Schutz vor Verderber beim zukünftigen Szenario von Hesekiel 9 (Teil 1): Gottes rettendes Siegel

Schutz vor Verderber beim zukünftigen Szenario von Hesekiel 9 (Teil 1): Gottes rettendes Siegel
Adobe Stock – Yafit Art

Wie damals in der zehnten Plage Ägyptens will Gott seine treuen Anhänger auch vor dem letzten Zorn beschirmen. Dazu braucht er ihre Erlaubnis. Von Ellen White

Lesezeit: 7 Minuten

»Und er rief mit lauter Stimme vor meinen Ohren und sprach: Gekommen ist die Heimsuchung der Stadt; ein jeder habe sein Werkzeug zur Zerstörung in seiner Hand! … und er rief dem, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite. Und der HERR sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen. Zu den anderen Männern aber sprach er, sodass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und nicht verschonen. Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren. Fangt aber an bei meinem Heiligtum! Und sie fingen an bei den Ältesten, die vor dem Tempel waren.« (Hesekiel 9,1-6)

»Gott ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen« (Lukas 6,35)

Nicht mehr lange und Jesus wird vom Gnadenstuhl im himmlischen Heiligtum aufstehen und Rachegewänder anlegen. Dann werden alle, die sich nicht nach dem Licht ausgestreckt haben, das Gott ihnen spendet, seinen »Zorn« in Form von Gerichten zu spüren bekommen. »Dass die Strafe den Verbrecher nicht auf der Stelle ereilt, ermutigt viele dazu, Verbrechen zu begehen.« (Prediger 8,11 GN) Diese Menschen fühlen sich dadurch nur bestärkt in ihrem bösen Tun. Dabei hätte sie Gottes Geduld und Langmut erweichen können. Denn das ist die Art, wie der HERR denen begegnet, die ihn weder fürchten noch die Wahrheit lieben. Aber leider sind auch Gottes Nachsicht Grenzen gesetzt, und viele überschreiten diese Grenzen. Sie gehen schließlich über diese Grenzen hinaus. Deshalb bleibt Gott nichts anderes übrig, als einzugreifen und seinen Namen ins rechte Licht zu rücken.

Geduldiges Nachgehen bis in die vierte Generation

Über die Amoriter hat der HERR zu Abraham gesagt: Deine Nachkommen »sollen [erst] in der vierten Generation wieder hierherkommen; denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll.« (1. Mose 15,16) Obwohl dieses Volk schon damals durch seinen Götzendienst und seine Sittenlosigkeit auffiel, hatte es das Fass mit seinen Sünden noch nicht zum Überlaufen gebracht. Daher wollte Gott ihren endgültigen Untergang nicht verordnen. Das Volk sollte eine deutliche Manifestation von Gottes Macht sehen dürfen, sodass ihm kein Grund für seine Gottferne bleiben würde. Der mitfühlende Schöpfer war bereit, mit ihrer Sünde »bis in die vierte Generation« Geduld zu haben (2. Mose 20,5). Erst danach müssten, wenn keinerlei Besserung eintreten würde, seine Gerichte dieses Volk treffen.

Herzenshärte wird in Zahlen gemessen

Mit unfehlbarer Genauigkeit führt der Unendliche immer noch Buch über alle Völker. Während er seine Barmherzigkeit durch liebevolle Aufrufe zur Umkehr anbietet, bleibt das Buch geöffnet. Doch wenn die Zahlen eine gewisse Höhe erreicht haben, die Gott festgelegt hat, beginnt sein Zorn zu wirken. Das Buch wird geschlossen. Dann muss auch Gottes ewige Geduld kapitulieren – und die Barmherzigkeit wirbt nicht länger um sie.

Dem Propheten wurde in der Vision ein Blick um viele Jahrhunderte in die Zukunft gewährt – in unsere Zeit. Die Völker dieses Zeitalters haben nie dagewesene Segnungen empfangen. Die auserlesensten Segnungen des Himmels wurden ihnen geschenkt; doch immer mehr Stolz, Gier, Götzendienst, Gottesverachtung und Undankbarkeit sind gegen sie zu verzeichnen. Ihr Buch bei Gott wird sehr bald geschlossen.

