• Luther wird vorgeladen (Reformationsserie Teil 5): Der Kampf wird heißer

    Der Kampf wird heißer

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    Wie die Reformation Kreise zog und was Rom dagegen tun wollte. Von Ellen White

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Mittwoch, 04 Juli 2018 – 08:22 Uhr

Luther wird vorgeladen (Reformationsserie Teil 5): Der Kampf wird heißer

Der Kampf wird heißer

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Wie die Reformation Kreise zog und was Rom dagegen tun wollte. Von Ellen White

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Luthers Feder schrieb Wahrheiten auf, die das Papsttum in ihren Grundfesten erschütterte. »Predigten und Lehren, die Jesus Christus nicht in den Vordergrund stellen und bekannt machen, können für die Menschen kein tägliches und nahrhaftes Brot sein. Deshalb gilt es, allein Jesus zu predigen.« Was für Worte von einem Sohn der katholischen Kirche! Jesus solle mehr als der Papst geehrt werden. Er solle vor dem Volk als Gotteslamm erhöht werden, das allein die Sünden der Welt wegnehmen kann. Muss man sich da wundern, dass der Widersacher tobte und die gesamte römische Hierarchie gegen Luther aufbrachte?

Der Reformator fährt fort: »Was bedeutet es, Jesus zu kennen? Und was bringt es einem? Ich antworte: Jesus zu erfahren und zu erkennen, bedeutet, was der Apostel sagt, nämlich, dass Jesus uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung gemacht ist.« »Glauben heißt nichts anderes, als sich vom Himmelsbrot zu ernähren.«

Über die Macht der Kirche, Sünden zu vergeben, schreibt er: »Sünden vergeben können Päpste, Bischöfe oder Priester genauso wenig wie irgendein anderer Mensch. Allein das Wort Jesu und der eigene Glaube bildet dafür die Grundlage. Ein Papst oder Bischof hat nicht mehr Macht, Sünden zu vergeben, als der einfachste Priester.«

Die Wahrheit zieht Kreise

Um die Wahrheit unters Volk zu bringen, verfasste Luther Thesen, die die neuen Lehren erläuterten. Auch diskutierte er sie öffentlich mit seinen Gegnern an einer der führenden Universitäten Deutschlands. Die Diskussion wurde mit großem Interesse verfolgt. Gebildete junge Männer bemerkten mit Erstaunen die Wucht von Luthers biblischen Argumenten. Sie suchten den Reformator auf und ließen sich von ihm im kleinen Kreis das Wort Gottes erklären. Wirklich verstehen wollten sie die Wahrheit; deshalb erhellte Gottes Wort ihr Verständnis auch, als sie es hörten. Der Einsatz des Lehrers lohnte sich. Als Luther in andere Felder gerufen wurde, verkündigten diese jungen Männer die Lebensworte furchtlos mit der Bibel in der Hand. Scharen strömten zusammen, um die Wahrheit zu hören und viele Gefangene wurden von der Knechtschaft des päpstlichen Irrtums befreit. Diese jungen Männer wurden aktive und patente Mitarbeiter in der Kirche und übernahmen Verantwortung in dem großen Werk der Reformation.

Auf die jüngere Generation setzen

Luther erkannte, dass die Sache der Wahrheit wenig von denen zu erwarten hatte, die im Irrtum unterrichtet worden waren. Deshalb war er der Meinung, dass ihr Erfolg von der heranwachsenden Generation abhänge. Er sagte: »Ich habe die herrliche Hoffnung, dass wir wie einst Jesus, der sich an die Heiden wandte, nachdem die Juden ihn ablehnten, erleben werden, dass die heranwachsende Generation die wahre Theologie annimmt, die diese alten Männer hartnäckig ablehnen, weil sie an ihren nichtigen und außerordentlich fantastischen Meinungen kleben.«

Diese Worte des Reformators enthalten eine Wahrheit, die allen nur wärmstens zu empfehlen ist, die sich auch heute noch im Werk der Reformation einsetzen. Menschen tun sich schwer, Irrtümer aufzugeben, die sie ein Leben lang geglaubt haben. Viele schließen entschieden die Augen, um das Licht der Wahrheit nicht zu sehen. Oft weckt der klarste Beweis aus Gottes Wort nur Hass und Widerstand. Auch heute hängt die Hoffnung auf Reformen von den jungen Leuten ab, deren Gewohnheiten und Meinungen noch nicht dem Klischee entsprechen und die deshalb für den richtigen Einfluss offener sind. Wenn sich die Jugend von heute zu Gott bekehrt, kann sie wie die jungen Männer, die Luther unterrichtete, einen wichtigen Platz in der Sache der Wahrheit einnehmen.

