Die Bibel beschönigt ihre Hauptfiguren nicht. Gerade ihre ehrliche Darstellung menschlicher Schwächen macht sie glaubwürdig und schenkt Hoffnung für den eigenen Glaubensweg. Von Ellen White
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Die Biographien der Bibel sind authentische Berichte über Personen, die wirklich gelebt haben. Von Adam an bis zu den Zeiten der Apostel besitzen wir durch alle Generationen hindurch einen klaren, ungeschönten Bericht von dem, was sich wirklich ereignet hat und von den echten Erfahrungen wirklicher Persönlichkeiten.
Ungeschminkt berichtet
Viele wundern sich darüber, dass in den göttlich inspirierten Berichten Tatsachen aus dem Leben guter Menschen beschrieben werden, die ein schlechtes Licht auf ihren moralischen Charakter werfen. Ungläubige verweisen mit großer Befriedigung auf diese Sünden und spotten über die Täter. Interessanterweise griffen die inspirierten Schreiber nicht zu Unwahrheiten, um die Seiten der heiligen Geschichte vor einer Verdunkelung durch die Berichte menschlicher Schwächen und Fehler zu bewahren. Gottes Autoren schrieben, was ihnen der Heilige Geist eingab; auf den Inhalt selbst nahmen sie keinen Einfluss. Sie schrieben die buchstäbliche Wahrheit nieder. Gräuliche und anstößige Tatsachen sind aus Gründen offenbart worden, die unser beschränkter Verstand nicht völlig zu erfassen vermag.
Beweis für Glaubwürdigkeit
Es ist einer der stärksten Beweise für die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift, dass weder die Wahrheit bemäntelt, noch die Sünden ihrer Hauptakteure verschwiegen werden. Viele werden einwenden, es sei ja gar nicht so schwer zu berichten, was sich in einem gewöhnlichen Leben zugetragen habe. Aber es ist eine erwiesene Tatsache, dass es einfach nicht menschenmöglich ist, eine allen Seiten gerecht werdende Darstellung eines Zeitgenossen zu geben. Und es ist nahezu ebenso schwierig, ohne von der genauen Wahrheit abzuweichen, den Lebenslauf irgendeines Einzelnen oder eines Volkes zu erzählen, deren Entwicklung wir kennen.
Grenzen menschlicher Geschichtsschreibung
Der menschliche Geist ist so anfällig für Vorurteile, dass es ihm fast unmöglich ist, den Gegenstand unparteiisch zu behandeln. Entweder werden die Mängel eines Menschen in der Lebensbeschreibung aufs Schärfste herausgestellt oder seine Tugenden erstrahlen in hellstem Glanz, je nachdem ob der Schreiber für oder gegen ihn eingenommen ist. Wie sehr der Historiker auch vorhaben mag, unparteiisch zu urteilen, so werden doch alle Kritiker darin übereinstimmen, dass es sehr schwer ist, dieses Ziel zu erreichen.
Aber göttliche Salbung, über die Schwächen der Menschheit erhaben, spricht die reine, nackte Wahrheit. Wie viele Lebensbeschreibungen sind über fehlerfreie Christen geschrieben worden, die sich in ihrem Familien- und Gemeindeleben als Beispiele unbefleckter Frömmigkeit hervortaten! Kein Makel entstellt die Schönheit ihrer Heiligkeit, kein Fehler wird uns berichtet, um uns nicht daran zu erinnern, dass sie gewöhnliche Sünder waren und damit den alltäglichen Versuchungen der Menschheit unterworfen.
Was menschliche Biografien verschweigen
Wie andersartig würden sie aber erscheinen, wenn die Feder göttlicher Eingebung ihre Lebensgeschichte geschrieben hätte. Menschliche Schwächen wären offenbar geworden; der Kampf gegen Selbstsucht, Scheinheiligkeit und Hochmut, vielleicht gegen verborgene Sünden und der ständige Widerstreit zwischen Geist und Fleisch.
