Die Kelter: Was in uns zum Vorschein kommt, wenn das Leben Druck macht

Dunkler Traubensaft fließt aus einer hölzernen Kelter in eine Tonschale im warmen Sonnenlicht.
Bild erstellt mit KI (ChatGPT)

Schwierige Erfahrungen können etwas in uns freilegen, das Gott verwandeln und zu einem Segen für andere machen möchte. Von Amy Pershin

Lesezeit: 5 Minuten

Es liegt eine besondere Kraft in dem Bild der Kelter.

Die Bibel spricht von Gott als dem großen Kelterer, und auf die eine oder andere Weise führt auch unser Weg durch Erfahrungen, die uns unter Druck setzen. Wir fühlen uns eingeengt, herausgefordert, manchmal sogar zerbrochen. Doch das Zerbrechen ist nicht das eigentliche Ziel. Inmitten solcher Erfahrungen kann etwas zum Vorschein kommen, das zuvor tief in uns verborgen lag.

Eine Traube wird gepresst, damit ihr Saft fließen kann. Ähnlich können auch die Erfahrungen, die das Leben mit sich bringt und die Gott in seiner Weisheit zulässt, etwas in uns freilegen. Sie können uns dehnen, uns demütiger machen und uns an einen Punkt führen, an dem wir uns ihm neu anvertrauen.

Dabei geht es um vieles, was unserem Wesen oft im Weg steht: Stolz, Selbstbezogenheit, das Vertrauen in die eigene Kraft. Unter dem Druck des Lebens zeigt sich manchmal, was in unserem Inneren verborgen ist. Und gerade dort kann uns Gott in Jesus begegnen und sein Wesen in uns immer mehr Gestalt gewinnen lassen.

Unser großer Kelterer kennt uns vollkommen. Er weiß, was in uns verborgen liegt. Und er weiß auch, wie viel wir tragen können.

Gott ist nicht der Urheber all dessen, was uns schwerfällt. Vieles im Leben geschieht, ohne dass wir es gewählt hätten und ohne dass wir seinen Sinn erkennen. Doch selbst in solchen Erfahrungen ist Gott gegenwärtig. Er kann uns hindurchbegleiten, uns tragen und aus dem, was uns widerfährt, etwas Kostbares wachsen lassen.

Wir dürfen lernen, uns ihm anzuvertrauen – auch dann, wenn wir den Weg nicht verstehen. Seine Hände bleiben liebevoll, selbst wenn das Leben schmerzt.

Und was kann dabei in uns zum Vorschein kommen?

Sanftmut. Demut. Geduld. Mitgefühl. Herzlichkeit. Liebe. Ein Wesen, das Christus ähnlicher wird.

Manchmal fragen wir uns, warum Gott schwierige Erfahrungen in unserem Leben zulässt. Warum dieser Druck? Warum diese Zeiten, in denen alles zu viel erscheint?

Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass wir Menschen begegnen werden, deren Herzen von genau dem Mitgefühl berührt werden können, das wir selbst auf einem schweren Weg kennengelernt haben. Da sind verletzte Menschen, die jemanden brauchen, der sie nicht verurteilt, weil er selbst erfahren hat, wie es ist, verletzt zu sein.

Wir werden durch schwere Erfahrungen hindurch zu einem größeren Segen für andere.

Das Leid, das uns einmal sinnlos erschien, kann zu etwas werden, durch das Gott unsere Herzen für andere öffnet. Die Tränen, die wir selbst geweint haben, können uns ein tieferes Verständnis für die Tränen eines anderen schenken. Zeiten, in denen wir missverstanden wurden, können uns geduldiger mit Menschen machen, die selbst missverstanden werden. Und die Momente, in denen wir gefallen sind, können uns helfen, einem anderen die Hand zu reichen, statt ihn zu verurteilen.

Der Wein, der aus der Kelter fließt, bleibt nicht in der Traube. Er ist dazu da, weiterzufließen.

Genauso ist es mit dem Charakter Jesu. Was Gott in uns wachsen lässt, ist nicht nur für uns selbst gedacht. Es kann durch uns anderen zugutekommen.

Nach einer Zeit in der Kelter kann etwas von der Sanftheit Jesu in unserem Gesicht sichtbar werden. Andere können sie in unserer Stimme wahrnehmen und in unserem Umgang mit ihnen erfahren. Wo jemand Gereiztheit erwartet, begegnet ihm vielleicht Geduld. Wo Härte zu erwarten wäre, Sanftmut. Wo Verurteilung befürchtet wird, Mitgefühl. Wo Stolz vermutet wird, Demut.

Der Druck bringt zum Vorschein, was in uns ist – und Jesus kann gerade darin das, was zum Vorschein kommt, verwandeln.

Die Kelter erzählt deshalb letztlich nicht von Zerstörung. Sie erzählt von Hingabe.

Davon, Gott Raum zu geben, alles zu verwandeln, was unserem Leben die freie Entfaltung von Jesu Charakter verwehrt.

Jesus selbst ist für uns durch die tiefste Kelter gegangen. In Gethsemane stand er unter der schrecklichen Last unserer Sünde. Er wurde für uns zerbrochen. Und aus seinem Leiden erwuchs das größte Geschenk, das die Welt je empfangen hat: die Erlösung.

Wenn wir in ihm bleiben, kann sein Leben durch uns zu anderen Menschen fließen.

Wenn der Druck des Lebens kommt, kann deshalb eine andere Frage entstehen.

Nicht: »Warum werde ich zerbrochen?«
Sondern: »HERR, was möchtest du aus mir hervorbringen?«

Die Traube versteht die Kelter nicht. Sie kennt nur den Druck. Doch der Kelterer weiß, was er tut. Er kennt die verborgene Süße, die in der Traube liegt. Und wenn wir uns seinen Händen anvertrauen, bleibt auch das Zerbrochene nicht ohne Bedeutung. Etwas Kostbares kann daraus hervorkommen. Und was daraus hervorkommt, ist nicht nur für uns bestimmt. Es kann für andere zum Segen werden. Es kann auf Jesus hinweisen.

Und vielleicht sehen Menschen, wenn sie uns begegnen, etwas, wonach sie sich selbst zutiefst sehnen: die Sanftmut, Demut, das Mitgefühl und die Liebe, mit der Jesus uns liebt.

© Sunshine7d, 15.08.2026

7 Aufrufe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich stimme der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten nach EU-DSGVO zu und akzeptiere die Datenschutzbedingungen.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner