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    Du sollst nicht träumen!

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Mittwoch, 01 März 2017 – 07:36 Uhr

Heilung für Seele und Geist (Teil 3) Der Wille entscheidet

Der Wille entscheidet
Pixabay - Maryam62
 
Wie funktioniert der Wille? Setzen wir ihn bewusst ein? Von Elden Chalmers
 

Vor einiger Zeit kam ein junger Student zu mir ins Büro, um sich bei der Berufswahl beraten zu lassen. Er war bereits im letzten Studienjahr und wusste immer noch nicht, was er danach machen sollte. Wir plauderten eine Weile, machten ein paar Tests und entwarfen ein Persönlichkeits-, Eignungs- und Interessenprofil. Was die Integration seiner Persönlichkeit anging, lag sein Ergebnis in den unteren zwei Prozent seiner Altersgruppe. Sein Selbstbild war verschwommen. Er wusste nicht, wer er war, hatte keine klaren Pläne und keine Fernziele. Er glich einem Schiff ohne Ruder, das ziellos im Ozean umherirrte. Auch hatte er keinen Willen, etwas zu erreichen – nur hin und wieder einen Wunsch, eine flüchtige Fantasie.

Ich bat den jungen Mann, ins Wohnheim zurückzugehen und über sein Wertesystem nachzudenken. In der folgenden Woche sollte er dann wiederkommen und mir eine Reihe von Werten nennen, denen er unter allen Umständen treu sein wollte. Bei unserem nächsten Treffen hatte er seine Liste dabei, aber sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Alles auf der Liste war wieder durchgestrichen! Er überreichte sie mir mit den Worten: »Es ist furchtbar. Ich habe alle meine Werte wieder durchgestrichen, weil ich festgestellt habe, dass ich mich nicht an sie halte. Am Schluss sind nur zwei Werte übrig geblieben: Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Aber auf dem Weg hierher habe ich sie schließlich auch wieder durchgestrichen.« Er hatte keinen Willen, etwas zu erreichen!

Bei einer anderen Gelegenheit kam ein junger Mann auf Drängen seiner Mutter in mein Büro. Er war von mehreren Schulen geflogen und hatte nun wegen eines Vergehens wieder einmal die letzte Verwarnung erhalten. Wir entwarfen ein Persönlichkeitsprofil – seine Stärken und Schwächen – und sprachen gemeinsam darüber. Seine Augen leuchteten und er lebte richtig auf, als er sagte: »Das bin ja wirklich ich! – Ich hab eigentlich schon ne ganze Menge Gutes geleistet. Wenn ich nur das Schlechte in den Griff bekommen würde … Mensch, das hat's aber auch in sich! Aber wenn ich es ans Messer liefere, dann könnte aus mir doch wirklich etwas werden!« Dieser Moment war die Geburtsstunde seines Willens, etwas zu erreichen. Heute ist er Elektroingenieur und noch immer setzt er seinen Willen ein. Der Wille. Was ist das eigentlich? Worin besteht seine Macht? Und wie kann man ihn »stärken«?   

Dr. William Sadler sagte: »Der Wille ist die Gesamtheit aller positiven mentalen Aktivität, die Summe aller psychischen Entscheidungen.« (William Sadler, Practice of Psychiatry, Kap. 69) Dr. Wilder Penfield, ein weltberühmter Gehirnchirurg, sagte: »Der Wille ist der Geist des Menschen.«

Ellen White schrieb: »Der Wille ist die Steuerungsinstanz im Menschen, die alle anderen Geisteskräfte steuert. Der Wille hat nichts mit Vorliebe oder Neigung zu tun, sondern er trifft die Entscheidungen im Menschen …« (Child Guidance, 209; vgl. Wie führe ich mein Kind?, 127.128)