Ehrlichkeit hat ihre Grenzen
Selbst der Öffentlichkeit nicht zugängliche Tagebücher offenbaren auf ihren Seiten nicht die sündhaften Taten des Schreibers. Manchmal wird von Kämpfen mit dem Bösen erzählt, aber gewöhnlich nur, wenn das Gute den Sieg davongetragen hat. Diese Tagebücher mögen dennoch ein ehrlicher Bericht lobenswerter Taten und edlen Strebens sein, besonders, wenn der Schreiber aufrichtig bemüht war, ein gewissenhaftes Tagebuch über sein Leben zu führen. Der Mensch bringt es aber kaum fertig, seine Fehler seinen Freunden offenzulegen.
Bin ich ein hoffnungsloser Fall?
Wenn Menschen ohne göttliche Eingebung die Heilige Schrift geschrieben hätten, würde sie ein völlig anderes Bild präsentieren. Das Bibelstudium wäre dann geradezu entmutigend für irrende Sterbliche, die mit natürlichen Schwächen und den Versuchungen des schlauen Feindes zu kämpfen haben. Aber so wie die Bibel ist, gibt sie uns einen genauen Bericht der Glaubenserfahrungen wichtiger Persönlichkeiten biblischer Geschichte.
Gefallene Menschen in Gottes Hand
Männer, die von Gott begünstigt waren und denen er große Verantwortung übertragen hatte, wurden manchmal von den Versuchungen Satans überwunden und versündigten sich ebenso, wie wir heute streben, schwanken und häufig in Irrtum fallen. Doch für unsere verzagten Herzen ist es ermutigend zu wissen, dass sie durch Gottes Gnade frischen Mut schöpfen konnten, sich aufs Neue über ihre böse Natur zu erheben. Wenn wir uns dies vergegenwärtigen, werden auch wir bereit sein, den Kampf wieder aufzunehmen.
Aus Fehlern lernen
Sowohl das Murren des alten Israel und seine rebellische Unzufriedenheit als auch die mächtigen Wunder, die Gott für sie wirkte, sowie die Bestrafung ihrer Abgötterei und ihres Undanks sind zu unserem Nutzen berichtet. Das Beispiel des alten Israel ist dem Volk Gottes zur Warnung gegeben, damit es Unglauben meide und dem Zorn Gottes entrinne. Hätte man die Missetaten der Hebräer nicht in die heiligen Berichte aufgenommen, sondern nur ihre Tugenden erwähnt, würden wir aus ihrer Geschichte nicht das lernen, was sie uns vermitteln will …
Die Feder göttlicher Inspiration berichtet, getreu ihrer Aufgabe, von den Sünden, die Noah, Lot, Mose, Abraham, David und Salomo übermannten, ja dass selbst Elias starke innere Haltung unter der Anfechtung zusammenbrach, die er während seiner furchtbaren Prüfung erlebte. Jonas Ungehorsam und Israels Abgötterei werden wahrheitsgetreu berichtet. Die Verleugnung Jesu durch Petrus, die scharfe Auseinandersetzung zwischen Paulus und Barnabas, die Fehler und menschlichen Schwächen der Propheten und Apostel, alles legte der Heilige Geist bloß, der den Schleier vom menschlichen Herzen hinwegnimmt.
Keine Übermenschen
Da liegt das Leben der Gläubigen vor uns mit allen Fehlern und Torheiten, die allen folgenden Geschlechtern zur Lehre bestimmt sind. Hätten sie keine Schwächen gehabt, sie wären eine Art Übermenschen gewesen. Wir müssten verzweifeln vor der Frage, ob unsere sündhafte Natur jemals eine derartige Höhe erreichen könnte. Wenn wir aber sehen, wie sie kämpften und fielen, sich wiederum ein Herz fassten und schließlich durch Gottes Gnade siegten, dann schöpfen wir neuen Mut. Wir werden dazu geführt, die Hindernisse zu überwinden, die uns die degenerierte Natur in den Weg legt.
Ist meine Sünde entschuldbar?
