Was Jesus wohl über Fußball sagen würde? Eine unbequeme Frage zur WM

Ein Schiedsrichter zeigt in einem Fußballspiel eine rote Karte.
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Was, wenn Fußball nicht nur ein Spiel ist, sondern ein Spiegel unserer Werte? Eine unbequeme WM-Reflexion zwischen Bergpredigt, Wettbewerb und der Frage: Wofür schlägt unser Herz wirklich? Von Kai Mester

Lesezeit: 6 Minuten

Die Weltmeisterschaft läuft.

Millionen Menschen fiebern mit. Herzen schlagen schneller. Fahnen werden gehisst. Trikots angezogen. Termine verschoben. Freundschaften kurzzeitig auf Eis gelegt. Ganze Nationen hoffen auf den großen Sieg.

Und irgendwo zwischen Fanmeilen, Public Viewing und Jubelschreien drängt sich eine seltsame Frage auf:

Was würde Jesus eigentlich über Fußball denken?

Nicht über Bewegung, Sport oder gemeinsames Spielen.

Sondern über das Prinzip dahinter.

Bevor du jetzt weiterliest: Dies ist kein Angriff auf Fußballfans. Auch keine Forderung, den Ball für immer wegzulegen.

Es ist Einladung zum Nachdenken.

Versuche für einen Moment, Fußball nicht mit den Augen unserer Kultur zu betrachten, sondern durch die Brille der Bergpredigt.

Dann wird es plötzlich sehr interessant.

Die seltsame Logik des Spiels

Jedes Fußballspiel hat ein klares Ziel:

Du sollst bekommen, was der andere nicht bekommen darf.
Du sollst gewinnen. Der andere soll verlieren.
Je deutlicher er verliert, desto größer dein Erfolg.

Das klingt völlig normal.

Bis man die Worte Jesu danebenlegt:

»Liebt eure Feinde.« »Segnet, die euch fluchen.« »Tut wohl denen, die euch hassen.« Plötzlich entsteht eine Spannung.

Denn Fußball lebt nicht davon, dass beide Seiten gewinnen.
Fußball lebt davon, dass eine Seite verliert.

Das achte Gebot auf dem Fußballplatz

»Du sollst nicht stehlen.«

Natürlich wird im Fußball keine Brieftasche geklaut.

Aber was geschieht ständig?

Man nimmt dem anderen den Ball weg.

Genauer gesagt:

Man versucht, ihm etwas wegzunehmen, das er behalten möchte.

Der Verteidiger nennt es Balleroberung.
Der Angreifer nennt es Pressing.
Die Zuschauer nennen es starkes Spiel.

Doch nüchtern betrachtet lautet die Grundidee:

»Ich will haben, was du gerade besitzt.«

Das neunte Gebot und die Kunst der Täuschung

Jeder gute Spieler beherrscht Täuschungen.

Körpertäuschungen. Finte links, Laufweg rechts. Man zeigt etwas an und macht etwas anderes.

Je erfolgreicher die Täuschung, desto größer der Beifall.

Im normalen Leben würden wir das nicht unbedingt als vorbildlichen Charakter betrachten. Und doch lassen wir uns davon prägen. Denn auf dem Fußballplatz wird es gefeiert.

Das zehnte Gebot als Spielprinzip

»Du sollst nicht begehren.«

Doch genau davon lebt der Wettkampf.

Jede Mannschaft begehrt dieselbe Trophäe.
Denselben Sieg. Denselben Titel. Denselben Ruhm.

Zwei Gruppen wollen gleichzeitig etwas besitzen, das am Ende nur einer gehören kann.

Der Konflikt ist kein Nebeneffekt. Er ist der Motor des Spiels.

Das Allerheiligste des Gegners

Es mag übertrieben klingen.

Aber denke einen Moment darüber nach.

Die gesamte Strategie einer Mannschaft besteht darin, in den am stärksten geschützten Bereich des Gegners einzudringen.

Dort, wo er am verletzlichsten ist.
Dort, wo er alles verteidigt.
Dort soll der entscheidende Durchbruch gelingen.

Natürlich ist Fußball kein Ehebruch.

Aber die Symbolik ist bemerkenswert.

Das Spiel lebt davon, Grenzen zu überwinden, die der andere mit aller Kraft aufrechterhalten möchte. Gegen den Willen des anderen in seinen intimsten Bereich einzudringen.

Warum fühlt sich ein Tor so gut an?

Ein Tor löst oft emotionale Explosionen aus.

Menschen springen auf. Schreien. Umarmen Fremde. Werfen die Arme in die Luft. Manche weinen sogar.

Die Freude ist echt.

Aber sie entsteht nicht nur durch das eigene Gelingen.
Sie entsteht auch dadurch, dass der Gegner gescheitert ist.
Kein Tor ohne einen Verlierer. Kein Sieg ohne eine Niederlage.

