Ist Tanzen nur harmlose Unterhaltung – oder ein Spiegel dessen, woran unser Herz wirklich hängt? Dieser Text führt mitten hinein in die Spannung zwischen Zeitgeist und geistlicher Klarheit und stellt unbequeme, aber zeitlose Fragen. Von Ellen White
Lesezeit: 10 Minuten
Liebe Schwester,
du fragst, ob es Sünde sei, Tanzveranstaltungen oder -parties zu besuchen. Denn diese Freizeitbeschäftigung ziehe dich sehr an; wenn es aber eine Sünde sei, würdest du darauf verzichten wollen.
Bevor ich direkt antworte, bitte ich dich, kurz einen Blick auf die Zeit zu werfen, in der wir heute leben – und auf seinen Auftrag.
Die Zeit, in der wir leben
Bevor ich diese Frage direkt beantworte, bitte ich dich, über die Stellung und Aufgabe des Volkes Gottes in der heutigen Zeit nachzudenken.
Johannes, der Offenbarer, sah im Blick durch die Zeit den dritten Engel mitten durch den Himmel fliegen. Er rief: »Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus.« (Offenbarung 14,12)
Die Prophezeiungen zeigen: Dieser himmlische Bote steht für eine Gruppe Menschen. Für religiöse Lehrer.
Sie rufen die Menschen dazu auf, Gottes Gesetz zu beherzigen und auf seinen Sohn aus dem Himmel zu warten.
Deshalb wird diese ernste Botschaft des dritten Engels von denen verkündigt, die sie selbst als Wahrheit erkannt haben. Und die innerlich davon überzeugt sind.
Welt im Irrtum
Die Welt geht weiter – sorglos und ohne Gott. Sie bleibt auf dem Weg des Irrtums.
Von den Kanzeln hört man: »Lasst euch nicht irritieren. Jesus kommt erst in Tausenden von Jahren. Alles bleibt, wie immer.«
Andere gehen noch weiter. Sie werten Gottes Gesetz ab, nennen es Sklavenjoch.
Schlafende »Christen«
Doch während »Christen« schlafen, ist Satan hochaktiv. Er arbeitet mit großer Energie. Und mit Ausdauer. Sein Werk der Finsternis wird bald enden. Seine Macht wird gebunden werden. Darum ist er in großem Zorn herabgekommen, um »wenn möglich sogar die Auserwählten zu verführen« (Offenbarung 12,12, Matthäus 24,24).
Die entscheidende Frage
Ist dies eine Zeit, in der wir uns mit den Gottlosen verbinden sollen – in Leichtsinn und weltlichen Vergnügungen?
Und noch direkter:
Gewinnen wir sie eher für die überlebenswichtigen Wahrheiten, wenn sie uns im Theater oder im Ballsaal sehen? [im Kino oder in der Disko?]
Unglaube und die Tage Noahs
Der Unglaube breitet sich ungehindert aus.
»Christen« lehnen nicht nur den Glauben an gewaltige Krisen ab, die in der Zukunft auf die Welt zukommen, sondern winken auch ab bei Berichten über vergangene Krisen und Gottes Eingreifen.
Viele erklären die Sintflut für einen Mythos. Und das Buch Genesis für eine Fabel.
Jesus sah es anders
Unser Retter tat das nicht. Er spricht von Noah als einer realen Person. Von der Flut als einem echten Ereignis. Und von jener Generation als Hinweis auf unsere Zeit.
Die Welt vor der Flut
Über die Zeit vor der Flut steht geschrieben: »Die Bosheit des Menschen war groß auf Erden und alles Trachten der Gedanken seines Herzens nur böse allezeit«. (1. Mose 6,5)
Und weiter: »Die Erde war verderbt vor Gott und voller Gewalttat.« (1. Mose 6,11)
Das ist ein Bild aus der Bibel. Gezeichnet das von einem inspirierten Schreiber. Und genau so – sagt die Schrift – wird die Welt wieder sein, bevor Jesus wiederkommt.
Leben für den Moment
Zur Zeit Noahs suchten die Menschen ihre höchste Freude im Vergnügen. In der Erfüllung ihrer Wünsche. Diese Welt war ihr Alles. »Esst, trinkt und seid fröhlich!« das war ihr Ruf.
Und heute?
Heute ist es nicht anders. Die Liebe zum Vergnügen ist maßlos. Der Geist der Weltlichkeit durchzieht alles. Und er beherrscht viele Menschen.
Doch sie bedenken kaum: Ihre Worte und Taten steuern auf einen Kipppunkt zu und jede Sünde wird ihre letzte Konsequenz haben.
Verantwortung und Wachsamkeit
Damals gab es einen Gott, der die Bewohner der vorsintflutlichen Welt mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontierte. Heute gibt es ihn immer noch. Er zieht Bilanz und sorgt dafür, dass jeder die Ernte seiner eigenen Werke einfährt.