Gott strafte immer gewissenhaft alle Verbrechen. Er sandte seine Propheten, um die Schuldigen zu warnen, ihre Sünden anzuprangern und das Urteil über sie zu fällen. Alle, die sich fragen, warum das Wort Gottes die Sünden seines Volkes in so deutlicher Form ans Licht bringt, dass Spötter darüber lachen und Fromme darüber weinen, sollten bedenken: Alles wurde geschrieben, um uns zu unterweisen, damit wir die erwähnten Übel meiden und nur die Gerechtigkeit der Diener Gottes nachahmen.
Wir brauchen gerade solche Lehren, wie die Bibel sie uns gibt. Denn mit der Enthüllung der Sünde wird auch die auf sie folgende Vergeltung berichtet. Die Reue und Buße des Schuldigen sowie die Wehklagen der sündenkranken Seele dringen aus der Vergangenheit herüber und sagen uns, dass der Mensch damals wie heute die vergebende Barmherzigkeit Gottes braucht. Die Bibel lehrt uns, dass Gott Verbrechen bestraft, sich des reuigen Sünders jedoch erbarmt und ihm vergibt …
David lernte daran Weisheit, wie Gott mit ihm umging, und er beugte sich demütig der Züchtigung des Allerhöchsten. Die genaue Schilderung seines Zustandes durch den Propheten Nathan zeigte David seine Sünden und half ihm, sie abzulegen. Er nahm den Rat in Sanftmut an und demütigte sich vor Gott. »Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele«, ruft er aus (Psalm 19,8).
Die Wahrheit ist heilsam
Reuige Sünder haben keinen Grund zur Verzweiflung, wenn sie an ihre Übertretungen erinnert und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Gerade dieses Bemühen um sie zeigt, wie sehr Gott sie liebt und wie wichtig ihm ihre Rettung ist. Sie brauchen nur seinem Rat zu folgen und seinen Willen zu tun, um das ewige Leben zu ererben.
Gott hält seinen irrenden Kindern alle Sünden vor Augen, damit sie diese in ihrer ganzen Abscheulichkeit im Licht göttlicher Wahrheit erkennen. Dann liegt es an ihnen, sich für immer von diesen Sünden loszusagen.#
Gottes Macht bleibt ungebrochen
Gott ist heute noch genauso mächtig, von Sünden zu erretten, wie zu den Zeiten der Patriarchen, Davids, der Propheten und Apostel. Die große Zahl der in der biblischen Geschichte aufgezeichneten Fälle, in denen Gott seine Kinder von ihren Sünden befreit hat, sollte die Christen unserer Tage ermutigen, mit Wissbegier nach göttlicher Unterweisung zu suchen und mit Eifer einen Charakter zu entwickeln, der der genauen Gerichtsuntersuchung standzuhalten vermag.
Mut aus den Erfahrungen anderer
Die biblische Geschichte stützt das verzagte Herz, weil sie uns auf Gottes Barmherzigkeit hoffen lässt. Wir brauchen nicht zu verzagen. Denn wir sehen, wie sich andere durch Schwierigkeiten gekämpft haben, die unseren gleichen; wie sie in Versuchung gefallen sind wie wir, jedoch wieder festen Boden unter die Füße bekommen haben und von Gott gesegnet worden sind.
Die Worte göttlicher Eingebung trösten und erfreuen die irrende Seele.
Durch Glauben zu Überwindern
Obgleich die Patriarchen und Apostel für menschliche Schwächen anfällig waren, erlangten sie doch durch den Glauben einen guten Ruf, fochten ihre Kämpfe aus in der Kraft des HERRN und blieben siegreich. So mögen wir der Heilkraft des Versöhnungsopfers vertrauen und im Namen Jesu zu Überwindern werden. Die Menschheit hat sich von Adams Zeiten bis in unsere heutige Generation nicht gewandelt und die Liebe Gottes ist durch alle Zeiten hindurch beispiellos geblieben.
Aus: Testimonies to the Church, Band 4, Seite 9-15; vgl. Zeugnisse für die Gemeinde, Band 4, Seite 13-20.

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