Lass dich nicht hinters Licht führen: Tod mit Zuckerguss und die Entwertung des Lebens

Lass dich nicht hinters Licht führen: Tod mit Zuckerguss und die Entwertung des Lebens
Adobe Stock – Sergey Nivens

Von tragischem Selbstmord bis hin zu popkulturellen Darstellungen – durchschaue den dünnen Schleier der Illusion. Von Daniel Knauft und Kai Mester

Lesezeit: 5 Minuten

Selbstmord ist heute eine der häufigsten Todesursachen unter Jugendlichen. Was für ein Schock war es, als sich kurz hintereinander zwölf Studenten einer Highschool das Leben nahmen. Was der Grund dafür auch gewesen sein mag – emotionale Überlastung, Langeweile, Drogen, Zynismus, Verzweiflung, Sinnlosigkeit –, jeder Selbstmord ist eine Tragödie.

Hell on Earth

Im September 2003 erregte die Rockband Hell on Earth in Florida Aufsehen, weil sie einen Bühnen-Selbstmord eines unheilbar kranken Fans ankündigte. Als man dafür keinen Veranstaltungsort finden konnte, wollte die Band mit ihrem Stunt aufs Internet ausweichen. Daraufhin erließ der Gouverneur von Florida Jeb Bush ein Gesetz, dass die Nutzung von Selbstmord fürs Showbusiness untersagte.

Gladiator

In dem mit fünf Oscars prämierten Film Gladiator bringen sich die beiden Feinde Maximus und Columbus in einem letzten Duell gegenseitig um. Als Maximus seinen Wunden erliegt, ohnmächtig wird und seinen letzten Atemzug tut, passiert seine ätherische Gestalt wie ein Nebel das Tor »zur anderen Seite«. Dort in der Ferne sieht er seine geliebte Frau und den kleinen Sohn wieder, die früher von einem römischen Todeskommando umgebracht worden waren. Sie rennen auf ihn zu, umarmen und begrüßen ihn in diesem paradiesischen Land der Hügel und Täler, offenen Blumenwiesen und des warmen Windes. Mit diesem Triumph der Gefühle endet der Film.

Warum diese Faszination am Tod? Warum sollte man den Tod auf die leichte Schulter nehmen – ein so unumkehrbares, endgültiges Ereignis? Wegen der Illusion, das nächste Leben übertreffe in jedem Fall das jetzige bei weitem? Hat diese Illusion den Tod mit einem Zuckerguss überzogen?

»Dann ist es nicht schlimm?«

Das passt zum Zauberer Gandalf und seinem Gespräch mit Pippin in Herr der Ringe über die weißen Strände und das ferne, grüne Land unter einer rasch aufgehenden Sonne. »Dann ist es nicht schlimm?« »Nein, ist es nicht!« Müssen wir uns da wundern, wenn Verzweiflung und Ernüchterung zum Selbstmord führen, weil der Tod nicht so schlimm, ja weil er schön ist? Trägt der populäre Tod mit Zuckerguss zur Entwertung des irdischen Lebens bei? Werden Lebensentscheidungen leichtfertiger getroffen, weil der Tod nur das Tor zu einem weiteren Leben ist?

Der Tod – ein Freund?

Dr. Rob L. Staples, Autor und Dozent am Theologischen Seminar der Kirche des Nazareners erklärt:

»In der griechischen Sicht von der Unsterblichkeit ist der Leib nur ein Gefängnis für die Seele … Die Seele wird unsterblich erschaffen, deshalb kann die wirkliche Person nicht sterben. In dieser dualistischen Sicht wird der Tod auf die leichte Schulter genommen. Der Tod ist ein Freund. Er lässt uns aus dem Gefängnis unseres Körpers frei.
Doch in der Bibel wird die menschliche Seele nirgendwo als von Natur aus unsterblich betrachtet. Der einzige Weg, durch den der Mensch nach dem Tod weiterleben kann, besteht in einer Auferstehung – einem Wunder.« (Words of Faith, Kansas City (2001), S. 110)

Der Tod – ein Feind!

Pippin und Gandalf haben Unrecht! Die Terroristen vom 11. September und die Mitglieder der Sekte Heaven‘s Gate unterlagen einer tragischen Täuschung! Der Tod ist hässlich. Das Leben ist kostbar. Es gibt keine Replay-Funktion. Der Tod mit Zuckerguss ist populär, aber eine Lüge, die schon auf den ersten Seiten der Bibel steht: »Keineswegs werdet ihr sterben. Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist!« (1. Mose 3,4.5) Jede Spielart des sofortigen Weiterlebens nach dem Tod geht auf diese Lüge zurück. Die Wahrheit lautet vielmehr: »Der letzte Feind … ist der Tod.« (1. Korinther 15,26)

»Wenn Tod die Trennung einer unsterblichen Seele vom sterblichen Körper bedeutet und wenn die Seele der Träger des Ich-Bewusstseins ist, kann man nicht wirklich behaupten, dass der Mensch überhaupt stirbt. ›Er streift nur diese sterbliche Hülle ab‹ [»shuffle off this mortal coil«; Shakespeare in Hamlet]. Das lässt sich kaum mit der biblischen Einstellung zum Tod vereinbaren …

Aus biblischer Sicht sieht die Theorie von der Unsterblichkeit der Seele wie ein ausgeklügelter Versuch aus, dem Tod den Stachel zu ziehen.« (George Stuart Hendry, The Westminster Confession for Today, John Knox Press (1960), S. 245)

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