Triumph der Reformation (Reformationsserie 19): Unaufhaltsam

Triumph der Reformation (Reformationsserie 19): Unaufhaltsam
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Deshalb leben wir heute in einer freieren Welt. Von Ellen White

Lesezeit: 7 Minuten

Nach seiner Rückkehr von der Wartburg widmete sich Luther der Überarbeitung seiner Übersetzung des Neuen Testaments, und bald darauf hielt man in Deutschland das Evangelium in seiner Muttersprache in Händen. Wer die Wahrheit liebte, nahm diese Übersetzung mit großer Freude auf; wer menschliche Traditionen und Gebote bevorzugte, lehnte sie verächtlich ab.

Die Priester, selbst in der Heiligen Schrift ungebildet, beunruhigte der Gedanke, dass das gemeine Volk nun in der Lage sein würde, mit ihnen über Gottes Gebote uns sein Wort zu diskutieren, und dass ihre eigene Unwissenheit dadurch bloßgestellt werden würde. Rom setzte all seine Autorität und Macht ein, um die Verbreitung der Heiligen Schrift zu verhindern, aber alle Dekrete, Flüche und Folterungen halfen nichts. Je mehr Rom die Verbreitung der Bibel verdammte und verbot, desto neugieriger wurde das Volk. Alle, die lesen konnten, waren begierig, Gottes Wort für sich selbst zu studieren, um zu erfahren, was es wirklich lehrte. Sie trugen es mit sich herum, lasen und lasen und konnten nicht eher zufrieden sein, bis sie große Teile auswendig gelernt hatten. Als Luther den Eifer sah, mit dem das Neue Testament aufgenommen wurde, begann er sofort mit der Übersetzung der hebräischen Bibel und veröffentlichte sie in Teilen nacheinander, sobald einer fertig geworden war.

Angriff aus England

Um diese Zeit erschien ein neuer Feind der Reformation. Es erreichte Wittenberg die Nachricht, dass Heinrich VIII., König von England, ein Buch geschrieben habe, das die römischen Lehren unterstützte und Luther heftig angriff. Heinrich war einer der mächtigsten Monarchen der Christenheit, und er glaubte, er könne die Reformation ohne Schwierigkeiten auslöschen. Er zog keine Argumente aus der Heiligen Schrift heran, um seine Position zu stützen, sondern berief sich nur auf die Autorität der Kirche und die Traditionen der Kirchenväter. Auch zu Verachtung und Spott griff er und nannte Luther einen schwachen Gegner, einen Wolf, eine giftige Schlange, ein Glied des Teufels.

Das Erscheinen dieses Buches wurde von den Anhängern Roms mit großer Freude begrüßt. Seine oberflächliche Argumentation und seine harschen Anklagen gefielen allen, die die Lehren im Wort Gottes vorsätzlich ablehnte. Es wurde von Fürsten und Prälaten und sogar vom Papst selbst gelobt, und Heinrich VIII. wurde als Wunder der Weisheit, ja sogar als zweiter Salomo verehrt.

Luther las das Werk mit Erstaunen und Verachtung. Die Unwahrheit und die beleidigenden persönlichen Angriffe sowie der Tonfall hitziger Verachtung erregten seine Empörung. Der Gedanke, dass der Papst und seine Anhänger sich solch einer schwachen und oberflächlichen Produktion gerühmt hatten, machte ihn entschlossen, ihre Prahlerei zum Schweigen zu bringen.