Der Auftrag der Jesusjünger
Gottes treue Wächter sollen das sichtbar machen. Klar. Deutlich. Unübersehbar. Jedes Gemeindeglied hat diesen Auftrag. Die Wahrheit soll erkennbar sein. Wir leben in den letzten Tagen leben. Der HERR ist nahe.
Die Worte des großen Apostels gelten direkt auch uns: »Ihr aber, Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überrasche. Ihr seid alle Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir gehören nicht der Nacht noch der Finsternis. Darum lasst uns nicht schlafen wie die anderen, sondern wachen und nüchtern sein.«
Die große Frage lautet:
Welche Rolle spielen wir in dieser ernsten Zeit?
Wollen wir dem weltlichen Lebensstil folgen – und dem Stolz? Gehen wir hinein in ausgelassene Freude und Ausschweifung?
Theater, Billard, Kegeln, Walzer und Co
Der treue Christ wird keinen Vergnügungsort aufsuchen und keinen Zeitvertreib wählen, auf den er nicht Gottes Segen erbitten kann. Er wird weder im Theater, noch im Billardsaal oder in der Kegelbahn zu finden sein.
Er wird sich nicht den fröhlichen Walzern anschließen und keine anderen betörenden Vergnügungen genießen, die Jesus aus den Gedanken und Gefühlen verdrängen. Wer sich für solche Vergnügungen ausspricht, dem antworten wir: Wir können sie nicht im Namen Jesu von Nazareth ausüben.
Gottes Segen kann nicht für eine Stunde erwartet werden, die im Theater oder beim Tanz verbracht wird. Kein Christ möchte an einem solchen Ort sterben. Niemand möchte dort gefunden werden, wenn Jesus wiederkommt.
Wenn wir an die letzte Stunde denken und vor der Bilanz unseres Lebens stehen, werden wir dann etwa bereuen, dass wir an zu wenigen Vergnügungsfesten teilgenommen haben? Oder werden wir nicht vielmehr bitter bereuen, dass wir so viele kostbare Stunden mit »Selbstbefriedigung« verschwendet haben?
Gewöhnung an Sünde und religiöse Selbsttäuschung
Es ist zur Gewohnheit geworden, dass bekennende Christen fast jedes schädliche Laster schönreden, dem sie ergeben sind. Durch die ständige Nähe zur Sünde verlieren sie das Gespür für ihr wahres Ausmaß.
Viele, die sich als Gottes Kinder bezeichnen, beschönigen Sünden, die sein Wort verurteilt. Sie verbinden kirchliche Wohltätigkeitszwecke mit ihren gottlosen Ausschweifungen. So leihen sie sich das Gewand des Himmels, um darin dem Teufel zu dienen.
Seelen werden getäuscht, irregeführt und verlieren Tugend und Aufrichtigkeit durch diese modischen Ausschweifungen.
Tanz und Kartenspiel daheim
In vielen religiösen Familien werden Tanzen und Kartenspiel als Beschäftigung im Wohnzimmer gepflegt. Es wird argumentiert, dass dies harmlose häusliche Unterhaltung sei, die unter elterlicher Aufsicht gefahrlos genossen werden könne.
Doch dadurch wird die Liebe zu diesen verführerischen Vergnügungen gefördert, und was zu Hause als harmlos gilt, wird außerhalb bald nicht mehr als gefährlich angesehen.
Es ist noch nicht erwiesen, dass aus diesen Vergnügungen irgendein wirklicher Nutzen entsteht. Sie verleihen weder körperliche Kraft noch geistige Ruhe. Sie pflanzen der Seele keine tugendhaften oder heiligen Gedanken ein.
Im Gegenteil: Sie zerstören das Interesse an tiefem Nachdenken und religiösen Gottesdiensten.
Zwar besteht ein großer Unterschied zwischen den besseren, gehobeneren Gesellschaften und den schrankenlosen und moralisch herabgekommenen Versammlungen einfacher Tanzlokale. Doch alle sind Stufen auf dem Weg der Zerstreuung und Zersetzung.
Tanz als Schule der Unmoral
Das Tanzvergnügen, wie es heute betrieben wird, ist eine Schule der Verderbnis und ein schwerer Fluch für die Gesellschaft. Wenn alle, die jährlich dadurch in unseren Großstädten zugrunde gehen, zu Wort kämen – welche Geschichten zerstörter Leben würden sich zeigen!
Wie viele, die dieses Verhalten heute noch verteidigen, würden dann von Schmerz und Entsetzen erfüllt sein!
Wie können sich Eltern, die Jesus nachfolgen wollen, dazu entschließen, ihre Kinder solchen Versuchungen auszusetzen oder selbst solche Feste zu besuchen? Wie können junge Männer und junge Frauen ihre Seele für dieses betörende Vergnügen eintauschen?
