Konflikte kreativ bewältigen: Wie Herausforderungen Charakter, Glauben und Führungsstärke formen

Ein Mann steht auf einer beschädigten Brücke und legt einen langen Balken über eine tiefe Lücke; im Hintergrund sind Berge, Wald und ein heller Himmel mit Sonnenstrahlen zu sehen.
Bild erstellt mit KI (Adobe Stock - olly | ChatGPT)

Schwierigkeiten sind nicht nur Hindernisse auf dem Weg des Glaubens – sie können zu Werkzeugen werden, durch die Gott Charakter formt. Wer lernt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Krisen im Vertrauen auf Gott zu bewältigen, gewinnt innere Stärke, geistliche Reife und einen nachhaltigen Einfluss auf andere. Von Ellen White

Lesezeit: 6 Minuten

Konflikte kreativ bewältigen

Gott hat nie vorgesehen, dass Menschen mit besonderen Fähigkeiten, großer Intelligenz oder starkem Charakter dauerhaft von anderen abhängig sein sollen – wie Efeu, der sich an einer Eiche emporrankt. Vielmehr dienen die Schwierigkeiten, Rückschläge, Enttäuschungen und Herausforderungen, denen seine Diener begegnen, einem höheren Ziel: der Entwicklung eines gefestigten Charakters.

Wer seine geistigen Fähigkeiten einsetzt und Hindernisse eigenständig bewältigt, entdeckt oft, dass gerade diese Herausforderungen zum Segen werden. Sie fördern geistige Reife, stärken den Glauben und bereiten auf Aufgaben vor, die größere Verantwortung und Entschlossenheit erfordern. In solchen Erfahrungen lernen Menschen, Gottes Führung und Hilfe ganz persönlich kennen. Dieses Erleben schenkt ihnen Vertrauen und innere Stärke.

Wenn später neue Schwierigkeiten auftreten und große Entscheidungen anstehen, lernen sie, sorgfältig nachzudenken, die Notwendigkeit des Gebets zu erkennen und mit Weisheit zu handeln. Gerade Konflikte und Krisen werden dann zu Gelegenheiten, Gott neu zu vertrauen. Auf diese Weise entsteht jene Standfestigkeit, die einen Menschen auch unter Druck trägt und ihn befähigt, treu und entschlossen seinen Weg zu gehen.

Ständig besteht das Bedürfnis, bei der Problemlösung neue Mittel und Wege zu beschreiten. Fähigkeiten kommen zum Einsatz, die brach liegen würden, wenn nicht diese dringenden Nöte im Werk Gottes bestünden. Auf diese Weise gewinnt man vielseitige Erfahrungen.

Einspurige Menschen oder solche mit unausgereiften Ideen sind für Gott keine Hilfe. Menschen mit Einfluss und Überzeugungskraft, die Gott zu seiner Ehre in seinem Werk gebrauchen kann, sind solche, die Widerstände aushalten können, die schon oft vor Rätseln standen und deren Pläne nicht selten durchkreuzt wurden …

Eigenverantwortlich und individuell handeln

Sei vorsichtig, dass du dich in deinem Urteil nicht durch die Meinungen anderer beeinflussen lässt. Du hast zwar Fehler gemacht, darfst diese Fehler aber in Siege verwandeln, indem du sie in Zukunft vermeidest. Doch wenn du dir von anderen vorschreiben lässt, was du tun sollst, wirst du nie die Erfahrung sammeln, die für jede wichtige Position nötig ist …

Dasselbe gilt für alle, die verschiedenste Vertrauenspositionen in den Büros von Battle Creek innehaben. Man sollte ihnen nicht bei jedem Problem helfen, gut zureden und sie verwöhnen, denn dadurch erwerben sie nicht die Kompetenz, die sie für wichtige Positionen brauchen. Der Mensch wird durch Hindernisse stark, nicht durch Hilfestellungen.

Schwierigkeiten, Konflikte, Ablehnung machen aus Menschen moralische Helden. Zu viel Bequemlichkeit und zu wenig Verantwortung produzieren Schwächlinge und Zwerge … Menschen, die in jeder Krise eigentlich so treu sein müssten wie die Nadel zum Pol, leisten zu wenig, weil sie versuchen, sich vor Tadel zu schützen. Sie gehen der Verantwortung aus dem Weg, weil sie Angst haben zu versagen.

