Güte für Undankbare und Böse: Gastfreundschaft mit Folgen

Güte für Undankbare und Böse: Gastfreundschaft mit Folgen
Adobe Stock - Jenny Sturm

Wenn Christsein unangenehm wird. Von Vanessa Perez

»Sie tut ihre Hand dem Unglücklichen auf und reicht ihre Hände dem Armen.« (Sprüche 31,20)

Von frühester Kindheit an kann ich mich daran erinnern, dass meine Eltern für andere kochten: für frischgebackene Eltern, für Leidtragende oder einfach nur für jemand, dem sie eine Freude machen wollten. Ich erinnere mich an eine Situation, wo meine Eltern für meine Freunde, die erst um 1:00 Uhr nachts eintrafen, noch ein leckeres Essen machten. Bei einer anderen Gelegenheit brachten wir unser traditionelles Weihnachtsessen lieben Freunden, die nur wenige Tage zuvor ihren Sohn verloren hatten. Ich habe die Großzügigkeit und Gastfreundschaft meiner Eltern immer bewundert. Als wir älter wurden, beteiligten meine Eltern meine Geschwister und mich regelmäßig an solchen Aktionen. Ich fand es großartig, stundenlang in der Küche zu stehen und für Nachbarn und Freunde zu kochen oder zu backen.

Loslassen können

Gastfreundlich zu sein ist alles andere als einfach. Aber ein Christ dreht sich weder um sich selbst, noch um seine Wünsche und vor allem nicht um seine Pläne. Das Ziel eines gläubigen Menschen sollte darin bestehen, anderen zum Segen zu werden, indem er gibt, teilt und lehrt. Ein weises Sprichwort sagt: »Wer gastfreundlich ist, bewirtet Gott selbst.« Wenn wir geben, gibt uns Gott immer etwas Besseres und Ergiebigeres zurück. Es ist ein unschätzbarer Segen, wenn wir in der Lage sind, all unseren Besitz loszulassen und einzugestehen, dass uns nichts gehört.

Vielleicht sind wir versucht, an irdischen Dingen festzuhalten. Ich muss zugeben, dass ich viel zu häufig an solchen Dingen gehangen habe. Ich wollte mein Hab und Gut nicht aufgeben, so dachte ich. Gott bittet uns jedoch darum. Er möchte, dass wir alles weggeben, unser Leben hinter uns lassen, das Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen. Wir wurden geschaffen, um ihn zu lieben. Wie können wir das jedoch tun, wenn wir noch an so viel Sinnlosem festhalten?

Ein undankbarer Gast

Der HERR erteilte mir vergangenen Herbst eine große Lehre. Er öffnete mir wirklich die Augen und machte mir bewusst, dass mir nichts gehört. Meine Familie und ich halfen einem Freund in einer unsicheren und instabilen Lebenssituation. Meine schenkenden und teilenden Eltern gewährten ihm sechs Wochen lang Unterkunft. Es war recht interessant. Wir gaben dem Mann gratis Verpflegung und Obdach, erhielten aber kein einziges Wort des Danks. Das machte es manchmal schwerer, weil wir uns nach dem menschlichen positiven Gefühl der Liebe und des Danks sehnten. Wir dachten kaum daran, dass wir besser keinerlei Erwartungen hegen.

Während dieser sechs Wochen wurde unser Freund in gewisser Weise zu einem Familienmitglied. Unser Haus war sein Haus und wir vertrauten ihm. Eines Morgens, genauer gesagt, am letzten Morgen, wachte ich auf und entdeckte, dass die 2000 US-Dollar, die ich zum Schulabschluss bekommen hatte, verschwunden waren. Zu meinem Entsetzen hatte unser Freund das Geld mitgehen lassen.