Luthers Gegenangriff

Wieder nahm er seine Feder gegen die Feinde der Wahrheit in die Hand. Er zeigte, dass Heinrich seine Lehren nur durch menschliche Verordnungen und Lehren belegt hatte. »Was mich betrifft«, sagte er, »so höre ich nicht auf, mich auf das Evangelium und Christus zu berufen. Meine Feinde jedoch berufen sich auf weiterhin auf die Tradition, Riten und die Väter. Der heilige Paulus sagt: ›Euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.‹ (1. Korinther 2,5) Mit diesem Donnerschlag vom Himmel wirft der Apostel alle törichten Gedanken Heinrichs auf einmal um und streut sie wie Staub in den Wind.«

»Allen Entscheidungen der Väter, der Menschen, der Engel und der Teufel setze ich entgegen«, sagt er, »nicht das Alter der Tradition, nicht die Gewohnheiten der Massen, sondern das Wort des ewigen Gottes, das Evangelium, deren Gültigkeit sie selbst zugeben müssen. An dieses Buch halte, darauf stütze, darin rühme ich mich, darin triumphiere und frohlocke ich … Der König des Himmels ist auf meiner Seite; deshalb fürchte ich nichts.« Mit Argumenten aus Gottes Wort zertrümmerte und zerstreute Luther alle Haarspaltereien seiner Gegner. Mit den neuen Lehren und ihren Verfechtern war es wie mit den Israeliten in Ägypten: »je mehr das Volk bedrückt wurde, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus.« (2. Mose 1,12)

Volksbewegung mit großem Erfolg

Luthers Schriften wurden sowohl in der Stadt als auch auf dem Dorf begeistert gelesen. Abends lasen die Lehrer der Dorfschulen kleinen Gruppen vor, die sich am Kamin versammelt hatten. Jedes Mal wurden einige Seelen von der Wahrheit überzeugt und nahmen das Wort mit Freudentränen auf, um die gute Nachricht wieder weiterzusagen.

Die Worte der Inspiration bestätigten sich: »Wenn dein Wort offenbar wird, so erleuchtet es und macht klug die Unverständigen.« (Psalm 119,130) Das Studium der Heiligen Schrift bewirkte eine mächtige Veränderung in den Köpfen und Herzen des Volkes: Es reformierte nicht nur die Moral, sondern steigerte auch die Geisteskraft zu einer bis dahin unbekannten Stärke und Kraft. Die päpstliche Herrschaft hatte dem Volk ein eisernes Joch auferlegt, das es in Unwissenheit und Erniedrigung hielt. Alle ihre Unterweisungen waren so beschaffen, dass sie eine abergläubische Befolgung von Formen förderten; die vorgeschriebene Routine des Gottesdienstes wurde peinlich genau eingehalten, aber an all ihren Diensten hatten Herz und Verstand wenig Anteil. Dennoch besaßen viele dieser Gottesdienstbesucher schlummernde Kräfte, die nur geweckt und aktiviert werden mussten. Die Predigt Luthers legte die einfachen Wahrheiten von Gottes Wort dar. Das Wort selbst wurde in die Hände des einfachen Volkes gelegt. Dadurch wurde nicht nur die geistige Natur geläutert und veredelt, sondern auch den intellektuellen Kräften neues Leben eingehaucht.

Man sah Personen aller Stände mit der Bibel in der Hand die Lehren der Reformation verteidigen. Papstanhänger, die das Studium der Heiligen Schrift den Priestern und Mönchen überlassen hatten, forderten diese nun auf, die neuen Lehren zu widerlegen. Doch die Priester und Mönche kannten weder die Heilige Schrift noch Gottes Macht. Daher wurden sie von den »Ungelehrten« und »Ketzern« regelmäßig besiegt. »Leider«, so ein katholischer Schriftsteller, »hatte Luther seine Anhänger davon überzeugt, dass ihr Glaube nur auf den Worten der Heiligen Schrift beruhen dürfe«. Menschenmengen versammelten sich, um zu hören, wie gewöhnliche Menschen die Wahrheit vertraten und sogar mit gelehrten und beredten Theologen diskutierten. Die beschämende Unwissenheit dieser großen Männer wurde deutlich, als ihren Argumenten die einfachen Lehren aus Gottes Wort entgegengesetzt wurden. Ungebildete Menschen, Frauen und Arbeiter waren imstande, aus der Heiligen Schrift die Gründe für ihren Glauben zu erklären.