Individuelle Selbstständigkeit und Stärke sind die heute geforderten Qualitäten. Der individuelle Charakter muss nicht aufgegeben, sondern angepasst, verfeinert und aufgewertet werden … Hindernisse und Schwierigkeiten begegnen uns auf Schritt und Tritt. Ihnen gilt es, mit Entschlossenheit zu begegnen, sonst besiegen sie uns …

Gründlich und schnell sein

Manchmal ist es sogar besser, eine falsche Entscheidung zu treffen, als ständig hin- und herzuschwanken und zu zögern … Mir wurde gezeigt, dass die außergewöhnlichsten Siege und die schrecklichsten Niederlagen oft in Minutenschnelle entschieden werden. Gott erwartet von uns schnelles Handeln … Schnelles Handeln im entscheidenden Moment entwaffnet oft den Feind. Er ist enttäuscht und wird bezwungen, weil er damit gerechnet hat, dass er Zeit zum Planen und zur Ausführung seiner listigen Pläne haben würde … Die Fähigkeit, Geschäfte rasch und dennoch gründlich zu erledigen, ist eine großartige Errungenschaft … Zuerst sollte man tun, was getan werden muss und was für den Fortschritt des Werkes wesentlich ist, erst danach kommen die weniger wichtigen Dinge an die Reihe …

Prioritäten setzen

Irdische und persönliche Interessen sollten immer an zweiter Stelle stehen. Nie sollte die Sache Gottes wegen unserer irdischen Freunde und liebsten Verwandten auch nur in einem einzigen Punkt leiden müssen … Gottes Sache erfordert Opfer. Das Opfer der Gefühle ist das schmerzlichste, das von uns erwartet wird … Gott erwartet selbstlosen und bereitwilligen Dienst. Wir können ihn durchaus erfüllen, ohne die Pflichten, die wir gegenüber unserer Familie haben, zu vernachlässigen …

An einem ausgewogenen Charakter arbeiten

Der Glaube, den wir bezeugen, wird von unseren natürlichen Veranlagungen und Temperamenten geprägt. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass wir unsere schwachen Charaktereigenschaften stärken, indem wir sie zum Einsatz bringen, und die starken, unvorteilhaften Eigenschaften schwächen, indem wir in die entgegengesetzte Richtung wirken und die entgegengesetzten Eigenschaften stärken …

Mein Selbstbild korrigieren

Bei der Arbeit für Gott kommen wir in die unterschiedlichsten Situationen. Sie verlangen Selbstbeherrschung von uns, befähigen uns aber auch dazu, uns den Umständen und den Besonderheiten der Situation anzupassen. Dann können wir unerschrocken handeln.

Unterschätzen wir nicht unsere Fähigkeit, unsere Rolle in den verschiedenen Aufgaben des praktischen Lebens zu spielen! Wo wir uns unserer Mängel bewusst sind, sollten wir uns sofort daran machen, diese Fehler zu beheben. Verlassen wir uns nicht darauf, dass andere das für uns tun. Schon gar nicht sollten wir gleichgültig weitermachen, als wäre es selbstverständlich, dass unsere Persönlichkeitsstruktur für immer gleich bleiben müsse.

Bemühen wir uns ernsthaft um Heilung dieser Fehler, damit wir in Jesus Christus vollkommen werden und uns nichts fehlt! Wenn wir uns zu wichtig nehmen, werden wir unsere Arbeit einflussreicher einschätzen, als sie es in Wirklichkeit ist und wir werden in einem Maße auf unserer Unabhängigkeit pochen, dass es schon an Arroganz grenzt.

Wenn wir jedoch ins andere Extrem verfallen und uns zu geringschätzen, werden wir uns minderwertig fühlen. Das kann unseren Einfluss, den wir zum Guten haben könnten, enorm beeinträchtigen.

Wir wollen daher beide Extreme vermeiden und uns nicht von Gefühlen beherrschen lassen. Umstände brauchen uns nicht aus der Bahn zu werfen. Wir können ein realistisches Selbstbild erlangen, das uns vor beiden Extremen bewahrt.

Wir können Selbstachtung haben ohne arrogantes Selbstvertrauen, können aber auch auf die unterste Stufe hinabsteigen und uns unterordnen, ohne dabei unsere Selbstachtung oder unsere Selbstständigkeit zu verlieren. Auf diese Weise kann unser Leben einen großen Einfluss auf Menschen aus den oberen und unteren Gesellschaftsschichten haben.

Aus: Ellen White, Testimonies for the Church, Band 3, Mountain View, CA: Pacific Press Publishing Association (1875), Seiten 492-506

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