Wenn Fußball zur Religion wird

Hier wird die Sache ernster. Stadien werden zu Kathedralen. Fans pilgern durch ganze Länder. Heilige Zeiten werden freigehalten.

Gesänge werden auswendig gelernt. Symbole verehrt. Legenden gefeiert.

Kinder kennen die Lebensgeschichten von Spielern besser als die Geschichten der Bibel.
Manche tragen den Namen ihrer Stars auf dem Rücken.
Manche kennen jede Statistik.
Manche verbringen mehr Zeit mit Fußball als mit Gott.

An dieser Stelle wird die Frage nach dem ersten Gebot plötzlich unbequem.

Das Problem mit den Gebeten vor dem Anpfiff

Noch merkwürdiger wird es, wenn beide Mannschaften um Gottes Hilfe zum Sieg beten.

Was soll Gott tun?
Der einen Mannschaft helfen und die andere im Stich lassen?
Soll der Schöpfer des Universums Partei ergreifen, damit Team A Team B besiegt?

Jesus lehrte seine Nachfolger zu beten: »Dein Wille geschehe.«
Nicht: »Lass uns gewinnen.«

Das sechste Gebot – Töten ohne Blutvergießen?

»Du sollst nicht töten.«

Auf den ersten Blick scheint dieses Gebot mit Fußball überhaupt nichts zu tun zu haben.

Und tatsächlich wird auf dem Spielfeld niemand erschlagen.

Doch Jesus vertiefte das Gebot später auf überraschende Weise. In der Bergpredigt sprach er nicht nur vom Töten selbst, sondern auch von den Einstellungen des Herzens: Verachtung, Hass und die Herabwürdigung anderer Menschen.

Hier beginnt eine unbequeme Frage.

Wie oft besteht die Freude eines Sieges teilweise darin, dass der andere verloren hat?
Warum feiern Fans manchmal nicht nur den eigenen Erfolg, sondern ebenso das Scheitern des Gegners?
Warum werden gegnerische Mannschaften verspottet, beschimpft oder symbolisch »vernichtet«?

Man hört Formulierungen wie:
»Wir haben sie abgeschossen.«
»Wir haben sie zerstört.«
»Wir haben sie vernichtet.«
Natürlich sind das nur Redewendungen.
Und doch verraten sie etwas über die tieferen Impulse des menschlichen Herzens.

Die Welt liebt Siege über andere. Das Reich Gottes liebt die Rettung anderer.

Jesus kam nicht, um seine Feinde zu vernichten, sondern um für sie zu sterben.

Vielleicht liegt genau hier der größte Gegensatz zwischen der Logik des Evangeliums und der Logik der Wettkämpfe: Der Sohn Gottes sah im Gegner keinen Verlierer, sondern einen Menschen, den er gewinnen wollte.

Die große Frage

Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht im Fußball.

Vielleicht liegt es darin, dass wir uns so sehr an die Prinzipien dieser Welt gewöhnt haben, dass sie uns selbstverständlich erscheinen.

Wir jubeln über den Sieg des Stärkeren.
Wir feiern den Triumph über den Gegner.
Wir bewundern Ruhm, Status und Überlegenheit.
Und merken kaum noch, wie fremd all das dem Geist Jesu eigentlich ist.

Die Bergpredigt beschreibt eine völlig andere Welt.
Eine Welt, in der nicht der Sieger geehrt wird, sondern der Diener.
In der nicht der Gegner besiegt, sondern geliebt wird.
In der nicht der Erste, sondern der Letzte groß ist.

Am Kreuz gewann Jesus nicht dadurch, dass er seine Gegner besiegte.
Sondern dadurch, dass er für sie starb.

Vielleicht sollten Christen deshalb nicht zuerst fragen:
»Ist Fußball schauen mit Christsein vereinbar?«
Sondern: »Warum begeistert mich das eigentlich?«
Was genau zieht mein Herz an?
Die Freude am Spiel?
Oder die Freude am Sieg über andere?
Denn was unser Herz begeistert, prägt uns.

Und vielleicht würden manche von uns feststellen, dass sie während einer Weltmeisterschaft stundenlang gebannt auf einen Wettbewerb schauen, dessen Grundprinzip genau das Gegenteil dessen ist, was Jesus gelehrt und vorgelebt hat.

Wenn das stimmt, dann stellt sich am Ende nicht die Frage, ob Jesus das Finale ansehen würde.

Sondern ob Menschen, die von seinem Geist erfüllt sind, überhaupt noch den Wunsch verspüren können, dabei zu sitzen.

Und vielleicht geht die Frage, die Jesus seinen Nachfolgern seit zweitausend Jahren stellt, ja auch dir heute unter die Haut:

»Wo ist dein Schatz? Woran hängt dein Herz?«

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