Die innere Leere des Menschen und Jesu Einladung
Die große Mehrheit der Menschen ist von den Dingen dieser Welt so eingenommen, dass göttliche Wahrheit keinen dauerhaften Platz in ihren Herzen findet. Und doch vermögen alle irdischen Güter nicht, die Bedürfnisse der Seele zu erfüllen.
Es bleibt ein namenloses Verlangen nach etwas, das sie nicht besitzen – nach Frieden und Ruhe, die nicht von dieser Erde stammen.
So war es auch bei den Besuchern des Tempels der alten Zeit: inmitten eindrucksvoller Zeremonien, glänzender Pracht, Musik und Festlichkeit blieben sie innerlich leer.
Wie willkommen war da der Ruf: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke.« (Johannes 7,37)
Dieselbe Botschaft, die das Herz der Samariterin am Jakobsbrunnen erfreute: »Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird niemals dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm eine Quelle werden, die ins ewige Leben quillt.« (Johannes 4,14)
Nur Jesus kann dieses innere Verlangen der menschlichen Seele stillen. Seine Einladung reicht bis in unsere Zeit hinein: »Kommt zu mir und trinkt.«
Die Entscheidung des Herzens
Tausende Menschen reisen über Land und Meer, um Besitz zu erlangen, der doch bald vergeht, und doch weisen sie das Angebot ewiger Reichtümer gleichgültig zurück.
Die liebevollen Einladungen des Erlösers, seine ernsten Bitten und treuen Unterweisungen treffen auf stumpfe Ohren und harte Herzen.
Vielen, die Zeit und Gelegenheit hätten, die Wahrheit kennenzulernen, muss Jesus erklären: »Ihr wolltet nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.« (Johannes 5,40)
Der Blick auf Jesus in Gethsemane
Meine Schwester, wenn du das Leben Jesu genau studierst, wie es in der Bibel beschrieben ist, und wenn er dir durch den Heiligen Geist so offenbart wird, wie er wirklich ist, dann wirst du selbst erkennen, dass das Tanzen keinen Platz im Leben eines Jesusjüngers hat.
Wenn du den Wunsch verspürst, daran teilzunehmen, dann begib dich in Gedanken nach Gethsemane und schaue dir an, wie Jesus gelitten hat.
Siehst du den Erlöser in übermenschlicher Seelennot niedergebeugt unter der Last der Sünden der ganzen Welt? Höre sein Gebet: »Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht mein Wille, sondern deiner geschehe.« (Matthäus 26,39)
Die Stunde der Dunkelheit ist gekommen. Jesus ist in den Schatten seines Kreuzes eingetreten. Allein muss er den bitteren Kelch trinken. Von allen Menschen der Erde, die er gesegnet und getröstet hat, ist niemand da, der ihn in dieser furchtbaren Stunde tröstet. Er wird in die Hände eines mörderischen Pöbels ausgeliefert. Schwach und erschöpft wird er von einem Gericht zum anderen geschleppt. Sein eigenes Volk ist seine Anklage, die Römer sind seine Henker. Und so gibt er, der keinen Makel der Sünde kannte, sein Leben wie ein Verbrecher auf Golgatha hin.
Das Kreuz und seine Wirkung auf das Herz
Diese Geschichte sollte jede Seele tief bewegen. Um uns zu retten, wurde der Sohn Gottes ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Er wurde um unserer Übertretungen willen verwundet, und durch seine Striemen sind wir geheilt (Jesaja 53,3-5).
Gott macht jeden von uns verantwortlich für eine Seele von solchem Wert. Wenn das Bewusstsein dieses unermesslichen Opfers in uns lebendig bleibt, wird die Tanzfläche ihre Anziehungskraft verlieren.
Jesus als Vorbild und die letzte Entscheidung
Jesus starb nicht nur als unser Opfer, sondern lebte auch als unser Vorbild. In seiner menschlichen Natur ist er vollkommen, makellos und rein.
Jesusjünger sein bedeutet, Jesus ähnlich zu werden. Unser ganzes Wesen – Seele, Körper und Geist bedarf der Reinigung, Veredlung und Heiligung, bis wir sein Bild widerspiegeln und seinem Vorbild folgen.
Meine Schwester, das ist unsere Aufgabe als Jesusjünger. Wir brauchen keine Angst haben vor Vergnügen oder Freuden, die uns in diesem Prozess unterstützen. Aber wir sollen alles meiden, was unsere Aufmerksamkeit ablenkt oder unseren Eifer schwächt.
Und in diesem Licht beantwortet sich die Frage ganz von selbst: Auf welcher Seite ist das Tanzen einzuordnen?
Aus: Review and Herald, 28. Februar 1882
Im Deutschen bereits veröffentlicht 2016 und 2002 in anderem Sprachstil.

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