»Der Versuchte muss die wahre Macht des Willens begreifen. Er ist die Steuerungsinstanz im Menschen – mit ihr entscheidet und wählt er. Alles hängt vom richtigen Einsatz des Willens ab. Das Verlangen nach Güte und Reinheit ist soweit richtig, doch wenn es dabei bleibt, nützt es nichts. Viele zerstören sich selbst, obwohl sie ihre schlechten Neigungen zu überwinden hoffen und wünschen. Sie liefern ihren Willen nicht Gott aus. Sie wollen ihm nicht wirklich dienen.
Gott hat uns den freien Willen gegeben. Es ist an uns, ihn einzusetzen. Wir können weder unser Herz ändern, noch unsere Gedanken, Impulse und Gefühle steuern. Wir können uns nicht reinigen und für Gott und seinen Dienst ausbilden. Aber wir können uns dafür entscheiden, Gott zu dienen; wir können ihm unseren Willen geben, dann wird er in uns das Wollen und Vollbringen wirken nach seinem Wohlgefallen. So gerät unser ganzes Wesen unter den Einfluss Jesu.
Wenn wir den Willen richtig einsetzen, kann ein völliger Umbruch in unserem Leben stattfinden. Indem wir unseren Willen Jesus ausliefern, verbünden wir uns mit göttlicher Macht. Wir empfangen Kraft von oben, die uns standhaft macht. Ein reines und edles Leben, ein Leben des Sieges über das Verlangen und die Lust kann jeder führen, der seinen schwachen, schwankenden menschlichen Willen ganz in Gottes allmächtigen, festen Willen fügt.« (Ministry of Healing, 176; vgl. Der Weg zur Gesundheit, 125)

Meine Frau und ich werden uns noch lange an unseren Besuch bei Dr. Wilder Penfield erinnern. Wir verbrachten etwa sechseinhalb Stunden bei ihm. Er beschrieb einige Tests am offenen Gehirn, die während der Operation von Epilepsiepatienten bei vollem Bewusstsein durchgeführt wurden. Wenn er die Oberfläche des Schläfenlappens mit einem leichten elektrischen Strom stimulierte, erzählte der Patient ein Erlebnis, das schon viele Jahre zurücklag. Der Patient erlebte noch einmal alles so wie damals. Er sah die Menschen, die Straßenecke, die Scheune – er hörte die Geräusche, die Musik und die Unterhaltungen, die vor Jahren stattgefunden hatten. Alles war präsent, für immer aufgezeichnet im Gehirn und jederzeit abrufbereit durch die sanfte Berührung mit einer Strom führenden Sonde.

Dr. Penfield sagte: »Diese Studien haben gezeigt, dass alles, was wir bewusst wahrnehmen, für immer in unserem Gehirn aufgezeichnet wird.« Dann sprach er über den Willen. Er erzählte uns, dass er sich während der elektrischen Stimulation mit den Patienten unterhalten konnte. Diese seien in der Lage gewesen, die Effekte des elektrischen Reizes willentlich zu unterdrücken. Sie konnten sich von diesem ablaufenden »Film« abwenden und dem Arzt zuhören. Dann sagte Dr. Penfield: »Der menschliche Wille ist frei. Er benutzt die Pfade im Gehirn, aber er wird nicht von ihnen beherrscht. Der Wille ist frei.«

Indem der Patient sich entschied, seine Aufmerksamkeit Dr. Penfield zuzuwenden, konnte er alle Auswirkungen der elektrischen Stimulation ausschalten! Die physikalischen Gehirnregionen, die von der Sonde berührt wurden, reagierten nicht mehr! Und alles nur wegen eines einfachen Denkvorgangs, nämlich der Entscheidung des Patienten, seine Aufmerksamkeit etwas anderem zuzuwenden, in diesem Fall der Unterhaltung mit Dr. Penfield. Ellen White formuliert es so: »Die Macht des Willens ist in der Lage, gedanklichen Eindrücken zu widerstehen und die Nerven zu beruhigen.« (Counsels on Health, 79)

Fortsetzung              Teil 1 der Serie

Gekürzt aus: Elden M. Chalmers, Healing the Broken Brain, Science and the Bible Reveal How the Brain Heals, Remnant Publications, Coldwater, Michigan, 1998, S. 19-22.

 


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