Verletzt und doch gesegnet

Warum?, fragte ich mich. In der ersten Woche war ich wütend, verletzt und ganz durcheinander. Hatten wir nicht einem Freund geholfen, ihm Unterkunft gewährt und er hatte uns förmlich ausgesaugt? Es war niederschmetternd. Ich konnte darin Gottes Plan nicht erkennen. Ich hatte immer gedacht, dass man etwas zurückbekommt, wenn man jemandem hilft. Wenn nicht Geld, dann vielleicht Wohlstand oder irgendeinen anderen Segen. Doch was sagt die Bibel darüber?

»Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.« (Lukas 6,35) Während dieser Zeit sah ich die Situation nicht aus Gottes Blickwinkel. Trotzdem spürte ich schon nach einer Woche den Segen. Mein Chef hörte von meinem Dilemma und bestand darauf, 50 Prozent meines Laptops zu bezahlen, den ich dringend benötigte. Danach fand ich einen Scheck im Briefkasten von einer lieben Freundin, die nicht einmal von meiner bemitleidenswerten Lage gehört hatte. Mir kamen fast die Tränen ob solcher Fülle an Geschenken! Ich war überwältigt und überglücklich zugleich. Ich konnte es gar nicht begreifen und ehrlich gesagt, dauerte es eine ganze Woche, bis ich verstand, dass Gott sich um mich kümmert, komme, was da wolle. Er nahm mir meinen Besitz, an den ich mich geklammert hatte, und schenkte mir eine herrliche Erfahrung. Er ließ mich daraus etwas fürs Leben lernen. Was ich brauchte, gab er mir, obwohl ich kein Geld mehr hatte. Nie zuvor hatte ich gesehen, was für Wunder Gott tun kann, wenn wir loslassen und anderen helfen.

Der geistliche Blick

Ich habe diese Geschichte danach nur wenigen erzählt, darunter einem einzigen, der nicht an Gott glaubt. Als er die Geschichte hörte, wurde er extrem wütend auf den Mann, der mein Geld gestohlen hatte. Ein Ungläubiger kann hier des HERRN Plan nicht erkennen. Nicht einmal ich hatte Gottes Absicht zu Anfang erkannt. Im Gegenteil, ich war erschüttert und durcheinander. Doch nach etwa zwei Wochen zeigte mir unser großer Erlöser seine vollkommene und unendliche Liebe. Er half mir, dem Täter zu vergeben. Ich wollte den Mann sogar wiedersehen. Viele Freunde rieten uns, ihn zu meiden und nie mehr ins Haus zu lassen. Doch ich konnte diesen Vorschlag nicht gutfinden. Vor wenigen Wochen habe ich ihn zum ersten Mal wieder gesehen. Gott schenkte mir so ein freundliches und ruhiges Herz. Ich hatte fast den Eindruck, als wäre ich nicht ich selbst.

Ich kann gar nicht dankbar genug sein für alles, was der HERR mir zeigte. Er zeigte mir, dass ich alles loslassen und ihm vertrauen kann. Er zeigte mir, was es wirklich bedeutet, ein fröhliches und gebefreudiges Herz zu haben. Seit dieser Erfahrung bin ich noch viel eher dazu bereit, meinen Besitz zu verschenken. Denn er gehört nicht mir. Halleluja, denn der Herrgott kann auch ein hartes und widerwilliges Herz erreichen.

Schenken, schenken, schenken

Gott möchte uns segnen, wenn wir geben. Unser Geschenk kann etwas im Herzen des anderen verändern; es kann ein Same sein, der schließlich einen Ungläubigen zu Jesus führt. Wenn wir schenken, dann schenken wir. Was aus unserem Geschenk wird, spielt danach keine Rolle mehr. Gott kümmert sich um den Rest.

Geben können wir auf vielfältige Weise. Es muss nicht unbedingt Geld sein. Wir können Kleider, Essen, Obdach, Freundlichkeit, Liebe schenken oder einfach nur dem anderen mit einer Einstellung begegnen, die ihm zum Ausdruck bringt, dass wir uns ehrlich für seine Situation interessieren! Oft ist Zuhören und Liebhaben das größte Geschenk, das wir machen können.

»Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.« (Hebräer 13,16 Luther 84)

Aus: Versöhnungstag, September 2011

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