Gefahr für Meistbegünstigte

Was mich aber zittern lässt, ist die Tatsache, dass diejenigen, die das größte Licht und die größten Chancen haben, sich von der vorherrschenden Sünde anstecken lassen. Unter dem Einfluss der Ungerechten, werden viele kalt – auch unter den erklärten Anhängern der Wahrheit. Sie werden vom starken Strom des Bösen mitgerissen. Der allgemeine Spott über echte Frömmigkeit und Heiligkeit wird allen, die sich nicht eng an Gott halten, ihre Achtung vor seinem Gesetz rauben. Würden sie dem Licht und der Wahrheit von ganzem Herzen folgen, so würde ihnen das Gesetz nur umso wertvoller erscheinen, wenn es so verachtet und zur Seite geschoben wird. In dem Maße wie die Verachtung von Gottes Gesetz deutlicher wird, zeigt sich die Trennlinie zwischen denen, die es befolgen, und der Welt umso klarer. Bei den einen steigt die Liebe zu seinen Vorschriften, bei den anderen die Verachtung für sie.

Dein Rettungsauftrag

Die Krise kommt mit großen Schritten näher. Die [in Gottes Buch] rasch ansteigenden Zahlen zeigen, dass die Zeit fast gekommen ist, wenn Gott seinen Schutz zurückzieht. Obwohl er dies nur äußerst ungern tut, wird er es tun, und zwar plötzlich. Wer im Licht wandelt, wird die Anzeichen der nahenden Gefahr sehen. Nach dem Motto still sitzen zu bleiben: »Sein Volk wird Gott ja am Tag der Heimsuchung behüten«, und gelassen auf das Unheil zu warten, wäre absolut verkehrt. Sie dürfen vielmehr ihre Aufgabe erkennen, die da lautet: Rette andere durch intensiven Einsatz und erwarte die Kraft dafür mit starkem Glauben von Gott! »Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.« (Jakobus 5,16)

Der Sauerteig der Frömmigkeit hat seine Kraft noch nicht ganz verloren. Im gefährlichsten Moment für die Gemeinde, an ihrem moralischen Tiefpunkt, wird die im Licht befindliche Minderheit seufzen und weinen über die Gräuel, die im Land geschehen. Ganz besonders aber werden ihre Gebete zu Gott aufsteigen für die Gemeinde, weil ihre Glieder wie die Welt leben.

Die ernsten Gebete dieser wenigen Treuen werden nicht vergebens sein. Wenn der HERR als »Rächer« auszieht, kommt er eigentlich als Beschützer aller, die den reinen Glauben bewahren und sich selbst von der Welt reinhalten. Zu diesem Zeitpunkt wird Gott seinen Auserwählten »zu ihrem Recht« verhelfen, allen, »die Tag und Nacht zu ihm rufen, selbst wenn er sie zunächst noch warten ließ?« (Lukas 18,7 NGÜ)

Der Auftrag lautete: »Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen.« Diese Seufzenden und Weinenden haben über die Lebensworte ausführlich gesprochen; sie haben warnend, beratend und eindringlich den Menschen ins Gewissen geredet. Einige, die Gott mit ihrem Leben in Verruf gebracht hatten, öffneten dann auch ihr Herz für ihn. Doch die Herrlichkeit des HERRN war von Israel gewichen. Viele hielten zwar noch an den religiösen Formen fest, aber Gottes Kraft und Gegenwart war nicht mehr spürbar.

Seelenschmerz aller Jesusjünger

Wenn der Zorn Gottes sich in Gerichten manifestiert, werden Jesu offene, hingebungsvolle Jünger sich vom Rest der Welt durch ihren Seelenschmerz unterscheiden. Er wird sich durch Klage, Tränen und Warnungen ausdrücken. Andere kehren das Böse unter den Teppich und (er)finden Erklärungen für die große Bosheit, die sich überall breitmacht. Aber wer dafür brennt, dass Gottes Güte verstanden wird, wer Menschenseelen liebt, kann nicht schweigen, um sich dadurch irgendwelche Vorteile zu sichern. Tag für Tag leiden die Gerechten unter den unheiligen Taten und Gesprächen der Ungerechten. Sie sind machtlos, den reißenden Strom der Ungerechtigkeit aufzuhalten. Deshalb sind sie von Trauer und Sorge erfüllt. Sie klagen Gott ihr Leid, wenn sie sehen, wie der Glaube in den Familien mit Füßen getreten wird, die große Erkenntnis haben. Sie weinen und zerbrechen sich den Kopf, weil Stolz, Habsucht, Egoismus und Täuschung aller Art in der Gemeinde zu finden sind. Gottes Geist, der dazu drängt, andere zu warnen, wird zum Schweigen gebracht, und Satans Knechte triumphieren. Gott gerät in Verruf und die Wahrheit wird wirkungslos.

Fortsetzung

Aus: Testimonies to the Church 5, 207–210

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich stimme der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten nach EU-DSGVO zu und akzeptiere die Datenschutzbedingungen.