Einschränkungen befeuern die Reformation

Der Erfolg, den die Reformation hatte, rief den erbittertsten Widerstand hervor. Als die römischen Geistlichen sahen, dass ihre Gemeinden abnahmen, riefen sie die Hilfe der Obrigkeit an und versuchten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Zuhörer zurückzugewinnen. Dies hatte aber nur teilweise Erfolg. Die Menschen hungerten nach dem Brot des Lebens; sie hatten in den Lehren der Reformation gefunden, was ihr Seelenbedürfnis stillte, und sie wandten sich von denen ab, die sie so lange mit wertlosen Hülsen abergläubischer Riten und menschlicher Traditionen gefüttert hatten. Manchmal zwang das Volk sogar die Priester, ihr Amt aufzugeben, weil es sich darüber ärgerte, dass es so lange durch Fabeln getäuscht worden war.

Als die Reformatoren deshalb immer mehr in Bedrängnis kamen, beherzigten sie die Worte des Messias: »Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in die andere.« (Matthäus 10,23) Das Licht drang überall hin. Irgendwo fanden die Flüchtlinge immer eine gastfreundliche, offene Tür. Dort blieben sie und predigten den Messias, manchmal in der Kirche, oder, wenn ihnen dies verweigert wurde, in Privathäusern oder unter freiem Himmel. Wo immer sie Gehör fanden, war ein geweihter Tempel. Die Wahrheit, die mit solcher Energie und Gewissheit verkündet wurde, breitete sich aus wie ein Lauffeuer. Nichts konnte ihren Fortschritt aufhalten. In der Universitätsstadt Ingolstadt lebte auch einer der gelehrtesten Gegner der Reformation. Hier wurden Luthers Werke vor einer überfüllten Versammlung von einem jungen Weber verlesen. Als der dortige Universitätsrat beschloss, einen Schüler Melanchthons zum Widerruf zu zwingen, meldete sich zu seiner Verteidigung freiwillig eine Frau und forderte die Doktoren öffentlich zu einer Disputation heraus. Frauen, Kinder, Handwerker und Soldaten kannten die Heilige Schrift besser als gelehrte Doktoren oder berockte Priester.

Unaufhaltsam

Vergeblich wurden sowohl kirchliche als auch zivile Behörden angerufen, um die Ketzerei zu untersagen. Vergeblich griffen sie zu Gefängnis, Folter, Feuer und Schwert. Tausende von Gläubigen besiegelten ihren Glauben mit ihrem Blut, dennoch ging das Werk weiter. Überall in Deutschland, besonders in den sächsischen Gebieten, sowie in Frankreich und Holland, in der Schweiz, in England und in anderen Ländern erweckte der HERR Männer, die den Menschen die Augen für das Licht in Gottes Wort öffneten. Die Verfolgung führte nur zur Ausbreitung der Reformation, der Fanatismus, den der Feind einzuschleusen versuchte, ließ nur die Grenze zwischen Licht und Finsternis umso deutlicher werden.

Der Triumph der Wahrheit ließ sich nicht aufhalten. Gottes treue Baumeister arbeiteten nicht allein. Wären ihre Augen geöffnet worden, hätten sie die göttliche Gegenwart und Hilfe genauso gesehen wie der Prophet Elisa aus dem Altertum. Als sein Diener ihn auf das feindliche Heer hinwies, das sie umzingelte und ihnen jede Chance zur Flucht nahm, betete der Prophet: »HERR, öffne ihm die Augen, dass er sehe!« (2. Könige 6,17) Da sah er den Berg ringsumher voller feuriger Rosse und Wagen: Die Himmelsarmee war zum Schutz des Dieners des HERRN dort stationiert worden. Ebenso bewachten Gottes Engel die Reformatoren und ihre Unterstützer. Gott hatte seinen Dienern diesen Bau aufgetragen. Auch die vereinten Mächte von Erde und Hölle waren machtlos, sie von den Mauern zu vertreiben. Spricht der HERR: »Ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen.« (Jesaja 62,6)

Aus Signs of the Times, 1. November 1883

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