Modell City-Outpost: Rückzug aufs Land – um der Stadt besser zu dienen

Die Skyline von Johannesburg bei Sonnenuntergang – Ein Fluss fließt hindurch.
Adobe Stock – muchlysunahmad

Ist der Rückzug aufs Land egoistisch? Das Modell City-Outpost versteht ihn nicht als Flucht vor den Mitmenschen, sondern als strategischen Rückzugs- und Stützpunkt: zur Erholung, zur Vorbereitung und um von dort aus wirksam in die Stadt hineinzuwirken. Von Kai Mester

Lesezeit: 4 Minuten

Was sind das eigentlich für egoistische Menschen, die sich da aufs Land zurückziehen, um es sich gut gehen zu lassen und sich aus dem Gefahrenbereich zu bringen? Sollte das Christentum nicht vielmehr eine Religion der Nächstenliebe sein, deren Angehörige sich um ihre Mitmenschen kümmern?

»Sucht das Wohlergehen der Stadt!«

Das Modell City-Outpost beantwortet diese Frage. Der Rückzug aufs Land soll ja dem Zweck dienen, selbst leistungsfähiger für den Dienst am Mitmenschen zu werden. Ein City-Outpost ist ein Außen- oder Vorposten, ein Stützpunkt, von dem aus man in die Stadt hineinwirken kann. Dieser Stützpunkt bietet alle Vorteile des Landlebens, ist aber gleichzeitig nahe genug an der Stadt, um von dort aus die Stadt besuchen zu können, ohne in ihr übernachten zu müssen.

Räume in der Stadt können so gemietet werden, dass man dort zum Beispiel einen Imbiss oder eine Praxis führen, Vorträge, Seminare oder Gottesdienste halten oder andere wohltätige Aktionen in Angriff nehmen kann.

»Sucht das Wohlergehen der Stadt, in die ich euch weggeführt habe [hatte], und betet für sie zum HERRN.« (Jeremia 29,7)

Hilfe von außerhalb

Bei genauerem hinsehen ist auch der Bibel dieses Modell nicht fremd. Abraham lebte in den Bergen und kam Lot in Sodom zu Hilfe, als er von feindlichen Heeren verschleppt wurde. Hier lässt sich erkennen, dass man vom Land aus auch der Stadt zu Hilfe kommen kann (1. Mose 14,1-16).

Mose lernte in der Wüste Midians als Schafhirte, bevor er das Volk Israel aus Ägypten in genau diese Wüste hinausführte. Die Distanz zwischen Midian und Ägypten überstieg zwar bei weitem eine Tagesreise, dennoch diente Midian als Vorposten für diesen ungeheuren Auftrag, ein Millionenvolk aus Ägypten herauszuholen (2. Mose 2,15; 4,20).

Auch Propheten wie Elia, Jona, Amos und andere besuchten die Städte vom Land aus, auf das sie sich nach erfülltem Auftrag immer wieder zurückzogen. #

Jesus und die Stadt

Doch am deutlichsten hat uns der Messias vorgelebt, wie man vom Land aus die Stadt erreichen kann. In den ersten zwei Jahren seines Wirkens suchte er die Stadt Jerusalem zum Passahfest im Frühling auf (Johannes 2–3; 5). Im dritten Jahr seines Wirkens besuchte er die Stadt zweimal, einmal zum Laubhüttenfest im Herbst (Johannes 7,1–10,21) und einmal zum Fest der Tempelweihe im Winter (Johannes 10,22-42). Schon bei diesem letzten Besuch scheint er das Haus von Martha, Maria und Lazarus in Bethanien als Außenposten für sein Wirken in der Stadt benutzt zu haben (Lukas 10,38-42). Das Dorf lag drei Kilometer außerhalb von Jerusalem.

In der Woche vor seiner Kreuzigung stattete Jesus der Stadt mindestens vier Besuche ab (Matthäus 21 – 26), erst in der letzten Nacht übernachtete er im Garten Gethsemane auf dem Ölberg.

Eine Arche als Zuflucht

Als Noah die Arche baute, geschah dies abseits der Städte. Denn dieses Bauvorhaben erforderte viel Holz. Es wäre zu kostspielig und unvernünftig gewesen, dies nicht in unmittelbarer Nähe eines Waldes in Angriff zu nehmen. Der langjährige Bau war an sich schon ein Schutz vor der moralischen Korruption der Städte, die Arche selbst dann eine Zuflucht für Mensch und Tier vor der Flut.

Später gab es in Israel sechs »Zufluchtsstädte«, in die sich Totschläger vor ihren Bluträchern retten konnten. Drei Bergdörfer östlich des Jordan (Bezer, Ramot, Golan) und drei westlich (Hebron, Sichem, Kedesch). In diesen Orten wohnten sonst nur Tempeldiener. Sie lagen so im Land verteilt, dass man von überall im Land nicht mehr als fünfzig Kilometer bis in die nächste Zufluchtsstadt hatte. In gewisser Hinsicht zeigen auch diese Orte die Aufgabe der Außenposten.

Die Offenbarung warnt vor einer Zeit, in der Menschen, die Jesus in allem nachfolgen, auch in der Sabbatheiligung, nicht mehr kaufen und verkaufen können, ja getötet werden sollen (Offenbarung 13,15-17; 14,1-5). Da können solche landwirtschaftlichen Stützpunkte wichtige Zufluchtsorte werden.

Schon heute können wir den gestressten und geplagten Menschen offene Türen bieten, wo sie auftanken und entspannen können, ganz privat oder auch in kleinen Gesundheits- und Seminarzentren in der Natur. Die Räume und Aktionen in der Stadt können dazu als Anlaufstelle dienen.

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