bei zu hoher Konzentration im Körper toxisch wirkt. Normalerweise wird Methylmelonyl-CoA mit Hilfe von Vitamin B12 in Succinyl-CoA umgewandelt und damit unschädlich gemacht. Fehlt aber das Coenzym Cobalamin bleibt die Umwandlung aus, der Methylmelonyl-CoA-Spiegel steigt, und statt in Succinyl-CoA umgewandelt zu werden, entsteht daraus Methylmalonsäure (C4H6O4), kurz: MMA. Ist MMA im Körper übermäßig vorhanden, baut der Organismus abnormale Fettsäuren auf statt Myelin. Werden diese Fettsäuren in neuronale Lipide eingebaut, machen sie die Myelinscheiden brüchig und wirken damit destabilisierend.

Fast wie ein Hormon

Inzwischen konnte weiterhin gezeigt werden, dass ein Mangel an Vitamin B12 zu einem Anstieg von myelinschädigenden Zytokinen und zu einem Absinken myelinfördernder Zytokine führt. Zytokine sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren, ähnlich den Hormonen. Vitamin B12 hat damit eine zentrale, hormonähnliche Wirkung im Nervensystem.

Und wenn die Nerven »blank« liegen?

Allerhand! Und dabei ist der Aufbau und Erhalt funktionstüchtiger Myelinscheiden nur ein Einsatzgebiet von Vitamin B12 zum Erhalt guter Nerven und der allgemeinen Gesundheit. Aber schon allein eine Myelinschwäche kann verheerende Folge haben, denn dann kommt es zu Signalstörungen zwischen dem Gehirn und anderen Teilen deines Körpers.

Das äußert sich durch:

  • Missempfindungen der Haut (besonders der Hände und Füße)
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen, pelziges Gefühl
  • ständig eingeschlafene Hände und Füße
  • chronische Schmerzen
  • Gangunsicherheit
  • Koordinationsstörungen
  • chronische Nervenschmerzen
  • Verlust des Sehvermögens, Sehstörungen
  • später auch Lähmungen

Neben diesen neurologischen Symptomen können auch neuropsychiatrische auftreten wie:

  • Demenz
  • kognitive Störungen
  • schwere Konzentrationsschwäche
  • Depression
  • Schizophrenie
  • Manie
  • Psychosen
  • Wahnvorstellungen

In den ersten Stadien lassen sich diese Symptome sehr gut mit Vitamin B12 behandeln. Bei einem anhaltendem Vitamin-B12-Mangel können Schäden allerdings irreparabel werden.

Nerven wie Drahtseile

»Nerven wie Drahtseile« – das hätten wir alle gern. Immer freudig, geduldig, kraftvoll, scharfsinnig, schnell. Das wäre schön. Zugegeben, Vitamin B12 kann das allein natürlich auch nicht leisten. Das kann nur das Wirken des Heiligen Geistes in unseren Herzen. Aber dafür bedient sich Gott unter anderem der von ihm selbst geschaffenen Gesetzmäßigkeiten: gut geschützter Nervenbahnen mit ultraschneller Übertragungsleistung ohne Leck und Risse. Genial.

Weitere Informationen kann man unter anderem auf der folgenden Website finden: https://www.vitaminb12.de


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