Rom reagiert

Das große Interesse, dass Luthers Lehren an vielen Orten auslösten, jagte den katholischen Autoritäten Angst ein. Deshalb wurden sofort Maßnahmen ergriffen, um die gefährliche Häresie zu stoppen. Ein Brief wurde im Namen des Papstes an den Kurfürsten Friedrich geschrieben mit der dringenden Bitte, Luther seinen Schutz zu entziehen, und der Andeutung, der Kurfürst sei wohl der Kirche nicht mehr treu. Rom hatte sich jedoch im Charakter des Fürsten, mit dem sie es zu tun hatte, gründlich getäuscht. Friedrich von Sachsen war ein ergebener Diener der Kirche, aber auch ein Mann höchster Integrität. Er würde nicht Recht und Wahrheit den Forderungen des Papstes opfern. Auf den päpstlichen Brief antwortete er, Luther habe sich immer dafür bereit erklärt, seine Lehren vor angemessenen Richtern zu verteidigen und sich ihrer Entscheidung zu beugen, wenn sie ihn mit der Schrift von seinem Irrtum überzeugen könnten.

Doch Gottes Wort war keine bequeme Waffe für Rom. Genau damit wollten sie nicht in die Öffentlichkeit. Denn sie wussten, dass die darin enthaltenen Lehren nicht nur ihren falschen Kurs verurteilten, sondern auch ihren hohen Anspruch in den Staub treten würden. Die einzigen Waffen, die sie bedenkenlos einsetzen konnten, waren Gefängnis, Folter und Tod. Es dauerte nicht lange, da erhielt Luther eine Vorladung nach Rom, um sich vor dem päpstlichen Tribunal wegen Ketzerei zu verantworten. Dieser Befehl erfüllte seine Freunde mit Entsetzen.

Ihnen war die Gefahr durchaus bewusst, die ihm in dieser verdorbenen Stadt drohte, die schon vom Blut der Jesus-Märtyrer ganz betrunken war. Empört fragten sie sich untereinander: Darf jeder, der es wagt, seine Stimme gegen Roms Sünden zu erheben, mit dem Tod zum Schweigen gebracht werden? Dürfen wir dieses große Opfer zulassen?

Weniger Aberglaube, mehr Hunger nach Gerechtigkeit

Luthers Lehren hatten die Aufmerksamkeit nachdenklicher Gemüter in ganz Deutschland auf sich gezogen. Aus seinen Predigten und Schriften leuchteten Lichtstrahlen, die Tausende erweckten und erleuchteten. Ein lebendiger Glaube trat an die Stelle des toten Formalismus, der die Kirche so lange gefesselt hatte. Tag für Tag wurde das Vertrauen des Volks an den Aberglauben des Katholizismus geringer. Die Schranken des Vorurteils gaben nach. Das Wort Gottes, mit dem Luther jede Lehre und jede Behauptung prüfte, war wie ein zweischneidiges Schwert, das sich seinen Weg in die Herzen der Leute bahnte. Überall erwachte der Wunsch nach geistlichem Fortschritt. Überall existierte ein solcher Hunger und Durst nach Gerechtigkeit wie schon Jahrhunderte nicht mehr. Die Augen der Menschen waren so lange auf menschliche Riten und irdische Vermittler gerichtet gewesen. Doch jetzt schauten sie reumütig und vertrauensvoll auf Jesus und seinen Kreuzestod.

Nicht Rom, sondern Deutschland

Luther und seine Freunde wussten, dass er in Rom keinen Freispruch erwarten konnte. Sie wussten, dass er schon auf der Reise nach Rom in Gefahr sein würde und erst recht, wenn er dort einträfe. Die Katholiken hatten mit Anschuldigungen gegen ihn nicht gespart. Luthers Freunde protestierten dagegen, dass er nach Rom ziehen müsse und forderten eine Untersuchung in Deutschland. Einmal in Roms Klauen, würde keine menschliche Macht ihn mehr befreien können. Seine Freunde waren sich einig, dass seine Anhörung in Deutschland stattfinden solle.

