Die Flut riss Häuser und Brücken mit sich, doch ein türkisfarbenes Haus blieb stehen. Für eine Familie wurde es inmitten der Katastrophe zum Ort der Rettung – und zu einem eindrücklichen Bild für das Gleichnis, das Jesus vom Haus auf dem Felsen erzählte. Von Alberto Rosenthal
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Als die Flut kam, blieb von dem nepalesischen Ort Trishuli kaum etwas unberührt. Innerhalb von nur 30 Minuten stieg der Fluss um bis zu neun Meter. Häuser wurden zerstört, Brücken weggerissen, Schlamm und Geröll bedeckten das Tal.
Doch ein türkisfarbenes Haus am Flussufer blieb stehen. Eine fünfköpfige Familie überlebte darin. Nach Einschätzung eines Bauingenieurs lag das Geheimnis vor allem im Fundament: Das Haus war auf Fels gebaut und mit Beton und Bewehrungsstahl verstärkt. Zudem schützte eine kleine Landzunge das Gebäude vor der schlimmsten Wucht der Flut.
Man kann kaum anders, als dabei an die Geschichte zu denken, mit der Jesus seine Bergpredigt schloss: »Wer diese meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.« (Matthäus 7,24)
Jesus versprach keinen Schutz vor den Stürmen des Lebens. Regen fällt, Wasser steigt, Winde stürmen. Aber das Fundament entscheidet darüber, ob ein Haus stehen bleibt.
Auch die Familie in Nepal wusste nicht, ob ihr Haus dem Wasser standhalten würde. Sie sahen, wie die Flut ihr Zuhause erschütterte. Sie konnten nicht davonlaufen und mussten ausharren. »Wir dachten: Wenn wir überleben, dann überleben wir alle. Wenn wir sterben, dann sterben wir alle,« sagte die Mutter. Ihr Mann, Prakash Pyakurel, dachte: »Das ist das Ende.« Die Familie beschloss, in diesen vermeintlich letzten Momenten zusammenzubleiben und dabei »den Namen Gottes anzurufen«.
Schließlich wurden sie gerettet. Später kehrten sie in ihr Haus zurück – in eine Umgebung, die zu einem Feld aus Schlamm geworden war. Die Mutter sprach davon, dass ihre Familie wie »neu geboren« sei.
Die Katastrophe vom 26. August war noch schwerwiegender als zunächst angenommen. Eine massive Flutwelle, ausgelöst durch einen Fels- und Gletschereis-Abbruch im Himalaya, raste durch das Tal des Trishuli und hinterließ eine breite Spur der Verwüstung. Inzwischen wird von mehr als 1.300 Toten und über 5.000 Vermissten in Nepal und Tibet ausgegangen. Zahlreiche Häuser, Straßen und Wasserkraftwerke wurden zerstört. Rettungskräfte suchten noch lange nach Vermissten – und konnten selbst zehn Tage nach der Katastrophe noch einzelne Menschen lebend aus den Trümmern retten.
Doch das türkisfarbene Haus in Nepal ist zu einem eindrücklichen Bild geworden: Entscheidend ist nicht, ob der Sturm kommt – sondern, worauf wir gebaut haben.

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