Respekt vor Andersdenkenden: Was wir von vielen Katholiken lernen können

Respekt vor Andersdenkenden: Was wir von vielen Katholiken lernen können
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Ein Aufruf zu geistlicher Demut. Von Ellen White

Beim Betreten von Neuland richten wir am besten keine unnötige Mauern zwischen uns und anderen Glaubensgemeinschaften auf, vor allem den Katholiken gegenüber. Sie könnten sonst denken, wir seien ihre erklärten Feinde. Warum sollten wir Vorurteile aufkommen lassen oder über sie herfallen? So viele Katholiken leben weitaus besser nach ihrer Erkenntnis als viele von denen, die auf der Seite der gegenwärtigen Wahrheit stehen. Gott wird sie genauso testen und sich bewähren lassen wie uns. Je nach Prüfung sind sie dann Gott in derselben Weise wie wir verantwortlich. Gott hat mir gezeigt, dass eine große Anzahl von Katholiken gerettet wird. Leider ist bisher nur wenig für sie getan worden, außer sie im schlechtesten Licht erscheinen zu lassen. – Sermons and Talks 2, 40 [1887]

Wenn es jemals Menschen brauchte, die in Demut vor Gott lebten, dann seine Gemeinde, seine Auserwählten in dieser Generation. Doch unsere Begriffsstutzigkeit ist wirklich zu beklagen. Wir schätzen unsere Chancen nicht! Worauf könnten wir stolz sein? Mit unserer Härte und unseren unchristlichen Ausfällen betrüben wir den Herrn Jesus Christus. Wenn wir doch nur ganz wie er würden!

Zwar sind wir aufgefordert: »Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!« (Jesaja 58,1) Diese Botschaft muss raus! Dennoch mit aller Vorsicht, dass wir nicht Menschen gegenüber ausfällig werden, sie bedrängen und verurteilen, weil sie unsere Erkenntnis nicht haben. Es ist nicht unser Auftrag, mit vollem Einsatz gegen die Katholiken zu kämpfen. Unter ihnen sind viele äußerst gewissenhafte Christen, die alles Licht ausleben, das ihnen scheint. Gott wird sich auf jeden Fall für sie einsetzen.

Wir haben große Vorrechte und Chancen. Nutzen wir aber unsere körperlichen, mentalen und moralischen Fähigkeiten? Oder gehen wir lieber unserem eigenen Vergnügen nach, statt unsere Verantwortung zu tragen? Dann laufen wir viel eher Gefahr, von Gott verurteilt zu werden, als Menschen, die sich in Lehrpunkten irren, aber mit ihrem Leben andern so zum Segen werden wollen, so wie es ihrer Erkenntnis entspricht.

Kritisiert und verurteilt andere nicht! Als freie moralische Wesen unter Gottes Herrschaft werden wir nicht nach der Erkenntnis beurteilt, die wir tatsächlich gerade besitzen. Es kommt vielmehr auf die Erkenntnis an, die wir hätten haben können und sollen, wenn wir im Glauben vorangegangen wären. Bei unseren Vorteilen hätten wir eine viel reichere christliche Erfahrung haben können. Wir dürfen unsere Fähigkeiten weiterentwickeln und sind dafür auch verantwortlich. Sie sind ein heiliges Vermächtnis. Nutzen wir sie jedoch nicht richtig und lassen unser Gottvertrauen verkümmern oder stagnieren in unserem Glauben und im Ausleben seines Wortes, haften wir ebenfalls dafür. Wenn wir uns von selbstsüchtigen Überlegungen, falschen Argumenten und von Ausreden in einen verkehrten Gemütszustand bringen lassen, erkennen wir Gottes Wege und Willen nicht mehr. Dann laden wir viel mehr Schuld auf uns als der öffentliche Sünder. Sind wir also lieber sehr vorsichtig mit dem Verurteilen anderer, die in Gottes Augen weniger Schuld tragen als wir selbst. – Review and Herald, 16 März 1911


 

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