Römischer Schlachtplan

Der Bitte wurde schließlich stattgegeben und der päpstliche Gesandte wurde beauftragt, den Fall anzuhören. Die Anweisungen, die der Papst dem Beamten zukommen ließen, lauteten wie folgt:

»Wir beauftragen Euch damit, dass Ihr Luther nötigt, vor Euch persönlich zu erscheinen, ihm unverzüglich den strafrechtlichen Prozess zu machen und ihn in die Knie zu zwingen, sobald Ihr diesen Befehl empfangen habt. Denn er ist von unserem lieben Bruder Hieronymus, Bischof von Asculan [Kajetan von Thiene], schon zum Ketzer erklärt worden.« »Wenn er zur Besinnung kommt sowie frei und aus eigenen Stücken um Begnadigung für seine große Sünde bittet, habt Ihr von uns die Autorität, ihn in den Schoß der heiligen Mutterkirche wieder aufzunehmen.« »Sollte er stur bleiben und Ihr könnt seiner nicht habhaft werden, habt Ihr die Macht, ihn überall in Deutschland für vogelfrei zu erklären und alle seine Anhänger zu vertreiben, zu verfluchen und zu exkommunizieren sowie allen Christen aufzuerlegen, dass sie seine Gesellschaft meiden.«

Außerdem wies der Papst seinen Gesandten an, zur Ausrottung dieser tödlichen Irrlehre alle zu exkommunizieren, die »die Gelegenheiten ungenutzt lassen, Luther und seine Anhänger zu ergreifen und sie der Rache Roms auszuliefern.« Dies galt auch für alle Kirchen- und Staatsbeamte hohen Ranges, ausgenommen den Kaiser.

Der römische Geist

Hier zeigt sich der wahre Geist des Papsttums. Nicht ein Hauch Christlichkeit, nicht einmal eine Spur gewöhnlicher Gerechtigkeit ist in dem ganzen Dokument zu finden. Luther war weit weg von Rom. Er hatte keine Gelegenheit, seine Position zu erklären oder zu verteidigen; doch schon vor der Untersuchung seines Falls war er pauschal als Ketzer verurteilt und noch am selben Tag vermahnt, angeklagt, gerichtet und verdammt worden, und zwar durch einen selbsternannten Heiligen Vater, der einzigen obersten, unfehlbaren Autorität in Kirche und Staat! Der Geist des Drachen, »der alten Schlange, die da heißt: Teufel und Satan«, wird hierbei deutlich. Doch trotz seiner List hat er in seinem Zorn die Weisheit vergessen.

Freundschaftsangebot von Staupitz

Als Gerichtsstand für Luther war Augsburg festgelegt worden. Der Reformator machte sich zu Fuß auf den langen Weg. Man hatte große Sorge um ihn. Denn es war ihm offen damit gedroht worden, dass er unterwegs geschnappt und umgebracht würde. Deshalb baten ihn seine Freunde, das Risiko nicht einzugehen. Staupitz flehte Luther an, eine Zeit lang zu ihm zu kommen und Schutz zu suchen, bis der Sturm abgeflaut sei. »Es scheint mir«, schrieb er, »dass die ganze Welt sich bewaffnet und gegen die Wahrheit verbündet habe. Genauso war Jesus gehasst und deshalb gekreuzigt worden. Ich sehe nicht, dass du etwas anderes zu erwarten hast als Verfolgung. Das Vernünftigste wäre, für eine Zeit nach Wittenberg zu kommen und bei mir zu wohnen. Dann können wir zusammen leben und sterben.«

Wie ein Fels in der Brandung

Doch Luther wollte den Platz nicht verlassen, an den Gott ihn gestellt hatte. Er musste weiter treu zur Wahrheit stehen ungeachtet der Stürme, die ihn umpeitschten. Seine Worte waren: »Ich bin wie Jeremia, ein Mann des Streites und der Auseinandersetzung; aber je mehr sie mir drohen, desto mehr freue ich mich. Meine Frau und meine Kinder sind gut versorgt, denn meine Ländereien und Häuser und alle meine Güter sind in Sicherheit. Sie haben schon meine Ehre und meinen Ruf ruiniert. Das Einzige, was noch bleibt, ist mein elender Leib: Sollen sie ihn nur haben! Sie werden mein Leben dadurch nur um wenige Stunden verkürzen. Aber meine Seele können sie mir nicht nehmen. Wer sich entscheidet, Jesu Wort der Welt zu verkünden, muss jederzeit mit dem Tod rechnen.«

Signs of the Times, 28. Juni 1883


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