Wenn das Gute weicht, füllt das Böse die Leere: Warum hat Gott einen bösen Geist zu König Saul gesandt?

Gut und Böse
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Ein Gott, der Böses sendet? Der hebräische Text scheint es zu sagen – und doch zeigt die Bibel ein tieferes Prinzip: Wer Gottes Geist dauerhaft abweist, öffnet der Finsternis selbst die Tür. Was bei König Saul geschah, erklärt, warum Gott Verantwortung trägt, ohne Urheber des Bösen zu sein. Von Kai Mester

Lesezeit: 5 Minuten

Beim Lesen der hebräischen Bibel stolpern wir manchmal über Formulierungen, die uns irritieren. Da steht zum Beispiel: »Der Geist des HERRN wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn.« (1. Samuel 16,14)
Oder Gott verführt David, das Volk zu zählen, und straft ihn danach dafür (2. Samuel 24,1).
Er sendet sogar einen »Lügengeist« (1. Könige 22,21-23). Und in Jesaja 45,7 heißt es, dass Gott »das Böse wirkt«.

Wie passt das zu dem Gott der Liebe, den Jesus uns zeigt?

Verhärtete Herzen – selbstgemachtes Schicksal?

Auch bei Pharao lesen wir: Gott habe »sein Herz verhärtet« (2. Mose 7,3; 10,1). Doch der Text zeigt: Der Pharao verhärtete selbst sein Herz (8,11.28; 9,34). Gott wollte es erweichen.

Jesus erklärt dieses Prinzip deutlich:

»Wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette. Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.« (Johannes 12,47)

Gott sendet also keinen bösen Geist, um uns zu verderben. Aber wenn wir uns seinem Geist verweigern, entsteht ein Vakuum, das sich mit Dunkelheit füllt.

Wenn Wahrheit abgelehnt wird

Paulus beschreibt denselben Vorgang mit anderen Worten:
»Denn sie haben die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen, dass sie gerettet würden. Und darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, dass sie der Lüge glauben, auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.«

Wer das Licht ablehnt, landet zwangsläufig in der Finsternis. Gott drängt sich nicht auf – wer die Wahrheit nicht will, bekommt am Ende, was er gewählt hat.

Warum Saul den Geist Gottes verlor

So muss es auch bei König Saul gewesen sein. Er verschloss sich Gottes Führung, bis sein Herz für den göttlichen Geist unzugänglich wurde. Dann wich Gottes Geist – und ein böser Geist konnte die Leere füllen (1. Samuel 16,14).

In den Samuel- und Königebüchern sowie in vielen anderen Büchern der hebräischen Bibel taucht Satan überhaupt nicht auf. Erst in der Parallele zu 2. Samuel 24,1 wird klar, wer wirklich hinter der Versuchung stand:

»Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe.« (1. Chronik 21,1)

Gott trägt die Verantwortung

Die Schreiber der hebräischen Bibel wollten Gott als Souverän über alle Dinge zeigen. In einer Welt, die von vielen Göttern sprach, betonten sie: Nur ein Gott lenkt das Weltgeschehen. Nichts entgleitet seiner Kontrolle.

Gott ist nicht der Urheber des Bösen – aber er wird dennoch als verantwortlich angesehen. Gott hat diese Verantwortung nie von sich gewiesen. Er nahm sie auf sich, ja er nahm sogar unsere Schuld auf sich und hat es sich zur obersten Aufgabe gemacht, dass Problem des Bösen zu lösen und jeden davon zu retten, der frei werden möchte.

Satan wird erstmalig von Paulus als »Gott dieser Welt« bezeichnet (2. Korinther 4,4). Im Alten Testament wird er nur selten erwähnt. Denn er ist ein geschaffenes Wesen, das nichts tun kann, ohne dass Gott ihm das Leben, die Kraft und Weisheit dazu gibt.

Blick hinter den Vorhang

Nur an wenigen Stellen wird der Vorhang gelüftet und wir sehen, dass Satan der Akteur des Bösen ist. Hiob dankt Gott für das Böse:

»Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt! … Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?« (Hiob 1,21; 2,10)

Doch der Leser erfährt: Nicht Gott war der Täter – Satan war es. Gott gab nur die Erlaubnis.

Mit diesen Beispielen im Hinterkopf können wir auch die Passagen in der Bibel verstehen, wo kein Sterbenswörtchen verloren wird über die Mächte der Finsternis, »die bösen Geister unter dem Himmel« (Epheser 6,12).

Die Hexe von Endor – ein dämonisches Täuschungsmanöver

Ein Beispiel ist eben das Buch Samuel. Es verrät uns nicht einmal, dass der Prophet Samuel, den die Hexe von Endor aus dem Totenreich heraufbeschwört, gar nicht Samuel, sondern ein Dämon ist (1. Samuel 28,15-20). Nur wer alle Bibeltexte zum Thema Zustand der Toten, Totenbeschwörung und Dämonen studiert, wird zu diesem eindeutigen Schluss kommen.

Warum gründliches Bibelstudium entscheidend ist

Hier wird einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, die Bibel vergleichend zu bestimmten Themen zu studieren – und nicht nur zu lesen. Deshalb:

»Du sollst die Weisungen dieses Gesetzbuches immer vor dir hersagen und Tag und Nacht darüber nachdenken.« (Josua 1,8 NEÜ)
»Achte auf meine Worte und behalte meine Gebote im Gedächtnis. Höre auf die Weisheit und versuche, sie mit dem Herzen zu verstehen. Bitte um Verstand und Einsicht, und suche sie, wie du nach Silber suchen oder nach verborgenen Schätzen forschen würdest. Dann wirst du verstehen, was es heißt, den HERRN zu achten, und wirst die Erkenntnis Gottes gewinnen.« (Sprüche 2,1-5 NL)
»Tag für Tag forschten sie in den Schriften nach, um zu prüfen.« (Apostelgeschichte 17,11 NL)
»So wie ein Säugling nach Milch schreit, sollt ihr nach der reinen Milch – dem Wort Gottes – verlangen, die ihr benötigt, um im Glauben zu wachsen.« (1. Petrus 2,2 NL)

Kommt das Böse also von Gott?

»Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis.« (Jakobus 1,17)

Aus Gottes Herz fließt nur Gutes. Doch weil er den freien Willen des Menschen respektiert, lässt er auch Böses zu. Aber nur mit dem Ziel, dass so viele vom Bösen befreit werden wie nur irgend möglich, jeder, der sich nach Licht sehnt. Gott lässt das Böse zu, um es am Ende für immer zu besiegen.

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