Zwischen Heute und Ewigkeit: Wie lange sollen Adventisten eigentlich noch planen?

Eine generationenübergreifende Gemeindegruppe unterbricht ihre Planung und blickt gemeinsam zum lichtdurchfluteten Horizont.
Bild erstellt mit KI (ChatGPT)

Die Wiederkunft Jesu ist das Herzstück adventistischer Hoffnung. Doch wie wirkt sich diese Hoffnung auf Ausbildung, Familie oder Gemeindeprojekte aus? Der Artikel sucht einen biblisch ausgewogenen Planungshorizont. Von Kai Mester

Lesezeit: 3 Minuten

Wir Adventisten warten auf Jesu Wiederkunft. Das steckt schon in der Definition des Wortes Adventist. Denn Advent heißt ja Ankunft. Auf diese Wiederkunft warten wir nun schon seit William Millers erster Wiederkunftspredigt im August 1831 bald zweihundert Jahre.

So finden wir in unserer Gemeinde Menschen, die gar nicht mehr daran glauben, dass Jesus überhaupt kommt, sich aber trotzdem Adventisten nennen, kulturell sozusagen, weil sie so aufgewachsen sind und sich zugehörig fühlen; andere erwarten aufgrund aktueller Ereignisse oder gewisser Bibelauslegungen, dass es wohl kaum noch mehr als drei Jahre gehen könne; wieder andere meinen, dass Jesus sowohl jeden Moment als auch erst in hundert Jahren kommen könne.

Ein Adventist ohne Naherwartung, den Lukas 21,28 kalt lässt, weil er sich nicht nach der Hochzeit mit dem Lamm sehnt, hat eigentlich seine innere Identität verloren und zwangsläufig seinen Blick vom Lamm abgewendet, es sei denn er befindet sich noch im Erkenntnisprozess auf dem Weg dorthin.

Aufgrund prophetischer Aussagen und ihrer Erfüllungen komme ich immer wieder dazu, die Nähe der Wiederkunft nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in Jahren zu empfinden, zum Beispiel durch den Terroranschlag in New York, den Ellen White knapp hundert Jahre zuvor visionär voraussah. Oder durch die internationale Bedeutung der Vereinigten Staaten auf dem Hintergrund von Offenbarung 13.

Das in der Bibel und dem Geist der Weissagung beschriebene Endzeitszenario scheint mir jedoch auch mehr als nur ein paar Monate in Anspruch zu nehmen. Es besteht nun aber die Gefahr, dass wir Jesus zu früh erwarten und deshalb wichtige Entscheidungen falsch treffen; wenn es beispielsweise um die Ausbildung unserer Kinder geht oder um die Gründung eines Gesundheitszentrums oder Kinderdorfs etc. Andererseits kann uns die Nähe der Wiederkunft zu einer besonderen Vorbereitung animieren, sodass wir unsere spezielle Aufgabe in Gottes Werk besser erkennen können.

Deshalb hat mir eine Aussage von Ellen White bei der Suche nach einem gesunden allgemein gültigen Planungszeitraum sehr weitergeholfen: »Niemand wird voraussage n können, wann die Zeit gekommen ist, denn ›jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand‹ (Matthäus 24,36). Wir können nicht sagen, er komme in einem, in zwei oder fünf Jahren. Wir sollen aber sein Kommen auch nicht hinausschieben und behaupten, er käme vielleicht in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren noch nicht.« (Review and Herald, March 22, 1892; vgl. Maranatha, 136)

Erstens können wir morgen schon sterben, dann ist unsere Gnadenzeit viel früher zu Ende. Wir sollen also jeden Tag bereit sein. Was aber unseren Planungszeitraum angeht, sind fünf Jahre zu kurz und zehn Jahre zu lang.

Sieben oder acht Jahre scheinen also ein gesundes Mittelmaß zu sein. Sind wir näher an Jesu Wiederkunft, werden wir dann doch überrascht sein, dass sich alles schneller entwickelt hat. Wenn wir aber immer bereit sind, wird das eine freudige Überraschung für uns sein.

So ist die adventistische Naherwartung eine Kombination aus ständiger Bereitschaft, einem gesunden adventorientierten Planungszeitraum, der Zeit lässt, um noch viele Menschen zu retten, und einer durch Prophetie und Weltgeschehen verstärkten Sehnsucht nach seiner Ankunft.

Zuerst erschienen in Unser festes Fundament, 8-2004

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